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Staffel 3 von "Euphoria" ist ganz anders als bisher: Ist das gut?

Als "Spiegel der Generation Z" wurde die Teenie-Serie "Euphoria" zu einer der meist gehypten Shows der jüngeren Vergangenheit. Nach vier Jahren Pause kommt nun die von Fans heiß ersehnte Staffel 3 ins Streaming – und wartet mit einigen massiven Änderungen auf.

Verstört mit ihren Auftritten auch in Staffel 3: Sydney Sweeney als Cassie in "Euphoria"
Verstört mit ihren Auftritten auch in Staffel 3: Sydney Sweeney als Cassie in "Euphoria"HBO
Martin Kubesch
Akt. 14.04.2026 01:21 Uhr

Mit Teenie-Serien ist das so eine Sache. Sehr oft (eigentlich meistens) werden sie von Menschen erdacht und gemacht, deren eigene Jugendtage wesentlich länger zurückliegen, als es noch dauert, ehe sie im Altersheim einchecken.

Bei "Euphoria" war das von Anfang an anders. Die 2019 gestartete Serie von Showrunner Sam Levinson über eine höchst inhomogene Gruppe von Highschool-Absolventen in einer so namens- wie gesichtslosen US-Stadt, atmete ab der ersten Minute den rebellischen Geist jugendlicher Revolte gegen das Establishment. Oder zumindest das, was Anfang des 21. Jahrhunderts darunter verstanden wird.

Zu den essenziellen Themen von "Euphoria" gehören Drogenerfahrungen, Sexualität und Geschlechtsidentität, psychische Erkrankungen sowie toxische Beziehungen. Das alles gegossen in eine moderne, stylishe und Social-Media-affine Ästhetik, machte die außergewöhnlich aufwendig und kostspielig inszenierte Serie zu einem Spiegel der Generation Z und ihrer Probleme: Unsicherheit in einer digitalen Welt, Leistungsdruck und Identitätssuche, emotionale Isolation trotz allgegenwärtiger Vernetzung.

Dieser zeitgeistige Zugang, verbunden mit einem ungeschönten Blick auf die Auswirkungen von Drogenmissbrauch und sozialer Verwahrlosung, wurde 2022 in Staffel 2 schließlich auf die Spitze getrieben. Und machte "Euphoria" endgültig zu einer der meistdiskutierten wie meist gehypten Jugendserien der 2020er-Jahre.

Nach vier Jahren Pause kommt nun Staffel 3 auf die Bildschirme. Und die ersten Kritiken lassen Schlimmes befürchten. Denn die Serienschöpfer haben nicht "more of the same" abgeliefert, sondern das Format radikal weiter entwickelt. Was das bedeutet, wie sich Staffel 3 von den Vorgängern unterscheidet und was das für die Zukunft bedeutet – das muss man über "Euphoria" Staffel 3 wissen:

Worum geht es in Staffel 3 von "Euphoria"?
Die Handlung setzt fünf Jahre nach den Ereignissen in Staffel 2 ein. Aus den Highschool-Schülern von damals sind inzwischen junge Erwachsene geworden, die versuchen, sich in der Welt der Erwachsenen zu etablieren.

Was kann man sich darunter vorstellen?
Die drogensüchtige Rue (Zendaya) verschlägt es nach Mexiko, wo sie für ein Kartell Fentanyl in ihrem Magen in die USA transportieren soll und prompt erwischt wird. Jules (Hunter Schafer) studiert an der Kunsthochschule und arbeitet als Escort. Lexi (Maude Apatow) und Maddy (Alexa Demie) versuchen in Hollywood Karriere zu machen. Und Cassie (Sydney Sweeney) und Nate (Jacob Elordi) sind verlobt, leben in einem Vorort und planen ihre Hochzeit. Doch Cassies Sucht nach Bestätigung in den sozialen Medien belastet die Beziehung.

Gibt es bereits Kritiken?
Ja, von der ersten Episode, und die sind eher weniger berauschend. Die Story sei orientierungslos und die ursprüngliche Identität der Serie sei durch den Zeitsprung verloren gegangen. Laut BBC habe "Euphoria" sogar "seinen zeitgeistigen Biss verloren".

Was wird am meisten kritisiert?
Dass die Serie nicht mehr in und um die East Highland High School spielt und damit das verbindende Element für die sehr unterschiedlichen Charaktere wegfällt. Wie im echten Leben geht jeder der Protagonisten nun seinen eigenen Weg auf der Reise zum Erwachsensein. Dadurch verliert "Euphoria" seinen Charakter als Teenie-Serie und entwickelt sich ebenso wie seine Darsteller weiter.

Gerät in Mexiko in die Fänge eines Drogenkartells: Rue (Zendaya)
Gerät in Mexiko in die Fänge eines Drogenkartells: Rue (Zendaya)
HBO

Hat es deshalb so lange gedauert, bis die neue Staffel fertig war?
Vier Jahre zwischen zwei Staffeln sind in der Tat eine sehr lange Zeit und sehr untypisch für das schnelllebige Streaming-Geschäft. Aber der produzierende Sender HBO, der bereits Serien-Klassiker wie "Die Sopranos", "The Wire", "Game of Thrones", "Succession" oder "True Detective" realisiert hat, ist bekannt dafür, sich lieber länger Zeit zu lassen, als bei der Qualität seiner Produkte Abstriche zu machen. Dazu kommt, dass viele Schauspieler aus "Euphoria" mittlerweile Stars in Hollywood und extrem ausgelastet sind.

Zum Beispiel?
Zendaya, die die drogensüchtige Rue spielt, kommt heuer mit gleich vier Hollywood-Filmen in die Kinos – neben "Das Drama", der bereits in den Kinos läuft, startet sie noch mit Christopher Nolans "Die Odyssee" (ab 16. Juli), "Spider-Man: Brand New Day" (ab 30. Juli) und dem dritten und finalen Teil von Dennis Villeneuves Epos "Dune" (ab 17. Dezember). Sydney Sweeney (Cassie) ist mit "The Housemaid – Wenn sie wüsste" aktuell im Kino, "Der Teufel trägt Prada 2" startet am 30. April. Und Jacob Elordi (Nate) ist in "Wuthering Heights" zu sehen.

Sind alle Stars der ersten beiden Staffeln wieder dabei?
Nein, leider nicht. Angus Cloud, der den Dealer Fezco gespielt hat, starb 2023 selbst an einer Überdosis. Er wird in Staffel 3 allerdings als Telefonstimme "am Leben gehalten". Und Eric Dane, der Nates Vater Cal spielt, ist in Staffel 3 in seiner letzten Rolle zu sehen. Der 53-Jährige starb am 19. Februar an der heimtückischen ALS-Erkrankung. Dafür ist Sharon Stone als Hollywoodproduzentin neu im Team.

Weshalb wird Staffel 3 so kontrovers diskutiert?
Vor allem, weil die Erwartung vieler Seher eine andere gewesen ist als das, was nun abgeliefert wurde. "Euphoria" galt für viele Erwachsene als "Fenster in die Welt ihrer Teenager-Kinder", denn es bildete die Lebensrealitäten junger Amerikaner extrem realistisch und ungeschminkt ab. Das schenkte Eltern Einblicke, während sich Teenager erkannt und verstanden fühlten.

Sucht weiterhin seinen Platz im Leben: Nate (Jacob Elordi)
Sucht weiterhin seinen Platz im Leben: Nate (Jacob Elordi)
HBO

Hat "Euphoria" künstlerisch etwas eingebüßt?
Nein, die Serie verbindet nach wie vor visuelle Innovationen, emotionale Wucht und gesellschaftliche Relevanz wie kaum eine andere aktuelle Serie. Und allein die Tatsache, wie intensiv die dritte Staffel auf Social Media diskutiert wird, zeigt ihre digitale Schlagkraft.

Wo kann man Staffel 3 von "Euphoria" sehen?
Die acht Episoden der dritten Staffel werden in den USA seit 12. April jeden Sonntag veröffentlicht und sind auf Deutsch jeweils einen Tag danach auf Sky X und auf HBO Max empfangbar. Die ersten beiden Staffeln sind derzeit nur auf HBO Max zur Flatrate zu sehen.

"Euphoria", Staffel 3, Drama. USA 2026, 8 Episoden à ca. 60 Minuten, Episode 1 online, ab 20. April jede Woche eine weitere Episode, Sky X und HBO Max

Martin Kubesch
Akt. 14.04.2026 01:21 Uhr