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Der Fall Ulmen

TV-Star Collien Fernandes: "Es macht ihn geil, mich zu erniedrigen"

Vor 8 Wochen erhob Collien Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann. Er habe jahrelang Fake-Profile betrieben und gefälschte Porno-Bilder von ihr verschickt. Jetzt sagt sie: "Ich weiß nicht, ob ich einer Frau nach meinen Erfahrungen sagen würde: 'Zeig ihn an!'"

Sie bekomme "wahnsinnig viele emotionale Nachrichten von Frauen": Collien Fernandes bei einer Demonstration gegen sexualisierte Gewalt in Hamburg
Sie bekomme "wahnsinnig viele emotionale Nachrichten von Frauen": Collien Fernandes bei einer Demonstration gegen sexualisierte Gewalt in HamburgAPA-Images / Action Press / Christopher Tamcke
Martin Kubesch
Akt. 11.05.2026 23:13 Uhr

Collien Fernandes ist bemüht, seinen Namen so wenig wie möglich auszusprechen. Die Schauspielerin nennt ihn nur mehr den "Mann, mit dem ich zusammen war" und "mein Ex-Mann". Oder ganz schlicht: "der Täter".

"Der Täter", das ist, nach Darstellung von Fernandes, Christian Ulmen. Ebenfalls Schauspieler, Autor, Regisseur, TV-Moderator. Und 15 Jahre lang ihr Ehemann sowie Vater ihrer halbwüchsigen Tochter. Die Verbindung wurde im Februar 2026 geschieden.

Ulmen soll ihre digitale Identität gestohlen und damit gefälschte Sexfotos und manipulierte Pornos an fremde Männer geschickt haben. Er habe sie "digital vergewaltigt", so die 44-Jährige im März im Nachrichtenmagazin Der Spiegel, das als Erstes über den Fall berichtete.

Fernandes hat gegen ihren Ex-Mann Anzeige eingebracht, dieser wehrt sich mittlerweile mit allen juristischen Mitteln gegen die Vorwürfe. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln in der Sache, wann es zu einer Anklageerhebung kommt, ist nicht abzusehen.

Im Magazin Stern zieht Collien Fernandes nun eine Zwischenbilanz, knapp acht Wochen nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Sie spricht über den Stand der Ermittlungen, weshalb sie den Schritt in die Öffentlichkeit wagte und welche Reaktionen sie auf ihr Outing erhielt.

Das Ehepaar Christian Ulmen und Collien Fernandes 2019 in Berlin
Das Ehepaar Christian Ulmen und Collien Fernandes 2019 in Berlin
APA-Images / dpa Picture Alliance / Nicole Kubelka

Und sie macht sich keine Illusionen darüber, wie steinig der Weg, der in der Sache vor ihr liegt, noch werden könnte. Gefragt, ob sie wieder so handeln und die Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann öffentlich machen würde, sagt Collien Fernandes: "Ich weiß nicht, ob ich einer Frau, die mich um Rat bittet, nach meinen Erfahrungen sagen würde: 'Zeig ihn an!'"

Welche Erfahrungen Collien Fernandes in den Wochen seit Bekanntwerden ihrer Geschichte gemacht hat, welche der Anschuldigungen ihr Ex-Mann Christian Ulmen bestreitet und was die ganze Angelegenheit mit der neuen TV-Serie des Schauspielers zu tun hat – der aktuelle Zwischenstand in einer der unappetitlichsten Affären der jüngeren Vergangenheit:

Worum geht es hier?
Um schwere Anschuldigungen von Collien Fernandes, 44 (u. a. "Das Traumschiff") gegen ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen, 50 (u. a. "jerks", "Männerherzen"), die die Schauspielerin im Spiegel erhoben hat.

Was soll Ulmen getan haben?
Er soll in den letzten bis zu 10 Jahren unter dem Namen, aber ohne Wissen seiner Ehefrau Fake-Profile auf diversen Social-Media-Plattformen erstellt haben. Von diesen Fake-Profilen aus soll er dann verschiedene Männer (Unbekannte, aber auch solche aus dem beruflichen Umfeld von Fernandes) kontaktiert und ihnen vermeintliche Porno-Bilder und -Videos seiner Frau geschickt haben.

Ist das erwiesen?
Nein, so behauptet es Collien Fernandes und das sei auch der Inhalt einer Anzeige, die sie gegen Christian Ulmen eingebracht hat.

Woher hat sie diese Informationen?
Die Schauspielerin ist seit Jahren Opfer gefälschter Porno-Bilder und -Videos im Internet und engagierte sich für eine Petition gegen Porno-Manipulationen im Netz, die 70.000 Unterschriften sammelte. Sie drehte sogar mit dem ZDF eine Dokumentation zum Thema.

Instagram-Posting von Collien Fernandes: Was ihr Christian Ulmen gestanden …
Instagram-Posting von Collien Fernandes: Was ihr Christian Ulmen gestanden …
Screenshot Instagram
… und wie er es ihr erklärt habe
… und wie er es ihr erklärt habe
Screenshot Instagram

Und weiter?
Im Zuge ihres Engagements wurde sie darauf aufmerksam gemacht, dass Männer offenbar von Fake-Profilen mit ihrem Namen angeschrieben wurden und es in der Folge zu Sex-Chats oder dem Zusenden von Pornos gekommen sei. Daraufhin erstattete Fernandes Anzeige gegen unbekannt. Als ihr Ehemann davon erfuhr, hätte er ihr gebeichtet, dass er dafür verantwortlich sei, so Fernandes.

Gibt es von Christian Ulmen eine Stellungnahme dazu?
Der Spiegel zitierte aus einem Mail, das Ulmen Ende Dezember 2024, wenige Tage nach seiner mutmaßlichen Beichte, an einen Berliner Strafverteidiger geschickt haben soll.

Was schreibt er darin?
Er habe in den vergangenen zehn Jahren "leider einen sexuellen Fetisch" entwickelt, zitiert das Magazin aus dem Mail. Immer wieder habe er auf den Namen seiner Frau Fakeprofile auf sozialen Medien angemeldet, über die Accounts habe er mit Männern gechattet, geflirtet, "bis hin zum Sex-Talk". Er habe auch Videos verschickt, die auf frei zugänglichen Pornoseiten erhältlich gewesen seien und deren Protagonistinnen seiner Frau ähnlich gesehen hätten.

Erklärt er, wie es dazu kam?
Es sei ihm darum gegangen, den Eindruck zu erwecken, als handele es sich bei dem Material um "private Sextapes" seiner Ehefrau, so der Spiegel. Das habe er ungefähr 30-mal wiederholt, "mit jeweils unterschiedlichen Männern". Er schreibt von einem "kaum zu kontrollierenden Drang" bei sich, von "abnormalem Verhalten". Und dass er bereue, was er getan habe.

Aber dann ist ja eigentlich alles klar, oder?
Nein, denn nach Erscheinen der Spiegel-Story hat Christian Ulmen einen Anwalt engagiert, der gegen mehrere Aspekte der Berichterstattung eine Einstweilige Verfügung einbrachte.

Welche Aspekte waren das?
Es ging etwa um die Frage, ob Ulmen eigens Deepfake-Videos seiner Ex-Frau hergestellt oder verbreitet habe. Oder ob es bei einer Auseinandersetzung auf Mallorca, dem ehemaligen gemeinsamen Wohnsitz des Paares, zu einem körperlichen Übergriff oder einer Körperverletzung an Fernandes durch Ulmen gekommen sei. Und den Inhalt des Mails von Ulmen an einen Strafverteidiger (siehe oben) wollte der Advokat ebenfalls nicht mehr öffentlich kommuniziert haben.

Was ist mit den schwerwiegenden Vorwürfen: die Fake-Accounts, die Pornos, die "digitale Vergewaltigung"?
Zu all diesen Vorwürfen gab es keine Beanstandungen.

Wie entschied das Gericht?
Die Sache wurde am 7. Mai vor dem Landgericht Hamburg verhandelt – und der Spiegel bekam in nahezu allen Punkten recht, darf also seine bisherige Berichterstattung beibehalten. Besonders augenfällig die Begründung des Gerichts zu jenem "Beicht"-Mail von Ulmen. "Die Authentizität dieser E-Mail ist zwischen den Parteien unstreitig", schreibt das Hamburger Gericht in seinem Beschluss, womit es begründet, dass über den Inhalt des Mails auch weiterhin berichtet werden darf.

Aber es gab eine Entscheidung für Christian Ulmen?
Ja. Hinsichtlich eines Gerichtstermins im März in Palma de Mallorca. Der Spiegel hatte geschrieben, dass Ulmen gefehlt habe und nicht aufgetaucht sei. Künftig muss dazu festgehalten werden, dass er nicht geladen gewesen sei. Der Spiegel hat seine Berichterstattung diesbezüglich vorerst geändert, aber gegen diese Entscheidung berufen.

Was sagt Collien Fernandes zu diesem Urteil?
Sie hält das Vorgehen ihres Ex-Mannes, im Medien-Prozess und generell, für eine "Nebelkerzen-Taktik", wie sie im Stern sagt. Denn dieser würde mit Falschbehauptungen und Nebenaspekten den Blick auf das Wesentliche verschleiern, so der Vorwurf.

Welche "Nebelkerzen" sieht Fernandes noch?
Es würde etwa darüber debattiert, ob es sich bei dem Material, das Ulmen unter dem Namen seiner Ex-Frau verschickt haben soll, wirklich um Deepfakes gehandelt hat, oder um Videos von Frauen, die ihr, Fernandes, nur sehr ähnlich gesehen hätten. Das sei eine rein technische Debatte, so Fernandes, die nun digitale Forensiker für die Bildanalyse eingeschaltet habe. Aber letztlich sei es "so oder so Missbrauch", so Collien Fernandes im Interview.

Erkennt Collien Fernandes eine Form von Einsicht bei ihrem Ex-Mann, was seine Taten betrifft?
Das wäre aus ihrer Sicht natürlich der erste Schritt zur Besserung – nur wer Schuldbewusstsein empfinde, könne zu seinen Taten stehen, so die Schauspielerin. Bei Christian Ulmen sieht sie hier allerdings keine Entwicklung: So wie "der Täter jetzt agiert", zeigt er, dass ihn kein schlechtes Gewissen plage und er sich "nicht schuldig" fühle.

Welche Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt in der Sache?
Fernandes hatte ihre Anzeige eigentlich beim Bezirksgericht Palma de Mallorca eingereicht, da sie und ihr Ex-Mann beide ihren Hauptwohnsitz in Spanien hatten. Im April entschied die spanische Justiz allerdings, die Sache an die deutsche Justiz abzugeben – wogegen der Anwalt von Fernandes Berufung eingelegt hat. Diese ist noch nicht entschieden. Gleichzeitig sind auch die Staatsanwaltschaften in Itzehoe und Potsdam mit einzelnen Aspekten der Anzeige beschäftigt.

Lässt sich abschätzen, wann es zu einem Prozess kommt?
Da noch nicht einmal final entschieden ist, in welchem Staat verhandelt wird, ist dazu keine seriöse Aussage möglich.

Weswegen hat Fernandes ihren Ex-Mann eigentlich angezeigt?
Die Delikte, deren sie ihn beschuldigt, lauten Anmaßung des Personenstands, öffentliche Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholte Körperverletzung im familiären Näheverhältnis und schwere Bedrohung.

Was ist damit gemeint?
Ulmen habe "seit ungefähr zehn Jahren (…) Identitätsdiebstahls über soziale Netzwerke" betrieben. Er habe dort "mit Hunderten von Männern" im Namen von Collien Fernandes Kontakt aufgenommen und ihnen erotische Bilder und Videos geschickt. Ungefähr 30 Männer hätten reagiert, mit ihnen habe Ulmen unter der Identität seiner damaligen Frau Onlineaffären und Telefonsex gehabt – und das alles ohne das Einverständnis von Fernandes, listet der Spiegel auf.

Hat sie noch Kontakt zu ihrem Ex-Mann? Immerhin haben die beiden eine halbwüchsige Tochter?
Darauf möchte sie im Stern-Gespräch nicht eingehen – es sei "gerade ein ganz schwieriges Thema".

Weiß man, was Christian Ulmen derzeit macht?
Er hält sich so weit es geht aus allen Medien. Zuletzt wurde bekannt, dass der Streamingkanal Joyn seine neue Serie "The Au Pair" bis auf Weiteres nicht, wie eigentlich geplant, starten wird, berichtet Die Zeit. Vermuteter Grund: Der Inhalt der Serie liegt dem Sender möglicherweise zu nah an der Realität.

Christian Ulmen, hier mit seinem Freund und Kollegen Fahri Yardim ("jerks") verstört auch mit dem Inhalt seiner neuen Serie "The Au Pair" nachhaltig
Christian Ulmen, hier mit seinem Freund und Kollegen Fahri Yardim ("jerks") verstört auch mit dem Inhalt seiner neuen Serie "The Au Pair" nachhaltig
APA-Images / dpa Picture Alliance / Nicole Kubelka

Worum geht es in "The Au Pair"?
Laut der Zeit, die mehrere Drehbücher einsehen konnte, geht es darin um den 18-jährigen Lasse. Dieser "gesteht seiner Freundin ein Geheimnis. Er habe Bilder von ihr in Sex-Chatforen gepostet, und es habe ihn angemacht, wie andere Männer über ihren Körper schrieben und über ihre erotischen Fantasien mit ihr" (…) "Er sei wie auf einem Trip gewesen, die Kommentare der anderen Männer hätten ihn so angemacht", fasst die Wochenzeitung zusammen.

Welche Reaktionen hat Collien Fernandes auf ihr Outing erhalten?
Sehr gemischte, wie sie selbst erzählt. Einerseits bekomme sie "wahnsinnig viele emotionale Nachrichten von Frauen", die ihre eigene Leidensgeschichten erzählen und ihr Mitgefühl ausdrücken würden. Wer jedoch die Kommentare zu Fernandes' Instagram-Storys zum Thema liest, bekommt ein anderes Bild – dort regieren Anfeindungen, Misstrauen und Verächtlichmachung. Und ganz besonders schlimm gehe es auf Facebook zu, so die 44-Jährige.

Inwiefern?
"Da schreiben Leute über mich, dass ich hoffentlich 'den Küblböck mache', wenn ich jetzt schon auf dem Schiff sei", schildert Collien Fernandes im Stern. Denn sie drehe gerade wieder für das "Traumschiff" – sie spielt darin die Schiffsärztin – und die Anspielung bezieht sich auf den ehemaligen "DSDS"-Kandidaten Daniel Küblböck, der 2018 mutmaßlich durch einen Sprung von einem Kreuzfahrtschiff Suizid* begangen hat.

Bereut sie es, an die Öffentlichkeit gegangen zu sein?
Sie habe gar keine andere Möglichkeit gehabt, so Collien Fernandes. Denn sie habe bis zum Schluss nicht gewusst, wen ihr Ex-Mann eigentlich alles unter ihrem Namen angeschrieben habe aus ihrem persönlichen oder beruflichen Umfeld. Sie hätte es gern auf anderem Wege geklärt – "ich wollte den Männern sagen, dass nicht ich dahinterstecke". Aber der Täter (gemeint ist Christian Ulmen) habe ihr diese Chance bis zuletzt nicht gegeben, weil er die Namen nicht nennen wollte – ein Vorwurf, der laut Ulmens Anwälten bestritten wird.

Hat Fernandes vor ihrem Outing mit jemandem über die ganze Angelegenheit gesprochen?
Ihr Ex-Mann hätte es ihr, als sie noch ein Paar waren, verboten, mit Freundinnen darüber zu reden – und sie habe sich daran gehalten, so die Schauspielerin im Stern. Auch dieser Vorwurf von Collien Fernandes wird laut Ulmens Anwälten bestritten.

Weshalb berührt der Fall so viele Menschen?
Weil offensichtlich viel mehr Frauen von ähnlichen Formen von Missbrauch betroffen sind, als man es gemeinhin glauben mag. Unmittelbar nach Bekanntwerden von Colline Fernandes' Vorwürfen gab es in mehreren Städten Deutschlands Protestkundgebungen, zuletzt am 30. April. Für die 14. Mai (Christi Himmelfahrt) sind weitere Demonstrationen in Berlin und Hamburg geplant.

Demonstration "Gegen Patriarchale Gewalt" in Köln nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe von Collien Fernandes
Demonstration "Gegen Patriarchale Gewalt" in Köln nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe von Collien Fernandes
APA-Images / Action Press / Panama Pictures

Wie beurteilt Collien Fernandes die Lage?
"Ich habe den Eindruck, vielen ist die Dimension von digitalem Missbrauch nicht klar", sagt die Schauspielerin im Stern. Und erzählt eine Geschichte, die fassungslos macht. So habe Christian Ulmen in ihrem Namen einen Masseur um einen Massage-Termin angeschrieben.

Und weiter?
Im Zuge der Kommunikation hätte Ulmen (im Namen seiner Frau) den Masseur schließlich gefragt, ob er nach der Massage auf ihr "abspritzen könne", weil sie "das geil machen" würde. Fernandes: "Das sollte man sich vor Augen führen, wenn man über meine Geschichte spricht. Er bittet in meinem Namen einen fremden Mann, ob der auf seiner Gattin ejakulieren könne."
Das lapidare Statement von Christian Ulmens Anwälten zu diesem Vorwurf: "In der Sache selbst bestreitet unser Mandant den geschilderten Vorgang."

* Suidzid-Gedanken? Hier finden Sie Hilfe:
Telefonseelsorge Tel.: 142 (Notruf), täglich 0–24 Uhr Männernotruf Tel.: 0800 246 247, täglich 0–24 Uhr Männerinfo Tel.: 0800 400 777, täglich 0–24 Uhr Frauenhelpline Tel.: 0800 222 555, tägl. 0–24 Uhr Ö3 Rotes Kreuz Kummernummer Tel.: 116 123, tägl. von 16 bis 24 Uhr.

Martin Kubesch
Akt. 11.05.2026 23:13 Uhr