Sechs Wochen sollte "der Ausflug" dauern, wie der US-Präsident anfangs salopp formulierte. Sechs Monate und unzählige "Der Krieg ist so gut wie vorbei"-Beteuerungen später steckt der Karren jedoch tiefer im Dreck denn je. Dabei war Trump von Anfang an gewarnt.

Im Persischen Golf stauen sich Tanker, die Märkte reagieren nervös auf jede Aussage der Kriegsparteien, in Washington wächst der Ärger mit jedem Tag ohne klare Lösung. Was in Trumps Umfeld als schneller Schlag gegen Iran begann, ist nach sechs Monaten ein Konflikt ohne klaren Ausweg – mit Folgen weit über den Nahen Osten hinaus.
Zusätzliche Brisanz bekommt die Lage nun auch deshalb, weil Trump offenbar schon vor Beginn des Krieges detailliert vor den wahrscheinlichen Auswirkungen eines Angriffs gewarnt worden sein soll. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Personen, "die mit dem Treffen vertraut sind", berichtet, soll der Präsident mehrere konkrete Warnungen und sehr detaillierte Lageeinschätzungen seiner Geheimdienste und Militärs in den Wind geschlagen haben.
Und während der Iran keinerlei Interesse an einem raschen Kriegsende zeigt, sondern auf Zeit spielt, sind den USA offenbar längst die Ideen, wie sie den Konflikt doch noch ohne Gesichtsverlust beenden könnten, ausgegangen.
Weshalb Trump sich entgegen zahlreicher Warnungen für den Krieg entschieden hat, warum die Lage immer verfahrener wird, je länger der Konflikt dauert und wann für Trump im Iran die Zeit gekommen ist, die Reißleine zu ziehen – die neuen Erkenntnisse im Überblick:

Wie ist der aktuelle Stand im Iran-Krieg?
Die USA und Israel flogen die ersten Angriffe am 28. Februar, der Krieg dauert inzwischen also ziemlich genau sechs Monate. Ein rasches Ende der Auseinandersetzung ist nicht in Sicht, obwohl Trump anfangs davon ausgegangen sein soll, der Konflikt lasse sich in wenigen Wochen beenden. Stattdessen wechseln sich Kämpfe, Drohungen und gescheiterte Anläufe auf eine Einigung ab.
Was soll Trump vor dem Angriff gewusst haben?
Bei einem Treffen im Oval Office im Februar soll Trump ausdrücklich gefragt haben, ob ein umfassender Angriff auf Iran funktionieren und sogar einen Regimewechsel auslösen könnte. Dabei wurden ihm laut Wall-Street-Journal-Bericht mehrere Risiken genannt: eine Eskalation im Nahen Osten, Chaos auf den Energiemärkten und ein noch härteres Regime in Teheran. Und alle Punkte trafen ein.
Welche Warnungen kamen konkret von den Geheimdiensten?
Die damalige Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard soll Trump erklärt haben, dass die Tötung des obersten Führers des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, eher eine noch härtere Nachfolge hervorbringen könnte. Außerdem sei damit gerechnet worden, dass Iran im Fall eines Angriffs die Straße von Hormus schließt – mit unmittelbaren Folgen für den weltweiten Öl- und Gashandel.
Was sagten Militärs und Sicherheitsberater?
Führende US-Militärs warnten dem Bericht zufolge den Präsidenten vor Toten Soldaten, Problemen bei der Einsatzbereitschaft und vor allem auch vor schwindenden Munitionsbeständen. Die Sorge vor den Auswirkungen eines Angriffs war also nicht nur politisch, sondern ganz praktisch militärisch. Trotzdem entschied sich Trump letztlich für den Angriff.
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?
Die Meerenge ist eine der wichtigsten Routen für den Energiehandel. Ihre Schließung durch den Iran brachte ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels massiv ins Stocken. Die Folge waren steigende Treibstoffpreise und zusätzlicher Druck auf Regierungen in aller Welt.
Warum glaubte Trump trotzdem an einen schnellen militärischen Erfolg?
Iran galt in Trumps Umfeld als politisch wie militärisch so schwach wie seit Jahrzehnten nicht. Dazu kamen Zuspruch aus dem engsten Kreis, Unterstützung aus Israel und militärische Präsentationen mit angeblich entschlossenen Optionen. Trump soll überzeugt gewesen sein, dass ein harter Schlag seine Macht demonstriert und den Konflikt rasch entscheidet.

Welche Rolle spielte Israel?
Israel war nicht nur beteiligt, sondern laut Bericht ein zentraler Treiber des Kurses. Premier Benjamin Netanjahu soll den Iran bei Trump als nächstes großes Einsatzfeld vorgeschlagen haben.
Was ist mit "nächstes Einsatzfeld" gemeint?
Anfang 2026 suchte Trump laut Angaben von US-Beamten eine weitere Gelegenheit, die amerikanische Macht zu demonstrieren, nachdem er im Juni 2025 eine Operation zur Zerstörung dreier iranischer Atomanlagen und im Januar eine Razzia zur Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hatte durchführen lassen. Die Idee dahinter: Irans Atomprogramm zerschlagen, die Führung schwächen und die Islamische Republik militärisch überrumpeln.
Gab es in Trumps Lager auch Zweifel?
Ja. Vizepräsident JD Vance soll von Anfang an für einen vorsichtigeren Weg plädiert haben. Seine Argumentation: Verhandlungen seien riskant, aber billiger als ein Krieg mit schwer kalkulierbaren Folgen, zumal Irans Wirtschaft bereits unter harten Sanktionen litt.
Wie reagierte Trump zu Beginn des Krieges?
Anfangs mit sichtbarer Euphorie. Bei einer Veranstaltung am 28. Februar in seinem Anwesen Mar-a-Lago sollen CIA-Chef John Ratcliffe und Sondergesandter Steve Witkoff ihm mitgeteilt haben, dass Israel Irans obersten Führer Ali Khamenei bei einem Angriff getötet habe. Trump habe die beiden die Nachricht vor den Gästen verlauten lassen und den Applaus dafür sichtlich genossen.
Warum kippte die Stimmung danach?
Weil sich die versprochenen Erfolge nicht in ein klares Kriegsziel übersetzen ließen. Die Straße von Hormus blieb ein Problem, Golfstaaten wie Saudi-Arabien und Katar drängten auf ein Ende der Kämpfe, und auch Republikaner warnten vor politischem Schaden. Trump soll intern wütend gefragt haben, warum Iran trotz der Bombardierungen nicht einlenke.
Warum widersetzte sich dass Militär den Plänen des Präsidenten nicht vehementer?
Verteidigungsminister Pete Hegseth, General Dan Caine, Vorsitzender der vereinigten Stabschefs, und Admiral Brad Cooper, Chef des US-Zentralkommandos, unterrichteten den Präsidenten laut Wall Street Journal mehrmals über die Pläne für Angriffe auf iranische Ziele. Hegseth und Caine hätten Trump zudem mehrfach versichert, dass sie etwaige Komplikationen bewältigen würden, sagten Beamte, die an den Treffen teilgenommen hatten. Es gab also durchaus starke Stimmen im Militär für einen Angriff, aus welchen Überlegungen heraus auch immer.

Wie hoch sind die bisherigen Kosten des Krieges?
Die humanitären und militärischen Kosten sind erheblich. Geschätzt werden derzeit rund 3.000 getötete Iraner sowie 18 getötete US-Soldaten; dazu kommen laut Pentagon 756 verletzte Amerikaner. Außerdem wurden US-Basen beschädigt, Ölreserven angegriffen und Munitionsbestände teils drastisch verringert – mit weitreichenden Folgen, was die militärischen Möglichkeiten der USA betrifft.
Was bedeutet das alles innenpolitisch für Trump?
Der Krieg gilt als schwere Belastung für die Republikaner vor den Midterms, den Kongresswahlen im November. Steigende Energiepreise, tote Soldaten und ein Konflikt ohne klaren Abschluss drücken laut Bericht auch auf Trumps Umfragewerte. diese sind so schlecht wie nie seit Beginn seiner zweiten Präsidentschaft. Besonders heikel ist, dass fast 80 Prozent der Amerikaner demnach eine Vereinbarung zur Beendigung des Iran-Konflikts wollen – unabhängig vom Inhalt.
Wie will das Weiße Haus jetzt weiter machen?
Offiziell verteidigt das Weiße Haus den Krieg als Erfolg und setzt derzeit stärker auf wirtschaftlichen Druck. Geplant sind demnach eine Seeblockade und Sanktionen, um Irans Wirtschaft zu treffen. Sprecherin Olivia Wales übte sich in der Rhetorik ihres Chefs, als sie zu Protokoll gab: "Er (Trump, Anm.) wird niemals zulassen, dass der Iran über eine Atomwaffe verfügt. Es wäre klug für den Iran, eine Einigung zu erzielen. Andernfalls wissen sie, was geschehen könnte."
Gibt es überhaupt einen realistischen Ausweg aus dem Dilemma?
Ein einfacher Ausweg ist derzeit nicht erkennbar. Zwischenzeitliche Abkommen hielten nicht, Verhandlungen liefen aus, und auf jede Drohung folgt neue Unsicherheit. Der frühere US-Regierungsmitarbeiter Eric Brewer, Vizepräsident der Nuclear Threat Initiative, der in demokratischen und republikanischen Regierungen gearbeitet hat, fasst es so zusammen: "Das war alles vorhersagbar und es wurde auch vorhergesagt. Vom Kriegsbeginn ohne klares politisches Ziel bis zur verfehlten Diplomatie bei dem Versuch, den Krieg zu beenden."
Wie geht es jetzt weiter?
Am Montag verkündete US-Finanzminister Scott Bessent neue Wirtschaftssanktionen gegen den Iran und seine Handelspartner, wie wirksam diese sein werden, lässt sich indes noch nicht bestimmen. Da wird auch davon abhängen, wie die großen Unterstützer des Iran, allen voran China, die US-Sanktionen unterstützen oder torpedieren. Entscheidend wird sein, ob aus dem wirtschaftlichen Druck tatsächlich neue Gespräche entstehen, oder ob der Konflikt weiter in Schleifen aus Angriffen, Drohungen und kurzen Feuerpausen läuft.
Was heißt das alles?
Unter dem Strich bleibt, dass die USA im Iran-Krieg längst vom Akteur zum Passagier geworden sind, dem militärisch die Hände gebunden sind und der keine guten Ideen hat, was er sonst noch anstellen könnte, um zu seinem Ziel zu gelangen. Vermutlich wäre es für das Weiße Haus im Vorfeld doch klüger gewesen, sich nicht auf die Ja-Sager im eigenen Umfeld zu verlassen, sondern auf die kritischen Stimmen in den eigenen Reihen zu hören und sich zumindest einen Plan B zu überlegen, ehe man die Kavallerie in den Kampf schickt.