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SteuerN rauf

Wie News Yorks "Silberlöffel-Sozialist" auf Reichenjagd geht

Zohran Mamdani, 34, ist der Hoffnungsträger der US-Demokraten. Der jüngste New Yorker Bürgermeister seit mehr als 100 Jahren möchte "seine Stadt" mit einem linken Programm erneuern. Das nötige Geld will er sich bei den 400.000 Millionären New Yorks holen.

Sucht bei New Yorks 400.000 Millionären nach Geldquellen: Zohran Mamdani, seit 2025 Bürgermeister des Big Apple
Sucht bei New Yorks 400.000 Millionären nach Geldquellen: Zohran Mamdani, seit 2025 Bürgermeister des Big AppleREUTERS
Martin Kubesch
Akt. 04.05.2026 23:38 Uhr

Symbole sind Zohran Mamdani ungemein wichtig. Und so kündigte der neue Bürgermeister von New York City bereits vor Wochen publikumswirksam an, die diesjährige Met-Gala im Metropolitan Museum of Art – einen der exklusivsten Events der Welt mit Eintrittspreisen von 75.000 Dollar (ca. 64.000 Euro) – in der Nacht auf Dienstag, den 5. Mai, nicht besuchen zu wollen.

Mamdani, Demokrat, Sozialdemokrat, Muslim und Millionärs-Schreck, wolle sich, statt Party zu machen, lieber "auf das Thema Lebenshaltungskosten konzentrieren und darauf, dass die teuerste Stadt der USA bezahlbar wird", sagte er der Onlinezeitung Hell Gate.

Dass die paar Stunden auf der traditionellen Benefizgala für die Kostümsammlung des Museums dabei einen Unterschied gemacht hätten, glaubt Mamdani wahrscheinlich nicht einmal selbst. Aber das ist auch gar nicht der Punkt. Ihm geht es vielmehr darum, ein Zeichen zu setzen. Und der besseren bis besten Gesellschaft der Metropole zu zeigen, dass mit ihm nun andere Zeiten angebrochen sind.

In einem Video auf Social-Media gab Mamdani einen ersten Vorgeschmack darauf, wie er sich die Zukunft der 8,5-Millionen-Einwohner-Stadt vorstellt: Mit zahlreichen neuen Steuern und Abgaben für die mehr als 400.000 Millionäre, die in NYC ansässig sind.

Den Beginn könnte eine Steuer für millionenschwere Zweitwohnsitzer in der Metropole machen. Sie soll alleine 500 zusätzliche Millionen pro Jahr in die Stadtkasse spülen. Weitere Maßnahmen gegen Vermögende werden derzeit öffentlich diskutiert.

Amtsvorgänger Eric Adams, auf der Met Gala 2026: Zohran Mamdani bleibt als erster Bürgermeister seit Jahrzehnten dem Society-Event fern – ein Statement
Amtsvorgänger Eric Adams, auf der Met Gala 2026: Zohran Mamdani bleibt als erster Bürgermeister seit Jahrzehnten dem Society-Event fern – ein Statement
REUTERS

Bei New Yorks Geld-Elite stoßen diese Pläne naturgemäß auf wenig Gegenliebe. Viele der von Mamdani ins Visier genommenen Bestverdiener reagieren unverhohlen mit Abwanderungs-Drohungen. Die New York Post hat für die Kritiker einen Spitznamen für den jungen Bürgermeister – Mamdani ist 34 Jahre alt – erfunden. Sie nennt ihn "Silberlöffel-Sozialist", da er aus einem vermögenden Intellektuellen-Haushalt stammt.

Wie sich Zohran Mamdani die Vermögens-Umverteilung in der Praxis vorstellt, wie viel Geld er damit holen möchte und was man über den selbst ernannten Robin Hood wissen muss – das Wichtigste über die neuen Vermögenssteuern im Big Apple:

Worum geht es?
Um die Einlösung eines Wahlversprechens des neuen New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani. Der 34-Jährige war bei der Wahl im Herbst 2025 mit tendenziell "linken" Versprechen angetreten. So stellte er den New Yorkern Gratis-Öffibusse, eine umfassende Kinderbetreuung und ein Einfrieren der etwa 1 Million Wohnungsmieten im preisgebundenen Bereich in Aussicht. Er möchte auch städtische Lebensmittelgeschäfte in unterversorgten Gegenden etablieren.

Ja und?
Der Haken an der Sache: Mit dem Amt übernahm der Demokrat Mamdani auch einen gewaltigen Schuldenberg. Bei einem jährlichen Budget von etwa 120 Milliarden Dollar (ca. 103 Mrd. Euro, das österreichische Bundesbudget 2026 beträgt etwa 126 Mrd. Euro) existiert ein Defizit von etwa 5 Milliarden Dollar. Die versucht er nun aufzutreiben, um seine Wahlversprechen einzulösen.

Wie will er das schaffen?
Mit einer Idee, die seit Jahren weltweit linke Politiker umtreibt: der stärkeren Besteuerung von Reichen. Erst war es um das Vorhaben ruhig, aber Mitte April, gut 100 Tage nach seiner Amtseinführung, präsentierte Mamdani erstmals einen konkreten Plan seiner "Tax the Rich"-Agenda.

Wie sieht der aus?
In einem viel beachteten (und auch etwas Furcht einflößenden) Video auf den Sozialen Medien kündigte der Demokrat eine "Pied-à-terre-Steuer" für Zweitwohnsitze in New York an, deren Wert über 5 Millionen Dollar liegt.

Was ist mit "Pied-à-terre" gemeint?
Der französische Begriff bedeutet im eigentlichen Sinn "Fuß auf dem Boden" und bezeichnet in den USA meist kleine Apartments oder Häuser in Großstädten, die von Pendlern genutzt werden, wenn es abends einmal länger wird. Diese Zweitwohnsitze würden laut dem Bürgermeister zahlreiche finanzielle Vorteile für ihre Besitzer bringen, obwohl sie die meiste Zeit leer stehen würden. Ein "fundamental unfaires System", so Mamdani, das aber nun ein Ende haben werde.

Inwiefern?
Mamdani möchte Zweitwohnsitze in der Metropole, deren Wert über 5 Millionen Dollar liegt, eigens besteuern. Dadurch könnten bis zu 500 Millionen Dollar pro Jahr lukriert werden, so die Rechnung des Bürgermeisters. Das Geld soll in "Gratis-Kinderbetreuung, saubere Straßen und sichere Nachbarschaften" investiert werden.

Wie argumentiert Mamdani das?
O-Ton aus dem Video: "Jeder muss etwas zum Gedeihen unserer Stadt beitragen. Und manche ein bisschen mehr als andere."

Nennt er konkrete Namen, wer "ein bisschen mehr als andere" beitragen soll?
Ja, im Video steht der Bürgermeister vor einem Apartmentgebäude, in dem sich der in Miami ansässige Hedgefonds-Gründer Ken Griffin im Jahr 2019 für 238 Millionen Dollar ein Penthouse gekauft hat – angeblich das teuerste Apartment in den ganzen USA.

Wie reagierte der Besitzer?
Er war not amused. Griffin sprach von einem "persönlichen Angriff" und drohte mit der Absage eines sechs Milliarden Dollar schweren Immobilienprojektes in New York.

Wie sind die sonstigen Reaktionen auf die Idee?
Mamdanis Video wurde auf X mehr als 52 Millionen Mal (!) gesehen. Die Mehrzahl der Kommentare dazu ist verheerend. Dass er ein Kommunist sei, ist noch das Harmloseste, was Mamdani vorgeworfen wird. Und viele Betroffene liebäugeln angeblich mit einem Auszug aus dem Big Apple. Allerdings: Eine merkbare Abwanderung der Finanz-Elite sei bislang nicht zu bemerken, so der Spiegel.

"Ich würde ihn auffordern, den Koh-i-Noor-Diamanten zurückzugeben", so Mamdani vor seinem Treffen mit dem englischen König Charles in New York
"Ich würde ihn auffordern, den Koh-i-Noor-Diamanten zurückzugeben", so Mamdani vor seinem Treffen mit dem englischen König Charles in New York
REUTERS

Kommt die "Pied-à-terre"-Steuer trotzdem?
Das wird sich zeigen. Die Gouverneurin des Staates New York, die Demokratin Kathy Hochul, hat der Idee bereits ihren Sanctus gegeben. Allerdings ist noch unklar, wie Mamdani den Wert einer Immobilie berechnen lassen will, um seine neue Steuer einheben zu können.

Aber damit lukriert man keine 5 Milliarden, oder?
Nein, maximal 500 Millionen, sagt selbst Mamdani. Und auch diese Zahl wird allenthalben angezweifelt. Aber es soll noch mehr folgen.

Nämlich was?
Die "Tax the Rich"-Agenda sieht eine Erhöhung der Erbschaftsteuer und der Steuer auf Einkommen von mehr als einer Million US-Dollar jährlich von derzeit 3,88 Prozent auf 5,88 Prozent vor. Davon wären etwa 34.000 Personen betroffen. Sollte er das nicht durchbringen – Gouverneurin Kathy Hochul ist gegen die neuen Steuern –, droht der Bürgermeister mit einer Erhöhung der Grundsteuern und der Unternehmenssteuern.

Ist das eine gute Idee?
Es gibt berechtigte Zweifel. Denn mit beiden Ideen würde er unweigerlich auch ganz normale Durchschnittsmenschen hart treffen, nicht nur die finanzielle Elite der Stadt. Dazu kommt: Die 34.000 Einkommens-Millionäre leisten einen guten Teil des Steueraufkommens der Stadt. Sie machen zwar weniger als ein Prozent der Steuerzahler aus, liefern aber 37 Prozent der Einkommensteuern ab.

Wer ist Zohran Mamdani eigentlich?
Der 34-Jährige war bis vor etwa einem Jahr politisch noch weitgehend unbekannt. Er saß vier Jahre für die Demokraten im Parlament des Bundesstaates New York, wo er den Stadtteil Queens vertrat. 2024 gab er bekannt, für die Demokraten zur Bürgermeisterwahl antreten zu wollen.

Wie lief die Wahl?
Mamdani schnitzte ein prononciert linkes Programm und setzte sich zuerst bei den Demokraten gegen Partei-Urgestein Andrew Cuomo (68) durch. Bei der Bürgermeisterwahl schließlich gegen den eher belächelten Republikaner Curtis Sliwa und abermals gegen Cuomo, der nach seiner Niederlage im Vorwahlkampf als unabhängiger Kandidat antrat.

Wegen ihrer Haltung zu Israel in der Kritik: Rama Duwaji, syrischstämmige Künstlerin und Ehefrau von Zohran Mamdani
Wegen ihrer Haltung zu Israel in der Kritik: Rama Duwaji, syrischstämmige Künstlerin und Ehefrau von Zohran Mamdani
REUTERS

Woher kommt Zohran Mamdani?
Die Lebensgeschichte des New Yorker Bürgermeisters ist so bunt wie die Stadt, die er nun regiert. Mamdani wurde 1991 in der ugandischen Hauptstadt Kampala geboren. Sein Vater Mahmood Mamdani ist Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt auf postkolonialen Studien; seine Mutter ist die bekannte indische Filmregisseurin Mira Nair ("Monsoon Wedding", "Mississippi Masala"). Mamdani, 1991 geboren, ist ismailitischer Moslem und lebte mit seiner Familie zunächst in Südafrika, bevor sie 1999 nach New York zog.

Wofür steht Mamdani politisch?
Er betrachtet sich selbst als Sozialist, die meisten seiner wirtschaftspolitischen Ideen würden in Europa als sozialdemokratisch betrachtet werden. In den USA gilt er vielen allerdings als Marxist oder Kommunist.

Gibt es dafür noch weitere Belege außer seinen Steuerplänen?
Als der britische König Charles vergangene Woche in den USA weilte und New York besuchte, wurde Mamdani gefragt, was mit dem König besprechen würde, wenn es dazu käme. Seine ruppige Antwort: "Ich würde ihn vermutlich auffordern, den Koh-i-Noor-Diamanten zurückzugeben."

Was ist der Koh-i-Noor-Diamant?
Der 106 Karat schwere Edelstein kam 1849 in den Besitz der englischen Königin Victoria, nachdem ihn die Briten unter zweifelhaften Umständen in Indien beschlagnahmt hatten. Mamdani, Sohn eines Universitätsprofessors mit Schwerpunkt Kolonialverbrechen, konnte offenbar nicht anders, als auf dieses Unrecht medienwirksam hinzuweisen.

Was hält Präsident Trump von Mamdani?
Er betrachtete den Demokraten zunächst als Gottseibeiuns, zeigte sich aber nach einem ersten persönlichen Treffen im vergangenen November sehr angetan von dem 34-Jährigen. Er lobte Mamdani und sagte, dass sie "in viel mehr Punkten übereinstimmen, als ich gedacht hätte", nachdem sie sich zuvor monatelang gegenseitig kritisiert hatten.

US-Präsident Donald Trump war voll des Lobes über den "Kommunisten" Mamdani. Was auffällt: die Billig-Digitaluhr am Handgelenk des New Yorker Bürgermeisters
US-Präsident Donald Trump war voll des Lobes über den "Kommunisten" Mamdani. Was auffällt: die Billig-Digitaluhr am Handgelenk des New Yorker Bürgermeisters
REUTERS

Warum hat Mamdani ein Israel-Problem?
Mamdani ist ein dezidierter Kritiker der israelischen Politik und bezeichnete das Vorgehen Israels in Gaza als Genozid an der palästinensischen Bevölkerung.

Aber seine Ehefrau ...?
Rama Duwaji ist Künstlerin und wurde in Texas als Tochter syrischer Eltern geboren. Der "Washington Free Beacon" berichtete, sie habe 2015 dem Post "Tel Aviv sollte eigentlich gar nicht existieren" ein Like gegeben. Ihr Finger sitzt oft locker. Auch unter Postings, die das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 feierten, setzte sie ein Like und repostete sie. Noch im Februar 2024 teilte sie die Meinung, es handle sich um einen "Massenvergewaltigungs-Schwindel".

Wie steht Mamdani dazu?
Er sagte, es schmerze ihn, Antisemit genannt zu werden und er verurteilte den 7. Oktober 2023 als "entsetzliches Kriegsverbrechen". Antisemitismus habe keinen Platz in New York, er unterscheide zwischen der israelischen Regierung und den jüdischen Menschen und betonte, Antisemitismus wirksam bekämpfen zu wollen.

Und was sagt er über seine Frau?
Auf ihre Beiträge in sozialen Medien angesprochen, erklärte der Bürgermeister lapidar, sie sei "eine Privatperson".

Martin Kubesch
Akt. 04.05.2026 23:38 Uhr