NewsFlix.at Logo
Alle neuen Filme

Wieso Michael Jackson im Kino zensuriert werden musste

Der erste Film über den "King of Pop"feiert das Musikgenie Michael Jackson, lässt aber den Menschen weitgehend und das vermeintliche Monster völlig aus. Ebenfalls diese Woche neu im Kino: Hollywoodstar Jodie Foster in ihrem ersten rein französischen Film.

Glattgebügelt: "Michael", die Film-Biografie über den "King of Pop" Michael Jackson (Jaafar Jackson) lässt die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs völlig aus
Glattgebügelt: "Michael", die Film-Biografie über den "King of Pop" Michael Jackson (Jaafar Jackson) lässt die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs völlig ausUPI
Christian Klosz
Akt. 23.04.2026 00:55 Uhr

Musiker-Biopics gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Allein in den letzten Jahren kamen "Rocketman" über Elton John, "Bohemian Rhapsody" über Queen und Freddie Mercury, "Elvis" über den King, "Back to black" über Amy Winehouse, "Like a complete unknown" über Bob Dylan oder "Springsteen: Deliver me from nowhere" heraus. Ein Klassiker der Genres ist "Walk The Line" über Johnny Cash.

In einigen Fällen leben die Porträtierten noch, in anderen sind sie bereits gestorben. Was diese Filme dennoch alle eint: Sie erzählen von Leidensmännern oder -frauen, die auch deshalb Erfolg hatten bzw. haben, weil sie ihre inneren Dämonen in Musik übersetz(t)en.

Dass der "King of Pop" Michael Jackson ein mehr als attraktives Objekt der Betrachtung und Subjekt eines Biopics sein würde, lag seit Ewigkeiten auf der Hand. Dass es damit aber doch relativ lange gedauert hat, hat in erster Linie mit den nie gänzlich ausgeräumten Missbrauchsvorwürfen gegen ihn zu tun.

Wer allerdings erwartet hatte, dass diese nun auch auf der großen Leinwand zum Thema werden, wird von "Michael", der diese Woche gestarteten Hochglanz-Biografie Jacksons enttäuscht sein. Regisseur Antoine Fuqua ("Training Day", "The Equilizer") lässt das umstrittenste und bis heute heiß diskutierte Kapitel im Leben des einstigen Wunderknaben vollkommen aus.

Weshalb der Film dennoch vor allem für Fans keine Zeitverschwendung ist, lesen Sie in unserer Kino-Kritik. Außerdem neu diese Woche: "Paris Murder Mystery", der erste Auftritt von Hollywoodstar Jodie Foster in einer rein französischen Produktion. Trés bien!

Die Anfänge: Michael (Juliano Valdi, Mitte) mit seinen Brüdern als Motown-Gruppe "Jackson 5"
Die Anfänge: Michael (Juliano Valdi, Mitte) mit seinen Brüdern als Motown-Gruppe "Jackson 5"
UPI

"Michael"

Worum es geht 1966 in Gary, Indiana: Der achtjährige Michael (Juliano Valdi) wächst isoliert unter der Ägide seines tyrannischen Vaters Joe Jackson (Colman Domingo) und mit einer Handvoll Geschwister in ärmlichen Verhältnissen auf. Joe ist selbst gescheiterter Musiker, erkennt aber das Talent seiner Kinder – insbesondere Michaels – und will sie zum Erfolg drillen. Er sieht darin eine Möglichkeit, der Armut zu entkommen. Und dafür sind ihm alle Mittel recht, auch körperliche Gewalt.

Nach dem Erfolg der Motown-Gruppe "The Jackson 5", in der Michael als Leadsänger zum Star wird, wagt er in den späten 1970er-Jahren als junger Erwachsene (Jaafar Jackson) den Absprung als Solokünstler, der auch der Beginn einer Loslösung von der Familie und vor allem vom Vater sein sollte. Mit Unterstützung von Quincy Jones entsteht das Album "Off the Wall" (1979), das Michael als ernst zu nehmenden Solo-Act etabliert.

1982 folgt schließlich "Thriller", das zum meistverkauften Album aller Zeiten wird und der endgültige Durchbruch für Michael sein sollte. Doch der Ruhm bringt auch Schattenseiten mit sich: Erneute Isolation, Erfolgsdruck und nicht zuletzt der schwere Unfall beim Dreh eines Pepsi-Werbespots 1984, bei dem Michaels Haare Feuer fingen und Brandwunden hinterließen, was schließlich zu einer Schmerzmittelsucht führen sollte.

Lohnt sich das? Typische Biopics porträtieren ihre Hauptfiguren nicht selten als Helden, gebrochen vielleicht, aber doch als überlebensgroße Vorbilder. Wie macht man das mit der Figur Michael Jackson?

Seine musikalischen Höhenflüge sind unbestritten, ebenso sein Talent. Doch selbst unter (ehemaligen) Fans herrscht Uneinigkeit, wie man auf das (einstige) Idol blicken soll: Die einen ignorieren die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs, tun sie als Lüge ab, sehen Jackson als Opfer geldgieriger Familien und deren Anwälte; andere wandten sich von ihm ab und können seine Musik heute nicht mehr hören. Zu schwer wiegen die Vorwürfe, als dass man sie mit der Forderung nach Trennung zwischen Werk und Autor wegwischen könnte.

"Michael" ignoriert dieses Thema gänzlich, und das ist auch der größte Kritikpunkt an diesem Film, wenngleich das nicht gänzlich mit Absicht passierte: Das US-Branchenmedium Variety berichtet, dass frühere Entwürfe des Drehbuchs (von John Logan) die Vorwürfe zumindest thematisieren würden.

Der Film sollte ursprünglich mit der Hausdurchsuchung 1993 auf Jacksons "Neverland"-Ranch beginnen, offenbar wurden diese und andere Szenen auch gedreht. Sie mussten aber herausgeschnitten werden: In einem Gerichtsverfahren aus 1993, in dem Kindesmissbrauchsvorwürfe erstmals vorgebracht wurden, wurde festgehalten, dass dieser Fall nie in einem Film dargestellt oder erwähnt werden darf. Und so endet "Michael", das Biopic, im Jahr 1988, am Höhepunkt von Jacksons Ruhm.

Zum Fürchten: Colman Domingo als Michaels gewalttätiger Vater Joe Jackson
Zum Fürchten: Colman Domingo als Michaels gewalttätiger Vater Joe Jackson
UPI

Dramaturgisch hat sich Regisseur Antoine Fuqua deshalb auf die toxische Vater-Sohn-Dynamik konzentriert, die zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte wird. Michaels größter Erfolg bestand darin, sich von Joe Jackson zu lösen. Es ist eine fiktionalisierte Emanzipationsgeschichte, nicht wenige Kritiken werfen dem Film allerdings vor, eine Art Heiligsprechung vorzunehmen.

Dass kritische Aspekte von Jacksons Karriere ohnehin eher mit Samthandschuhen angepackt werden würden, dafür garantieren die Nachlassverwalter des "Jackson Estate", die federführend hinter dem Projekt standen. Dass Jackson-Neffe Jaafar seinen Onkel im Film verkörpert, sollte von vornherein klarmachen, dass die kritische Distanz hier wohl kaum zu erwarten ist.

Insgesamt ist "Michael" so vor allem ein Film für die eingeschworene Fangemeinde, die den Vorwürfen gegen ihr Idol ohnehin nie glaubte. Und rechtlich können sie sich darauf berufen, dass Jackson nie verurteilt wurde. Der einzige Prozess 2005 endete mit einem Freispruch.

"Michael", Biopic. USA/GB 2026, 127 Minuten, ab 22. April im Kino

Als US-Psychiaterin in Frankreich: Jodie Foster in "Paris Murder Mystery"
Als US-Psychiaterin in Frankreich: Jodie Foster in "Paris Murder Mystery"
Filmladen

"Paris Murder Mystery"

Worum es geht Die amerikanische Psychiaterin und Psychoanalytikerin Lilian Steiner (Jodie Foster) lebt und arbeitet seit Jahren in Paris, ganz in der Nähe ihres Ex-Mannes (Daniel Auteuil) und ihrem gemeinsamen Sohn. Als eine ihrer langjährigen Patientinnen, die erfolgreiche Paula (Virginie Efira), unter mysteriösen Umständen stirbt und die Polizei von Suizid ausgeht, ist Lilian überzeugt, dass es sich um Mord handelt.

Erst verdächtigt sie Paulas Tochter, dann deren hinterbliebenen Mann, der offenbar eine Affäre hatte. Auch ein bedeutendes Erbe ist im Spiel, das ein Motiv liefern könnte. Lilian, geplagt von Schuldgefühlen, ihre Patientin falsch behandelt zu haben, die durch Vorwürfe von Paulas Familie noch verstärkt werden, beginnt auf eigene Faust private Ermittlungen.

Sie beschattet die aus ihrer Sicht Verdächtigen, sucht sogar eine Hypnose-Therapeutin auf, um durch Innenschau zu neuen Erkenntnissen zu kommen, verirrt sich aber zunehmend in der Aufgabe. Ihr Ex-Mann unterstützt sie dabei und die beiden kommen sich (unerwartet) wieder näher.

Lohnt sich das? Rebecca Zlotowskis auf Französisch gedrehter Film (OT: "Vie privée") feierte seine Premiere 2025 in Cannes, wo es vor allem Applaus für Jodie Foster gab, die in einwandfreiem Französisch eine darstellerische Bravourleistung hinlegt. Tatsächlich: Sie trägt den Film über weite Strecken auf ihren Schultern, ihre Nominierung für den prestigeträchtigen Lumière-Preis als erste Amerikanerin überhaupt war mehr als verdient.

Zlotowskis präsentiert eine Mischung aus Psycho-Drama und Thriller in Hitchcock-Manier, der deutsche Verleihtitel (der trotzdem auf Englisch ist) simplifiziert das Werk, denn "Paris Murder Mystery" ist mehr als ein simples Whodunnit: Es ist die Suche einer Frau im Lebensherbst nach sich selbst über den Umweg einer Obsession, ausgelöst durch einen Verlust, der sie persönlich trifft.

Amüsant ist auch das Zusammenspiel zwischen Foster und Auteuil als Ex-Ehepaar, das sich plötzlich wieder näher kommt, indem Sie in Holmes-Manier Verbrecher sucht und Er als Quasi-Watson assistieren darf. Leider bleibt das Finale recht unbefriedigend, die Auflösung ist etwas enttäuschend, hier will der Film mehr Arthouse-Drama statt Krimi sein, wo er doch zuvor über weite Strecken beides schaffte.

"Paris Murder Mystery", Mystery-/Psycho-Thriller. Frankreich 2025, 107 Minuten, ab 24. April im Kino

Kommen sich wieder näher: Lilian Steiner (Jodie Foster) und ihr Ex-Mann (Daniel Auteuil)
Kommen sich wieder näher: Lilian Steiner (Jodie Foster) und ihr Ex-Mann (Daniel Auteuil)
Filmladen

Außerdem neu im Kino:

"Yanuni – Die Stimme des Amazonas"
Im Mittelpunkt des neuen Werks von Regisseur Peter Ladkani ("Sea of Shadows") steht die indigene Anführerin Juma Xipaia: Die brasilianische Ureinwohnerin aus dem Xipaya-Territorium kämpft unermüdlich für den Schutz des Regenwaldes und ihrer Gemeinschaft. Der Film zeigt sie bei ihrem Aufstieg von der Aktivistin aus einem abgelegenen Dorf zu einer prominenten Stimme im Kampf gegen Landraub, illegale Abholzung und staatliche Bedrohungen. Produziert wurde der Film von Leonardo DiCaprio.

"Yanuni – Die Stimme des Amazonas", Dokumentation. USA/D/CDN/AT 2025, 112 Minuten, ab 24. April im Kino

"Wahlkampf"
Harald Friedls Doku begleitet ein junges, ambitioniertes Team der SPÖ rund um Spitzenkandidat Andreas Babler während der Nationalratswahl 2024 und zeigt die tägliche Arbeit hinter den Kulissen: Strategiebesprechungen, Plakataktionen, intensive Gespräche mit Wählern, interne Konflikte und den permanenten Druck eines Wahlkampfs. Der Film illustriert auch das Spannungsfeld zwischen Idealismus und Pragmatismus und interessiert sich besonders für die "menschliche Seite" der Politik hinter den Kulissen.

"Wahlkampf", Dokumentation. Österreich 2026, 97 Minuten, ab 24. April im Kino

"Hungrig"
In einer nicht allzu fernen Zukunft entdeckt ein geheimnisvolles, nicht-menschliches Wesen eine menschenleere Erde. Durch die Augen dieses Wesens wird die Welt nach dem Verschwinden der Menschheit betrachtet und man entdeckt dabei eine stille, aber auch wieder aufblühende Natur. Die österreichische Regisseurin Susanne Brandstätter entwirft ein visionäres, essayistisches Szenario zur Klimakrise mit dokumentarischen Aufnahmen, die die zerstörerischen Praktiken der globalen Lebensmittel- und Pharmaindustrien illustrieren.

"Hungrig", SciFi-Essayfilm/Dokumentation. Österreich 2026, 95 Minuten, ab 24. April im Kino

"All my sisters"
Der iranisch-französische Regisseur Massoud Bakhshi begleitet über 18 Jahre hinweg seine beiden Nichten Zahra und Mahya vom Kleinkind- bis ins junge Erwachsenenalter. Das Ergebnis ist ein intimes, vielschichtiges Porträt des Lebens junger Frauen im Iran. Bakhshi zeigt den Alltag, die Freuden, die Träume und die wachsenden gesellschaftlichen Repressionen, denen die Mädchen ausgesetzt sind.

"All my sisters", Dokumentarfilm. F/D/AT 2026, 78 Minuten, ab 24. April im Kino

Christian Klosz
Akt. 23.04.2026 00:55 Uhr