Er ist noch gar nicht auf dem Markt, doch im Internet werden bereits Fake-Spritzen verkauft, die den neuen Wunderwirkstoff enthalten sollen. In den USA sind nun zwei Frauen nach der Verwendung solcher gefälschten Medikamente gestorben, die Behörden sind alarmiert.

In den USA wird bereits für ein neues Abnehm-Medikament geworben, das noch gar nicht offiziell auf dem Markt ist. Und die Versprechungen sind verheißungsvoll: "Noch schneller abnehmen als mit Ozempic, schon bald ohne Rezept erhältlich." Was jedoch nach einer Wunderwaffe gegen zu viele Kilos klingt, kann rasch zur tödlichen Falle werden. Denn inzwischen mehren sich die Berichte, wonach es durch gefälschte Abnehm-Medikamente bereits zu schweren gesundheitliche Schäden gekommen sein soll. Und sogar zwei Todesfälle seien mittlerweile zu beklagen, so die Behörden.
Nach Angaben von CBS News hat die US-Arzneimittelbehörde FDA in den vergangenen Monaten zwei Berichte über Todesfälle erhalten, die mit gefälschten Produkten des experimentellen Wirkstoffs Retatrutide in Verbindung stehen sollen. Das Mittel wurde von Eli Lilly entwickelt und befindet sich noch in der Test- bzw. Zulassungsphase, ist aber noch nirgends auf der Welt zugelassen. Trotzdem floriert bereits der illegale Online-Handel mit Fake-Medikamenten, die angeblich den Wirkstoff enthalten sollen.
Woher die gefälschten Pseudo-Medikamente stammen, wie potenzielle Kunden die Fälschungen erkennen und was Retatrutide überhaupt ist – das muss man über den gefährlichen Handel mit gefälschten Retatrutide-Abnehmmedikamenten wissen:

Was ist Retatrutide?
Retatrutide ist ein neuer Wirkstoff für Abnehmmedikamente, der sich derzeit noch in der klinischen Entwicklung befindet. Es wird als Spritze verabreicht und wirkt ähnlich wie die bekannten Präparate Ozempic oder Wegovy, soll aber noch effektiver sein. In Studien zeigten Patienten einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von über 28 Prozent ihres Körpergewichts binnen 80 Wochen. Das wäre ein bis zu doppelt so großer Gewichtsverlust im gleichen Zeitraum als bei den bisher erhältlichen Medikamenten.
Warum ist das Mittel noch nicht zugelassen?
Bevor ein Medikament auf den Markt kommt, muss es jahrelange klinische Studien durchlaufen. Der Hersteller Eli Lilly plant, die Zulassung bei den Behörden erst im kommenden Jahr zu beantragen. Bis dahin ist Retatrutide offiziell nur in kontrollierten Studien erhältlich – alles andere ist illegal.
Wie kommen Menschen trotzdem an das Mittel?
Obwohl der Verkauf verboten ist, bieten bereits zahlreiche Händler im Internet Produkte an, die angeblich Retatrutide enthalten. Diese Schwarzmarkt-Versionen werden über Wellness-Websites, in Schönheitskliniken und sogar in manchen Supermärkten verkauft. Manche Verkäufer werben sogar mit Qualitätszertifikaten, die den Produkten einen seriösen Anschein verleihen sollen.
Was ist bei den Todesfällen passiert?
Im Juli starb eine 41-jährige Frau in den USA an einem Herzstillstand, nachdem sie Retatrutide aus einer unsicheren Quelle bezogen hatte. Im September starb eine 49-jährige Patientin nach schwerer Dehydrierung und Mangelernährung. Eine Krankenschwester hatte ihr das Mittel über einen Online-Peptid-Händler verkauft und Dosierungsempfehlungen gegeben.
Stehen die Todesfälle erwiesenermaßen in Zusammenhang mit Retatrutide?
Nein. Die Berichte wurden der FDA gemeldet, aber die Behörde hat die Informationen noch nicht verifiziert. Es ist unklar, ob das Medikament tatsächlich für die Todesfälle verantwortlich ist oder andere Faktoren eine Rolle spielten. Die FDA untersucht die Fälle, äußert sich aber nicht zu laufenden Ermittlungen.
Was sagt der Hersteller Eli Lilly?
Das Unternehmen betont, dass die verstorbenen Frauen offensichtlich Schwarzmarkt-Produkte verwendet haben. Eli Lilly warnt, dass gefälschte Produkte oft zu viel, zu wenig oder den falschen Wirkstoff enthalten. Auch Verunreinigungen wurden gefunden, die Patienten ernsthaft gefährden können. Der Konzern geht rechtlich gegen Anbieter von Fälschungen vor.

Warum ist der illegale Handel so groß?
Abnehmmedikamente wie Ozempic und Wegovy erleben derzeit einen beispiellosen Boom. Da Retatrutide in Studien noch bessere Ergebnisse zeigt als die bereits zugelassenen Mittel, ist die Nachfrage enorm. Viele Menschen wollen nicht auf die offizielle Zulassung warten und riskieren Käufe auf dem Schwarzmarkt.
Wie gefährlich sind Fälschungen?
Schwarzmarkt-Produkte können völlig unkontrolliert hergestellt sein. Niemand weiß, welche Substanzen tatsächlich enthalten sind, ob die Dosierung stimmt oder ob Verunreinigungen vorliegen. Ohne ärztliche Aufsicht können auch gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten.
Wie erkennt man gefälschte Produkte?
Das ist oft kaum möglich. Seriös wirkende Verpackungen und Zertifikate sind kein Beweis für Qualität. Grundsätzlich gilt: Ein Medikament, das offiziell noch gar nicht zugelassen ist, kann nicht legal gekauft werden. Jedes Angebot im Internet für Retatrutide ist daher automatisch verdächtig.
Gibt es das Problem auch in Österreich?
Auch hierzulande ist der Markt für Abnehmmedikamente stark gewachsen. Experten warnen seit Längerem vor Bestellungen aus dubiosen Quellen im Internet. Die Versuchung mag groß sein, aber die Risiken sind es auch. Nicht zugelassene Medikamente unterliegen keiner behördlichen Kontrolle.
Was sollten Betroffene tun?
Wer abnehmen möchte, sollte immer zuerst einen Arzt konsultieren. Zugelassene Medikamente wie Wegovy sind in Österreich erhältlich, auch wenn sie oft nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. Von Käufen im Internet ohne Rezept ist dringend abzuraten.
Wann wird Retatrutide offiziell erhältlich sein?
Die US-Zulassung von Retatrutide wird für das kommende Jahr erwartet, wann es in der EU so weit sein wird, ist noch unklar. Bis dahin bleibt das Mittel ein experimentelles Präparat, das nur im Rahmen klinischer Studien verfügbar sein sollte. Wer auf eine schnelle Lösung aus dem Netz hofft, riskiert nicht nur sein Geld, sondern schlimmstenfalls sogar sein Leben.