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Grosse Pläne

Don, der Baumeister: Trump will Camp David in seinen Golfclub verlegen

US-Präsident Donald Trump will seinen Golfklub in West Palm Beach zu einem chicen Präsidenten-Refugium nach dem Vorbild des rustikalen Camp David ausbauen. Die Idee stößt in Washington nicht nur auf Begeisterung. Was man bisher darüber weiß, der Überblick.

US-Präsident und Golf-Fan Donald Trump möchte ein zweites Präsidenten-Refugium errichten – auf einem seiner Golfplätze in Florida
US-Präsident und Golf-Fan Donald Trump möchte ein zweites Präsidenten-Refugium errichten – auf einem seiner Golfplätze in FloridaREUTERS/Phil Noble
Martin Kubesch
Akt. 08.10.2026 16:03 Uhr

Einmal Bauherr, immer Bauherr. Kriege (Iran) und Interventionen (Venezuela) hin, Annexionsdrohungen (Grönland) oder Kuscheln mit Diktatoren und Mördern (Putin, Kim Jong-un) her, nur wenige Dinge am Präsident sein bereiten Donald Trump so viel Freude wie die Möglichkeit, vollkommen ohne Einschränkungen durch doofe Bauordnungen oder Ähnliches mit den größten Bauklötzchen zu spielen.

Und so packt der US-Präsident gefühlt jede Woche ein neues Projekt an, auch wenn die anderen noch längst nicht fertiggestellt sind. Das Weiße Haus bekommt einen neuen Atombunker samt riesigem Ballsaal und wird noch auf Jahre einer Großbaustelle gleichen; der sogenannte Reflecting Pool ist nach wie vor ohne reflektierendes Wasser, nachdem Trump ihn im Sommer verschlimmbessern ließ; das John F. Kennedy Center wurde zur Gefahrenzone erklärt und gesperrt, nachdem Trump seinen Namen nicht vor jenen des kultisch verehrten 35. Präsidenten der USA setzen durfte; und ob der gigantomanische, 76 Meter hohe Triumphbogen zwischen Lincoln Memorial und Nationalfriedhof Arlington je gebaut wird, werden wohl Gerichte entscheiden.

Aber Trump hat bereits das nächste Großprojekt im Visier. Dieses Mal außerhalb der Bundeshauptstadt. Er möchte einen Teil seines Golfklubs in West Palm Beach, Florida, in ein offizielles Refugium für Präsidenten und ausländische Gäste verwandeln. Vergleichbar mit Camp David in Maryland, nur ohne die Provinzialität der nahe gelegenen Blue Ridge Mountains, ohne die Kälte und den Schnee im Winter, und alles ein bisschen mehr "flashy" und "showy", Florida eben.

Der Präsidentenkonvoi am Trump International Golf Club in West Palm Beach: der 80-Jährige verbringt seine Wochenenden regelmäßig in Florida
Der Präsidentenkonvoi am Trump International Golf Club in West Palm Beach: der 80-Jährige verbringt seine Wochenenden regelmäßig in Florida
REUTERS/Kevin Lamarque

Seit die Washington Post mit dieser Meldung an die Öffentlichkeit gegangen ist, läuten in den USA die Alarmglocken. Denn einerseits gefällt den Sicherheitsexperten des Secret Service gerade die Abgeschiedenheit von Camp David, wo sich potenzielle Übeltäter nur zwischen Bäumen verstecken können.

Andererseits sind Entscheidungsträger skeptisch, was diese Vermischung von offiziellen Regierungsthemen und Privatinteressen des Geschäftsmannes Donald Trump an Problemen bringen könnte. Denn dass der seinen Club gratis an den Staat abgibt, denkt niemand.

Und last but not least befürchten manche Beobachter, dass hier ein zweites Machtzentrum des US-Präsidenten abseits von Washington entstehen soll – eines, auf das Trump jederzeit Zugriff hätte. Für diese Skeptiker ist die Idee auch ein Beleg dafür, wie stark Trump Amt, Privatbesitz und politische Symbolik miteinander verknüpft. Was über den jüngsten Streich des Präsidenten bisher bekannt ist:

Worum geht es?
Geplant ist, einen Teil von Trumps Golfklub in West Palm Beach als dauerhaftes offizielles Refugium für ausländische Staatsgäste und künftige US-Präsidenten zu widmen. Dort könnten internationale Gipfel stattfinden, Präsidenten könnten bei Florida-Aufenthalten dort wohnen. Der übrige Teil des Areals soll ein privater Golfplatz bleiben – im Besitz von Trump.

Wie soll das rechtlich funktionieren?
Nach dem Vorschlag soll Palm Beach County ein Stück des Grundstücks dem Bund überlassen. Trumps Seite hat zugesagt, auf diesem Teil eine Präsidentenresidenz und weitere Einrichtungen zu errichten. Der Rückzugsort soll laut County einen eigenen Zugang bekommen, getrennt vom privaten Klub.

Wer hat den Vorschlag eingebracht?
Vorgelegt wurde er von Harvey Oyer, dem Rechtsvertreter von Trump International Golf Club. In einem Schreiben an die Bezirksverwaltung warb er dafür, einen Teil des Areals an die Bundesregierung zu geben. Einen endgültigen Namen für das Projekt gibt es laut Oyer noch nicht.

Zu rustikal für Trump: Als letzter US-Präsident nutzte Joe Biden – hier 2023 mit den Premierministern von Japan und Südkorea – Camp David regelmäßig
Zu rustikal für Trump: Als letzter US-Präsident nutzte Joe Biden – hier 2023 mit den Premierministern von Japan und Südkorea – Camp David regelmäßig
REUTERS/Jim Bourg

Wie begründet Trumps Umfeld das Projekt?
Aus dem Umfeld des Weißen Hauses heißt es, das Gelände biete Annehmlichkeiten auf Weltklasse-Niveau. Genannt werden die Nähe zum Flughafen, freie Sicht ohne hohe Gebäude, keine Häuser direkt am Platz, gute Sicherheitsmerkmale und die Nähe zur Polizei. Das seien Eigenschaften, die ein Präsidentenrefugium brauche.

Prüft der Bezirk den Plan ernsthaft?
Ja. Der Bezirksverwalter Joseph Abruzzo sagte, der Vorschlag werde ernsthaft geprüft und es würden weitere Informationen eingeholt. Der Bezirk steht dazu auch mit der General Services Administration in Kontakt, jener Behörde, die Bundesliegenschaften verwaltet.

Was ist Camp David eigentlich?
Camp David ist das Präsidentenrefugium der USA in Maryland, ein abgeschirmter Rückzugsort für Erholung, Beratungen und Treffen mit Staatsgästen. In seiner heutigen Rolle als Präsidentenanlage geht es auf Franklin D. Roosevelt zurück, der aus einem Erholungsort für Bundesbedienstete einen Präsidentenkomplex machte. Den Namen Camp David erhielt es später von Dwight D. Eisenhower, benannt nach seinem Vater und seinem Enkel.

Warum will Trump ein Pendant in Florida?
Trump verbringt seine Wochenenden und Feiertage lieber in eigenen Anwesen und hat Camp David deutlich seltener genutzt als viele Vorgänger. Über den rustikalen Charme des Komplexes sagte er einmal, der nutze sich nach einer halben Stunde ab. Ein Refugium in Florida würde besser zu seinen Gewohnheiten passen.

Was hätte Trump selbst davon?
Politisch wäre es ein starkes Symbol, wirtschaftlich könnte der Klub ebenfalls profitieren. Der Golfplatz bliebe unter Kontrolle des Familienunternehmens und würde bei dauerhafter präsidentieller Bedeutung wohl zusätzliches Geschäft anziehen. Trump meldete im Vorjahr laut seiner letzten Finanzoffenlegung fast 37 Millionen Dollar Einkommen aus diesem Golfklub.

Warum ist das Projekt so umstritten?
Weil es die Grenzen zwischen Staatsamt, Privatinteressen und persönlicher Marke sichtbar macht. Rechtsvertreter Oyer schrieb selbst, das Projekt wäre nicht vor Trumps Amtsende fertig und daher ein "Geschenk" an seine Nachfolger. Zugleich würde Palm Beach County durch den hochrangigen Besucherverkehr profitieren, und Trumps Einfluss auf das Image der Region würde weiter wachsen.

Donald Trump lebt und investiert seit 40 Jahren auch in Florida, das hat deutliche Spuren hinterlassen
Donald Trump lebt und investiert seit 40 Jahren auch in Florida, das hat deutliche Spuren hinterlassen
REUTERS/Nathan Howard

Welche Rolle spielt Palm Beach dabei?
Palm Beach hat sich politisch stark in Trumps Richtung verändert. Rund um sein Anwesen Mar-a-Lago treffen sich Unterstützer zu politischen Veranstaltungen und zum Netzwerken, der nahe Golfklub gilt längst als Ort für Trump-Sichtungen. Ein offizielles Präsidentenrefugium würde diese Entwicklung weiter verstärken.

Gab es so eine Idee in Florida schon früher?
Ja, zumindest in ähnlicher Form. Die frühere Besitzerin von Mar-a-Lago, Marjorie Merriweather Post, vermachte ihr Anwesen nach ihrem Tod 1973 der Bundesregierung, damit daraus ein "Winter White House" werde. Wegen hoher Erhaltungskosten gab der National Park Service das Anwesen jedoch an ihren Nachlass zurück; Trump kaufte es dann 1985.

Wie eng ist Trump ohnehin mit dem Golf verbunden?
Sehr eng, auch politisch inszeniert. Obwohl er Barack Obama einst fürs Golfen im Amt verspottete, war Trump in seiner zweiten Amtszeit häufig auf dem Platz; ein Online-Tracker zählt mindestens 137 Golftage. Der Sportjournalist Rick Reilly, der mit Trump gespielt hat, meint, Trump interessiere sich weniger für das Spiel als für die Aufmerksamkeit in seinen eigenen Klubs.

Was sagt das über die Präsidenten in den USA aus?
Golf und Präsidentschaft haben in den USA eine lange gemeinsame Geschichte. 17 der vergangenen 20 Präsidenten haben selbst Golf gespielt; als erster begeisterter Golfer im Oval Office gilt William Howard Taft (1909-1913), Jimmy Carter war der letzte Präsident ohne Golf-Ambitionen – und wurde u.a. auch dafür verspottet, er war Farmer und galt vielen als hinterwäldlerisch. Für viele Präsidenten war der Golfplatz ein angenehmer Rückzugsort vom Druck des Amts.

Wie geht es nun weiter?
Als Nächstes muss Palm Beach County entscheiden, welches Grundstück überhaupt infrage kommt und ob der Bund bei dem Modell mitzieht. Politisch wird vor allem wichtig, ob aus der symbolträchtigen Idee ein offizielles Bundesprojekt wird oder ob sie vorerst ein ambitionierter Plan auf dem Papier bleibt.

Martin Kubesch
Akt. 08.10.2026 16:03 Uhr