Ab 3. Februar steht Marius Borg Høiby vor Gericht. Dem Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit werden 38 Straftatbestände vorgeworfen, darunter Vergewaltigung, Missbrauch und Drogendelikte. Der Prozess erschüttert das Königshaus.

Es begann wie ein Märchen – und endete in einem Albtraum. Als die bürgerliche Mette-Marit 2001 Norwegens Thronfolger Kronprinz Haakon heiratete, trug sie in der Kirche ihren dreijährigen unehelichen Sohn Marius am Arm – und nicht nur die Blaublüter dieser Welt jubelte ihr zu.
Die königliche Patchworkfamilie wurde zum liberalen Vorzeigemodell in einer von traditionellen Strukturen bestimmten Ordnung. Sie sollte zeigen, dass sogar in Hochadelsfamilien alles möglich ist, wenn man Liebe und Vernunft das Zepter führen lässt.
25 Jahre später mussten die schönen Ideen der harten Realität weichen. Der blonde, kleine Marius wurde zum schwarzen Schaf der norwegischen Royals. Keine Ausbildung, kein Beruf, dafür immer wieder Skandalgeschichten – und jetzt sogar eine Anklage, unter anderem wegen Vergewaltigung, Misshandlung, Körperverletzung und Drogendelikten.
Ab kommender Woche wird dem 29-Jährigen in Oslo der Prozess gemacht. Im schlimmsten Fall drohen ihm bis zu 16 Jahre Haft.
Was dem Sohn der norwegischen Kronprinzessin konkret vorgeworfen wird, wie Juristen die Anklage einschätzen, weshalb seine Mutter und sein Stiefvater beim Prozess nicht dabei sein werden – das muss man über den Prozess gegen Marius Borg Høiby wissen:

Worum geht es?
Um den "Prozess des Jahres" aus norwegischer Sicht. Am kommenden Dienstag, den 3. Februar, startet am Bezirksgericht Oslo die Hauptverhandlung gegen Marius Borg Høiby, 29. Dem blonden jungen Mann mit Schmollmund und einem arroganten Zug um die Augen werden insgesamt 38 Straftatbestände vorgeworfen, darunter Vergewaltigung, Misshandlung junger Frauen sowie Drogendelikte.
Weshalb ist das außerhalb Norwegens ein Thema?
Weil Marius Borg Høiby der uneheliche Sohn von Mette-Marit ist, der Ehefrau von Norwegens Thronfolger, Kronprinz Haakon. Und obwohl Marius kein offizielles Mitglied der Königsfamilie ist, galt das royale Patchworkmodell als europaweites Vorzeige-Projekt.
In welcher Weise?
Mette-Marit, geborene Tjessem Høiby, brachte Marius im Januar 1997 unehelich zur Welt. Mit seinem Vater, dem verurteilten Straftäter Morten Borg, hatte sie keine feste Beziehung. Als Marius zur Welt kam, saß sein leiblicher Vater wegen Drogendelikten in Haft. 1999 lernte die Alleinerzieherin Mette-Marit auf einem Musikfestival Thronfolger Haakon kennen, im August 2001 heirateten sie im Osloer Dom und Mette-Marit wurde Kronprinzessin.
Märchen gut, alles gut?
Haakon und Mette-Marit bekamen zwei Kinder, Prinzessin Ingrid Alexandra von Norwegen (geboren am 21. Januar 2004) und Prinz Sverre Magnus von Norwegen (geboren am 3. Dezember 2005). Marius lebte bei seiner Mutter und seinem Stiefvater – Haakon adoptierte den Buben nicht, behandelte ihn aber wie einen Sohn.
Wo war der leibliche Vater des Buben?
Er nahm immer wieder am Leben von Marius teil und war bei Ereignissen wie seiner Einschulung oder seiner Firmung dabei. Letztlich wuchs Marius aber im Schoße der königlichen Familie auf.

Das klingt alles sehr aufgeschlossen …
Das norwegische Königshaus ist diesbezüglich generell sehr liberal eingestellt. Als im Sommer 2024 Haakons Schwester Märtha Louise in zweiter Ehe einen Schamanen mit karibischen Vorfahren ehelichte, fand – von König Harald und Königin Sonja abwärts – kaum jemand im nordischen Vorzeigestaat vieol dabei.
Wie ging es mit dem jungen Marius weiter?
Marius Borg Høiby war niemals berufstätig, nach einem abgebrochenen Wirtschaftsstudium geisterte er als Promi durch die lokale Society, etwa als Statist in norwegischen TV-Serien. Aber es gelang dem Palast ganz offensichtlich, den jungen Mann aus gröberen Kalamitäten herauszuhalten – jedenfalls dachte man das …
Bis?
Bis zum 4. August 2024. Damals wurde Marius das erste Mal festgenommen. Die Influencerin und Reality-TV-Darstellerin Nora Haukland war von Herbst 2022 bis Sommer 2023 mit Marius Borg Høiby liiert und brachte schwere Anschuldigungen gegen den Sohn von Mette-Marit vor. Sie berichtete von Schlägen, Würgen, Tritten und einer toxischen Beziehung, aus der sie sich nur unter Angst lösen konnte.
Wie ging es weiter?
Im Zuge der Ermittlungen wurden immer wieder neue Anschuldigungen gegen Marius Borg Høiby erhoben bzw. neue Straftatbestände bekannt. Am Ende stehen jetzt insgesamt 38 Delikte in der Anklage der Staatsanwaltschaft.

Wer wird aller beim Prozess aussagen?
Insgesamt sind 53 Zeugen geladen, so norwegische Medien. Neben Personen aus Marius' Umfeld, Familienangehörigen und Wachleuten aus Skaugum, dem Anwesen des Thronfolgerpaares, stehen vor allem zwei Ex-Freundinnen von Marius Borg Høiby im Mittelpunkt.
Wer sind diese Frauen?
Wie das Schweizer Online-Portal Watson berichtet, wird neben seiner Ex-Freundin Nora Haukland, die als erste Anzeige erstattete, auch die Moderatorin Linni Meister aussagen. Sie wirft dem Angeklagten vor, sie 2018 im Schlaf missbraucht und dabei auch gefilmt zu haben.
Warum wiegt das besonders schwer?
"Dabei handelt es sich um das schwerste Delikt", so der norwegische Rechtsanwalt Patrick Lundevall-Unger in der Bunten. Der Umstand, dass Marius Borg Høiby offenbar selbst Wörter wie "Vergewaltigung" und "sexuelle Nötigung" auf Google recherchiert haben soll, bevor es zu den Handlungen gekommen ist, sei aus rechtlicher Sicht dramatisch. Lundevall-Unger: "Das norwegische Recht ist hier sehr streng. Høiby riskiert bis zu 16 Jahre Haft, sollte er bei sämtlichen Punkten verurteilt werden."
Ist der Sohn von Mette-Marit in U-Haft?
Nein, er ist bis zu einem möglichen Urteilsspruch frei.
Wie lange wird der Prozess dauern?
Er ist vorerst auf sieben Wochen angesetzt, der letzte Verhandlungstag wird der 19. März sein.

Und das Medieninteresse ist vermutlich groß?
Riesig. Laut dem norwegischen Fernsehsender TV2 haben bislang über 190 Journalisten eine Akkreditierung für den Prozess beantragt.
Hat sich der Angeklagte eigentlich selbst schon zu den Vorwürfen geäußert?
Nein, aber man weiß, dass er bezüglich der Drogen- und Verkehrsdelikte weitgehend geständig ist, die Vorwürfe der sexuellen Gewalt aber entschieden bestreitet.
Ist Marius bei den Norwegern eigentlich beliebt?
Nein, das kann man nicht behaupten. Vielmehr sei er von Beginn an von Teilen der Gesellschaft wie ein schwarzes Schaf behandelt worden, so Rechtsanwalt Patrick Lundevall-Unger: "Es ist natürlich nicht einfach, in solchen Verhältnissen aufzuwachsen. Als Strafverteidiger sehe ich, dass er ein isoliertes Leben geführt hat, ohne richtige Anerkennung in der Öffentlichkeit bekommen zu haben."
Wozu hat das geführt?
Dass Marius nie eine wirklich klar definierte Rolle in seiner royalen Welt bekommen habe, so der norwegische Historiker Ole-Jørgen Schulsrud Hansen im Stern. Gleichzeitig hätte er sich aber auch schwer getan, für sich eine Rolle in der normalen, bürgerlichen Welt zu finden. "Diese Sondersituation habe sich damals wohl niemand klargemacht", so der Historiker.
Heißt unterm Strich?
"Die Sonderbehandlung, die Marius wahrscheinlich früher erhielt, bewusst oder unbewusst, war richtig, denn sein Stiefvater ist der nächste König von Norwegen und seine Mutter die künftige Königin", so Historiker Schulsrud Hansen. Aber daraus müsste dann auch folgen, dass seine früheren Erziehungsberechtigen viel Verantwortung dafür tragen, dass er offenbar auf die schiefe Bahn geraten ist."

Wie sehen Mette-Marit und Haakon die Sache?
Marius' Mutter äußerte sich in der TV-Sendung "Das Jahr mit der Königsfamilie" zu den Anschudigungen und kritisierte die öffentliche Berichterstattung: "Was mich vielleicht am meisten ärgert, ist die Kritik an unserem Umgang mit der Situation als Eltern", so die Kronprinzessin. "Dass wir sie nicht ernst genommen hätten. Das finde ich schwierig." Sie und ihr Mann hätten vielmehr den Ernst der Lage erkannt und entsprechend gehandelt. "Gemeinsam haben wir unser Bestes gegeben und professionelle Hilfe gesucht."
Was sagt der Thronfolger?
Als unehelich geborener Sohn von Matte-Marit gehöre Marius Borg Høiby nicht zur königlichen Familie, so Kronprinz Haakon. "Aber wir lieben ihn natürlich, und er ist ein wichtiger Teil unserer Familie und ein Bürger Norwegens." Deshalb habe Marius dieselbe Verantwortung wie alle anderen, aber auch dieselben Rechte.
Werden Mette-Marit und Haakon dem Prozess beiwohnen?
Nein, darauf legte sich der Palast offiziell fest. Man wolle die Justiz ungestört von übermäßiger öffentlicher Aufmerksamkeit ihre Arbeit machen lassen. Vielmehr ginge es der Familie jetzt darum, im Privaten in dieser herausfordernden Zeit für Marius da zu sein. Haakon: "Wir haben diese Entscheidung getroffen, weil wir denken, dass es in der gegenwärtigen Situation die beste Lösung ist. Aber wir werden den Fall natürlich aufmerksam verfolgen und selbstverständlich werden wir auch Marius währenddessen im Auge behalten."
Bedeutet im Klartext?
Während der angesetzten 24 Verhandlungstage wird kein Mitglied der Königsfamilie Kommentare abgeben. Das hat das Königshaus auch in einer offiziellen Stellungnahme festgehalten.
Was werden Haakon und Mette-Marit stattdessen tun?
Der Kronprinz wird seinen Terminen nachgehen, während Marius' Mutter eine private Reise antreten werde, so der Palast.

Könnte die Reise auch etwas mit ihrem Lungenleiden zu tun haben?
Dazu gibt es keinerlei Informationen, auszuschließen ist es allerdings nicht. Bei Mette-Marit wurde im Herbst 2018 chronische Lungenfibrose diagnostiziert, eine chronische, unheilbare Krankheit, bei der die Lungenkapazität immer stärker eingeschränkt wird.
Und weiß man, wie es Mette-Marit damit geht?
Kurz vor Weihnachten 2025 ließ der Königspalast in Oslo verlauten, dass die Kronprinzessin über kurz oder lang eine Lungentransplantation benötigen wird. Darauf werde ihr Organismus jetzt langsam vorbereitet, so das offizielle Statement.
Ist schon bekannt, wann sie sich dem Eingriff unterziehen wird?
Nein. Aber man kann davon ausgehen, dass die Konzentration von Mette-Marit zunächst ihrem Sohn gilt, ehe sie sich wieder auf sich selbst und ihre Gesundheit konzentriert.