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88 Mio. in 7 minuten

Nach Millionen-Coup im Louvre: Jetzt reden erstmals die Täter

Im Oktober 2025 stahlen zwei Männer in nur sieben Minuten Kronjuwelen im Millionenwert aus dem Louvre. Eine unbezahlbare Krone verloren sie dabei auf der Flucht. Jetzt reden die Täter erstmals über den Coup. Und zeichnen das Bild eines dilettantischen Verbrechens.

Seit dem spektakulären Raum im Oktober 2025 gelten für den Louvre erhöhte Sicherheitsstandards
Seit dem spektakulären Raum im Oktober 2025 gelten für den Louvre erhöhte SicherheitsstandardsREUTERS/Abdul Saboor
NewsFlix Redaktion
Akt. 13.07.2026 17:41 Uhr

Sonntagmorgen, halb zehn in Paris. Das meistbesuchte Museum der Welt hat gerade seine Pforten geöffnet. Während die ersten Besucher durch die berühmte Glaspyramide im Innenhof des Louvre strömen, nähern sich zwei Männer auf Motorrollern dem Museum.

Mit einem Trennschleifer verschaffen sie sich Zugang zur goldenen Apollon-Galerie, in der die französischen Kronjuwelen ausgestellt sind. Sieben Minuten später sind sie wieder verschwunden – mit Schmuck im Wert von 88 Millionen Euro.

Was im Oktober 2025 die Kunstwelt erschütterte, erhält nun eine neue Dimension: Denn die mutmaßlichen Täter haben mittlerweile vor den französischen Untersuchungsrichtern ausgepackt, berichtet der Guardian. Ihre Aussagen zeichnen das Bild eines Auftragsdiebstahls mit einem – angeblich – unbekannten Hintermann, der noch mehr wollte, als er ohnehin bekommen hat.

Was an jenem Sonntagmorgen im letzten Oktober genau passiert ist, wer dahintersteckt und was die Aussagen der mutmaßlichen Täter für die Museumssicherheit in der ganzen Welt bedeuten – das sind die aktuellsten Erkenntnisse über den Millionen-Coup im Louvre:

Mit diesem Lastenlift gelangten die Täter in den ersten Stock des ehemaligen Königsschlosses
Mit diesem Lastenlift gelangten die Täter in den ersten Stock des ehemaligen Königsschlosses
REUTERS/Gonzalo Fuentes

Was wurde aus dem Louvre gestohlen?
Die Täter entwendeten acht historische Schmuckstücke aus zwei Vitrinen: darunter Diademe, Broschen, Halsketten und Ohrringe. Die Juwelen stammen aus den Sammlungen von Kaiserin Marie-Louise, der zweiten Frau Napoleons, sowie von Kaiserin Eugenie, der Gattin Napoleons III. Die Krone der Kaiserin Eugenie, besetzt mit 1.354 Diamanten und 56 Smaragden, verloren die Täter dabei auf der Flucht.

Wer sind die mutmaßlichen Täter?
Vor den Ermittlern wurden sie als Abdoulaye N. und Ghelamallah A. identifiziert. Abdoulaye N. war früher ein kleiner Social-Media-Star mit einer Leidenschaft für Motorräder. Er gab an, in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt zu haben. Beide Männer behaupten, sie seien nur Ausführende gewesen – angeheuert von einem ihnen angeblich unbekannten Auftraggeber.

Wie viel sollten die Täter für den Raub bekommen?
Abdoulaye N. wurde ein Honorar von 15.000 bis 20.000 Euro versprochen, Ghelamallah A. sollte zwischen 20.000 und 25.000 Euro erhalten. Im Vergleich zum Wert der Beute von 88 Millionen Euro erscheinen diese Summen verschwindend gering.

Wussten beide Täter, was sie tun?
Nein, offenbar nicht. Während Abdoulaye N. zugab, gewusst zu haben, dass er den Louvre ausrauben würde, behauptet Ghelamallah A., er sei getäuscht worden. Man habe ihm von einem Juweliergeschäft in Paris erzählt – nicht vom meistbesuchten Museum der Welt. Er sagte den Ermittlern: "Hätte er das Ziel vorher gekannt, hätte er niemals mitgemacht."

Wie lief der Einbruch ab?
Die Täter kamen gegen 9.30 Uhr auf hochmotorisierten Motorrollern. Sie nutzten einen Lastenlift und einen Trennschleifer, um in die Apollon-Galerie zu gelangen. Drinnen war es dunkel, nur die Vitrinen waren beleuchtet. In der Ferne sahen sie Sicherheitspersonal. Ihr Zeitlimit sei drei Minuten gewesen – wer länger braucht, riskiere einen Alarm.

Warum wurde die Krone beschädigt?
Auf der Flucht fiel die mit Edelsteinen besetzte Krone der Kaiserin Eugenie aus der Tasche von Abdoulaye N. Er gab das gegenüber den Ermittlern zu. Die Krone wurde beschädigt in der Nähe des Museums gefunden. Inzwischen steht fest: Sie kann restauriert werden.

Eine Brosche der Kaiserin Eugenie, die von den Tätern ebenfalls mitgenommen worden ist
Eine Brosche der Kaiserin Eugenie, die von den Tätern ebenfalls mitgenommen worden ist
Reuters

Wer ist der mysteriöse Hintermann?
Das bleibt bis jetzt unklar. Die Täter weigerten sich, den Namen ihres Auftraggebers zu nennen – offenbart aus Angst um ihre Familien. Sie wurden demnach erst zwei bis drei Tage vor dem Einbruch angeheuert und erhielten ein Video der Galerie zur Vorbereitung. Der Auftraggeber sei jedoch mit dem Erlös des Überfalls nicht zufrieden gewesen und habe gemeint, man hätte mehr mitnehmen können.

Aber wenn sie ein Video zur Vorbereitung bekommen haben, dann müssen sie ja gewusst haben, worum es geht?
Na ja, es ist fraglich, ob die beiden den Louvre wirklich erkannt haben. Andererseits: Auch was den Hintermann betrifft, besteht durchaus die Möglichkeit, dass es sich um eine Schutzbehauptung handelt. Warum also nicht auch, was das Video betrifft.

Was ist mit der restlichen Beute geschehen?
Die gestohlenen Juwelen wurden an den Hintermann übergeben – ihr weiterer Verbleib ist unbekannt. Ermittler befürchteten zunächst, der Schmuck könnte eingeschmolzen werden, um das Gold weiterzuverkaufen. Ob einzelne Diamanten bereits auf dem Schwarzmarkt gelandet sind, ist offen.

Warum schweigen die Täter über den Auftraggeber?
Beide Männer gaben an, bedroht worden zu sein. Abdoulaye N. berichtete, er habe während seiner Haft Anrufe erhalten, mit der Aufforderung, zu schweigen. Ghelamallah A. beschrieb die Hintermänner (in der Mehrzahl, sic!) mit den Worten: "Das sind keine Chorknaben." Die Ermittler konnten bisher allerdings nicht bestätigen, ob die Täter tatsächlich im Auftrag handelten.

Wie gut war der Louvre gesichert?
Der Einbruch wirft jedenfalls Fragen zur Museumssicherheit auf. Die Tat ereignete sich, als der Louvre bereits geöffnet war und Besucher im Haus waren. Mit beinahe neun Millionen Besuchern im Jahr 2024 war er das meistbesuchte Museum der Welt. Frankreichs Kulturministerin Rachida Dati sprach von einer neuen Bedrohungslage: Museen seien zu Zielen der organisierten Kriminalität geworden.

Der Balkon, über den der Einbruch stattfand, ist mittlerweile ein beliebtes Fotomotiv für Touristen
Der Balkon, über den der Einbruch stattfand, ist mittlerweile ein beliebtes Fotomotiv für Touristen
Reuters

War das ein Einzelfall?
Nein. Wenige Wochen vor dem Louvre-Raub wurden aus dem Pariser Naturkundemuseum Goldexponate im Wert von 600.000 Euro gestohlen. Im September 2025 hatten Einbrecher das Porzellanmuseum in Limoges heimgesucht und drei nationale Schätze im Wert von mehreren Millionen Euro erbeutet.

Was bedeuten die Aussagen für die Aufklärung des Falls?
Es bleibt kompliziert. Die ausführenden Täter sind identifiziert, doch der Kopf (oder die Köpfe) hinter dem Coup ist weiterhin unbekannt. Ob die restlichen Kronjuwelen je wieder auftauchen, ist fraglich. Für den Louvre und andere Museen weltweit dürfte der Raub jedenfalls Anlass sein, ihre Sicherheitskonzepte grundlegend zu überdenken. Und für Versicherungen vermutlich, ihre Prämien zu erhöhen.

NewsFlix Redaktion
Akt. 13.07.2026 17:41 Uhr