Nach einem tödlichen Unfall im vergangenen Juni verbietet die Stadt New York ab 2028 Kutschfahrten im Central Park. Das Verbot betrifft etwa 200 Fahrer und ihre Tiere. Die dürfen zwar nicht geschlachtet werden, aber wie sie erhalten werden sollen, ist unklar.

Das sanfte Klappern der Hufe auf dem Asphalt, der Geruch nach Pferd und frischem Heu, im Hintergrund die Skyline von Manhattan – seit über 160 Jahren gehören die Pferdekutschen zum Central Park wie die Wolkenkratzer zu New York. Touristen aus aller Welt zahlten zuletzt rund 70 Dollar für eine 20-minütige Fahrt durch die grüne Lunge der Millionenmetropole. Doch damit ist jetzt bald Schluss.
Am Donnerstag hat der New Yorker Stadtrat für ein Verbot der Pferdekutschen gestimmt, schreibt BBC. Ab Juni 2028 dürfen keine Gespanne mehr durch den Central Park rollen. Der linke Bürgermeister Zohran Mamdani unterstützt das Gesetz und kündigte einen Übergangsplan für die betroffenen Arbeiter an.
Die Entscheidung führte zu hitzigen Debatten. Einerseits was die Zukunft der Kutscher betrifft. Und andererseits, wie es nach dem Aus mit den Tieren weitergehen soll. Denn die kosten natürlich weiter Unterhalt, auch wenn sie als Kutschpferde kein Geld mehr verdienen.
Und nicht zuletzt wird das Verbot auch in anderen Städten die Diskussion darüber neu befeuern – nicht zuletzt in Wien, wo die Fiaker ebenfalls seit Jahren für hitzige Debatten sorgen. Warum New York den Kutschen nun den Stecker gezogen hat, was das Kutschen-Aus alles mit sich bringen wird und wie die Fiaker-Gegner in Wien argumentieren – darum geht's:

Was genau ist in New York passiert?
Der Stadtrat von New York City hat mit großer Mehrheit (40 zu 7 stimmen bei zwei Enthaltungen) ein Gesetz beschlossen, das künftig Pferdekutschen im Central Park verbietet. Das Verbot tritt am 1. Juni 2028 in Kraft. Es ist das Ende einer über 160 Jahre alten Tradition, die zu den bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt gehört.
Warum kommt das Verbot gerade jetzt?
Auslöser war ein tragischer Unfall im vergangenen Juni. Der 18-jährige Romanch Mahajan aus Indien besuchte mit seiner Familie New York, als das Kutschpferd durchging und der junge Tourist aus der Kutsche stürzte. Er starb an seinen Verletzungen. Das neue Gesetz trägt daher auch seinen Namen: Romanchs Law.
Gab es schon früher Versuche, die Kutschen zu verbieten?
Ja, seit Jahrzehnten kämpfen Tierschützer gegen die Einspänner. Bereits im Jahr 1866 gründete Henry Bergh die American Society for the Prevention of Cruelty to Animals (ASPCA), nachdem er die brutale Misshandlung eines Kutschpferdes in New York miterlebt hatte. Frühere Verbotsversuche scheiterten aber regelmäßig am Widerstand von Gemeinderäten und Gewerkschaften.
Wie gefährlich sind die Kutschen tatsächlich?
Laut dem Büro des Manhattan Borough President sind seit 1982 insgesamt 40 Arbeitspferde im Central Park gestorben – durch Überhitzung, Kollisionen oder andere Unfälle. Die Central Park Conservancy, die den Park verwaltet, berichtet von sieben Zwischenfällen allein in den vergangenen 13 Monaten. Auch ein Kutschpferd namens Deniz starb heuer, nachdem es eine giftige Pflanze gefressen hatte.
Was sagen die Kutscher zu den Vorwürfen?
Die Fahrer weisen Misshandlungsvorwürfe entschieden zurück. Alexus Lawson, seit sechs Jahren Kutscherin mit sechs eigenen Pferden, betont die enge Bindung zu ihren Tieren. Ihr Pferd Starlight genieße die Arbeit, sagt sie der BBC. Auch Medet Fidan, seit zwölf Jahren im Geschäft, nennt die Anschuldigungen einen Witz. Die Kutscher argumentieren, dass New Yorks Pferdekutschen ohnedies zu den am stärksten regulierten des Landes gehören.
Wie viele Menschen sind von dem Verbot betroffen?
Rund 200 Kutscher arbeiten derzeit im Central Park. Sie verdienen zwischen 60.000 und 70.000 Dollar pro Jahr. Viele von ihnen haben ihr Leben diesem Beruf gewidmet und sehen keine Alternative. Die Transport Workers Union vertritt ihre Interessen und kritisiert das Gesetz dementsprechend scharf.

Was kritisiert die Gewerkschaft?
Die Transport Workers Union beklagt, dass das Gesetz keine konkreten Garantien für die Arbeiter enthält – weder Entschädigungen noch verbindliche Job-Angebote. Die Fahrer würden im Stich gelassen, so der Vorwurf. Auch die Finanzierung für Organisationen, die die Pferde nach dem Verbot aufnehmen sollen, sei nicht gesichert.
Was passiert mit den Pferden nach dem Verbot?
Das Gesetz verbietet ausdrücklich, die Pferde zum Schlachten zu verkaufen oder künftig für ähnliche Arbeit einzusetzen. Kutschenbesitzer dürfen ihre Tiere weiter behalten, wenn sie wollen, müssen aber natürlich dann für ihren Unterhalt aufkommen, zu dem die Tiere nichts mehr beitragen dürfen. Stadtratsprecherin Julie Menin betonte, dass dies eine wichtige Schutzbestimmung sei. Die Gewerkschaft warnt allerdings, dass jedes Jahr tausende Pferde auf Schlachtauktionen landen. Ob Verbote allein genügen werden, für viele der Tiere den Weg in den Schlachthof abzuwenden, bleibt abzuwarten.
Wie lange dürfen die Pferde arbeiten?
Derzeit dürfen Kutschpferde in New York bis zu neun Stunden am Tag arbeiten. Sie stehen mit ihren Kutschern an bestimmten Parkeingängen und warten auf Kundschaft.
Was kostet der Spaß?
Es werden verschiedenen Fahrtlängen angeboten und die Preise variieren je nach Anbieter etwas. Im Schnitt dauert die kürzeste Fahrt 20 Minuten und kostet ab ca. 70 Dollar (etwa 60 Euro), die längste Fahrt geht eine gute Stunde und kostet bis zu 225 Dollar (195 Euro).

Was bedeutet die Entscheidung für Wien?
Auch in Wien sorgen die Fiaker seit Jahren für ähnliche Debatten. Für die einen gehören die Pferdekutschen zur Stadt wie die Sachertorte, die Burenwurst und die Sängerknaben, für andere ist es nur Tierquälerei. Die Politik hat sich bisher zu keinem Verbot durchgerungen. Mit dem New Yorker Entscheid wird die Diskussion aber mit Sicherheit neu befeuert – Tierschützer sehen sich bestätigt, Fiaker-Betreiber fürchten einen Präzedenzfall.
Welche anderen Städte haben Pferdekutschen verboten?
In den USA haben Chicago, Salt Lake City und Key West die traditionellen Kutschfahrten bereits untersagt. Europäische Großstädte wie Berlin oder eben Wien haben sich bisher gegen ein Verbot entschieden. Auch kleinere Städte wie Brügge oder Sevilla, die ebenfalls touristische Kutschfahrten anbieten, könnten jetzt unter Druck geraten. New York ist die bislang prominenteste Metropole, die diesen Schritt geht und das gesamte Angebot verbietet.