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Neu im Kino

Warum es auch für Männer okay ist, sich als Katze zu verkleiden

In dem Herzwärmer "Rental Family" lässt sich Brendan Fraser in Japan als Familienmitglied auf Zeit vermitteln – und entdeckt dabei den Wert menschlicher Nähe. Außerdem neu im Kino: Teil 2 des Katastrophen-Thrillers Greenland" und ein neues "Checker Tobi"-Abenteuer.

Lässt sich auch als Katze verkleiden, um der Tochter seiner Auftraggeberin eine Freude zu machen: der abgehalfterte Schauspieler Phillip (Brendan Fraser) in "Rental Family"
Lässt sich auch als Katze verkleiden, um der Tochter seiner Auftraggeberin eine Freude zu machen: der abgehalfterte Schauspieler Phillip (Brendan Fraser) in "Rental Family"Disney
Christian Klosz
Akt. 08.01.2026 00:20 Uhr

Immer wieder Japan …

Das Reich der Mitte hat es Hollywood seit jeher angetan. Umso mehr, wenn es für einen unterhaltsamen "Culture Clash" gut ist. Das hat wunderbar funktioniert bei Sofia Coppolas kleinem Film-Wunder "Lost in Translation" (mit Bill Murray und Scarlett Johansson) und es funktioniert auch jetzt, 23 Jahre später, wieder hervorragend.

In "Rental Family" gibt der ehemalige Actionheld Brendan Fraser den abgehalfterten Schauspieler Phillip, den es auf der Suche nach sich selbst ans andere Ende der Welt verschlagen hat. Anders als Bill Murray seinerzeit in "Lost in Translation", ist Frasers Protagonist allerdings mangels anderer Engagements darauf angewiesen, sich als "Familienmitglied auf Zeit" zu verkaufen.

Das klingt einigermaßen schräg und ist es auch über weite Strecken. Aber es ist auch warmherzig und immer respektvoll erzählt – und Oscar-Preisträger Brendan Fraser beweist einmal mehr, dass er ein großer Schauspieler ist. Ein Feelgood-Film im besten Sinne …

Wer es actionlastiger mag, ist beim zweiten Teil des Weltuntergangs-Thrillers "Greenland" bestens aufgehoben, der einmal mehr überraschend vielschichtig von der Suche einer Familie nach einer Zukunft auf einem zerstörten Planeten erzählt. Und im dritten Teil der bei Kids beliebten "Checker Tobi"-Reihe geht es ebenfalls um die Suche nach einer besseren Welt. Eine unterhaltsame Kino-Woche!

Auf der Suche nach einer besseren Zukunft: John (Gerard Butler), Allison (Morena Baccarin) und Nathan Garrity (Roman Griffin Davis) in "Greenland 2"
Auf der Suche nach einer besseren Zukunft: John (Gerard Butler), Allison (Morena Baccarin) und Nathan Garrity (Roman Griffin Davis) in "Greenland 2"
Tobis

"Greenland 2"

Worum es geht Nach dem verheerenden Einschlag des Kometen Clarke in Teil 1 der Katastrophen-Saga steht die Menschheit vor einem Neuanfang unter der Erde. John Garrity (Gerard Butler), seine Frau Allison (Morena Baccarin) und Sohn Nathan haben in einem Schutzbunker in Grönland überlebt – doch die Welt, wie sie sie kannten, existiert nicht mehr.

Als sich Hinweise mehren, dass Teile der Erdoberfläche wieder bewohnbar sein könnten, verlässt eine kleine Gruppe Überlebender, darunter die Familie Garrity, den Bunker. Von Grönland aus macht man sich auf den Weg Richtung europäisches Festland, wo irgendwo in Frankreich ein Krater sein soll, der als Ausgangspunkt einer neuen Zivilisation dienen könnte. Eine beschwerliche und gefährliche Reise durch einen vernichteten Kontinent steht ihnen bevor.

Lohnt sich das? Teil 1 von "Greenland" erschien Ende 2020 und hatte einiges Pech: Wenige Tage nach dem österreichischen Kinostart ging es in den Corona-Lockdown, die Auswertung war dadurch natürlich eingeschränkt, in den USA wurde der Film überhaupt gleich direkt im Heimkino-Markt veröffentlicht. Trotzdem brachte es der Katastrophen-Thriller von Regisseur Ric Roman Waugh, ein früherer Stuntman, auf beachtliche 50 Millionen Dollar Einnahmen und auch durchaus positives Kritiker-Echo. Der Film wurde zwar vor Corona gedreht, trotzdem gab er seinerzeit vorherrschenden Gefühlen auf geradezu prophetische Weise einen filmischen Ausdruck.

Nun hat sich der Zustand der Welt bzw. der Menschheit seit 2020 nicht unbedingt verbessert, apokalyptische Szenarien kann man nicht einfach als Ausgeburt kreativer Fantasie abtun. Insofern wird auch "Greenland 2", der die Geschichte aus Teil 1 und "nach dem Ende der Welt" fortsetzt, sein Publikum finden – ganz einfach deshalb, weil das, was er zu sagen hat, relevant ist.

Verwüstetes Europa: Ein Komet hat die Erde, wie wir sie kennen, unbewohnbar gemacht
Verwüstetes Europa: Ein Komet hat die Erde, wie wir sie kennen, unbewohnbar gemacht
Tobis

Bereits den Vorgänger zeichnete aus, dass er den Fokus trotz aller Dramatik der Handlung nicht auf überbordende Effekte legte, wie das etwa die "Katastrophen-Regisseure" Michael Bay oder Roland Emmerich gerne tun, sondern auf die Figuren und ihre (emotionale) Reise. Das ist auch hier so. Und: "Greenland 2" ist ein hoffnungsvoller Film, da er auch davon handelt, wie es Zusammenarbeit und Kooperation ermöglichen, Differenzen und kolossale Herausforderungen zu überwinden. Selbst (und gerade wenn) eigentlich alles vorbei ist. "Greenland 2" ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Neustart, der Hoffnung spenden kann.

"Greenland 2", Katastrophen-Thriller. GB/USA 2026, 99 Minuten, ab 8. Jänner im Kino

Schauspieler Phillip (Brendan Fraser) gibt den Papa nur gegen Bares, entwickelt aber dennoch väterliche Gefühle für seinen Schützling: "Rental Family"
Schauspieler Phillip (Brendan Fraser) gibt den Papa nur gegen Bares, entwickelt aber dennoch väterliche Gefühle für seinen Schützling: "Rental Family"
Disney

"Rental Family"

Worum es geht Der abgehalfterte Schauspieler Phillip Vandarploeug (Brendan Fraser) lebt seit Jahren in Tokio, doch auch die Metropole kann ihn nicht aus seiner beruflichen und privaten Sinnkrise reißen. Er fühlt sich isoliert und hält sich mit Werbe-Jobs über Wasser. Eines Tages erhält Phillip ein ungewöhnliches Angebot: Er soll für eine japanische "Rental Family"-Agentur arbeiten.

Die Vermittlungsagentur stellt Schauspieler als "geliehene" Familienmitglieder, Freunde oder Partner zur Verfügung, damit Kunden in bestimmten sozialen Situationen nicht allein dastehen müssen. Phillip übernimmt verschiedene Rollen – mal Ehemann, mal Vater oder Sohn. Zu seinen Klienten gehören ein Computergames spielender Mittdreißiger, eine alleinerziehende Mutter – und der legendäre japanische Schauspieler Kikuo Hasegawa.

Im Zuge seiner Aufträge verschwimmen die Grenzen zwischen Rolle und Realität zunehmend, Phillip beginnt, echte emotionale Bindungen zu seinen Klienten aufzubauen. Hinter den "gespielten Beziehungen" offenbart sich etwas "Echtes", die bezahlte Performance bekommt für ihn plötzlich therapeutischen Charakter. Durch diese Begegnungen entdeckt der sensible Mann nicht nur neue Facetten des Lebens, sondern lernt auch so einiges über den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen und echter menschlicher Nähe.

Lohnt sich das? Nach seinen Erfolgen als Actionheld ("Die Mumie") oder als Hollywood-Beau in diversen Rom-Coms in den 1990er-Jahren wurde Brendan Fraser von der Filmindustrie ausgespuckt und aus der Bahn geworfen. Gesundheitliche Probleme, ein verändertes Äußeres und der Vorwurf sexueller Belästigung gegenüber dem ehemaligen Golden Globes-Boss verbannten den einstigen Star aus dem Rampenlicht, große Rollen konnte er keine mehr landen –  er war, wie es im Hollywood-Jargon heißt, "blacklistet".

Sogar als Bräutigam-Ersatz wird der abgehalfterte Schauspieler gebucht
Sogar als Bräutigam-Ersatz wird der abgehalfterte Schauspieler gebucht
Disney

Erst Darren Aronofsky (der das gleiche mit Mickey Rourke in "The Wrestler" gemacht hatte) holte Fraser aus der Versenkung zurück und besetzte ihn in "The Whale", das Resultat war ein Oscar, viel Liebe des Publikums und die Rückkehr auf die große Bühne. Fraser weiß also, was es heißt, "ganz unten" zu sein. Etwas, das ihn bereits mit seinem übergewichtigen Protagonisten in "The Whale" verband und nun mit dem abgehalfterten Schauspieler in "Rental Family". Und es ist zweifelsohne seine Performance, die diesen Film trägt.

Inszeniert wurde die japanisch-amerikanische Co-Produktion von Regisseurin Hikari, die bereits mit "Beef" auf Netflix Erfolge feierte. Ihr "warmherziger Crowdpleaser mit Tiefgang", wie es eine Kritik nennt, verbindet Heiteres mit Ernstem, erzählt auf bekömmliche und zugängliche Art von Isolation und der Kraft zwischenmenschlicher Begegnung. Der Feelgood-Film der Woche.

"Rental Family", Tragikomödie. USA/Japan 2025, 103 Minuten, ab 8. Jänner im Kino

Für den Schauspieler Kikuo Hasegawa (Akira Emoto) spielt Phillip einen Autor, dem der alte Mann sein Leben erzählen kann
Für den Schauspieler Kikuo Hasegawa (Akira Emoto) spielt Phillip einen Autor, dem der alte Mann sein Leben erzählen kann
Disney

Außerdem neu im Kino:

"Ein einfacher Unfall"
Ein harmlos wirkender Verkehrsunfall in Teheran verknüpft mehrere menschliche Schicksale miteinander und offenbart dabei ein vielschichtiges Geflecht aus Macht, Angst und Abhängigkeiten: Regisseur Jafar Panahi erzählt die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und legt dabei Schicht um Schicht gesellschaftliche Ungleichheiten und strukturelle Zwänge frei, während sich die Frage zuspitzt, wer in diesem System tatsächlich Verantwortung trägt – und wer sie tragen darf.

"Ein einfacher Unfall" wurde in Cannes 2025 mit der Goldenen Palme (Bester Film) ausgezeichnet. Mit minimalistischen Mitteln gelingt dem iranischen Filmemacher eine universelle Parabel über Gerechtigkeit.

"Ein einfacher Unfall", Drama. Iran/Frankreich/Luxemburg 2025, 105 Minuten, ab 8. Jänner im Kino

Seziert die iranische Gesellschaft und ihre Strukturen: "Ein einfacher Unfall"
Seziert die iranische Gesellschaft und ihre Strukturen: "Ein einfacher Unfall"
Polyfilm

"Kein Weg zurück"
Familienvater Christian (Nikolaj Lie Kaas) führt ein scheinbar ruhiges Leben, bis sein Sohn bei einem Einsatz als Soldat in Syrien stirbt. Von Trauer und Schuldgefühlen getrieben, macht er sich selbst auf den Weg in das vom Krieg gezeichnete und vom IS kontrollierte Gebiet, um Antworten zu finden, und vielleicht auch eine Form von Gerechtigkeit. In einer Welt, in der klare Grenzen zwischen Tätern und Opfern verschwimmen, muss er erkennen, dass es Entscheidungen gibt, nach denen es kein einfaches Zurück mehr gibt.

"Kein Weg zurück" ist ein intensiv gespieltes Drama über Verlust, Vergeltung und die zerstörerische Kraft von Schmerz. Der Film stellt unbequeme Fragen, auch danach, wie weit ein Mensch zu gehen bereit ist, wenn ihm alles genommen wurde.

"Kein Weg zurück", Drama. Dänemark 2024, 98 Minuten, ab 9. Jänner im Kino

Unterwegs in einem zerstörten Land: Christian (Nikolaj Lie Kaas) in "Kein Weg zurück"
Unterwegs in einem zerstörten Land: Christian (Nikolaj Lie Kaas) in "Kein Weg zurück"
Filmladen

"Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde"
Checker Tobi (Tobias Krell) ist zurück: In seinem dritten Kinoabenteuer begibt er sich auf eine Reise rund um den Globus, um eines der größten Rätsel überhaupt zu lösen: Wie kann die Zukunft für alle gerecht gestaltet werden? Zwischen spannenden Experimenten, Begegnungen mit Kindern aus verschiedenen Kulturen und überraschenden Aha-Momenten geht es hier, kind- und jugendgerecht präsentiert, um Themen wie Nachhaltigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Verantwortung.

"Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde", Kinderfilm / Abenteuer. Deutschland 2026, 93 Minuten, ab 8. Jänner im Kino

Christian Klosz
Akt. 08.01.2026 00:20 Uhr