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Knauserer Elon Musk

Warum der reichste Mensch der Welt auch einer der geizigsten ist

Für Elon Musk ist Philanthropie vor allem ein Instrument zur Steuervermeidung. Anstatt seine Milliarden einzusetzen, um Not zu lindern, schickt er sie lieber im Kreis. Für Milliardäre, die mit ihrem Geld wirklich etwas bewirken wollen, hat er hingegen nur Verachtung übrig.

Elon-Musk-Büste am Hauptsitz seines Weltraumunternehmens SpaceX in Texas: Philantropie bezeichnete er früher explizit als "Bullshit"
Elon-Musk-Büste am Hauptsitz seines Weltraumunternehmens SpaceX in Texas: Philantropie bezeichnete er früher explizit als "Bullshit"REUTERS/Gabriel V. Cardenas
The Economist
Akt. 14.10.2026 15:25 Uhr

Elon Musk, der reichste Mann der Welt, hält nicht viel von Philanthropie. Im August erklärte er in einem Beitrag in den sozialen Medien, Brian Armstrong, ein Krypto-Unternehmer, habe recht, wenn er viele Wohltätigkeitsorganisationen als "unterm Strich schädlich" für die Welt bezeichne.

Wenige Wochen zuvor hatte Musk Angriffe auf eine der größten privaten Spenderinnen der Geschichte unterstützt: MacKenzie Scott, die Ex-Frau von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Sie mache "die Welt zu einem schlechteren Ort", lautete der Vorwurf.

Musks Abneigung gegen wohltätiges Engagement ist nicht neu. Er trieb die faktische Zerschlagung der amerikanischen Entwicklungshilfeagentur voran und wurde einst mit der Aussage zitiert, Philanthropie sei "Bullshit". Seiner eigenen Vorstellung nach besteht sein Beitrag zur Menschheit vielmehr in seiner gewinnorientierten Arbeit: den Elektroautos von Tesla, der Weltraumforschung bei SpaceX und der politischen Debatte auf seiner Social-Media-Plattform X.

Und doch leitet Musk auch die fünftgrößte private gemeinnützige Stiftung der USA. Zuletzt verfügte die Musk Foundation über ein Vermögen von 14,7 Milliarden Dollar. Damit ist sie etwas kleiner als die Ford Foundation und mehr als doppelt so groß wie die Rockefeller Foundation – zwei Institutionen, die seit Langem zu den tragenden Säulen der Philanthropie zählen (siehe Grafik unten).

Die vermögendsten privaten Stiftungen der USA: Die Musk Foundation liegt mit 14,7 Milliarden Dollar auf Platz 5, schüttet aber kaum etwas davon aus
Die vermögendsten privaten Stiftungen der USA: Die Musk Foundation liegt mit 14,7 Milliarden Dollar auf Platz 5, schüttet aber kaum etwas davon aus
The Economist

Anders als diese Organisationen gibt die Musk Foundation allerdings so gut wie nichts über ihre Arbeit preis. Ihre Website umfasst gerade einmal 33 Wörter. Darin nennt sie die Bereiche, die sie fördern will, darunter erneuerbare Energien, Weltraumforschung und die Sicherheit künstlicher Intelligenz.

Die Stiftung wird zudem von gerade einmal drei Personen geführt: Musk selbst, Jared Birchall, dem Leiter seines Family Office, und Matilda Simon, einer weiteren Mitarbeiterin dieser Vermögensverwaltung. Die einzigen Hinweise auf die Aktivitäten der Stiftung finden sich in ihren Steuererklärungen. Der Economist hat die Unterlagen für den Zeitraum von Juli 2020 bis Ende 2024 ausgewertet, um einer Frage nachzugehen: Wie spendet ein Unternehmer, der Philanthropie verachtet?

Wie spendet ein Unternehmer, der Philanthropie verachtet?

Zunächst fällt auf, dass Musk offenbar wie die meisten Superreichen seine Spendentätigkeit so gestaltet, dass er seine Steuerlast möglichst gering hält. Seine größten Zuwendungen – Tesla-Aktien im Gesamtwert von rund acht Milliarden Dollar – übertrug er der Stiftung in den Jahren 2021 und 2022. In dieser Zeit erhielt er Aktien im Wert von vielen Milliarden Dollar hinzu und musste entsprechend mit einer enormen Steuerrechnung rechnen.

Brian Mittendorf, Rechnungslegungsexperte an der Ohio State University, erklärt, dass Stifter aus solchen Spenden einen "doppelten Vorteil" ziehen: Sie vermeiden die Kapitalertragsteuer auf Aktien, deren ursprünglicher Kaufpreis vergleichsweise niedrig war, und können zugleich eine steuerliche Absetzung auf Grundlage des deutlich höheren Marktwerts geltend machen. Ende 2024 lag der Buchwert der von der Musk Foundation gehaltenen Aktien bei rund 5,7 Millionen Dollar. Ihr geschätzter Marktwert belief sich hingegen auf 14 Milliarden Dollar.

Im Gegenzug für steuerliche Vergünstigungen sollen Philanthropen ihr Geld gemeinnützigen Zwecken zuführen. Die Musk Foundation lässt sich damit allerdings auffallend viel Zeit. Nach amerikanischem Recht müssen Stiftungen, die ausschließlich Fördermittel vergeben, jährlich etwa fünf Prozent ihres Anlagevermögens ausschütten. Andernfalls drohen Sanktionen; allerdings gilt eine Nachfrist von einem Jahr, um ein Versäumnis auszugleichen.

Dass Stiftungen diese Vorgabe gelegentlich verfehlen, kommt vor. Die Musk Foundation hat die Nachfrist jedoch in jedem der vergangenen vier Jahre genutzt, für die Steuerunterlagen vorliegen. Ende 2024 standen deshalb noch Ausschüttungen in Höhe von 400 Millionen Dollar aus, wie aus Daten des Anbieters Foundation Mark hervorgeht.

Bezos-Ex-Frau MacKenzie Scott: Seit ihrer Scheidung vom Amazon-Gründer hat sie etwa 25 Milliarden Euro für wohltätige Zwecke gespendet. Für Elon Musk macht sie "die Welt zu einem schlechteren Ort"
Bezos-Ex-Frau MacKenzie Scott: Seit ihrer Scheidung vom Amazon-Gründer hat sie etwa 25 Milliarden Euro für wohltätige Zwecke gespendet. Für Elon Musk macht sie "die Welt zu einem schlechteren Ort"
APA-Images / AP / Dennis Van Tine

Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil der bereits vergebenen Gelder offenbar zunächst geparkt wurde. Das zeigen die Steuerunterlagen sowie Schätzungen von Candid, einem weiteren Datenanbieter. Fast ein Zehntel der rund eine Milliarde Dollar, welche die Stiftung zwischen 2020 und 2024 ausschüttete, floss an Fidelity Charitable. Die Organisation verwaltet sogenannte donor-advised funds (DAFs), also Spendenfonds, in denen Geld für gemeinnützige Zwecke auf unbestimmte Zeit verbleiben kann, ohne dass eine Berichtspflicht besteht.

Rechtlich ist es nicht verboten, dass private gemeinnützige Stiftungen Geld an solche Fonds überweisen. Doch solche Transfers widersprächen dem "Geist der Regeln", sagt Mittendorf. "Man verschiebt das Geld einfach von einem Topf in einen anderen", kritisiert er.

Der weitaus größte Teil der Gelder, welche die Musk Foundation tatsächlich ausgezahlt hat, ging an andere Organisationen mit Verbindungen zu dem Unternehmer. Mehr als 58 Prozent flossen an The Foundation, eine von Birchall geleitete gemeinnützige Organisation, die dieselbe Adresse wie die Musk Foundation hat. Laut ihrer Steuererklärung für 2024 verfolgt sie das Ziel, Schulen mit einem Schwerpunkt auf den sogenannten MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – aufzubauen.

Was sie mit ihrem gesamten Geld tatsächlich macht, bleibt allerdings unklar. Musk finanzierte zwar eine Privatschule namens Ad Astra (lateinisch für „zu den Sternen“) in der Nähe des früheren SpaceX-Hauptsitzes in Kalifornien. Sie hatte weniger als 50 Schüler, darunter Musks eigene Kinder. Doch ungefähr zur Zeit der Covid-19-Pandemie wurde der Schulbetrieb eingestellt. Laut der Website von Ad Astra ist inzwischen eine neue Schule in Texas geplant, wohin SpaceX seinen Standort verlegt hat.

Andere Zuwendungen wirken ebenfalls eigennützig. Eine der größten jüngeren Spenden war eine Zahlung von 55 Millionen Dollar an ein Kinderkrankenhaus im Jahr 2021. Sie half einem anderen Milliardär, Jared Isaacman, sein Spendenziel zu erreichen, als dieser eine SpaceX-Mission als gemeinnütziges Projekt finanzierte und dafür ein Ticket verloste. Jared Isaacman ist seit Dezember 2025 der neue Leiter der US-Weltraumbehörde NASA. *

Nach der Explosion einer SpaceX-Rakete im Jahr 2021, deren Trümmer sich über das umliegende Gebiet verteilten, folgten zudem einige Spenden an gemeinnützige Organisationen im Süden von Texas.

Der Milliardär und neue NASA-Chef Jared Isaacman erhielt von Musk im Jahr 2021 Unterstützung, um ein Spendenziel zu erreichen
Der Milliardär und neue NASA-Chef Jared Isaacman erhielt von Musk im Jahr 2021 Unterstützung, um ein Spendenziel zu erreichen
REUTERS/Kylie Cooper

Unter den übrigen Zuwendungen lässt sich keine erkennbare philanthropische Strategie ausmachen. Lässt man The Foundation und Fidelity Charitable außen vor, betrug die durchschnittliche Spende der Musk Foundation im Jahr 2024 weniger als 1,4 Millionen Dollar. Das Geld floss in eine bunte Mischung von Projekten, von der Rettung von Seelöwen bis zur Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen.

Musk lege großen Wert darauf, als Visionär aufzutreten und kühne Ideen zu verfolgen, sagt Benjamin Soskis vom Urban Institute, einer politisch eher links ausgerichteten amerikanischen Denkfabrik. "Doch selbst bei der wohlwollendsten Betrachtung der Musk Foundation lässt sich ein solcher Ansatz nicht erkennen."

Bei der Vergabe ihrer Mittel hält sich die Musk Foundation weitgehend aus der operativen Arbeit heraus. Ironischerweise vergleichen die Empfänger ihre Praxis mit jener von Bezos-Ex-Frau und Großspenderin MacKenzie Scott. Sie hat die traditionelle Philanthropie auf den Kopf gestellt, indem sie mit einem kleinen Mitarbeiterstab auskommt und Geld verteilt, ohne den Empfängern vorzuschreiben, wofür sie es verwenden sollen, oder regelmäßige Berichte zu verlangen.

Auch die Musk Foundation zahlt keine Gehälter. Ihr dreiköpfiges Führungsteam widmet seiner Arbeit im Durchschnitt zusammen gerade einmal 2,1 Stunden pro Woche. Karim Meghji, der Chef der Bildungsorganisation CodeAI, die Fördermittel von der Stiftung erhalten hat, beschreibt das Verfahren als "sehr unkompliziert". "Im Wesentlichen läuft es auf einen Anruf und einen Scheck hinaus; am Jahresende schicken wir dann einen Bericht", erklärt er.

Offenbar ist Musk eher bereit, Geld für politische Zwecke auszugeben als für wohltätige. In den vergangenen Monaten hat er der Republikanischen Partei im Vorfeld der amerikanischen Zwischenwahlen mindestens 275 Millionen Dollar gespendet.

Das könnte sich noch ändern. Einmal in die Stiftung eingebrachtes Geld kann Musk nicht wieder zurückziehen. Zudem hat er in der Vergangenheit wiederholt angedeutet, künftig große Summen spenden zu wollen. Vorerst aber erweist sich der reichste Plutokrat der Welt als einer ihrer am wenigsten großzügigen.

* ergänzt

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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"

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