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KAmpf gegen "Windmühlen"

Trump zahlt deutschem Konzern 1 Milliarde, damit er KEINEN Windpark baut

Die Abneigung des US-Präsidenten gegen erneuerbare Energien ist bekannt. Damit Energiekonzerne ihre diesbezüglichen Pläne fallen lassen, greift die US-Regierung nun tief in die Tasche. Mit den Millionen soll stattdessen jetzt fossile Energie gefördert werden.

Drei Offshore-Windparks sollte der deutsche Energiekonzern RWE in den USA errichten. Die US-Regierung bezahlt nun 1 Milliarde Euro, damit man die Pläne aufgibt
Drei Offshore-Windparks sollte der deutsche Energiekonzern RWE in den USA errichten. Die US-Regierung bezahlt nun 1 Milliarde Euro, damit man die Pläne aufgibtGetty Images/iStockphoto
NewsFlix Redaktion
Akt. 07.08.2026 15:40 Uhr

Donald Trump und die Energiegewinnung aus Windkraft, das wird wohl nichts mehr. Nicht nur, dass der US-Präsident bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen die "Windmühlen", wie er die Windräder despektierlich nennt, wettert. Er nimmt nun offenbar auch viel Geld in die Hand, um konkrete Projekte abzudrehen, ehe sie umgesetzt werden, berichtet die BBC.

Aktuellstes Beispiel: Vor den Küsten Kaliforniens, Louisianas und in der New Yorker Bucht wollte der deutsche Energiekonzern RWE mehrere Offshore-Windparks umsetzen. Die Pläne waren Teil eines umfassenden Investitionsplans in den USA. Nun beendet RWE sein Windkraft-Engagement in den USA kurzfristig – für eine Zahlung von 1,2 Milliarden Dollar, umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro.

Wie es dazu kommen konnte, was mit den geplanten Investitionen nun geschehen soll, wie zukunftsträchtig die Energiestrategie der US-Regierung ist und weas das alles für Europa bedeutet – die wichtigsten Antworten im Überblick:

Worum geht es?
Der deutsche Energiekonzern RWE (steht für Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk) kassiert vom US-Innenministerium eine Summe von 1,2 Milliarden Dollar. Im Gegenzug beendet das Unternehmen seine Offshore-Windprojekte in den USA. Dazu gehört auch, dass RWE seine Pachtflächen vor Kalifornien, Louisiana und vor New York zurückgibt.

US-Präsident Trump forciert fossile Energieträger gegenüber erneuerbaren Energien. Vor allem die Windkraft verfolgt er mit großer Abneigung
US-Präsident Trump forciert fossile Energieträger gegenüber erneuerbaren Energien. Vor allem die Windkraft verfolgt er mit großer Abneigung
REUTERS/Jonathan Ernst

Warum stoppt RWE die Projekte?
Der Konzern begründet den Schritt damit, dass es auf absehbare Zeit keinen Weg gebe, diese Projekte in den USA genehmigt zu bekommen. Entscheidend ist also offenbar nicht die Wirtschaftlichkeit, sondern vor allem die politische und regulatorische Lage. RWE sieht derzeit keine realistische Perspektive für die nötigen Bewilligungen.

Welche Projekte sind betroffen?
Betroffen sind Offshore-Windvorhaben vor den Küsten von Kalifornien und Louisiana sowie im Gebiet von New York. RWE gibt die dortigen Leasingrechte auf. Damit zieht sich der Konzern aus mehreren US-Offshore-Windprojekten gleichzeitig zurück.

Hat man sich die Projekte also von Trump abkaufen lassen?
Nein, RWE hatte die Rechte für die Entwicklung dieser Projekte 2022 im Rahmen einer großen Auktion der US-Regierung unter Präsident Joe Biden erworben. Alleine für das Pachtgebiet vor der Küste von New York habe das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 1,1 Milliarden Dollar bezahlt. In den folgenden Jahren investierte RWE weitere Mittel in die Projektentwicklung, Genehmigungsverfahren und die Zusammenarbeit mit US-Behörden. Diese Investitionen bekommt man jetzt refundiert.

Was macht RWE mit dem Geld?
Die Summe soll nun in konventionelle Gasprojekte fließen. Ein Schwerpunkt ist ein LNG-Exportterminal in Louisiana, in das 900 Millionen Dollar fließen sollen. LNG steht für verflüssigtes Erdgas und ist für den Export per Schiff gedacht.

Wie groß bleiben die US-Pläne von RWE trotzdem?
Trotz des Rückzugs aus Offshore-Wind will RWE in den kommenden sechs Jahren insgesamt rund 17 Milliarden Euro in den USA investieren. Das Geld soll dazu dienen, die Erzeugungskapazität auszubauen. Der Konzern verschiebt also seinen Schwerpunkt, statt sich insgesamt aus dem Markt zurückzuziehen.

Welche Rolle spielt Donald Trump dabei?
Trump treibt seit seiner Rückkehr ins Amt einen Kurs zugunsten fossiler Energien voran. Er hatte schon im Wahlkampf mit dem Slogan "drill, baby, drill" ("bohren, bohren, bohren!") für mehr Öl- und Gasförderung geworben. Kurz nach dem Amtsantritt machte er zudem klar, dass er Offshore-Wind nicht weiterverfolgen will. Er scheint sie sogar mit besonderer Ablehnung zu vertfolgen.

Vor allem mit LNG, also Flüssiggas, versorgen die USA mittlerweile weite Teile der Welt
Vor allem mit LNG, also Flüssiggas, versorgen die USA mittlerweile weite Teile der Welt
REUTERS/Enea Lebrun

Was hat Trump gegen die Windenergie?
Abgesehen davon, dass sie seiner grundsätzlichen Energie-Strategie mit dem Schwerpunkt auf fossilen Energieträgern widerspricht, scheint er auch einen persönlichen Hass auf Windräder zu haben. Er bezeichnet die Anlagen als hässlich und kritisiert ihre Auswirkungen auf Landschaften, Küsten sowie die Tierwelt.

Hat er damit recht?
Über Ästethik lässt sich schwer streiten, was die Auswirkungen auf die Tierwelt betrifft, hat er jedenfalls teilweise schon recht: Windkraftanlagen sind eine Gefahr für Vögel, Fledermäuse und Insekten, weshalb mittlerweile in vielen Ländern Schutzmaßnahmen vorgeschrieben sind. Dass Trump die Umwelt tatsächlich am Herzen liegt, ist allerdings wenig glaubwürdig – die eindeutig schädlichen Auswirkungen fossiler Energiegewinnung auf Tier- und Pflanzenwelt (Stichwort Fracking und Offshore-Ölbohrungen) sind ihm völlig gleichgültig.

Was sagt die US-Regierung zu dem Deal?
Innenminister Doug Burgum begrüßt die Vereinbarung ausdrücklich. Aus Sicht der US-Regierung soll das Energiesystem auf "vernünftigen Grundlagen stehen" und nicht von teuren Subventionen abhängen. Gleichzeitig wertet Washington die Umlenkung von Investitionen in Gasprojekte als Beitrag zur Energiesicherheit der USA.

Ist das ein Einzelfall?
Nein, der Schritt passt in eine Serie ähnlicher Vereinbarungen. Im März 2026 beendete die US-Regierung bereits mit TotalEnergies deren Offshore-Windprojekte in den USA. Stattdessen lenkte der französische Konzern Geld in ein LNG-Projekt in Texas und in konventionelle Ölförderung im Golf von Mexiko um.

Gab es noch weitere ähnliche Deals?
Ja. Erst im Vormonat wurde mit Duke Energy eine ähnliche Vereinbarung über 129 Millionen Dollar geschlossen. Dafür beendete das Unternehmen seinen Offshore-Wind-Pachtvertrag im Gebiet Carolina Long Bay.

Exekutiert Trumps konservative Energiewende: US-Innenminister Doug Burgum
Exekutiert Trumps konservative Energiewende: US-Innenminister Doug Burgum
REUTERS/Kylie Cooper

Warum ist das energiepolitisch so brisant?
Weil hier nicht bloß ein Projekt scheitert, sondern eine ganze Richtung zurückgedrängt wird. Offshore-Wind galt als wichtiger Baustein für den Ausbau erneuerbarer Energie in den USA. Wenn mehrere große Konzerne ihre Pläne aufgeben und stattdessen in Gas investieren, verändert das den Energiemix und die Investitionslogik deutlich.

Was bedeutet das für Europa und Österreich?
Unmittelbar geht es hier zwar um die USA, doch einerseits sind europäische Energiekonzerne von dieser Entwicklung direkt betroffen. Andererseits werden derartige Richtungsentscheidungen langfristig auch Auswirkungen auf den Energieausbau in Europa haben. Und angesichts der – gerade wieder besonders spürbaren – dramatischen Auswirkungen des Klimawandels ist jede Verzögerung beim Ausbau erneuerbarer Energien nicht nur kurzsichtig, sondern eindeutig kontraproduktiv.

NewsFlix Redaktion
Akt. 07.08.2026 15:40 Uhr