Nachschub für die Fans britischer Adels-Geschichten: Mit "Downton Abbey: Das große Finale" werden die Crawleys in die 1930er-Jahre – und in den Ruhestand – geschickt. Das verspricht einmal mehr prächtige Unterhaltung der langsamen Art – diese Woche neu im Kino!

Am Beginn geht die Titanic unter, am Ende, nach insgesamt 52 Episoden und drei Kinofilmen, eine ganze Ära. "Downton Abbey: Das große Finale" markiert den – vorläufigen – Schlussakkord in einem Historien-Panorama, das es so bislang noch nicht gegeben hatte.
Serienschöpfer Julian Fellowes zeichnete in der vielfach preisgekrönten Fernsehserie (insgesamt sechs Staffeln zwischen 2010 und 2015) ein sehr umfassendes und vielfach höchst detailliertes Bild der britischen Gesellschaft am Beginn des letzten Jahrhunderts. Am Beispiel der adeligen Großgrundbesitzerfamilie Crawley, den Grafen von Grantham, einerseits sowie ihren Bediensteten und Geschäftspartner andererseits werden die gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen jener Zeit behandelt.
Es folgten zwei Kinofilme (2019 und 2022), die den Schicksalsfaden der Familie Crawley weiter spannen und nun in "Downton Abbey: Das große Finale" gipfeln, der diese Woche in den heimischen Kinos anläuft. So viel sei verraten: Am Ende sind Lord und Lady Grantham (Hugh Bonneville und Elizabeth McGovern) nicht mehr die Herrschaft auf Downton Abbey. Aber wie "final" dieses Finale tatsächlich ist, wird sich zeigen, die Filmemacher haben sich Hintertürchen offen gelassen, wie sich die Geschichte fortsetzen ließe. Man wird sehen.
Ebenfalls neu diese Woche auf der großen Leinwand: "Animale", ein "feministischer Body-Horror-Film", der nicht nur mit seinen Schauwerten beeindruckt. Und: "Ganzer halber Bruder", eine deutsche Komödie zum Nachdenken mit dem wie immer großartigen Christoph Maria Herbst und dem Österreicher Michael Ostrowski in einer Nebenrolle. Kommen Sie gut durch diese Kino-Woche!

Worum es geht Das Jahr 1930: Auf Downton Abbey, dem prächtigen Anwesen der Familie Crawley, stehen die Zeichen auf Veränderung: Lady Mary (Michelle Dockery) verursacht durch die Scheidung von ihrem zweiten Ehemann einen Skandal in der High Society; Die Familie kämpft mit finanziellen Engpässen, die sogar den Erhalt von Downton Abbey bedrohen und Lord und Lady Grantham zwingen, in ein Londoner Mietshaus umzusiedeln.
Der Sorgen nicht genug, reist Coras amerikanischer Bruder Harold Levinson (Paul Giamatti) mit weiteren schlechten Nachrichten an: Er ist bankrott und braucht dringende Hilfe. Im Schlepptau hat er seinen Finanzberater Gus Sambrook, der sein eigenes Süppchen kocht.
Schließlich taucht auch Ex-Butler Thomas Barrow (Robert James-Collier) wieder auf Downton Abbey auf, während die ehemalige Küchenhilfe Daisy (Sophie McShera) eine neue Verantwortung übernimmt, als sie ins bisher rein blaublütig besetzte Organisationskomitee der örtlichen Landwirtschaftsschau gewählt wird …
Lohnt sich das? Die "Downton Abbey"-Saga begann 2010 als TV-Serie und erzählte ins 52 Episoden und sechs Staffeln vom Leben der aristokratischen Crawley-Familie und ihrer Bediensteten zwischen 1912 bis 1926. Konstante Themen der Serie waren Klassenkonflikte, Liebesgeschichten, Skandale und der langsame Wandel der britischen (Klassen-)Gesellschaft. 2019 folgte der erste Kinofilm, der in die 1920er-Jahre sprang, der zweite von 2022 führte die Handlung mit Reisen nach Frankreich und Indien fort.

Auch im neuen, laut Titel letzten Teil geht es um Tradition versus Moderne und soziale Hierarchien, die sich nur schleppend verändern. Die Upper Class muss einsehen, dass ihre Zeit vorüber ist, gerade den älteren Herren fällt die Umstellung erwartungsgemäß schwer.
Den Vorwurf, nicht mehr als ein aufgeblasenes Soap-Melodram mit schönen Kostümen zu sein, kann auch "Downton Abbey: Das große Finale" nicht gänzlich ausräumen. Für all Fans der Geschichte erfüllt der Film aber die Erwartungen an einen würdigen Abschluss. Autor Julien Fellowes und Regisseur Simon Curtis machen diesen vorerst letzten filmischen Nostalgietrip zum betulichen Wohlfühl-Format. Und auch die vor einem Jahr verstorbene Maggie Smith (Lady Violet Crawley) bekommt noch einmal ihre verdiente Würdigung.
"Downton Abbey: Das große Finale", Drama, Historienfilm. Großbritannien 2025, 123 Minuten, ab 18. September im Kino

Worum es geht Nejma (Oulaya Amamra) trainiert hart, um ihren Traum zu verwirklichen: Sie will als erste Frau einen Stierkampf in der Camargue gewinnen. Ihre Freunde, Hirten und andere Stierkämpfer, unterstützen sie, doch ihre Mutter missbilligt ihren Lebensweg.
Nach einem feuchtfröhlichen Abend, an dem Nejma und ihre Freunde die Stiere in freier Wildbahn besichtigen, betritt sie, stark betrunken, allein das Stiergehege. Es kommt zu einem Unfall und Nejma verliert das Bewusstsein.
Als sie schließlich mit Verletzungen aufwacht, kann sie sich an nichts erinnern. Während die Stierkampf-Saison in vollem Gange ist, werden verdächtige Todesfälle von Hirten den Stieren angelastet, obwohl diese nicht ohne Grund angreifen. Unterdessen spürt Nejma immer mehr seltsame Dinge in ihrem Körper und Geist, ohne zu verstehen, was mit ihr geschieht …
Lohnt sich das? Der in Cannes 2024 erstmals gezeigte Film von Regisseurin Emma Benestan ist eine Mischung aus Drama und (Body-)Horror, der auf die altgriechische Mythologie des Minotaurus zurückgreift und diesen feministisch umdeutet. "Animale" ist eine Anklage gegen "toxische Männlichkeit", die ihre Gesellschaftskritik in ein Fantasy-Korsett packt und daraus eine klassische Fabel bastelt.

Herausragende Qualitäten des Films sind die bestechende Optik und die Art und Weise, wie Regisseurin Benestan die Welt der Stierkämpfe(r) mit ihrer Kamera einfängt. Und Darstellerin Oulaya Amamra, die ihre Rolle überzeugend spielt.
"Animale", Drama, Horror. Belgien / Frankreich 2024, 98 Minuten, ab 19. September im Kino

"Ganzer halber Bruder"
Der frisch aus dem Gefängnis entlassene Immobilienbetrüger Thomas erfährt von seinem Halbbruder, den er nie kennen gelernt hat und der mit Trisomie 21 in einem Haus lebt, das Thomas gerne verkaufen würde. Also macht er sich auf, seinen Halbbruder aus seinem Heim zu vergraulen, was sich zu einer chaotischen Roadtrip-Familienkomödie entwickelt. Herzerwärmende Tragikomödie über Brüderlichkeit mit Christoph Maria Herbst als grantigem Gauner.
"Ganzer halber Bruder", Tragikomödie, Drama. Deutschland 2025, 102 Minuten, ab 18. September im Kino

"Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba Infinity Castle"
Der junge Schwertkämpfer Tanjiro Kamado, dessen Familie von Dämonen ausgelöscht wurde, kämpft in diesem actiongeladenen Anime-Film an der Seite der mächtigen Hashira, einer Elitegruppe von Dämonenjägern, um das Böse zu besiegen. In einer verzweifelten Mission stürmen sie das Infinity Castle, in der der skrupellose Dämonenführer Muzan seine finsteren Pläne schmiedet.
"Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba Infinity Castle", Anime. Japan 2025, 155 Minuten, ab 18. September im Kino

"How to Be Normal and the Oddness of the Other World"
Nach der Entlassung aus der Psychiatrie zieht die 26-jährige Pia (Luisa-Céline Gaffron) zurück zu ihrer Familie und navigiert die Herausforderungen des Alltags – von Jobstress bis Beziehungschaos. Regie-Debüt des Österreichers Florian Pochlatko, das die Grenzen zwischen Normalität und Anderssein auslotet.
"How to Be Normal and the Oddness of the Other World", Drama. Österreich 2025, 102 Minuten, ab 19. September im Kino

Worum es geht Irland, 1985, kurz vor Weihnachten: Bill Furlong (Cillian Murphy), ein hart arbeitender Kohlenhändler, lebt mit seiner Frau und seinen fünf Töchtern in der Kleinstadt New Ross. Als uneheliches Kind einer jungen Mutter, nach deren frühem Tod aufgezogen von einer Landbesitzerin, trägt Bill die Narben sozialer Ablehnung in sich. Er weiß, wie es sich anfühlt, nicht "dazu zu gehören".
Bei einer Lieferung an das örtliche Kloster der Magdalene-Laundries unter Leitung der gestrengen Schwester Mary (Emily Watson) entdeckt er ein junges Mädchen, Sarah, eingesperrt in der Waschküche. Die brutalen Zustände im Kloster, wo "gefallene" Frauen misshandelt und ausgebeutet werden, erschüttern ihn. Bill überlegt, ob und was er dagegen unternehmen soll, doch die Gemeinde und sogar seine Frau Eileen warnen ihn davor, sich gegen die mächtige Kirche zu stellen, da dies Familie und Geschäft gefährden könnte.

Bill ist innerlich hin- und hergerissen: Schweigen oder handeln? Getrieben von der Erfahrung seiner eigenen Geschichte, trifft er eine mutige Entscheidung, die das kollektive Wegschauen der Gemeinde durchbricht.
Lohnt sich das? Damit Böses geschehen kann, braucht es immer zwei: Den, der Böses tut. Und den, der es zulässt. Gerade wenn sich Gewalt jeglicher Form gegen Hilflose, Schwache und jene, die nicht für sich selbst einstehen können, richtet, gebietet das moralische Gewissen, einzugreifen. Von diesem Prinzip handelt "Kleine Dinge wie diese", dessen Geschichte auf wahren Begebenheiten und dem literarischen Vorbild von Claire Keegan aus dem Jahr 2020 basiert.
Cillian Murphy, davor für "Oppenheimer" Oscar-prämiert, verkörpert im von Tom Mielants ("Peaky Blinders") inszenierten und von Matt Damon und Ben Affleck produzierten Drama das Prinzip des Hinschauens, Mitfühlens, Helfens. In christlicher Diktion könnte man es auch Nächstenliebe nennen, neutraler soziales Gewissen: Seine eigene Geschichte macht ihn sensibel für das Schicksal der jungen Frau, die in der von Ordensschwestern betriebenen Wäscherei misshandelt wird. Wogegen er, der gänzlich unauffällige, zurückhaltende, geradezu schüchterne "Working Class Man", aufstehen muss.
"Kleine Dinge wie diese" ist sehr reduziert erzählt und handelt über weite Strecken vom Gewissenskampf seines schweigsamen Helden, der von Murphy hervorragend minimalistisch gespielt wird. Das Manko dieses wichtigen Werks ist aber die Tatsache, dass eben zu wenig passiert. Man kann nicht verhehlen, dass "Kleine Dinge wie diese" zeitweise richtiggehend langweilig ist. Das Ende aber ist äußerst gelungen, was für manche Schwächen davor entschädigt.
"Kleine Dinge wie diese", Drama. Irland / Belgien 2024, 96 Minuten, ab 25. September als Video-on-Demand und DVD/Blu-ray