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Wofür Melinda Gates jetzt 1 Milliarde Dollar spendet

Drei Jahre nach der Scheidung von Bill Gates steigt Melinda French Gates aus der Stiftung von "Mr. Microsoft" aus und wird selbst Großspenderin. In einem offenen Brief legt sie die Gründe offen.

Philanthropistin Melinda French Gates 2023 beim Internationalen Währungsfonds in Washington
Philanthropistin Melinda French Gates 2023 beim Internationalen Währungsfonds in Washington
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Christian Nusser
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Der 7. Juni 2024 wird ihr letzter Tag sein. Dann kehrt sie der gemeinsamen Stiftung mit ihrem Ex-Mann den Rücken zu. Eine Begründung für den Schritt liefert Melinda French Gates nicht, aber in einem Gastbeitrag für die "New York Times" legt sie ausführlich dar, was sie nun mit ihrem Geld anfangen möchte: spenden. Die ersten Empfängerinnen sind schon benannt und es sind prominente Namen dabei. Was Sie über die Philanthropin und ihr neues Leben wissen müssen:

Wer ist Melinda French Gates?
Sie wurde am 15. August 1964 als Melinda Ann French geboren, bis heute verwendet sie den Namen "french" in ihrer E-Mailadresse. Sie ist das zweite von vier Kindern. Die Familie lebt in Dallas, Texas, der Vater arbeitet am "Apollo"-Raumfahrtprogramm mit, die Mutter ist Hausfrau. Schnell wird klar, Melinda ist gut in Mathematik. Als sie 14 ist, stellt ihr der Papa einen Apple II-Computer ins Jugendzimmer, einer der ersten PC für den Heimgebrauch. Die Familie tut viel, damit die Tochter studieren kann, Melinda selbst geht putzen, macht schließlich einen Bachelor-Abschluss in Informatik und ihren Master-Abschluss in Wirtschaft an der Duke University.

Wie landete sie bei Microsoft?
Indem sie ein Jobangebot bei IBM ausschlug, der Konzern schien ihr zu träge. Microsoft war das, was man heute als Start-up bezeichnen würde. Als Gates 1987 ins Unternehmen kam, war sie die Jüngste und die einzige Frau. Sie wurde Marketingmanagerin, stieg zum General Manager auf, entwickelte und startete Multimedia-Produkte wie "Microsoft Bob", "Cinemania", "Publisher", "Word" und "Expedia.com".

Bill and Melinda Gates 2019 bei einem Interview in Kirkland, Washington
Bill and Melinda Gates 2019 bei einem Interview in Kirkland, Washington
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Wie lernte sie Bill Gates kennen?
Vier Monate nachdem sie bei Microsoft angefangen hatte, traf sie Bill Gates auf einer PC Expo-Ausstellung in New York City. Der Nerd mit der Riesenbrille und dem linkischen Gehabe soll sie gefragt haben, ob sie mit ihm ausgehen wolle – "in zwei Wochen". "Keine Ahnung, was ich in zwei Wochen mache", will sie geantwortet haben. Legende oder Faktum? Eine Stunde später rief er sie im Büro an und fragte: "Ist das spontan genug?" Am 1. Jänner 1994 heirateten sie, die Ehe hielt 27 Jahre.

Warum sie immer auf eigenen Beinen stand?
In der "Süddeutschen Zeitung" begründete sie das so: "Ich war einer der frühen Mitarbeiter bei Microsoft. Ich wurde damit ganz allein eine sehr wohlhabende Frau. Selbst wenn ich Bill nicht geheiratet hätte, wäre ich Millionärin. Sehr jung bin ich es geworden, bevor ich 26 Jahre war. Ich wusste: Ich schaffe es allein. Ich muss keinen Bill Gates heiraten. Okay, er bewegte sich in einer anderen Sphäre; aber das war mir egal. Ich hatte, was ich brauchte, um ein großartiges Leben zu führen, wen auch immer ich heirate. Das hat mir damals Stärke gegeben."

Wie reich ist Melinda Gates?
Auf der "Forbes-Liste 2024" der reichsten Menschen der Welt findet sich ihr Name auf Platz 188. Ihr Vermögen wird in den Ranking auf 11 Milliarden Dollar geschätzt. Der Bloomberg Billionaires Index taxiert ihren Reichtum auf 13,3 Milliarden Dollar, den von Bill Gates auf 154 Milliarden.

Melinda Gates besucht 2023 mit Tochter Phoebe eine Gala der  "Clooney Foundation"
Melinda Gates besucht 2023 mit Tochter Phoebe eine Gala der "Clooney Foundation"
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Was blieb von ihrer Ehe?
Drei Kinder, zwei Mädchen, ein Bub. Die Älteste, Jennifer (28), ist seit Oktober 2021 mit dem ägyptischen Olympiareiter Nayel Nassar (33) verheiratet und seit März 2023 Mutter von Leila. Die anderen beiden Kinder heißen Rory John (24) und Phoebe Adele Gates (21). Seit der Scheidung nutzt Gates wieder ihren Mädchennamen Melinda French. Und das gibt es da noch die gemeinsame Stiftung.

Wie kam es zur Gates-Stiftung?
Als die erste Tochter auf die Welt kam, hört Melinda bei Microsoft auf. 1997 las sie in der Zeitung einen Bericht über Kinder aus Afrika und überzeugte ihren Mann, gemeinsam etwas dagegen zu unternehmen. Er wollte auch irgendwas mit Engagement tun, aber erst später, als Aufgabe in der Rente. Melinda aber suchte eine Aufgabe. In der Schule hatte sie ihre Kinder unter falschem Namen angemeldet, um ihnen einen guten Start zu ermöglichen. Als das aufflog, hörte sie Sätze wie: "Oh, das sind die Kinder von Bill Gates. Sie sind Bill Gates’ Frau!"

Was war der Zweck der Gates-Stiftung?
Melinda Gates kniete sich in die Arbeit, sie sammelt Geld ein. Es floss in Impfprogramme in Afrika, in Projekte gegen Hunger, die Bekämpfung von Malaria. 2008 hört Bill Gates bei Microsoft auf und widmet sich nun ganz der Stiftung. Für Melinda ein heikler Moment, wieder droht ihr, als Frau von einem Mann, noch dazu dem eigenen, wegdominiert zu werden. Sie wollte nicht klein beigeben. "18 Monate" habe es gedauert "alles neu auszubalancieren"., sagte sie später. Eher keine einfache Zeit.

Wie es zu Ende ging?
2021 zerbrach die Ehe. "Ich trage die Verantwortung dafür, dass ich meiner Familie eine Menge Schmerz bereitet habe", sagte Bill Gates ein Jahr später in der US-Fernsehsendung "Today" und niemand widersprach. Auf die Untreue-Gerüchte ging er nicht näher ein. "Ich glaube nicht, dass das konstruktiv ist". Zeitnah meldete sich auch Melinda Gates zur Wort. "Ich hatte einige Gründe, warum ich einfach nicht mehr in dieser Ehe bleiben konnte», sagte sie zur US-Wirtschaftszeitschrift "Fortune". Mehr nicht. Nun folgt der endgültige Schnitt.

Melinda Gates mit Sohn Rory am 23. Mai 2024 im Weißen Haus
Melinda Gates mit Sohn Rory am 23. Mai 2024 im Weißen Haus
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Was hat die Stiftung für einen Ruf?
Sie ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Die "Bill & Melinda Gates Foundation" hat sich über die Jahre ausgewachsen: 1.818 Beschäftigte, 7 Milliarden Dollar wurden laut eigener Webseite bisher investiert. Kritiker werfen der Stiftung vor, nicht allein gute Zwecke zu verfolgen. Die "LA Times" berichtete schon 2008, dass auch in Unternehmen wie Royal Dutch Shell, die Exxon Mobil Corp. und Total investiert wurde, die für Umweltzerstörung in Afrika verantwortlich gemacht werden. Nur ein Bruchteil des Geldes fließe in wohltätige Zwecke, manches diene auch schlicht der Steuervermeidung.

Was Melinda French Gates nun plant?
Ihren Gastbeitrag in der "New York Times" beginnt sie mit einem Ratschlag, den sie vor Jahren bekommen habe. "Lege deine eigenen Ziel fest, sonst legt sie jemand für dich fest". Sie wolle nun "ein neues Kapitel meiner Philanthropie" aufschlagen. In den nächsten zwei Jahren soll eine Milliarde Dollar "Menschen und Organisationen zugutekommen, die sich für Frauen und Familien auf der ganzen Welt einsetzen, darunter auch für reproduktive Rechte in den Vereinigten Staaten."

Welche feministische Agenda sie hat?
20 Jahre Engagement hätten sie frustriert. "Es wird immer Leute geben, die sagen, es sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um über Geschlechtergleichheit zu sprechen." Aber: "Volkswirtschaften mit voller Beteiligung von Frauen haben mehr Wachstumspotenzial". Und: "Die politische Teilhabe von Frauen geht mit weniger Korruption einher". Und: "Friedensabkommen sind beständiger, wenn Frauen an ihrer Ausarbeitung beteiligt sind."

Jennifer Gates ist seit 2021 mit dem ägyptischen Olympia-Springreiter Nayel Nassar verheiratet
Jennifer Gates ist seit 2021 mit dem ägyptischen Olympia-Springreiter Nayel Nassar verheiratet
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Welche frustrierenden Erkenntnis sie gewonnen hat
"In den USA ist die Müttersterblichkeit nach wie vor unerträglich hoch, wobei schwarze und indianische Mütter am stärksten gefährdet sind" schreibt Gates in ihrem Gastbeitrag. " In 14 Bundesstaaten haben Frauen das Recht verloren, eine Schwangerschaft unter fast allen Umständen abzubrechen. Wir sind nach wie vor die einzige hochentwickelte Volkswirtschaft ohne bezahlten Familienurlaub. Und die Zahl der Teenagerinnen, die Selbstmordgedanken haben und sich ständig traurig und hoffnungslos fühlen, ist so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Trotz der dringenden Notwendigkeit fließen in den USA nur etwa zwei Prozent der Spenden in Organisationen, die sich auf Frauen und Mädchen konzentrieren, und nur etwa ein halber Prozentpunkt geht an Organisationen, die sich speziell auf farbige Frauen konzentrieren."

Was der unmittelbare Auslöser war
"Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA von 2022, das landesweite Recht auf Abtreibung zu kippen", schreibt Gates in der "New York Times".

Wo das Geld herkommt?
Aus der gemeinsamen Stiftung mit Bill Gates. Teil der Scheidungsvereinbarung war, dass Melinda bei ihrem Ausscheiden 12,5 Milliarden Dollar erhält. Nun wird das erste Geld investiert. Melinda French Gatet nutzt dafür ihre Organisation "Pivotal".

Wer das Geld bekommt?
Die erste Tranche ist schon genau verplant. 200 Millionen Dollar bekommen 15 Non-Profit-Organisation (NPO) in den USA, die sich für Mädchen und Frauen einsetzen. Dazu gehören etwa "Collaborative for Gender + Reproductive Equity" oder die "National Domestic Workers Alliance". 240 Millionen Dollar erhalten in einer Stückelung von jeweils 20 Millionen Dollar 12 "Global Leader". Dazu gehören Sprint-Olympiasiegerin Allyson Felix, die frühere neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern oder Friedens-Nobelpreisträgerin Leymah Roberta Gbowee. 250 Millionen Dollar erhalten Organisationen in der ganzen Welt, die sich für die geistige und körperliche Gesundheit von Frauen einsetzen. Die Auswahl erfolgt im Herbst.

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