Mit "Vaiana" bringt der Konzern die nächste Neuverfilmung eines Animationsstoffes auf die große Leinwand. Was kommerziell nach wie vor gut funktioniert, bleibt künstlerisch allerdings hinter den Erwartungen zurück. Außerdem neu: das Thriller-Drama "Good Boy".

Mit "Vaiana", das jetzt als Realverfilmung in den Kinos startet, setzt Disney seine seit Jahren zumindest finanziell erfolgreiche Strategie fort, eigene Animationsklassiker als Live-Action-Filme neu aufzulegen. Die Idee dahinter: Kultfilme einer neuen Generation zugänglich zu machen und gleichzeitig das Nostalgiegefühl älterer Zuschauer zu nutzen – oft mit modernen Spezialeffekten, prominenter Besetzung und leicht überarbeiteten Geschichten.
Den Auftakt machte bereits 1994 "Das Dschungelbuch", ehe Disney die Reihe ab den 2010er-Jahren systematisch ausbaute. Spätestens der große Erfolg von "Alice im Wunderland" (2010) zeigte dem Studio, welch kommerzielles Potenzial in den Neuverfilmungen steckt, auch wenn die meisten Filmkritiker mit den Filmen immer weniger anfangen können.
Inzwischen sind rund 25 Live-Action-Remakes und Neuinterpretationen von Disney-Animationsfilmen erschienen, darunter "Cinderella", "Die Schöne und das Biest", "Aladdin", "Der König der Löwen", "Arielle, die Meerjungfrau" und zuletzt "Lilo & Stitch". Weitere Projekte befinden sich bereits in Arbeit, darunter Neuverfilmungen von "Rapunzel – Neu verföhnt" und "Hercules".
Auch wirtschaftlich hat sich die Strategie für Disney überwiegend ausgezahlt. Mehrere Filme spielten weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar ein – darunter "Die Schöne und das Biest" (2017), "Aladdin" (2019) und "Der König der Löwen" (2019). Zwar fielen einzelne Titel wie "Dumbo" oder "Pinocchio" deutlich schwächer aus, insgesamt gehören die Live-Action-Remakes jedoch zu den verlässlichsten Kassenschlagern des Studios.
Ob auch "Vaiana" an diese Erfolge anknüpfen kann, wird sich zeigen. Erste Prognosen aus den USA rechnen mit einem soliden Kinostart, bleiben aber hinter den größten Disney-Hits der vergangenen Jahre zurück. In Österreich startet das Südsee-Märchen über eine mutige junge Frau diese Woche in den Kinos – mit Dwayne Johnson als muskelbepacktem Halbgott Maui – gute Unterhaltung!

Worum es geht Die mutige Vaiana (Catherine Laga'aia) lebt auf der pazifischen Insel Motunui. Obwohl ihr Vater, der Stammesführer Tui (John Tui), ihr verbietet, das die Insel umgebende Riff zu überqueren, spürt sie seit ihrer Kindheit eine besondere Verbindung zum Ozean.
Als die Natur ihrer Heimat aus dem Gleichgewicht gerät und Nahrung sowie Pflanzen zu verdorren beginnen, erkennt Vaiana, dass sie handeln muss. Sie folgt dem Ruf des Meeres und begibt sich auf eine gefährliche Reise, um das gestohlene Herz der Göttin Te Fiti zurückzubringen und so ihre Heimat zu retten. Begleitet wird sie dabei von dem tollpatschigen Hahn Heihei und dem Hausschwein Pua.
Auf ihrer Reise trifft sie den Halbgott Maui (Dwayne Johnson), der einst das Herz von Te Fiti stahl und dadurch ungewollt das Ungleichgewicht auslöste. Gemeinsam stellen sich beide zahlreichen Herausforderungen: Sie kämpfen gegen Meeresmonster, trotzen gewaltigen Stürmen und begegnen dem riesigen Krabbenwesen Tamatoa.
Lohnt sich das? Hollywood ist in der Krise. Der Vorteil: Wenn sich Genres totgelaufen haben, kommen neue Impulse meist aus der Peripherie und dem Underground. So wie das eben mit "Backrooms" und "Obsession" passiert ist, die sich trotz geringer Budgets zu Erfolgen mauserten. Und in der Regel inhaltlich um einiges mehr zu bieten haben als generische Studio-Produktionen.
Die sterbenden Genres scheinen zum einen die klassischen Superheldenfilme zu sein. Und zum anderen unnötige Live-Action-Adaptionen von (Disney-)Animationen. Viel weniger Kreativität geht kaum, und auch das Publikum hat das inzwischen erkannt. Die Ankündigung der Neuverfilmung von "Vaiana" wurde daher nicht nur positiv aufgenommen. Viele Fans stellten infrage, warum ein erst zehn Jahre alter Animationsfilm bereits ein Remake erhält. Ist die kreative Flaute bei Disney wirklich so groß? "Vaiana" startet also mit einer Hypothek.

Die ersten Kritiken sind dementsprechend durchwachsen bis negativ, vor allem in den USA: Die Realverfilmung kopiere die Vorlage und biete nur wenige neue Ideen. Auch die visuelle Umsetzung stößt - trotz aufwendiger Naturaufnahmen - nicht überall auf Zustimmung. Als Pluspunkte werden die Darstellung der jungen, bisher unbekannten Catherine Laga'aia und Dwayne Johnsons Charisma gesehen. Und die möglichst authentische Darstellung polynesischer Kultur.
Unterm Strich richtet sich "Vaiana" vor allem an Familien, Fans des Originals und Zuschauer, die klassische Disney-Abenteuer, die immer dem selben Schema folgen, mögen. Dem ohnehin fragwürdigen Genre der Live Action-Adaptionen neuen Auftrieb verleihen wird dieser Film aber wohl kaum.
"Vaiana", Familienfilm. USA 2026, 120 Minuten, ab 9. Juli im Kino

Worum es geht Der 19-jährigen Tommy (Anson Boon) sucht als gewaltbereiter Social-Media-Influencer mit rücksichtslosen Aktionen Aufmerksamkeit und stachelt seine Follower zu gefährlichem Verhalten an. Nach einer exzessiven Nacht wird er entführt und erwacht angekettet im Keller eines abgelegenen Hauses. Dort halten ihn Chris (Stephen Graham) und dessen Frau Kathryn (Andrea Riseborough) gefangen. Das Ehepaar ist überzeugt, Tommy mit drastischen Methoden zu einem besseren Menschen machen zu können.
Während Tommy zunächst verzweifelt versucht zu entkommen, wird er immer stärker psychisch unter Druck gesetzt. Chris zwingt ihn dazu, sich mit seinen eigenen Taten auseinanderzusetzen und unterzieht ihn einer verstörenden wie fragwürdigen "Therapie". Die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen zunehmend.
Lohnt sich das? "Good Boy" greift zahlreiche aktuelle gesellschaftliche Themen auf: Die Macht sozialer Medien, toxische Männlichkeit, Gewalt als Unterhaltungsform und Erziehung. Hinter allem steht die Frage, ob moralische Ziele Gewalt rechtfertigen können - oder ob dadurch lediglich neuer Schaden entsteht.
Zahlreiche Kritiker verglichen den Film mit Stanley Kubricks "A Clockwork Orange", weil beide Werke die Idee einer erzwungenen Umerziehung behandeln, auch Parallelen zu Michael Hanekes "Funny Games" wurden erkannt. Besonders gelobt wurden die Atmosphäre sowie die schauspielerischen Leistungen von Stephen Graham und Andrea Riseborough. Jedenfalls ein mutiger und unbequemer Thriller, der lange nachwirkt.
"Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes", Thriller. GB/Polen 2026, 110 Minuten, ab 10. Juli im Kino

"Evil Dead Burn"
Eine junge Witwe (Souheila Yacoub) sucht nach dem Tod ihres Mannes Zuflucht bei dessen Familie. Doch das abgelegene Anwesen wird zum Schauplatz dämonischen Grauens, als sich nach und nach Familienmitglieder in gefürchtete Deadit (Besessene) verwandeln. Um zu überleben, muss sie sich dieser übernatürlichen Bedrohung stellen.
Mit "Evil Dead Burn" erhält die legendäre Horrorreihe ein weiteres Kapitel. Regie führt der französische Filmemacher Sébastien Vaniček, der nach seinem viel beachteten Horrorfilm "Infested" nun erstmals einen großen Film übernimmt. "Evil Dead Burn" setzt auf gewohnt brutale Action und bleibt damit den Wurzeln der Reihe treu, wagt zugleich aber einen neuen erzählerischen Ansatz. Fans der Kultserie dürfen sich auf ein düsteres, kompromissloses Horrorerlebnis freuen.
"Evil Dead Burn", Horror. USA 2026, 110 Minuten, ab 10. Juli im Kino
"Auf zwei Rädern"
Autobiografisch geprägter Film des französischen Regisseurs Mathias Mlekuz: Mathias (gespielt vom Regisseur selbst) unternimmt gemeinsam mit seinem besten Freund Philippe und Hund Lucky eine außergewöhnliche Fahrradtour quer durch Europa. Sie folgen der Route, die Mathias' verstorbener Sohn Jahre zuvor gefahren ist. Aus der Reise wird eine emotionale Spurensuche, die schmerzhafte Erinnerungen mit neuen Begegnungen verbindet. In Frankreich entwickelte sich der Film, der nun passend zur Tour de France startet, zum Publikumserfolg und wurde auf mehreren Festivals ausgezeichnet.
"Auf zwei Rädern", Tragikomödie. FRA 2024, 89 Minuten, ab 9. Juli im Kino
"The Stories"
Der Film erzählt vom jungen Ägypter Ahmed (Amir El-Masry), der mit der Österreicherin Liz (Valerie Pachner) von den späten 1960er- bis in die 1980er-Jahre durch eine Brieffreundschaft verbunden ist. Während politische Krisen, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche ihre Leben prägen, entwickeln sie durch ihre Korrespondenz eine Beziehung, die ihnen Hoffnung und Zuversicht gibt.
"The Stories" ist eine internationale Koproduktion unter österreichischer Beteiligung, beim Filmfestival Diagonale gab es dafür den Publikumspreis. Zu den Darstellern gehören neben den Genannten auch Maria Hofstätter und Johannes Krisch. Regisseur Abu Bakr Shawky zeigt, wie menschliche Beziehungen selbst über kulturelle und geografische Grenzen hinweg Bestand haben können.
"The Stories", Drama. AT/FRA/BEl/EGY/SWE 2025, 120 Minuten, ab 10. Juli im Kino
"Virginia Woolf's Night and Day"
Regisseurin Tina Gharavi adaptiert den gleichnamigen Roman der Schriftstellerin Virginia Woolf: Im Mittelpunkt steht Katharine Hilbery (Haley Bennett), eine junge Frau aus der Londoner Oberschicht des frühen 20. Jahrhunderts. Obwohl sie standesgemäß verlobt ist, träumt sie von einem selbstbestimmten Leben und ihrer Leidenschaft für die Astronomie. Zwischen den Erwartungen ihrer Familie und persönlichen Wünschen muss sie ihren Weg finden, Hilfe bekommt sie dabei vom jungen Rechtsanwalt Ralph Denham (Elyas M'Barek).
"Virginia Woolf's Night and Day", Komödie, Drama. GB/USA/DE 2026, 95 Minuten, ab 9. Juli im Kino