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2.030 Dollar fürs Finale

Macht die FIFA mit den WM-Ticketpreisen den Fußball kaputt?

Am 11. Juni beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA. Karten für Spiele kosten – sogar um die Inflation bereinigt – das Doppelte im Vergleich zur letzten WM. Warum die FIFA daran selbst schuld ist und was die Folgen sein werden.

FIFA-Präsident Giovanni Infantino ist ein großer Trump-Fan und legt ihm die WM zu Füßen
FIFA-Präsident Giovanni Infantino ist ein großer Trump-Fan und legt ihm die WM zu FüßenAPA-Images / AP / Mark Schiefelbein
The Economist
Akt. 22.05.2026 22:36 Uhr

GIanni Infantino, der Chef der FIFA, bezeichnet den Fußballweltverband als den Glücksbringer der Welt. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Nordamerika hat dieses Glück seinen Preis. Die günstigsten Tickets für die Gruppenspiele kosteten im Durchschnitt 200 Dollar; die für das Finale mindestens 2.030 Dollar.

Unsere Analyse deutet darauf hin, dass die Weltmeisterschaft das teuerste Kulturereignis aller Zeiten sein wird. Doch die hohen Preise könnten sich als Bumerang erweisen.

WM-Tickets sind üblicherweise deutlich günstiger als der Marktpreis. In der Geschichte des Turniers überstieg die Nachfrage in der Regel das Angebot. Anstatt höhere Preise zu verlangen, hielt die FIFA die Preise auf einem für normale Fans erschwinglichen Niveau und vergab die Tickets per Losverfahren. Übertragungs- und Sponsoringrechte waren für die Finanzen des Verbandes weitaus wichtiger als die Einnahmen am Spieltag.

Dieses Jahr ist alles anders. Erstmals hat die FIFA die Ticketvergabe direkt übernommen, anstatt sie an lokale Veranstalter auszulagern. Sie setzt auf dynamische Preisgestaltung, bei der die Preise mit der Nachfrage steigen, und hat einen offiziellen Wiederverkaufsmarktplatz eröffnet, auf dem sie sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer 15 Prozent Provision einbehält.

Die günstigsten Tickets für Gruppenspiele und das Finale in US-Dollar
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The Economist
WM-Umsatz der FIFA in Milliarden US-Dollar
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The Economist

Selbst inflationsbereinigt kosten WM-Tickets in den USA, Kanada und Mexiko mehr als doppelt so viel wie 2022 in Katar und etwa viermal so viel wie bei der letzten WM in den USA 1994.

Einige Tickets für das Finale wurden für zwei Millionen Dollar wieder zum Verkauf angeboten. Fans der brasilianischen Nationalmannschaft, fünffacher Weltmeister, müssten auf dem Zweitmarkt rund 3.800 Dollar ausgeben, um die drei Gruppenspiele ihres Teams zu besuchen – so viel wie von keinem anderen Land. Selbst die Anhänger der Kapverden, die ihr WM-Debüt geben, müssten fast 1.000 Dollar hinblättern.

Das alles wirkt typisch amerikanisch. Fans des anderen Fußballs zahlen mindestens 900 Dollar für Super-Bowl-Tickets (und die überwiegende Mehrheit gibt sogar mehr als 6.000 Dollar aus). In Europa kostete die günstigste Erwachsenenkarte für das diesjährige Champions-League-Finale im Vergleich dazu umgerechnet 200 Dollar.

Das kostet es Fans, wenn sie alle drei Gruppenspiele ihres Teams anschauen wollen (in US-Dollar)
Das kostet es Fans, wenn sie alle drei Gruppenspiele ihres Teams anschauen wollen (in US-Dollar)
The Economist

Die neue Preispolitik der FIFA ist ein Wagnis. Zum einen sind die Tickets noch nicht ausverkauft, und die Hotels in den Austragungsstädten scheinen noch nicht ausgebucht zu sein. Die Wiederverkaufspreise für einige Spiele könnten sinken. Doch bis die Tickets günstiger werden, haben viele Fans die Reisepläne möglicherweise schon aufgegeben, insbesondere angesichts der stark gestiegenen Flugpreise infolge der Energiekrise.

Selbst wenn höhere Preise die schwächeren Verkaufszahlen ausgleichen, riskiert die FIFA, dem Produkt selbst zu schaden – was wiederum ihre lukrativeren Einnahmequellen beeinträchtigen könnte. Volle Stadien erzeugen die Atmosphäre und Spannung, die Spiele im Fernsehen so fesselnd machen.

Die FIFA geriet letztes Jahr während der Klub-Weltmeisterschaft in Verlegenheit, als Zuschauer bei spärlich besuchten Spielen Berichten zufolge in Richtung der Fernsehkameras gedrängt wurden.

Die billigsten Tickets für Events in US-Dollar
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The Economist

Studien haben gezeigt, dass wohlhabendere Fans ruhiger sind und ihre Leidenschaft für ihre Mannschaften weniger offen zeigen. Joe Burrow, Quarterback der Cincinnati Bengals, beschrieb die Atmosphäre beim Super Bowl 2022 sogar als vergleichbar mit einem geschäftlichen Abendessen.

Die Reichen geben ihr Geld zunehmend lieber für einmalige Erlebnisse als für Luxusgüter aus. Das sollte eigentlich eine gute Nachricht für die FIFA -Finanzabteilung sein. Und das ist es auch. Bis schließlich genau jenes Erlebnis, nach dem diese Leute gieren, durch ihre eigene Anwesenheit beeinträchtigt wird.

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"From The Economist, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"

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