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Neuer Netflix-Krimi

Warum sich Mord und Ehekrise nicht wirklich gut vertragen

"His & Hers, die neueste Crime-Serie auf Netflix, basiert auf einem Bestseller der britischen Autorin Alice Feeney, spielt im schwülen Süden der USA und ist Mörderjagd und Ehedrama in einem. Das Ergebnis überzeugt nur teilweise, für ein Binge-Weekend reicht es aber.

Eine erstochene junge Frau wird auf der Motorhaube ihres Wagens gefunden: Die neue Netflix-Serie "His & Hers" spart nicht mit blutigen Einzelheiten
Eine erstochene junge Frau wird auf der Motorhaube ihres Wagens gefunden: Die neue Netflix-Serie "His & Hers" spart nicht mit blutigen EinzelheitenEli Joshua Ade/Netflix © 2025
Christian Klosz
Akt. 11.01.2026 22:53 Uhr

Netflix hat sich in den letzten Jahren als am breitesten aufgestellter Streaming-Lieferant etabliert: Zwischen Big Budget-Krachern, kleinen Independent-Filmen mit Award-Potenzial, True Crime-Formaten, etablierten Hit-Serien und neuen, durchaus auch innovativen Formaten findet fast jeder was.  Und auch inhaltlich weist das Netflix-Programm die größte Diversität im Vergleich zur Konkurrenz auf.

Kalkulierter Hit Besonders beliebt: Adaptionen erfolgreicher Krimi-Buchvorlagen. Das geht inzwischen weit über das Harlan Coben-Universum hinaus. So überrascht es wenig, dass Netflix mit der Serien-Adaption "His & Hers" nach dem Bestseller von Alice Feeney aus 2020 die erste geplante Hit-Serie des neuen Jahres vorlegt. Und wenn es nach dem Publikumszuspruch geht, darf man das Format bereits als Erfolg verbuchen: Einen Tag nach Veröffentlichung hat sich "His & Hers" sofort auf Platz 1 der Serien-Charts geschoben.

Mord in der Kleinstadt Die sechsteilige Mini-Serie erzählt die Geschichte eines Ehepaares, das das Trauma ihres Kindesverlustes nicht überwinden konnte. Jack (John Bernthal, u.a. "The Accountant"), arbeitet in einer Kleinstadt im US-Staat Georgia als Polizist. Anna (Tessa Thompson) war früher TV-Reporterin, bevor sie für ein Jahr von der Bildfläche verschwand und niemand wusste, wo sie war.

Wege kreuzen sich Nun taucht sie wieder auf, heuert bei ihrem alten Arbeitgeber an und will über einen Mord in ihrem Heimatkaff Dahlonega berichten, dessen Opfer eine alte Schulkollegin war – just der Fall, den ihr Ex Jack aufklären soll.

"Danke, und dir so?" – Detective Jack Harper (Jon Bernthal) und seine Ex, die Fernsehreporterin Anna (Tessa Thompson), haben sich anfangs nicht viel zu sagen
"Danke, und dir so?" – Detective Jack Harper (Jon Bernthal) und seine Ex, die Fernsehreporterin Anna (Tessa Thompson), haben sich anfangs nicht viel zu sagen
Courtesy of Netflix © 2025

Fragen über Fragen "His & Hers" beginnt dramatisch, denn Anna wird Zeugin eines Vorfalls, der sich später noch als bedeutsam erweisen wird. Immer wieder werden neue Informationen platziert, Dinge angedeutet, um dann wieder fallen gelassen zu werden. Der Zuschauer soll so permanent in Spannung gehalten werden.

Suspense mit dem Holzhammer Doch das Prinzip ist hier zu durchsichtig, zu grobschlächtig, mit zu wenig Gespür umgesetzt: Die spärliche Informationsökonomie wirkt nicht organisch, sondern kalkuliert, immer wieder schadet sie dem Erzählfluss, der sich so nie wirklich entwickeln kann. Kommt ein Handlungsstrang mal ins Laufen, wird er schon wieder durch irgendeinen Twist unterbrochen, durch einen Sprung in der Handlung oder eine Rückblende, die noch mehr Fragen aufwerfen soll.

Fehlende Identifikationsfiguren Ein weiteres Problem von "His & Hers" ist, dass man es hier mit zwei recht unsympathischen Protagonisten zu tun hat: Sie hassen sich nicht nur gegenseitig (warum genau, auch darüber herrscht zu Beginn Unklarheit), sondern wirken auch sonst eher wie unangenehme Zeitgenossen.

Dirty Cop & Dirty Reporterin Anna ist höchst manipulativ, verhält sich moralisch fragwürdig und schreckt vor nichts zurück, um zu bekommen, was sie will. Der Job befriedigt bei ihr nicht Idealismus, sondern persönliche Rachegelüste. Jack hingegen mag zwar das Herz am rechten Fleck haben, durch sein mitunter erratisches Verhalten taugt er aber ebenso wenig zur Identifikationsfigur. Zumal er sich als "Dirty Cop" immer weiter in Lügen verstrickt, um seine eigene, mögliche Involvierung in den Mord zu vertuschen.

Keine Geduld … Es kann die Ergründung niederer Motive in Form eines Serien-Psychogramms durchaus Spaß machen, wie "The Beast in Be", auch auf Netflix, bewies. "His & Hers" fehlt aber die psychologische Tiefe und Geduld, ihre Figuren zu durchleuchten.

… und wenig Charisma Auch fehlt den beiden Hauptdarstellern jegliche Chemie: Man kann sich weder vorstellen, dass die beiden einmal ein Paar waren, noch funktionieren sie als Ex-Paar, das sich irgendwann mal geliebt haben mag. Dieses Casting ist gescheitert.

Die ermittlungen nach dem Tod der jungen Frau wirbeln in der Kleinstadt Dahlonega ordentlich Staub auf
Die ermittlungen nach dem Tod der jungen Frau wirbeln in der Kleinstadt Dahlonega ordentlich Staub auf
Courtesy of Netflix © 2025

Genre-Mischmasch Weil die Dramaturgie eben nicht authentisch wirkt und keinem organischen Fluss folgt, wirkt sie unrealistisch. Zuletzt scheitert "His & Hers" auch daran, die beiden Genres Krimi-Thriller und (toxisches) Beziehungsdrama erfolgreich zusammenzuführen: Die Serie will beides zugleich sein, anstatt sich auf eines – zumindest schwerpunktmäßig – festzulegen.

Fazit Am Ende bleibt ein zwiespältiges Streaming-Erlebnis. Die Story-Idee von "His & Hers" ist gut, der Fall ist solide. Setting und Produktion sind professionell und die sechs Episoden durch die Bank spannend und wendungsreich.

Allerdings sind die Serien-Macher einmal zu oft falsch abgebogen, um am Ende mehr als nur Durchschnittsware abzuliefern. Okay, aber leider auch nicht viel mehr.

"His & Hers", Krimi, Thriller. USA 2026, 6 Episoden à ca. 40-45 Minuten, Netflix

Christian Klosz
Akt. 11.01.2026 22:53 Uhr