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Jurist hat ihn ersteigert

"Es ist ein geiles Gefühl, den Anzug von René Benko zu tragen"

Als Referent bei U-Ausschüssen im Parlament nahm der Jurist Fari Ramic den Tiroler Immobilienmogul als "arrogant und unangenehm" wahr. Jetzt kaufte er sich einen Anzug aus René Benkos Insolvenzmasse – für den 33-Jährigen "definitiv eine Genugtuung". Der Report.

Im Parlament erlebte Fari Ramic René Benko als "arrogant und unangenehm". Jetzt trägt er einen von dessen Luxus-Zwirnen: "So sieht der Anzug auch einmal die helle Seite der Welt"
Im Parlament erlebte Fari Ramic René Benko als "arrogant und unangenehm". Jetzt trägt er einen von dessen Luxus-Zwirnen: "So sieht der Anzug auch einmal die helle Seite der Welt"Fari Ramic
Martin Kubesch
Akt. 24.01.2026 00:18 Uhr

Seit einem Jahr sitzt Milliarden-Pleitier René Benko nun bereits in Untersuchungshaft. Aber sein Anzug läuft nach wie vor frei herum.

Dabei bekommt der feine Zwirn ganz schön viel geboten. Er geht beinahe täglich ins Außenamt, er wird ins Parlament mitgenommen und erhält auch sonst viel Freigang. René Benkos Anzug genießt all jene Freiheiten, die sein ursprünglicher Besitzer längst nicht mehr hat.

Dafür verantwortlich ist ausgerechnet ein Jurist mit einer ganz persönlichen Benko-Vergangenheit. Fari Ramic, 33 Jahre alt, arbeitet als Regierungskoordinator im Kabinett von NEOS-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Doch bevor er dahin wechselte, war er Referent bei diversen Untersuchungsausschüssen im Parlament. Und traf dabei gleich mehrfach auf René Benko. Es war keine gute Erfahrung.

"Arrogant und unangenehm" In der Erinnerung von Fari Ramic verhielt sich der Tiroler Damals-noch-Milliardär vor den Abgeordneten des Hohen Hauses alles andere als kooperativ: "Benko hat sich damals sehr arrogant und unangenehm verhalten", so der Jurist. Nachsatz: "Deshalb freut es mich auch, dass Benko jetzt dort ist, wo er ist."

Am Etikett des Anzugs ist der erste Besitzer des feinen Zwirns verewigt. Fari Ramic: "Ich hätte den Anzug nicht gekauft, wenn er nicht vorher René Benko gehört hätte"
Am Etikett des Anzugs ist der erste Besitzer des feinen Zwirns verewigt. Fari Ramic: "Ich hätte den Anzug nicht gekauft, wenn er nicht vorher René Benko gehört hätte"
Fari Ramic

Dazu kamen weitere Wahrnehmungen in seinem Bekanntenkreis: "Ich kenne auch Journalisten, die von Benko mit Slapp-Klagen eingedeckt wurden, nur um mundtot gemacht zu werden, obwohl sie nichts Falsches geschrieben hatten."

Kommt Zeit, kommt Anzug Die Gelegenheit für den Juristen, sich Luft zu verschaffen, kam mit den Insolvenzen im Benko-Umfeld. Fari Ramic beobachtete aufmerksam, wie Stück um Stück hunderte, ja tausende Objekte aus dem Besitz der Signa und von René Benko vom Masseverwalter versteigert wurden. Aber tausende Euro für eine Fußmatte bezahlen, nur weil Signa draufsteht?

Dann schon lieber auf eine andere, bessere Gelegenheit warten. Diese kam, als die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft im letzten Herbst einige Stücke aus dem Privatbesitz des Immobilieninvestors freigab und diese umgehend zur Versteigerung gelangten.

Anzüge, Mäntel, Humidore Nur elf Objekte wurden aufgerufen – vier Anzüge, zwei Mäntel, zwei Humidore und eine Patronentasche. Aber für Fari Ramic war der Moment gekommen, auf den er gewartet hatte.

Drei Anzüge der Nobelmarke Tom Ford standen auf der Auktionsliste. Rufpreis: je 400 Euro. "Das sind wirklich sehr schöne Anzüge, die kosten im Geschäft 5.000 Euro", erklärt der Jurist, und er lässt keinen Zweifel daran, dass er sich auch mit diesen Dingen auskennt.

Ein Dutzend Vintage-Anzüge "Ich bin ein großer Modefreund und trage generell lieber schöne, gut gearbeitete Stücke vom Second-Hand-Markt, als mir einen neuen, schlecht gearbeiteten Anzug zu kaufen", sagt Fari Ramic zu NewsFlix. Aktuell hängt ein Dutzend Anzüge in seinem Kleiderschrank, die meisten hat er auf spezialisierten Verkaufsplattformen im Netz gefunden.

Etwa ein Dutzend Vintage-Anzüge besitzt der Regierungskoordinator im Außenministerium. Zu Benkos Anzug bekam er auch den Original-Kleidersack …
Etwa ein Dutzend Vintage-Anzüge besitzt der Regierungskoordinator im Außenministerium. Zu Benkos Anzug bekam er auch den Original-Kleidersack …
Fari Ramic
… mit dem Namenskärtchen des Immobilien-Pleitiers mit dazu
… mit dem Namenskärtchen des Immobilien-Pleitiers mit dazu
Aurena

Bei den Benko-Anzügen aus der Insolvenzmasse hatte der Jurist gleich ein gutes Gefühl. Also steigerte er mit – und war zunächst enttäuscht, dass sich lange Zeit kaum was tat: "Bei Internet-Versteigerungen geht es meist erst in den letzten paar Minuten so richtig ab", erinnert sich Fari Ramic. Auch andere wollten einen Tom "Benko" Ford-Anzug, aber der NEOS-Mann blieb am Ende Sieger.

840 Euro für ein Stück aus Benkos Kleiderkasten Den Zuschlag erhielt Fari Ramic bei 700 Euro, mit Steuer und Gebühren wurden es am Ende 840 Euro. "Das ist viel Geld, aber das war es mir wert", so der erfolgreiche Bieter. Er nahm sich eigens einen Tag frei, um zum Auktionshaus in die Steiermark zu fahren, denn ein Versand der Ware wurde nicht angeboten.

Vor Ort dann eine kleine Enttäuschung: Denn Benkos Anzug war in einem schlechteren Zustand, als Ramic gedacht hatte. "Die lange Lagerung hat dem Stück nicht gutgetan", so der Jurist. "Noch dazu wurde er offenbar auf einem ungeeigneten, viel zu dünnen Kleiderhaken aufgehängt. Sowas kann ein Sakko kaputt machen, es ruiniert die Façon."

Noch einmal 180 Euro für Änderungen Die Façon des Anzugs konnte in einer Putzerei gerettet werden. Aber als problematischer erwies sich, dass Fari Ramic wesentlich sportlicher gebaut ist, als es Benko zu jener Zeit war, als er den Anzug in Auftrag gab. "Ich habe nochmals 180 Euro investiert, um den Anzug wieder fit zu bekommen – er musste beim Bauch enger gemacht werden, dafür an den Schultern und an den Oberschenkeln breiter."

Damit der Anzug passt, musste Fari Ramic die Taille etwas enger, dafür aber die Schultern und die Oberschenkel weiter machen lassen
Damit der Anzug passt, musste Fari Ramic die Taille etwas enger, dafür aber die Schultern und die Oberschenkel weiter machen lassen
Fari Ramic
So schaut der Benno-Anzug im getragenen Zustand aus
So schaut der Benno-Anzug im getragenen Zustand aus
Fari Ramic

Jetzt sitzt das gute Stück allerdings wie angegossen – und Fari Ramic lässt via Social Media die ganze Welt daran teilhaben. "Es fühlt sich doppelt gut an, wenn ich jetzt als Regierungskoordinator Anti-Slapp-Klagen, die Bundesstaatsanwaltschaft und Ähnliches behandle und dabei einen Anzug trage, der früher René Benko gehört hat", sagt er. "Es ist definitiv eine gewisse Genugtuung dabei."

Das erste, aber sicher nicht das letzte Stück Wer jedoch denkt, dass mehr als 1.000 Euro für einen gebrauchten Anzug dem Juristen die Lust auf weitere Mode-Abenteuer dieser Art genommen haben, liegt verkehrt: "Der Tom-Ford-Anzug ist meine erste Benko-Devotionalie, aber es wird definitiv nicht meine letzte bleiben. Ich halte weiter Ausschau nach interessanten Stücken."

Aber bis es soweit ist und weitere Garderobenteile des Pleitiers in den Secondhand-Handel kommen, sucht Anzug-Addict Fari Ramic nach anderer heißer Ware: "Ich wäre auch an Devotionalien von Karl-Heinz Grasser interessiert."

"Genauso wie René Benko" Den ehemaligen Finanzminister, der erst vor wenigen Wochen aus der Haft in den Hausarrest wechseln durfte, habe er ebenfalls im Zuge seiner Ausschussarbeit erlebt. "Und er war genauso unangenehm und arrogant wie René Benko."

Aber obwohl KHG aufgrund der hohen Anwaltskosten für seinen jahrelangen Prozess ebenfalls Privatinsolvenz angemeldet hat, ist es fraglich, ob jemals Anzüge des Wahl-Kitzbühlers und Ehemannes von Fiona Swarovski im Internet angeboten werden.

Der stolze Besitzer hat noch nicht genug: Es ist meine erste, aber sicher nicht meine letzte Benko-Devotionalie"
Der stolze Besitzer hat noch nicht genug: Es ist meine erste, aber sicher nicht meine letzte Benko-Devotionalie"
Fari Ramic

Upcycling für Benko-Anzug Fari Ramic muss sich also in Geduld üben – was ihm auch ziemlich gut zu gelingen scheint. Die 1.000 Euro für den Benko-Anzug sieht er nach wie vor als gute Investition: "Ich wäre sogar bis 1.200 Euro gegangen. Weil, wann hat man schon wieder die Chance dazu?" Und schließlich gab es sogar den Original-Kleidersack mit einem "Mr. Benko"-Schild oben drauf.

Aber am Ende hat es der Jurist vor allem für den Anzug selbst getan: "Dass ich jetzt den Benko-Anzug gekauft habe, sehe ich auch ein bisschen als Upcycling für das Kleidungsstück: Der Anzug sieht jetzt auch einmal die helle Seite der Welt."

Martin Kubesch
Akt. 24.01.2026 00:18 Uhr