Showdown im Gerichtssaal, Elon Musk hat OpenAI-Gründer Sam Altman verklagt. Es geht um Milliarden, Männer-Egos, die Zukunft der Welt. Als Erster sagt Musk aus. "Ich schätze, dass KI schon im nächsten Jahr so intelligent sein wird wie jeder Mensch."

Sie waren einmal ziemlich beste Freunde, das ist kaum mehr als zehn Jahre her. Jetzt sitzen Elon Musk, Gründer von Tesla, SpaceX und Besitzer von X, und Sam Altman, der Mann hinter OpenAI, also ChatGPT, an diesem Dienstag im Gerichtssaal von Oakland in Kalifornien und tun so, als würden sie sich nicht kennen.
Das hat viele Gründe und eine längere Vorgeschichte. Musk war 2015 Mitgründer von OpenAI, er sieht seine Rolle sogar etwas größer. Ohne ihn würde es das Unternehmen heute gar nicht geben, sagt er nun vor Gericht. Die ersten Investitionen über gesamt 38 Millionen US-Dollar stammten von ihm.
Die Gegenseite sieht das naturgemäß anders, aber das ist gar nicht der Kern der Vorwürfe. Musk wirft OpenAI vor, es habe seine ursprüngliche Mission als gemeinnützige Organisation („für das Wohl der Menschheit“) verraten und sich zu einem gewinnorientierten Unternehmen entwickelt.
Was er besonders kritisiert: die enge Partnerschaft mit Microsoft. Die ist zwar momentan gerade dabei, sich neu zu justieren (davon wird später noch die Rede sein), aber auch das ist nur Nebensache.

Was hinter dem Prozess eigentlich steht, ist der Machtkampf um die neue Weltwährung KI. Er unterscheidet sich massiv von allem, was wir bisher aus Wirtschafts-Wettläufen kannten. Der Gewinner zieht nicht nur einen ökonomischen Vorteil aus seinem Sieg, sondern er beherrscht die Welt möglicherweise in einer bisher nie gekannten Art.
Auch darum geht es in diesem Prozess, der am Montag mit der Auswahl der neun Geschworenen begonnen hatte und tags darauf mit der ersten Zeugenaussage so richtig begann. Dieser Zeuge war – Elon Musk. Was Sie über die Ereignisse wissen müssen:
Wie begann der Dienstag?
Mit den Eröffnungsplädoyers der Anwälte von Musk (Steven Mol) und OpenAI (William Savitt). Es lag Feuer in der Luft. Das OpenAI-Lager hatte Musks Klage in einem Beitrag auf X am Montag als "unbegründete Schikane" bezeichnet. Man könne es kaum erwarten, den Fall vor Gericht vorzutragen, wo sowohl die Wahrheit als auch das Gesetz auf Altmans Seite stünde.
Was umfasst die Klage?
Sie ist stark zusammengeschrumpft. Musk brachte die Klage 2024 ein, damals umfasste sie noch 26 Behauptungen. Davon blieben nur mehr zwei übrig, über die nun verhandelt wird: Verletzung einer gemeinnützigen Stiftung und ungerechtfertigte Bereicherung.
Was ist damit gemeint?
Musk argumentiert so: Die 38 Millionen Dollar, die er für die Gründung einbrachte, hätten das Unternehmen dazu verpflichtet, auf Dauer eine gemeinnützige Organisation zu bleiben. Dieses Versprechen sei gebrochen worden.

Und die Bereicherung?
Musks Anwälte wollen beweisen, dass OpenAI, Sam Altman und OpenAI-Präsident Greg Brockman das Geld für nicht autorisierte kommerzielle Zwecke verwendet haben.
Was wurde aus den anderen Vorwürfen?
Man darf die wilde Vorgeschichte des Prozesses nicht vergessen. Der Gerichtsakt machte Hunderte hochnotpeinliche Dokumente öffentlich: SMS, E-Mails oder private Tagebucheinträge von Musk, Sam Altman, anderen OpenAI-Gründern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
Was zum Beispiel?
Einige Einträge lesen sich wie ein Klatschroman. Musk fragte Altman, warum OpenAI eine Partnerschaft mit Microsoft eingegangen sei und nicht mit Amazon. "Ich finde, Jeff ist ein bisschen ein Trottel", beantwortete er sich die Frage in einer E-Mail 2016 an den OpenAI-Mitbegründer selbst. Mit Jeff" ist Jeff Bezos gemeint.
Wird nun Schmutzwäsche gewaschen?
Sicher, ob aber die gegenseitigen Herablassungen dabei noch ein so großes Thema im Prozess werden, ist unklar. Vor allem, wer ein Interesse daran hat, dass sie breitgetreten werden.
Um wie viel Geld geht es?
In einer im Januar eingereichten Klage hatten Musks Anwälte, ihm stünden bis zu 134 Milliarden Dollar an "unrechtmäßig erworbenen Gewinnen" zu. Er beantragte, "alle unrechtmäßig erworbenen Gewinne" an die Wohltätigkeitsorganisation OpenAI zurückzuleiten.

Was ist den Musk-Anwälten bewusst?
Dass ihr Klient nicht zwingend ein Sympathieträger ist. Haupt-Rechtsvertreter Steven Molo appellierte in seinem Eröffnungsplädoyer an die Geschworenen, jegliche vorgefassten Meinungen über den Tesla-Chef beiseitezulegen. "Jeder scheint Herrn Musk zu kennen und eine Meinung über ihn zu haben", sagte er. "Nicht jede Meinung ist gut, nicht jede ist schlecht."
Wie redete er ihn schön?
Molo argumentierte, dass der Fall zum "Wohl der gesamten Menschheit" und nicht aus finanziellen Gründen entschieden werde. Er bezeichnete Musk zudem als "Legende der Tech-Welt" und ging kurz auf dessen Kindheit und seine unternehmerischen Aktivitäten wie SpaceX und Tesla ein.
Was war nun mit Musk?
Er kam am Ende des zweiten Prozesstages nach einer kurzen Pause zu Wort. Altman kehrte nicht in den Saal zurück, um ihm zuzuhören, OpenAI-Präsident Greg Brockman aber sehr wohl.
Wie wirkte Musk?
Anfangs entspannt, später zunehmend müde. Er wurde von seinem Anwalt befragt. Er zählte zunächst unternehmerische Erfolge auf, Tesla, SpaceX, Neuralink, einem Unternehmen für Gehirn-Computer-Schnittstellen. Dessen Ziel sei „eigentlich die Sicherheit von KI" gewesen, "in dem Sinne, dass wir die menschliche Welt eng mit der KI verbinden können."
Wie sieht Musk die künstliche Intelligenz?
"Sie könnte uns wohlhabender machen, aber es könnte uns auch alle umbringen", sagte er im Zeugenstand. "Wir wollen in einem Gene-Roddenberry-Film mitspielen, wie Star Trek, und nicht so sehr in einem James-Cameron-Film, wie Terminator."

Wie sieht er die Entwicklung?
Rasant! "Ich schätze, dass KI schon im nächsten Jahr so intelligent sein wird wie jeder Mensch."
Wie lernt die KI?
Musk verglich sie mit einem sehr intelligenten Kind. Wenn das Kind erwachsen ist, kann man es nicht mehr wirklich kontrollieren, aber man kann versuchen, ihm die richtigen Werte zu vermitteln. Ehrlichkeit, Integrität, Mitgefühl für die Menschheit – im Wesentlichen einfach gut sein."
Welche Bedeutung gibt er sich selbst bei OpenAI?
Ich hatte die Idee, den Namen, habe die wichtigsten Leute rekrutiert, ihnen alles beigebracht, was ich weiß, und die gesamte Anfangsfinanzierung bereitgestellt“, sagt Musk. Er hätte das nicht gemacht, "wenn die Absicht der Gründer des Unternehmens darin bestanden hätte, Gewinn zu erzielen."
Warum sollte kein Gewinn erzielt werden?
Das wird wohl eine Kernfrage des Prozesses sein. Die Musk-Antwort darauf überzeugte nicht alle. "Ich hätte OpenAI auch als gewinnorientiertes Unternehmen gründen können", sagte er. "Ich habe mich aber dagegen entschieden. Ich wollte etwas schaffen, das der gesamten Menschheit zugutekommt."
Was passierte dann?
Es war Schluss. Nach 100 Minuten wurde der erste Teil der Befragung beendet, am Mittwoch wird fortgesetzt. Insgesamt sind für Musks Aussage bis zu 6 Stunden eingeplant (inkl. Befragung und Kreuzverhör).
Wer kommt sonst noch dran?
Wenn Musk die Zeit nicht ausreizt, dann soll Jared Birchall in den Zeugenstand gerufen werden. Birchall verwaltet unter anderem Musks Milliardenvermögen in seinem Family Office.

Welche Rolle spielt eigentlich Microsoft in diesem Fall?
Auch Microsoft wird in der Klage als Beklagter genannt. Musk wirft Microsoft Beihilfe zu den mutmaßlichen Verfehlungen von OpenAI, Altman und Brockman vor.
Wie ist das aktuelle Verhältnis zwischen OpenAI und Microsoft?
Microsoft war jahrelang der Hauptinvestor von OpenAI. Vor Prozessbeginn wurde bekannt, dass die beiden Unternehmen ihre Zusammenarbeit grundlegend überarbeitet haben. Es kriselt bereits seit zwei Jahren.
Nämlich?
Das zentrale Element Exklusivität fällt weg. OpenAI darf seine Produkte künftig über jeden beliebigen Cloud-Anbieter vertreiben. Erstaunlich, immerhin hat Microsoft alles in allem 13 Milliarden US-Dollar investiert.
Eine Trennung also?
Ja, aber sie passiert nicht zwingend im Bösen, sondern verschafft beiden bei Gelingen mehr Freiheiten. Miicrosoft gibt keine Umsatzbeteiligung mehr an OpenAI ab, OpenAI wiederum überweist weiter 20 Prozent seiner Einnahmen, hat nun aber bessere Karten für den geplanten Börsegang.
Bedeutet?
Der finale Kampf um die KI hat gerade erst begonnen. Und er wird ganz ungekünstelt brutal.