Es geht immer noch ein Stück tiefer. Am Donnerstag saß Andrew Mountbatten-Windsor, Bruder des britischen Königs, plötzlich in Haft. Der Verdacht: Amtsmissbrauch und Geheimnisverrat im Fall um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Protokoll eines denkwürdigen Tages.

Ob Andrew, der degradierte Prinz, die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte schon ausgeblasen hatte, als die Polizei Donnerstagfrüh bei ihm klingelte, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass der Bruder von König Charles III. just am Morgen seines 66. Geburtstages von Beamten festgenommen wurde. "Verdacht auf Amtsmissbruch" lautet der Vorwurf der Ermittlungsbehörde.
Es ist der bisherige Tiefpunkt einer Entwicklung, die schon vor Jahrzehnten ihren Anfang genommen hat. Und deren Ende nicht abzusehen ist. Denn Andrews Abstieg gewinnt immer mehr an Rasanz. Nun droht ihm sogar lebenslange Haft.
Das erklärt vielleicht auch das Foto, das seit Donnerstagabend um die Welt geht. Es zeigt Andrew am Rücksitz eines Autos, im Strickpullover, Panik in den Augen. Er will sich vor den Fotografen wegducken. Nach 11 Stunden in Haft, kam er frei. Das Foto wird die königliche Familie noch lange verfolgen.
Verantwortlich für die jüngsten Ermittlungen gegen Andrew ist einmal mehr dessen Nähe zum Sexualstraftäter und Finanzmanager Jeffrey Epstein. Mit dem erst vor wenigen Wochen neu veröffentlichten Teil der Ermittlungsakten des FBI (die "Epstein-Files") scheint der 2019 in der Haft durch Suizid verstorbene Epstein noch aus dem Grab nach Andrew zu greifen.
Was an diesem Donnerstag, der die Monarchie erschütterte, passierte. Wie Andrew Mountbatten-Windsor vom Lieblingskind der Queen zum meistgehassten Royal der jüngeren britischen Geschichte wurde. Und warum der Gefallene bald die Wahl zwischen Pest und Cholera hat: In ein kleines Cottage ziehen, oder gleich in Haft gehen. Das weiß man derzeit über Andrews tiefen Fall:

Was ist geschehen?
Donnerstagmorgen, 8 Uhr früh britischer Zeit (9 Uhr in Österreich): Sechs zivile Einsatzfahrzeuge der Thames Valley Police fahren am königlichen Anwesen von Sandringham vor, die Londoner City liegt etwa zweieinhalb Autostunden entfernt. Ihr eigentliches Ziel: Marsh Farm, ein kleines Cottage auf dem knapp 300 Hektar großen Gelände.
Was ist Marsh Farm?
Seit wenigen Wochen der neue Wohnsitz von Andrew Mountbatten-Windsor, drittgeborenes (und liebstes) Kind von Queen Elizabeth II. (1926-2022) und in Ungnade gefallener Bruder von Charles III. Der König hatte Andrew Ende 2025 aus dessen palastähnlichem Anwesen, der Royal Lodge im Park von Windsor geworfen und in Sandringham einquartiert.
Was war der Anlass?
Es kamen immer neue Fakten über Andrews Rolle im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein ans Tageslicht. Derzeit wird Marsh Farm allerdings noch renoviert, weshalb Andrew vorläufig in einem Ersatzquartier untergebracht ist.
Wie sichtbar war der Absturz?
Das lässt sich am Wohnsitz zeigen. Die Royal Lodge (Andrews bisherige Bleibe) ist ein Palast mit 30 Zimmern und dutzenden Angestellten. Der damalige Prinz zog hier ein, nachdem seine Großmutter, Queen Mum im März 2002 im 102. Lebensjahr gestorben war. Sie hatte die Lodge zuvor bewohnt.
Und Marsh Farm?
Ist ein Cottage, ein umgebautes Bauernhaus, mit fünf Zimmern und einer kleinen Küche. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ König George V. seinen Sohn John hierherbringen, der an Epilepsie litt und früh starb. Und von 2017 bis zu seinem Tod 2021 war es das Zuhause von Andrews Vater, Prinz Philipp, der sich hierher zurückgezogen hatte.
Wie zufrieden war Andrew mit dem Umzug?
Er soll einen Tobsuchtsanfall bekommen haben, als er das erste Mal Marsh Farm besichtigte, heißt es. Er empfand den erzwungenen Ortswechsel als weitere Demütigung durch seinen Bruder, der ihm zuvor schon sämtliche Adelswürden entzogen hatte. Und er hat das ganz praktische Problem, dass sich sein Besitz nicht einmal ansatzweise in dem Cottage unterbringen lässt. Um Andrews Auszug aus Windsor zu organisieren, musste sogar ein Sattelschlepper anrücken.
Weshalb jetzt der Polizeibesuch? Und warum gleich so viele Beamte?
Die Beamten kamen, um Andrew festzunehmen, der Verdacht gegen ihn lautet Amtsmissbrauch. Und während der Bruder des Königs abermals übersiedeln musste – dieses Mal in eine Einzelzelle –, begannen die Beamten mit einer Hausdurchsuchung in Sandringham.

Nur dort?
Nein, auch an Andrews alter Adresse in Windsor fand zeitgleich eine Hausdurchsuchung statt. Beide Aktionen dauerten den gesamten Donnerstag über, wie die Polizei mitteilte.
Was hofft man zu finden?
Beweise für einen Amtsmissbrauch durch Andrew während seiner Zeit als Handelsbeauftragter für Großbritannien zwischen 2001 und 2011. Die bei den laufenden Ermittlungen federführende Thames Valley Police hatte zuvor mitgeteilt, dass sie Vorwürfe prüfe, wonach Andrew in dieser Position vertrauliche Berichte an Jeffrey Epstein weitergeleitet haben soll.
Was war Andrews Aufgabe als Handelsbeauftragter?
In dieser Funktion reiste er weltweit und genoss privilegierten Zugang zu hochrangigen Regierungs- und Wirtschaftskontakten auf der ganzen Welt. Ziel war es, für Großbritanniens Wirtschaft neue Handelsbeziehungen und Absatzmöglichkeiten zu etablieren.
Weshalb besteht der Verdacht, Andrew könnte Amtsmissbrauch begangen haben?
Wie die BBC berichtet, lässt sich aus den vor drei Wochen veröffentlichten dreieinhalb Millionen Seiten der Epstein-Akten herauslesen, dass Andrew im Jahr 2010 Regierungsberichte von Besuchen in Vietnam, Singapur und China an Epstein weitergeleitet hat. Außerdem soll er Informationen über Investitionsmöglichkeiten in Afghanistan weitergegeben haben. Der Stern zitiert ein Mail Andrews an Epstein, in dem der Royal seinem amerikanischen Freund "etwas in Tripoli (Libyens Hauptstadt, Anm.) arrangieren" möchte.
Wurden noch mehr "rauchende Colts" gefunden?
Einige. Die britische Mail on Sunday berichtete etwa vergangenes Wochenende, dass Epstein für Andrew Termine in China arrangierte, während er sich dort auf einer offiziellen Handelsmission befand. Andrew soll seinen Freund, der als Finanzmanager sein Geld verdiente, auch mit Insiderinformationen versorgt haben, als die britische Regierung 2008 die ins Trudeln geratene Royal Bank of Scotland mit 45 Milliarden Pfund (mehr als 50 Mrd. Euro) Steuergelder rettete.
Klingt vor allem ungeschickt …
Vielleicht auch das. Vor allem wäre es aber illegal. Handelsgesandte unterliegen der Geheimhaltungspflicht hinsichtlich sensibler, kommerzieller oder politischer Informationen über ihre offiziellen Besuche, so die offizielle Richtlinie des Vereinigten Königreichs.

Von wann stammen diese Mails?
Die genannten Mails stammen alle aus den Jahren 2008 bis 2010. Das ist auch deshalb relevant, weil Jeffrey Epstein zu diesem Zeitpunkt bereits als Sexualstraftäter verurteilt war und seine (mickrige) Strafe abgesessen hatte. Andrew musste wissen, wen er hier mit Informationen versorgte.
Ist das in London denn niemandem aufgefallen?
Doch, es war offenbar immer wieder Thema. Im Mai 2010 schrieb Andrew an Epstein, ein Minister habe seinen Geschäftspartner "sehr direkt gefragt, ob ich zu dir etwa immer noch Kontakt hätte". Und Andrew weiter: "Ich dachte nur, du solltest das wissen."
Was wäre das Strafmaß für derartige Indiskretionen?
Großbritannien nimmt es mit der Verschwiegenheitspflicht seiner Staatsdiener ziemlich genau. Die Höchststrafe für Fehlverhalten im öffentlichen Amt ist lebenslange Haft.
Weiß man, wohin Andrew nach seiner Festnahme gebracht worden ist?
Er wurde auf die Polizeistation von Aylesham östlich von London gefahren, mehr als 200 Kilometer von Sandringham entfernt. Dort sei er in eine Einzelzelle gekommen, so die Behörden.
Weshalb so weit weg vom Ort seiner Festnahme?
Dazu machten die Behörden keine Angaben.
Wurde er mittlerweile freigelassen?
Ja, Donnerstagabend, rund 11 Stunden nach seiner Festnahme, wurde Andrew dabei gesehen, wie er die Polizeistation auf dem Rücksitz eines Autos und mit schreckgeweiteten Augen verlassen durfte.

Weshalb so rasch?
Grundsätzlich dürfen die Behörden Personen nur 24 Stunden festhalten, ohne Anklage zu erheben. Nur in Ausnahmefällen kann diese Zeitspanne auf bis zu 96 Stunden ausgedehnt werden. "Der festgenommene Mann wurde inzwischen unter Auflagen freigelassen", teilte die zuständige Thames Valley Police dazu lapidar mit. Welche Auflagen das sind, ist nicht bekannt.
Der festgenommene Mann?
Ja, die Mitteilung der Polizei ist anonymisiert. Andrew kommt namentlich nicht vor.
Wie geht es jetzt weiter?
Das hängt ganz davon ab, zu welchen Ergebnissen die Ermittler kommen. Wie die Behörden mitteilten, seien die Hausdurchsuchungen Donnerstagabend beendet worden. Die BBC berichtet zudem, dass die Ermittler bereits vor Tagen im Buckingham-Palast um Unterstützung gebeten hätten, vor allem was das Ausheben alter E-Mails betrifft. Der Palast erklärte demnach erst diesen Montag, dass man die Polizei diesbezüglich unterstützen werde.
Was heißt das alles?
Sobald sich die Ermittler ein vollständiges Bild davon gemacht haben, wie die Beweislage ist, wird man zusammen mit der Anklagebehörde darüber entscheiden, ob Andrew der Prozess gemacht wird oder nicht.
Haben die Untersuchungen etwas mit den Missbrauchsvorwürfen zu tun, die es seit vielen Jahren gegen Andrew gibt?
Nein, es geht hier rein um Andrews Handlungen in seiner Zeit als Handelsbeauftragter des Königreichs. Der Verdacht gegen ihn lautet Amtsmissbrauch.
Hat Andrew eigentlich schon zu den Vorwürfen Stellung bezogen?
Seit er am Donnerstag festgenommen worden ist, gibt es kein Statement von Andrew Mountbatten-Windsor. In der Vergangenheit hat er allerdings jegliches Fehlverhalten bestritten, und zwar in allen Belangen.
Hat sich König Charles, Andrews Bruder, schon geäußert?
Ja, der Monarch ließ noch am Donnerstag eine Erklärung veröffentlichen, in der er versicherte, die polizeiliche Untersuchung gegen seinen Bruder zu unterstützen, denn "dem Gesetz muss Genüge getan werden".

Wie lautet die ganze Erklärung?
"Ich habe mit großer Besorgnis die Nachrichten über Andrew Mountbatten-Windsor und den Verdacht auf Amtsmissbrauch zur Kenntnis genommen. Nun folgt ein umfassendes, faires und ordnungsgemäßes Verfahren, in dessen Rahmen diese Angelegenheit von den zuständigen Behörden in angemessener Weise untersucht wird. Wie ich bereits gesagt habe, haben sie dabei unsere uneingeschränkte Unterstützung und Zusammenarbeit. Lassen Sie mich klar sagen: Dem Gesetz muss Genüge getan werden. Solange dieses Verfahren andauert, wäre es nicht angebracht, wenn ich mich weiter dazu äußern würde. In der Zwischenzeit werden meine Familie und ich unsere Pflichten und unseren Dienst für Sie alle weiterhin erfüllen." Gezeichnet ist die Erklärung mit "Charles R.", das R steht für das lateinische Wort "Rex", also König.
Hat sich auch Premierminister Keir Starmer zu Wort gemeldet?
Aber ja, natürlich. Starmers Kernbotschaft: In Großbritannien steht niemand über dem Gesetz.
Wussten König und Premierminister von der bevorstehenden Festnahme?
Nein, berichten sowohl die BBC als auch die Londoner Times. Weder der Buckingham-Palast, noch Downing Street seien vorab über die geplante Aktion informiert gewesen.
In ihrer Einschätzung der aktuellen Ereignisse sind sich die Kommentatoren weitgehend einig. Die Affäre um Andrew sei die schwerste Bewährungsprobe für die britische Monarchie seit vielen Jahrzehnten, zumindest aber seit dem tragischen Unfall-Tod von Charles' erster Ehefrau, Prinzessin Diana, im Spätsommer 1997.
Aber damals war es die Trauer von Millionen um das beliebteste Mitglied des Königshauses sowie das in dem Zusammenhang als kalt und herzlos empfundene Verhalten einiger Royals, die für Kritik und Unverständnis sorgten. Jetzt ist das über 25 Jahre fortgesetzte Fehlverhalten eines Mitglieds der königlichen Familie, das für Unverständnis und Empörung sorgt. Umso mehr, als bei Andrew offenbar nach wie vor jedes Verständnis dafür zu fehlen scheint, wie groß sein Anteil daran ist, dass die Situation so aus dem Ruder laufen konnte.
Wie wurde Andrew, was er heute ist?
Geboren am 19. Februar 1960 als drittes Kind von Königin Elizabeth II. und Prinz Philipp, haftete dem kleinen Prinzen schon bald der Ruf an, etwas Besonderes zu sein. Zeitlebens galt Andrew als das Lieblingskind der Queen, was dazu führen sollte, dass ihm kaum je Grenzen gesetzt wurden – nicht von seinen Eltern und schon gar nicht von seiner Umgebung.

Wozu führte das?
Andrew hielt sich offenbar für gottbegnadet und unfehlbar. Wesenszüge, die sich auch heute noch aus vielen Auftritten des Prinzen herauslesen lassen. Der britische Historiker Andrew Lownie, der im Herbst 2025 eine Andrew-Biografie veröffentlichte, nannte diese nicht ohne Grund "Entitled" (zu deutsch etwa "Berechtigt"): Andrew scheint in vielerlei Hinsicht der Meinung zu sein, dass ihm als Sohn einer Monarchin gewisse Dinge einfach zustehen würden – dieses Bild von ihm wurde in der Vergangenheit immer wieder gezeichnet.
Wie verlief Andrews Leben bisher?
Zunächst machte er die klassische Windsor-Karriere: Nobelinternat, Offiziersausbildung, Familiengründung mit Ehefrau Sarah Ferguson. Im Falklandkrieg 1982 diente Andrew als Hubschrauberpilot, 1986 heiratete er, die ehe hielt zehn Jahre, das Paar hat zwei Töchter. Ende der 1990er-Jahre traf Andrew das erste Mal mit dem Wallstreet-Finanzmanager Jeffrey Epstein zusammen, und zwar über Vermittlung von Epsteins damaliger Lebensgefährtin, der Britin Ghislaine Maxwell. Es sollte die prägendste Bekanntschaft seines Lebens werden.
Was verband Andrew und Epstein?
Zunächst einmal das gleiche gesteigerte Interesse an Sex mit sehr jungen Frauen. Aber während Andrew der Meinung war, er brauche nur mit dem Finger zu schnippen, um an eine Frau zu kommen, baute Epstein ein Missbrauchsnetzwerk auf, über das er seinen Bekannten immer neue Opfer zuführte – auch Andrew. Im Gegenzug forderte Epstein Gefälligkeiten oder Informationen.
Andrew wurden von Epstein junge Frauen vorgestellt?
Ja, das gilt mittlerweile als erwiesen. Die Amerikanerin Virginia Roberts Giuffre war eines der Missbrauchsopfer von Jeffrey Epstein. Sie wurde dem Prinzen das erste Mal 2001 in London vorgestellt, da war sie 17 und er 41 Jahre alt. Insgesamt sei sie von Andrew dreimal missbraucht worden.
Gab es keine Ermittlungen deshalb?
Es wurde jedenfalls niemals Anklage erhoben. 2011 ging Virginia Roberts Giuffre mit ihrer Geschichte erstmals an die Öffentlichkeit, 2021 verklagte sie Andrew zivilrechtlich. 2022 wurde die Klage fallen gelassen, nachdem Andrew geschätzte 14 Millionen Euro an Giuffres Hilfsorganisation für Missbrauchsopfer gespendet hatte. Ein Teil des Geldes sei von der Queen gekommen, lautete damals ein unbestätigtes Gerücht. Damit war Andrew juristisch zwar aus dem Schneider. Sein Ruf war aber spätestens damit komplett ruiniert.
Was ist damit gemeint?
Andrew stand bereits in den Jahren davor unter einem zunehmenden Druck der Öffentlichkeit. Denn Virginia Giuffre wiederholte ihre Missbrauchs-Geschichte immer und immer wieder. Und auch abseits davon interessierten sich immer mehr Menschen für die unangemessene Verbindung des Königssohns mit dem Sexualstraftäter.

Wozu führte das?
Andrew wurde innerhalb der Royals zunehmend degradiert. Nach Bekanntwerden seiner Beziehungen zu Jeffrey Epstein und dessen Suizid in Untersuchungshaft 2019 legte Andrew zunächst alle seine Pflichten als Mitglied der königlichen Familie zurück. Im Mai 2020 wurde bekannt gegeben, dass er das Königshaus dauerhaft nicht mehr vertreten werde. Und nachdem Virginia Roberts Giuffre Andrew 2021 verklagt hatte, entzog ihm Königin Elizabeth II. auch alle militärischen Ehrendienstgrade.
Dabei blieb es aber nicht, oder?
Richtig. Nach dem Tod der Queen und dem Beginn der Veröffentlichung der Epstein-Akten in den USA wurden Andrew vom neuen König Charles sukzessive sämtliche ihm noch verbliebenen Privilegien gestrichen. Zunächst musste Andrew sämtliche royalen Titel ablegen, kurz darauf kassierte der Monarch auch Andrews "angeborenen" Prinzen-Titel und warf ihn aus der Royal Lodge in Windsor.
War's das?
Noch nicht ganz. Der bislang letzte Akt der königlichen Degradierung war das Streichen sämtlicher Titel in der britischen Thronfolge. Andrew scheint darin zwar nach wie vor an Platz 8 auf, allerdings als einfacher Mr. Mountbatten-Windsor, zwischen all den Prinzen, Prinzessinnen und Dukes.
Tiefer geht aber nicht mehr, oder?
Das wird sich erst zeigen. Zwar hat der König darauf geachtet, dass Andrew nicht völlig devastiert, indem er ihm neben dem neuen Wohnsitz (den Charles aus seiner eigenen Tasche bezahlt) auch eine regelmäßige finanzielle Zuwendung (ebenfalls aus eigener Tasche) zugestanden hat. Aber sollte es tatsächlich zu einer formellen Anklage – und vielleicht sogar zu einer Verurteilung – Andrews durch die britische Justiz kommen, wäre wohl ein neuer absoluter Tiefpunkt in der britischen Monarchie erreicht.
Inwiefern?
Zuletzt wurde im Jahr 1647 ein Mitglied des Königshauses vor Gericht gestellt, wie der Guardian recherchiert hat. Und zwar König Charles I. – in England herrschte damals Bürgerkrieg und dem Monarchen wurde Hochverrat vorgeworfen. Nachdem er sich geweigert hatte, eine Einschränkung seiner königlichen Autorität zu akzeptieren, wurde er schließlich im Jahr 1649 enthauptet. Zumindest dieses Schicksal hat Andrew heute jedenfalls nicht mehr zu befürchten.