María Begoña Gómez Fernández ist die Ehefrau von Ministerpräsident Pedro Sánchez. Sie soll die Position ihres Mannes für ihre Karriere ausgenutzt haben. Jetzt wurde sie wegen Korruption angeklagt. Was dahintersteckt, ob es wirklich zum Prozess kommt.

Jetzt stehen die Zeichen auf Sturm. María Begoña Gómez Fernández, Ehefrau des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, muss sich wohl vor Gericht verantworten. Die Justizbehörden des Landes haben offiziell Anklage gegen die 55-Jährige erhoben. Ihr werden Korruption, Einflussnahme, die Veruntreuung öffentlicher Gelder sowie die missbräuchliche Verwendung von Ressourcen vorgeworfen.
Zwei Jahre lang war zuvor gegen die Marketingberaterin ermittelt worden, ehe die Anklage feststand. Und diese erwischt vor allem den Ehemann der Angeklagten auf dem falschen Fuß. Denn Spaniens linksgerichteter Ministerpräsident muss sich bereits seit Längerem mit mehreren Korruptionsfällen in seinem engsten Polit-Umfeld auseinandersetzen.
Sánchez selbst gibt sich kämpferisch und sieht die Ermittlungen gegen seine Frau als Teil einer gezielten Kampagne, die seine Regierung destabilisieren soll. Rechte bis Rechtsextreme Kräfte in- und außerhalb der Opposition seine dafür verantwortlich.
Denn der seit 2023 mit einer Minderheitskoalition regierende Sozialist Sánchez sieht sich in seinem insgesamt achten Jahr als Ministerpräsident aufgrund mehrerer umstrittener Richtungsentscheidungen zunehmendem politischem Gegenwind ausgesetzt. Entsprechend vehement sind nach Bekanntwerden der Anklageerhebung gegen seine Ehefrau auch die Rücktrittsaufforderungen der Opposition ausgefallen. Motto: Je eher es zu Neuwahlen kommt, desto größer die Chance auf einen Regierungswechsel.
Was der spanischen First Lady von der Justiz konkret vorgeworfen wird, wie es überhaupt zur Anklageerhebung gegen sie kam und weshalb bei einem möglichen Verfahren indirekt auch die Politik ihres Ehemannes auf dem Prüfstand steht – das sollte man über den Fall, der Spaniens Öffentlichkeit derzeit spaltet, wissen:

Wer ist María Begoña Gómez Fernández?
Die 55-jährige Marketingberaterin ist seit 2006 die Ehefrau des sozialistischen Politikers Pedro Sánchez. Der 54-Jährige ist seit 2017 Vorsitzender des Partido Socialista Obrero Español (PSOE), der spanischen Sozialistischen Partei. Seit Juni 2018 ist Sánchez auch spanischer Ministerpräsident, seit 2023 in einer Minderheitenkoalition. Und er ist Vorsitzender der Sozialistischen Internationale.
Muss man María Begoña Gómez Fernández kennen?
Außerhalb Spaniens war sie bislang ein eher unbeschriebenes Blatt. In Spanien selbst rückte die Mutter zweier Töchter durch ihren Ehemann ins Rampenlicht. Aufgrund ihres familiären Hintergrundes wurde sie rasch zu einer beliebten Zielscheibe christlich-konservativer Medien, die mit Angriffen auf María Begoña Gómez Fernández vor allem Sánchez und die Sozialisten treffen wollten.
Was ist ihr familiärer Hintergrund?
Der Vater von María Begoña Gómez Fernández betrieb in der Vergangenheit gemeinsam mit seinen Brüdern mehrere Sauna-Etablissements für heterosexuelle und homosexuelle Männer, die in Wahrheit versteckte Bordelle gewesen sein sollen, wie spanische Medien 2025 berichteten. Und die Tochter soll ihren Vater bei der Leitung dieser Etablissements unterstützt haben, so der Vorwurf.
Ist bekannt, wie lange die Familie diese Etablissements führte?
Die Betriebe seien laut Medienberichten von Pedro Sánchez' Schwiegervater erst im Jahr 2012 verkauft worden – angeblich, um die Karriere des Politikers nicht zu gefährden.
Was hat Sánchez' Ehefrau dort gemacht?
Sie habe die Buchhaltung für die Betriebe erledigt, berichteten mehrere Angestellte der Etablissements 2025. Im erzkatholischen Spanien alles andere als ein lässlicher Vorwurf, auch wenn bei den Betrieben rechtlich alles einwandfrei gewesen sein sollte.
War das ihr Hauptberuf?
Nein, María Begoña Gómez Fernández hat nach eigenen Angaben einen Bachelor-Abschluss in Marketing von der ESIC University, einer privaten Wirtschaftshochschule. 2024 deckten allerdings Recherchen des rechtsnationalen Online-Mediums Okdiario auf, dass Spaniens First Lady ihr Marketing-Wissen offenbar vielmehr bei einer privaten Business School erworben hat, deren Bildungsniveau der spanischen Matura entspricht. Und dass María Begoña Gómez Fernández somit über keinen Hochschulabschluss verfügt.

Was ist das große Bild hinter diesen Enthüllungen?
Aus diesen Medienberichten lassen sich zwei Dinge ableiten. Erstens: In der Vergangenheit von María Begoña Gómez Fernández gibt es einige Punkte, wo sie möglicherweise nicht sonderlich geschickt agiert hat und über die sie eher ungern spricht. Und zweitens: Die Ehefrau des Ministerpräsidenten steht eindeutig im Fadenkreuz einiger Medien, die nach dunklen Flecken suchen.
Weshalb ist das wichtig?
Weil man die aktuellen juristischen Ermittlungen gegen Pedro Sánchez' Ehefrau auch in diesem Licht betrachten muss. Denn der Auslöser dafür war im April 2024 eine Anzeige mehrerer spanischer Anti-Korruptionsorganisationen, darunter auch Manos Limpias (auf Deutsch: Saubere Hände). Und der Hintergrund dieser Organisation gilt in Spanien als eindeutig rechtsnational.
Was ist damit gemeint?
Gegründet wurde Manos Limpias 1995 von dem Anwalt Miguel Bernad, dem ehemaligen Generalsekretär der rechtsextremen Front National. Die Organisation fungiert als Plattform für politisch motivierte Gerichtsverfahren und wurde vom Generalstaatsanwalt als rechtsextrem eingestuft (wogegen Manos Limpias erfolgreich vorging). Ihr wird auch Verfahrensmissbrauch vorgeworfen. In diesem Zusammenhang urteilte der Oberste Gerichtshof 2024, dass ihre Handlungen zwar nicht strafbar, aber "ethisch verwerflich" seien.
Was wird María Begoña Gómez Fernández jetzt vorgeworfen?
Der Untersuchungsrichter in der Angelegenheit, Juan Carlos Peinado, will laut der Zeitung El País Begoña Gómez in vier Punkten anklagen. Denn sie habe ihre Beziehung zu Ministerpräsident Pedro Sánchez mutmaßlich dafür genutzt, um Einfluss auf Behörden und Beamte zu nehmen und ihre private Karriere durch eine Professur an der Madrider Complutense-Universität voranzutreiben.

Wurde María Begoña Gómez Fernández persönlich über diese Anklagepunkte in Kenntnis gesetzt?
Nein, die First Lady Spaniens befindet sich derzeit mit ihrem Ehemann, dem Ministerpräsidenten, auf einer offiziellen Reise in China.
Wie geht es nun weiter?
Untersuchungsrichter Peinado, Vorsitzender des Madrider Untersuchungsgerichts Nr. 41, hat am 11. April nach Abschluss seiner Ermittlungen offiziell Anklage gegen Gómez Fernández erhoben. Nun haben die Ankläger in dem Fall – die Staatsanwaltschaft als staatliche Anklagebehörde sowie die als Nebenkläger auftretenden Anti-Korruptionsorganisationen (darunter auch Manos Limpias) fünf Tage Zeit, ihre Anklageschriften einreichen, in denen sie aufführen, welche Beweise sie vorlegen möchten und welche Strafe sie fordern.
Hat die Verteidigung auch noch irgendwelche Möglichkeiten?
Ja, sie kann versuchen, das Verfahren durch Beschwerden bei der nächsthöheren Instanz – in diesem Fall wäre das der Audiencia Provincial de Madrid (vergleichbar etwa unserem Landesgericht) – zu stoppen. Sollte dieses Gericht entscheiden, dass die Beweise für eine Anklageerhebung doch nicht ausreichen, könnte das Verfahren theoretisch noch vor dem ersten Prozesstag eingestellt werden.
Wie stehen die Chancen, dass das passiert?
Vermutlich gar nicht so schlecht. Denn die Staatsanwaltschaft hatte sich schon während der Ermittlungen des Untersuchungsrichters mangels Beweisen mehrfach sehr skeptisch über die Erfolgsaussichten eines möglichen Prozesses geäußert und eine Einstellung der Untersuchungen gefordert, allerdings vergeblich.
Gibt es eine Reaktion des Ministerpräsidenten auf die Anklage?
Sánchez gab sich sehr zurückhaltend und erklärte auf seiner China-Reise gegenüber Reportern nur, dass er Vertrauen in die Justiz habe: "Ich bitte, dass Gerechtigkeit geschieht." Und er zeigte sich überzeugt, dass sich die Vorwürfe letztlich relativieren werden: "Die Zeit wird alles und jeden an seinen Platz setzen."

Weshalb kommt die Anklageerhebung für den Ministerpräsidenten zur absoluten Un-Zeit?
Weil Pedro Sánchez gleich mehrfach massivem Druck ausgesetzt ist. Sein ehemaliger Verkehrsminister José Luis Ábalos sowie einer von dessen Beratern stehen derzeit wegen des Vorwurfs der Bestechung sowie der Veruntreuung öffentlicher Gelder während der Covid-Pandemie vor Gericht, ihnen drohen bis zu 24 Jahre Haft. Und David Sánchez, der Bruder des Ministerpräsidenten, sieht sich ebenfalls mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert und könnte ebenfalls bald vor Gericht landen.
Wie will die Opposition diese Schwächephase von Sánchez nutzen?
Sie hofft, soviel Druck aufbauen zu können, dass die Minderheitsregierung tatsächlich zum Rücktritt gezwungen ist. Denn bei allfälligen Neuwahlen stünden die Chancen der Konservativen, wieder die Regierung zu stellen, derzeit wohl so gut wie lange nicht.
Und zwar weshalb?
Weil die Regierung soeben erst angekündigt hat, etwa 500.000 bislang ohne gültige Papiere in Spanien lebende Migranten zu legalisieren. Diese Maßnahme sei "ein Akt der Normalisierung", so Sanchez. Ziel sei "eine bessere Integration". Dieser Plan sorgt derzeit nicht nur im konservativen Lager für Aufregung und könnte bei allfälligen Neuwahlen zum entscheidenden Faktor werden.