Eine verloren geglaubte Raketenstufe von Elon Musks Unternehmen SpaceX rast derzeit mit 8.700 km/h auf den Mond zu. Am Mittwoch soll sie einschlagen – Wissenschafter weltweit fiebern dem Spektakel bereits entgegen. Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Es klingt wie das Szenario aus einem Katastrophenfilm: Ein tonnenschweres Stück Weltraumschrott, herrenlos durchs All treibend, nimmt Kurs auf den Mond. Doch diesmal ist es Realität. Eine Raketenstufe von Elon Musks Unternehmen SpaceX, die vor eineinhalb Jahren ihre Nutzlast zum Mond gebracht hat, kehrt nun dorthin zurück – mit fatalen Folgen für die Mondoberfläche.
Am kommenden Mittwoch soll die Stufe einer Falcon-9-Rakete von SpaceX ungebremst auf dem Mond einschlagen, berichtet der britische Guardian. Für Astronomen weltweit ist das ein unerwartetes Geschenk: ein kosmisches Experiment, das niemand geplant hat, das aber wertvolle Daten liefern könnte. Was man darüber wissen muss:
Was genau wird da in den Mond krachen?
Es handelt sich um die Oberstufe einer Falcon-9-Rakete von SpaceX. Diese Raketenstufe hatte im Jänner 2025 zwei Mondlander ins All gebracht: den Blue Ghost der US-Firma Firefly Aerospace und Resilience des japanischen Start-ups ispace. Nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hatte, trieb die Stufe führungslos im Weltraum – bis jetzt.
Warum schlägt sie ausgerechnet jetzt ein?
Die Raketenstufe hatte nach dem Start nicht mehr genug Treibstoff, um in eine stabile Umlaufbahn um die Sonne gelenkt oder kontrolliert zum Absturz gebracht zu werden. Seither kreist sie auf einer chaotischen Bahn zwischen Erde und Mond. Nach rund eineinhalb Jahren hat die Schwerkraft des Mondes sie nun auf Kollisionskurs mit dem Mond gebracht.

Wo und wann wird der Einschlag passieren?
Der US-Raumfahrtexperte Bill Gray prognostiziert den Aufprall am Mittwoch, 5. August 2026. Die Raketenstufe soll nahe dem Einstein-Krater auf der sonnenbeschienenen Westseite des Mondes einschlagen. Der genaue Zeitpunkt fällt in die frühen Morgenstunden US-Zeit – von Europa aus wird der Einschlag selbst nicht zu beobachten sein.
Mit welcher Geschwindigkeit trifft die Rakete auf?
Die Raketenstufe wird mit etwa 8.700 Kilometern pro Stunde auf die Mondoberfläche prallen. Das entspricht rund dem Siebenfachen der Schallgeschwindigkeit. Die Wucht des Aufpralls ist mit der Explosion von drei Tonnen TNT vergleichbar.
Wie groß wird der Krater sein?
Wissenschafter rechnen mit einem Einschlagkrater von etwa 27 Metern Durchmesser und rund fünf Metern Tiefe. Der Krater wird zu klein sein, um von der Erde aus sichtbar zu sein. Allerdings könnten Raumsonden, die den Mond umkreisen, ihn fotografieren.
Kann man den Einschlag von der Erde aus beobachten?
Der Lichtblitz beim Aufprall wird wahrscheinlich zu schwach sein, um ihn mit bloßem Auge oder normalen Teleskopen zu sehen – er dauert weniger als eine Sekunde. Allerdings könnte die Staubwolke, die dabei aufgewirbelt wird, mehrere Kilometer hoch ins All schießen und für Teleskope über mehrere Minuten sichtbar bleiben.
Ist so ein unbeabsichtigter Einschlag schon einmal passiert?
Ja, 2022 schlug eine chinesische Raketenstufe auf der Rückseite des Mondes ein und hinterließ einen ungewöhnlichen Doppelkrater. Bei dem aktuellen SpaceX-Einschlag handelt es sich also bereits um den zweiten bekannten ungeplanten Raketenabsturz auf dem Mond.

Hätte SpaceX den Einschlag verhindern können?
Grundsätzlich ja. Experten sagen, dass der Absturz vermeidbar gewesen wäre, wenn die Oberstufe nach dem Start in eine Sonnenumlaufbahn gesteuert worden wäre. Dazu hätte jedoch ausreichend Treibstoff reserviert werden müssen. SpaceX hat sich bisher nicht öffentlich zu dem Vorfall geäußert.
Birgt der Einschlag Gefahren?
Für Menschen auf der Erde besteht keinerlei Gefahr. Der Mond hat keine Atmosphäre, und der Einschlag findet in einer Region statt, in der weder Mondstationen noch Forschungsgeräte stehen. Wissenschafter sehen den Absturz sogar als Chance, mehr über die Zusammensetzung des Mondbodens zu erfahren.
Was wollen Forscher aus dem Einschlag lernen?
Die NASA-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter soll einige Tage vor und nach dem Aufprall über die Einschlagstelle fliegen. Die Bilder könnten Aufschluss darüber geben, wie tief unter der Oberfläche bestimmte Materialien liegen. Auch die aufgewirbelte Staubwolke wird wissenschaftlich ausgewertet.
Wird so etwas in Zukunft häufiger passieren?
Mit der zunehmenden Anzahl von Raketenstarts in den vergangenen Jahren steigt auch die Menge an Weltraumschrott. Experten fordern daher strengere Regeln für die Entsorgung von Raketenstufen. Derzeit gibt es jedoch keine internationalen Vorschriften, die solche ungeplanten Einschläge verhindern würden.