Seine Autorität geht den Bach hinunter, seine Partei zerfällt in Einzelteile. Selten zuvor wurde ein Premierminister so auf offener Bühne demontiert wie Sir Keir Starmer. Schon 100 Abgeordnete der eigenen Partei fordern seinen Rücktritt. Sein Nachfolger ist zu bemitleiden.

Keir Starmer hat angekündigt, weiterzukämpfen. Bis Dienstag hatten 100 Labour-Abgeordnete, darunter Minister, den Premierminister zum Rücktritt aufgefordert. Auch Kabinettsmitglieder wie Innenministerin Shabana Mahmood äußerten sich intern ähnlich. Kaum jemand rechnet damit, dass er noch lange im Amt bleibt.
Gleichzeitig wurde eine Liste mit 100 Anhängern veröffentlicht, die eine Erklärung zur Unterstützung von Starmer mitunterzeichnet haben sollen. Nicht alle, die genannt wurden, sind offenbar davor gefragt worden, einige dementierten, sich deklariert zu haben.
Vier Regierungsmitglieder sind inzwischen zurückgetreten: Jess Phillips, Junior-Ministerin im Innenministerium, Miatta Fahnbulleh, Unterstaatssekretärin für Regionalpolitik, Alex Davies-Jones, Unterstaatssekretärin im Justizministerium und Zubir Ahmed, Junior-Minister im Gesundheitsressort.
Catherine West war die erste Labour-Abgeordnete, die Starmer am Wochenende zum Rücktritt aufgefordert hatte. "Die wahren Politiker müssen jetzt aufstehen," sagte sie jetzt der BBC. Es gäbe "kein Händchenhalten mehr. Es ist der Moment".

Es ist ein bemerkenswerter Absturz für einen Premierminister, der in weniger als zwei Jahren die zweitgrößte Parlamentsmehrheit seit dem Zweiten Weltkrieg verspielt hat.
Die jüngsten Schwierigkeiten des Premierministers begannen am Freitag, nachdem die Kommunalwahlen erwartungsgemäß katastrophal ausgefallen waren. Labour verlor massiv an Unterstützung in den Brexit-freundlichen Wahlkreisen im Norden Englands und in liberalen, vielfältigen Städten. Die Räte von Orten wie Wigan, einer ehemaligen Bergbaustadt im Nordwesten Englands, zerfielen ebenso wie Westminster, eine der wohlhabendsten Regionen Großbritanniens.
Ein grinsender Nigel Farage, dessen populistische Partei Reform UK die meisten Stimmen erhielt, stand im Mittelpunkt des politischen Geschehens.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die Labour-Abgeordneten genug. Aus den anfänglichen Forderungen nach dem Rücktritt des Premierministers wurde eine Flut. Ambitionierte junge Abgeordnete, die um ihre Mandate fürchteten, schlossen sich den üblichen Verdächtigen an und forderten den Kopf des Premierministers.
Am Montagabend begannen Kabinettsmitglieder, Druck auf den Premierminister auszuüben, damit er zurücktritt. Am Dienstagmorgen forderten auch Staatssekretäre öffentlich dasselbe. Sir Keir musste katastrophale Beliebtheitswerte hinnehmen und zählt zu den unbeliebtesten Premierministern aller Zeiten.

Er hat – zumindest vorerst – angekündigt, zu kämpfen, was seine Nachfolge zusätzlich erschwert. Jeder Herausforderer müsste die Nominierung von 81 Labour-Abgeordneten (einem Fünftel der Parlamentsfraktion) erhalten, um eine Wahl des Parteivorsitzenden auszulösen.
Würde Sir Keir kandidieren, wäre er automatisch nominiert. Würde hingegen nur ein Konkurrent antreten, würde dieser automatisch Parteivorsitzender werden, wie es 2007 bei Gordon Brown der Fall war.
Im Falle einer Neuwahl wird der nächste Premierminister von den rund 300.000 Mitgliedern der Labour Party bestimmt. Die letzten Führungswahlen dauerten Monate. Bisher fand keine statt, während Labour an der Regierung war.
Die einfachen Parteimitglieder – eine besondere Gruppe aus pensionierten Lehrern, Beamten und Gewerkschaftern – wurden noch nie zur Wahl eines Premierministers aufgerufen. Sollte Sir Keir zurücktreten, wären sie die wichtigsten Wähler des Landes.
Jeder Kandidat hat Schwächen. Andy Burnham, Bürgermeister von Manchester und Labours Liebling in Großbritannien, ist kein Abgeordneter. Angela Rayner, die linke ehemalige stellvertretende Premierministerin, wartet auf das Ergebnis einer Untersuchung ihrer Steuerangelegenheiten.
Energieminister Ed Miliband ist in der Partei beliebt, verlor aber bereits 2015 als Labour-Chef eine Parlamentswahl. Der ehrgeizige Gesundheitsminister Wes Streeting ist im rechten Flügel der Labour-Partei beliebt, wird aber von seinen linken Kollegen verachtet.

Langjährige Labour-Größen wie Yvette Cooper oder David Lammy könnten ebenfalls Interesse an einer Kandidatur zeigen – was einen Kampf um die Nominierung für die wohl ungewöhnlichste Wahl Großbritanniens auslösen dürfte.
Politische Instabilität hat die ohnehin schon schwierige Wirtschaftslage verschärft. Großbritannien leidet unter derselben Misere hoher Verschuldung und geringen Wachstums wie der Rest Europas. Nun ist die Regierungspartei in einen internen Machtkampf verwickelt.
Die Renditen britischer Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand seit 30 Jahren gestiegen, was zum Teil auf die Befürchtung zurückzuführen ist, dass Sir Keirs Nachfolger weitere Schulden aufnehmen wird.
Wer auch immer Premierminister wird, steht vor großen Herausforderungen. Im Moment bleibt den britischen Wählern nichts anderes übrig, als dem vertrauten Anblick eines Premierministers zuzusehen, der um sein politisches Überleben kämpft.
Heute, Mittwoch, trifft sich Keir Starmer in der Früh mit seinem Rivalen Wes Streeting. Der Abwehrkampf geht weiter.
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