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Thriller in Star-Besetzung

Wie eine Ärztin jetzt im Kino das Blut in den Adern gefrieren lässt

Der Thriller "The Housemaid – Wenn sie wüsste" definiert zwar die Grenzen des Genres nicht neu, ist dafür aber ein echter Nägelbeißer mit mehreren Twists und einem unerwarteten Ende. Ebenfalls neu im Kino: die Gesellschaftssatire "Extrawurst" mit Hape Kerkeling.

Wer hier wirklich der Schwache ist, wird sich noch zeigen: "The Housemaid – Wenn Sie wüsste" ist ein fieser kleiner Thriller mit Sydney Sweeney und Brandon Sklenar
Wer hier wirklich der Schwache ist, wird sich noch zeigen: "The Housemaid – Wenn Sie wüsste" ist ein fieser kleiner Thriller mit Sydney Sweeney und Brandon SklenarConstantin
Christian Klosz
Akt. 15.01.2026 00:12 Uhr

BookTok wird langsam erwachsen. Die ursprünglich auf ein halbwüchsiges Publikum ausgerichteten Liebes- und Fantasyromane, die vor allem über TikTok-Communities rasend schnell Verbreitung finden, werden meist im einfachen Stil, dafür aber rasend schnell geschrieben und erfreuen sich primär bei den sogenannten Young Adults stetig wachsender Beliebtheit.

Doch mittlerweile kopieren viele Autoren, die sich (auch) an ein erwachsenes Publikum wenden, die Gepflogenheiten der BookTok-Schreiber – und sind damit zunehmend erfolgreich. Und zu den erfolgreichsten gehört seit Jahren die Thriller-Autorin Freida McFadden.

Der Name ist ein Pseudonym für die Medizinerin Sara Cohen – begann 2013 neben ihrer Arztkarriere mit dem Bücherschreiben. Und sie war schon bald so erfolgreich, dass sie mittlerweile nur noch nebenbei als Medizinerin praktiziert. Dafür hat sie in den letzten zwölf Jahren sage und schreibe 30 Bücher veröffentlicht.

Zu den erfolgreichsten gehört ihre dreiteilige "Housemaid"-Serie – und Band 1 davon wurde nun mit einem veritablen Staraufgebot verfilmt: Amanda Seyfried, Sydney Sweeney und Brandon Sklenar sind in dem Katz-und-Maus-Spiel zu sehen, das von Regisseur Paul Feig (u.a. "Taffe Mädels", Spy – Susan Cooper Undercover" und "Nur noch ein kleiner Gefallen") sauspannend umgesetzt wurde.

Der kleine, feine Thriller will dabei gar nicht das Genre neu erfinden und konzentriert sich lieber darauf, altbekannte Motive neu zu mischen und in eine bedrohliche Atmosphäre zu setzen. Und das gelingt ihm vortrefflich. Wem nach Nervenkitzel ist, dem sei "The Housemaid – Wenn sie wüsste" unbedingt ans Herz gelegt. Kommen Sie gut durch diese Kino-Woche!

"The Housemaid – Wenn Sie wüsste": Hausherrin Nina Winchester (Amanda Seyfried, r.) wirkt bald so, als hätte sie immer alle Sinne beieinander
"The Housemaid – Wenn Sie wüsste": Hausherrin Nina Winchester (Amanda Seyfried, r.) wirkt bald so, als hätte sie immer alle Sinne beieinander
Constantin

"The Housemaid – Wenn sie wüsste"

Worum es geht Millie (Sydney Sweeney) lebt eine "prekäre Existenz", wie man so sagt: Ihr Wohn- und Schlafort ist ihr Auto, verzweifelt sucht sie nach einem Job, der auch zu ihren Bewährungsauflagen gehört, denn die junge Frau hat gerade zehn Jahre Knast hinter sich, und das für keine Kleinigkeit.

Eher aus Verzweiflung denn aus echter Hoffnung (oder Qualifikation) bewirbt sie sich als "Housemaid" bei der reichen Familie Winchester, die in einer noblen Vorstadtvilla auf Long Island residiert. Zu ihrer Überraschung bekommt Millie einen Rückruf von Nina Winchester (Amanda Seyfried), der Frau des Hauses: Sie hat den Job, der gut bezahlt ist und noch dazu auch ein kleines Gästezimmer für sie bereithält. Alles perfekt möchte man denken.

Aber auch Millie (Sydney Sweeney) hat manches zu verbergen
Aber auch Millie (Sydney Sweeney) hat manches zu verbergen
Constantin

Doch bereits kurz nach Job-Antritt offenbart Nina eine andere Seite: Sie verhält sich erratisch, aggressiv, wirft mit Sachen um sich, ist aggressiv gegenüber Millie, beschuldigt sie aller möglichen Verfehlungen. Ihr Gatte Andrew (Brendan Sklenar) wirkt hingegen wie der Fels in der Brandung, kümmert sich liebevoll um seine "verrückte Frau", die früher bereits in der Psychiatrie war, ein Göttergatte quasi, und noch dazu sehr gut aussehend.

Es dauert nicht lange, bis Millie und Andrew eine Affäre beginnen. Doch als sie erkennt, dass hier bei weitem nicht alles so ist, wie es scheint, ist es bereits zu spät …

Lohnt sich das? "The Housemaid" ist das, was man früher einen typischen Mid-Budget-Streifen nannte. Ein clever konstruierter, solide umgesetzter Genrefilm, ein Thriller, der in erster Linie Unterhaltung bietet, aber trotzdem genügend Inhalt und psychologische Tiefe mitbringt. Die Art Film, wie sie heute nur noch selten gemacht wird, was schade ist. Umso erfreulicher, dass er in diesem Fall nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern auch als fertiges Produkt.

In bisherigen Besprechungen – "The Housemaid" startete in den USA bereits Ende 2025 – wurde vor allem die Performance von Amanda Seyfried gelobt. Das Highlight ist aber Sydney Sweeney, und nicht nur wegen ihrer Ausstrahlung und den prickelnden Halbnackt-Szenen, die dieser Thriller mit Erotik-Touch auch zu bieten hat: Sie spielt glaubwürdig, lange Zeit bemerkenswert subtil, zurückgenommen und sympathisch. Bis der Plot sie zum (feministischen) Racheengel werden lässt, was sie ebenfalls überzeugend meistert.

… und am Ende läuft schließlich alles aus dem Ruder, wie sich das in einem Thriller mit mehreren Twists so gehört
… und am Ende läuft schließlich alles aus dem Ruder, wie sich das in einem Thriller mit mehreren Twists so gehört
Constantin

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt: Der Plot, dessen Details und Twists hier aus Spoiler-Gründen nicht verraten werden sollen, bietet wenig komplett Neues, Erotik-/Rache-Thriller dieser Art gibt es bereits zur Genüge. Und der Übergang vom zweiten zum dritten Akt, als der zentrale Twist offenbart wird, ist nicht gänzlich gelungen.

Trotz dieser kleinen Schwächen ist "The Housemaid – Wenn sie wüsste" am Ende aber ein gelungener Film geworden, der trotz über zwei Stunden Laufzeit nicht zu lang wirkt, gut gemacht und gespielt ist und durchwegs unterhält. Teil 2 ist bereits in Planung.

"The Housemaid – Wenn sie wüsste", Thriller. USA 2025, 131 Minuten, ab 15. Jänner im Kino

Tennisvereins-Chef Heribert (Hape Kerkeling) merkt nicht gleich, wie explosiv sich die Grill-Frage noch entwickeln wird: "Extrawurst"
Tennisvereins-Chef Heribert (Hape Kerkeling) merkt nicht gleich, wie explosiv sich die Grill-Frage noch entwickeln wird: "Extrawurst"
Constantin

"Extrawurst"

Worum es geht In einem deutschen Tennisverein soll für das anstehende Sommerfest ein neuer Grill angeschafft werden. Vereinschef Heribert (Hape Kerkeling) will den Beschluss durchwinken, da meldet sich seine erfolgreichste Spielerin Melanie (Anja Knauer) zu Wort: Für ihren Doppelpartner Erol (Fahri Yardim) verlangt sie einen zweiten Grill, denn Erol kann als gläubiger Moslem nichts von einem Grill essen, auf dem auch Schweinefleisch zubereitet wird.

Was als gut gemeinte Rücksichtnahme beginnt, entwickelt sich schnell zu einer hitzigen Grundsatzdebatte über Toleranz, Tradition und vermeintlich "gesunden Menschenverstand". Die Vereinsmitglieder stehen sich bald unversöhnlich gegenüber, als Ängste und Vorurteile hervorbrechen, die zunächst unter der freundlichen Oberfläche verborgen blieben.

Lohnt sich das? Das gleichnamige, preisgekrönte Theaterstück der Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob mauserte sich 2020 zum Hit. In ihrer witzigen Culture-Clash-Komödie ließen sie das Publikum mitbestimmen, die Idee ihrer Satire war aber durchaus eine ernste: "Der Grundgedanke war zu zeigen, wie sich eine Gesellschaft zerlegen kann und es spürbar zu machen", so Jacobs.

Marcus H. Rosenmüller, der zuletzt auch für die "Pumuckl"-Neuverfilmungen verantwortlich war, hat den Stoff nun fürs Kino und mit einem namhaften Cast umgesetzt. Im Zentrum steht dabei Hape Kerkeling, der seinen ersten Filmauftritt seit fünf Jahren hat. Christoph Maria Herbst ("Stromberg"), Fahri Yardim, Milan Peschel, Anja Knauer und weitere bekannte Gesichter der deutschen Unterhaltung komplettieren das Ensemble.

Erol (Fahri Yardim) ist gläubiger Moslem, deshalb darf seine Wurst nicht mit Schweinewürsten gemeinsam am Grill liegen …
Erol (Fahri Yardim) ist gläubiger Moslem, deshalb darf seine Wurst nicht mit Schweinewürsten gemeinsam am Grill liegen …
Constantin

Das Resultat ist eine pointierte Gesellschaftssatire, die zeigt, wie schnell Alltagsfragen zu ideologischen Schlachtfeldern werden. Gedreht wurde übrigens am Gelände von Bayer Leverkusen.

"Extrawurst", Komödie. Deutschland 2026, 100 Minuten, ab 15. Jänner im Kino

Sind sich auch nicht einig, wem eine Extrawurst gebraten werden soll: das Ehepaar Torsten (Christoph Maria Herbst) und Melanie Pfaff (Anja Knauer)
Sind sich auch nicht einig, wem eine Extrawurst gebraten werden soll: das Ehepaar Torsten (Christoph Maria Herbst) und Melanie Pfaff (Anja Knauer)
Constantin

Außerdem neu im Kino:

"28 Years Later: The Bone Temple"
Fast drei Jahrzehnte nach dem Ausbruch des Rage-Virus ist Großbritannien nicht mehr das, was es einmal war: In den Ruinen einer längst kollabierten Zivilisation stoßen Überlebende auf den sogenannten "Bone Temple", einen mysteriösen Ort, an dem sich neue Formen von Gewalt, Glauben und Macht herausgebildet haben. Spike (Alfie Williams) fühlt sich nach dem Verlassen seiner Heimatinsel gezwungen, sich einem gewalttätigen Kult anzuschließen. Während alte Infizierte weiter durch das Land streifen, scheint die größte Bedrohung längst von den Menschen selbst auszugehen.

"Bone Temple" erweitert das Universum der "Later"-Reihe um eine düster-mythologische Ebene und verbindet kompromisslosen Horror mit einer Endzeitparabel über Radikalisierung und kollektives Trauma. Der Film ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie, die Mitte 2025 mit "28 Years Later" startete, der seinerseits der 3. Teil der ursprünglichen "Later-Trilogie" von Danny Boyle und Alex Garland war. Regie führte diesmal Nia DaCosta, während Garland als Autor weiterhin dabei ist.

"28 Years Later: The Bone Temple", Horror, Dystopie-Thriller. GB / USA 2026, 109 Minuten, ab 16. Jänner im Kino

Im Knochentemple passieren absonderliche Dinge: "28 Years Later: The Bone Temple"
Im Knochentemple passieren absonderliche Dinge: "28 Years Later: The Bone Temple"
Sony

"Im Schatten des Orangenbaums"
Die palästinensische Saga, die sich von 1948 bis in die Gegenwart erstreckt, erzählt von drei Generationen einer Familie, die im heutigen Israel um ihren Platz kämpfen. Die Mutter schildert, wie eine Reihe von Ereignissen zu Schüssen auf ihren Sohn bei einer Protestkundgebung 1988 geführt haben. Im Zentrum steht dabei ein Orangenbaum in ihrer Heimat in Jaffa, der zum stillen Zeugen der Geschehnisse über die Jahrzehnte hinweg wird.

Der Film der amerikanisch-palästinensischen Regisseurin und Autorin Cherien Dabis feierte seine Weltpremiere beim Sundance Film Festival 2025. Seitdem wurde er auf zahlreichen Festivals gezeigt: Beim San Francisco International Film Festival gewann er sowohl den Preis für den Besten Spielfilm als auch den Publikumspreis.

"Im Schatten des Orangenbaums", Drama. CYP / DE / QAT / GRE / KSA / JOR 2025, 145 Minuten, ab 16. Jänner im Kino

Palästinensische Familiengeschichte über drei Generationen: "Im Schatten des Orangenbaums"
Palästinensische Familiengeschichte über drei Generationen: "Im Schatten des Orangenbaums"
Filmladen

"Madame Kika"
Die Sozialarbeiterin Kika (Manon Clavel) gerät nach einem Schicksalsschlag psychisch und finanziell in eine Notlage und braucht selbst dringend Hilfe. Kurzerhand entscheidet sie sich, Sexarbeiterin zu werden, was sich als schwieriger als gedacht herausstellt. Erst durch die Hilfe einer erfahrenen Domina begreift Kika, dass es ihren Kunden um mehr als die Befriedigung körperlicher Bedürfnisse geht.

Das Regiedebüt der Französin Alexe Poukine erzählt eine ungewöhnliche Geschichte weiblicher Selbstermächtigung: Ein überraschend witziges und wendungsreiches Porträt einer Frau auf der Suche nach sich selbst.

"Madame Kika", Drama. BEL / FRA 2025, 108 MInuten, ab 15. Jänner im Kino

Kika (Manon Clavel) macht auf Sexarbeiterin, aber das ist gar nicht so einfach: "Madame Kika"
Kika (Manon Clavel) macht auf Sexarbeiterin, aber das ist gar nicht so einfach: "Madame Kika"
Einhorn Film
Christian Klosz
Akt. 15.01.2026 00:12 Uhr