Wenn diese Idee Früchte trägt … Der Uhrenhersteller Swatch hat bei seinem neuesten, limitierten MoonSwatch-Modell das verwendete Gold nach dem Preis von 1969 kalkuliert. Dadurch kostet die Uhr gerade einmal die Hälfte von dem, was sie eigentlich kosten müsste.

Zum Jahrestag der ersten Mondlandung am 21. Juli 2026 – vor 57 Jahren betraten die US-Astronauten Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin als erste Menschen den Erdtrabanten – bringt der Schweizer Uhrenhersteller Swatch eine neue, limitierte Version seines Erfolgsmodells MoonSwatch heraus.
Das Besondere daran: In der Uhr ist so viel Gold verbaut, dass sie nach heutigem Goldpreis etwa 1.200 Euro kosten müsste. Zur Feier des Jubiläums legt Swatch bei der Preiskalkulation allerdings den Goldpreis von 1969 an – und kann die neue MoonSwatch dadurch um die Hälfte – also 600 Euro – verkaufen.
Allerdings: Die Uhr ist erstens auf nur 1.969 Stück limitiert (eine Anspielung auf das Jahr der ersten Mondlandung). Und zweitens müssen sich potenzielle Käufer erst als würdig erweisen, die Uhr überhaupt besitzen zu dürfen.
Wie das mit der Würde in der Praxis abläuft, weshalb sich Swatch die Großzügigkeit beim Goldpreis leistet und wie man mit der Uhr auch die aktuellen Einreisebestimmungen in die USA aufs Korn nimmt – das gilt es über die MoonSwatch zum halben Preis zu wissen:

Worum geht es?
Um das jüngste Modell der erfolgreichen MoonSwatch-Serie des Schweizer Uhrenherstellers Swatch. Es erscheint anlässlich des 57-jährigen Jubiläums der ersten Mondlandung, ist besonders edel und mit zahlreichen Anspielungen auf die Historie der Monderoberung gestaltet und gehört damit bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart zu den begehrten Sammlermodellen.
Was ist die MoonSwatch?
Eine Kooperation der beiden Schweizer Uhrenmarken Omega und Swatch. Omega stattete bereits ab den frühen 1960er-Jahren die Astronauten der NASA mit Armbanduhren aus, die diese während ihrer Missionen im All trugen. So auch bei der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969. Das entsprechende Modell namens Omega Speedmaster heißt seither unter Fans nur "Moonwatch".
Und wie kommt Swatch hier ins Spiel?
Die Omega Speedmaster "Moonwatch" gehört zu den beliebtesten Uhrenmodellen der letzten Jahrzehnte, ist allerdings selbst in ihrer günstigsten Version mehrere tausend Euro teuer. Um auch Fans mit kleineren Brieftaschen das Tragen einer "Moonwatch" zu ermöglichen, kooperieren Omega und Swatch (gehören beide zum gleichen Konzern, der Swatch Group) seit 2022 und stellen ein Hybridmodell im Stil einer Omega "Moonwatch" her, allerdings mit Werk und Materialien aus Swatch-Fertigung.
Gibt es davon verschiedene Modelle?
Ja, seit der ersten MoonSwatch 2022 sind bislang insgesamt drei Dutzend verschiedene MoonSwatch-Modelle erschienen, von denen einige nur als einmalige, limitierte Sondermodelle erhältlich waren.
Was macht das neue Jubiläumsmodell so besonders?
Die Uhr trägt den Namen "Mission to the Moon 1969", ist auf 1.969 Stück limitiert und es wurde erstmals echtes Gold in größerem Umfang in eine MoonSwatch verbaut, und zwar gleich 11 Gramm – auch das eine Anspielung auf den Namen der NASA-Mission, die erstmals auf dem Mond landete – es war Apollo 11, die elfte Mission des Apollo-Programms.
Und das war's schon?
Nein, die Schweizer Marketing-Fachleute haben sich noch ein paar Zuckerln einfallen lassen. Die 11 Gramm 18-karätiges Gold werden nach dem Goldpreis von 1969 in den Gesamtpreis der Uhr eingerechnet. Der lag seinerzeit bei etwa 11 Dollar, was heute etwa 100 Dollar (bzw. ca. 85 Euro) wären.

Und wie hoch ist der Goldpreis heute?
11 Gramm 750er-Gold kosten derzeit etwa 930 Euro. Rechnet man die weiteren Kosten noch dazu – Material, Fertigung etc. – käme man auch einen Preis von etwa 1.200 Euro für die Uhr. Ein Verkaufspreis von 600 Euro ist also in jedem Fall eine Mezzie.
Wo sind die 11 Gramm Gold verbaut?
Das Zifferblatt, Zeiger, Krone und Drücker sind aus Gold gefertigt.
Und wie kann sich Swatch das leisten?
Obwohl die Swatch Group 2025 einen Umsatz von etwa 6,8 Milliarden Euro erzielte, sollte es sich grundsätzlich kein Unternehmen erlauben, seine Produkte weit unter Wert zu verkaufen. Dass es hier dennoch passiert, liegt vor allem daran, dass das Gold nicht eigens zugekauft werden musste. Sondern dass für die MoonSwatch "Mission to the Moon 1969" goldene Omega-Ersatzteile aus den späten 1960er-Jahren in der hauseigenen Gießerei eingeschmolzen wurden, für die sonst keine Verwendung mehr bestand.
Wie kommt man jetzt zu einer MoonSwatch "Mission to the Moon 1969"?
Man muss ausgewählt werden – Swatch hat sich ein ziemlich kompliziertes Verfahren ausgedacht, um die 1.969 Personen zu finden, die schließlich eine der Uhren kaufen dürften.
Und zwar?
Seit dem 16. Juli, 15.32 Uhr nachmittags (das war im Jahr 1969 der Zeitpunkt, als die Apollo-11-Rakete vom Kennedy Space Center in Florida abhob) ist auf swatch.com ein sogenannter ESTA-Antrag (ESTA steht hier für "Electronic Swatch Timepiece Application") abrufbar, den man ausfüllen muss, um sich als Käufer zu bewerben.
Wie funktioniert das?
Man muss 32 Fragen rund um das Thema Mondlandung beantworten und hat dafür maximal 2 Stunden und 15 Minuten Zeit – das ist jene Zeitspanne, die Neil Armstrong und Buzz Aldrin am 21. Juli 1969 im Freien auf der Mondoberfläche verbrachten.

Und weiter?
Wer sämtliche Fragen korrekt beantwortet, kommt in die Auswahl einer internen Jury. Diese vergibt 1.969 Kaufberechtigungen. Ausgewählte Personen werden per E-Mail informiert und haben danach 48 Stunden Zeit, den Kauf elektronisch abzuschließen. Die Uhr kann dann persönlich in einem zuvor ausgewählten Swatch-Store abgeholt werden.
Geht es nicht noch ein wenig komplizierter?
Das gesamte Prozedere ist tatsächlich ziemlich kompliziert – und das mit Absicht. Swatch möchte sich damit über den ESTA-Antrag (steht hier für Electronic System for Travel Authorization) lustig machen, den jede in die USA einreisende Person beantragen muss.
Wie lange kann man sich für die limitierte MoonSwatch bewerben?
Die Bewerbungsfrist läuft bis 21. Juli 2026, um 23.59 Uhr, danach ist Sense.
Habe ich größere Chancen, ausgewählt zu werden, wenn ich den Kauf früher beantrage?
Nein, Swatch versichert, dass alle Anträge, die infrage kommen (also wo alle Fragen richtig beantwortet wurden) gleichermaßen für die Auswahl durch die Jury herangezogen werden.
Und wie wählt die Jury aus?
Dazu äußert sich Swatch leider nicht weiter.
Weshalb der ESTA-Seitenhieb gegen die USA?
Seit Donald Trump wieder im Weißen Haus sitzt und mit seinen Einfuhrzöllen auch der Schweizer Uhrenindustrie das Leben schwer macht, schießt Swatch Group-Chef Nick Hayek (Sohn von Swatch-Gründer Nicolas Hayek) immer wieder Spitzen gegen die aktuelle Wirtschafts- und Zollpolitik der USA.

Das ist also nicht das erste Mal?
Nein, bereits im vergangenen Herbst lancierte Swatch ein Sondermodell namens "What if … Tariffs", bei dem die Ziffern 3 und 9 auf dem Zifferblatt getauscht wurden und symbolisch für den 39-Prozent-Zoll standen, den Trump der Schweiz damals aufbürdete.
Klingt ein wenig kindisch …
Hat aber tatsächlich gut funktioniert. Das Modell "What if ... Tariffs?" wurde nur in der Schweiz verkauft und war rasch vergriffen. Swatch bezeichnete die Aktion damals als "positive Provokation" und versprach, den Verkauf einzustellen, sobald die USA ihre Zölle gegen die Schweiz ändern. Sogar der Preis von 139 Franken war eine Anspielung auf den Zollsatz.
Und finden sich genügend Menschen, die bei der ESTA-Umfrage mitmachen?
Aber hallo?! Freitag war der Zugang zu den 32 Fragen stundenlang blockiert, weil sich hunderttausende Menschen für die Uhr bewerben wollten. Seit Freitagnachmittag kann man sich aber wieder für eines der neuen Modelle anmelden.