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Das Aufreger-Interview

Olympiasieger über Ehefrau: "Da muss sie schon zurückstecken"

Snowboarder Benjamin Karl hat in einem Podcast Ehefrau Nina (Psychotherapeutin und Tochter von Ski-Legende Werner Grissmann) öffentlich bloßgestellt. Seither gehen die Wogen hoch. Was der Sportler sagte, wie seine Ehefrau reagierte.

Nina und Benjamin Karl sind seit 2011 verheiratet
Nina und Benjamin Karl sind seit 2011 verheiratetAPA-Images / EXPA / Lukas Huter
Martin Kubesch
Akt. 29.04.2026 00:35 Uhr

Mit dem Sieg bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina im vergangenen Februar katapultierte sich der niederösterreichische Snowboarder Benjamin Karl endgültig in die Liga der Sportlegenden.

Zum zweiten Mal Gold im Parallelriesenslalom nach Olympia in Peking 2022, dazu noch Silber in Vancouver 2010 und Bronze in Sotschi 2014. Als erster österreichischer Wintersportler überhaupt holte Benjamin Karl damit vier Einzel-Medaillen bei vier Olympischen Spielen. Und er ist zudem mit 40 Jahren und 115 Tagen der älteste Gewinner einer Einzel-Goldmedaille aller Zeiten.

Seine anschließende Jubelpose im Zielraum wurde ebenfalls legendär – und spaltete gleichzeitig die Gemüter. Kaum stand Karl als Sieger seines Finallaufes fest, riss er sich seine Kleidung vom Leib und posierte mit nacktem Oberkörper im Schnee von Cortina. Wäre seine Hautfarbe grün, hätte man ihn in dem Moment auch für den Comic-Helden Hulk halten können.

Die Macho-Pose wurde höchst unterschiedlich aufgenommen. Für die einen stilisierte sich Benjamin Karl damit zum siegreichen Supermann in einer Testosteron-Sportart, andere waren von der wenig subtilen Darbietung eher verstört als begeistert.

Spätestens in diesem Moment war aber allen Beobachtern klar, dass der 40-Jährige die Snowboard-Version von Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist: Genialer Spitzensportler mit einem tollen Gefühl am Brett einerseits; unberechenbarer Grenzgänger andererseits.

Beeindruckte und verstörte gleichermaßen: Benjamin Karls Siegespose nach seinem Goldmedaillen-Gewinn bei den Olympischen Spielen 2026 in Cortina
Beeindruckte und verstörte gleichermaßen: Benjamin Karls Siegespose nach seinem Goldmedaillen-Gewinn bei den Olympischen Spielen 2026 in Cortina
REUTERS/Hannah Mckay

Ein Podcast spaltet die Nation

Keine drei Monate nach seinem Medaillengewinn samt Macho-Siegespose spaltet Benjamin Karl abermals die Gemüter – dieses Mal allerdings mit einem Podcast. Am vergangenen Sonntag wurde das gut 70-minütige Gespräch mit dem Rekord-Olympiasieger auf der Plattform "Mind Games Podcast Official" veröffentlicht.

Darin erzählt Benjamin Karl seine Lebensgeschichte, vom Buben einer Alleinerzieherin aus Niederösterreich zum Snowboard-Helden der Nation. Er spricht über seinen außerordentlichen Ehrgeiz, der ihn zum Ziel von Spott und Aggressionen seiner Mitschüler gemacht hat. Berichtet begeistert, weshalb er jetzt umsattelt und seine sportliche Zukunft als Radrennfahrer sieht.

Und er plaudert lachend darüber, wie es war, als ihm seine Frau vor kurzem eröffnet hat, dass sie gerne mehr Zeit für sich selbst hätte. Nachdem sie ihm 20 Jahre lang den Rücken freigehalten und die beiden Töchter versorgt habe, um ihm seine sportliche Karriere zu ermöglichen. Benjamin Karl im Podcast: "Und dann habe ich gesagt: 'Es geht net, weil i bin der, finanziell bin i der Verantwortliche für diese vier Mäuler und das ist der Weg, wie i es schaff, alles zu finanzieren, unser Leben, unseren Lifestyle, alles.'"

Und dann redete sich Karl in einen Schlamassel, der ihn wahrscheinlich noch länger beschäftigen wird. Dass seine Frau Nina "alles im Leben bekommen" hätte, was "sie sich gewunschen habe": Hochzeit, zwei Kinder, Haus und Swimmingpool. Dass sie zurückzustecken habe, um ihm seinen Traum von der zweiten Sportkarriere auf dem Rennrad zu ermöglichen. Und dass er sich schlimmstenfalls lieber von ihr trennen würde, als diesen Traum aufzugeben, denn: "Das hätt' ich mir nie verziehen."

Seither gehen die Wogen hoch. Benjamin Karls locker daher geplauderte Abrechnung mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau verstört einmal mehr die Bevölkerung. Und spaltet sie in einen (kleineren) Teil von Befürwortern seiner Einstellungen und einen (wesentlich größeren) Teil, der Karls Gerede als aus der Zeit gefallenes Beispiel für eine hinterwäldlerische Macho-Attitüde verurteilt.

Was der Doppelolympiasieger in dem Podcast alles von sich gibt, welche Passagen die Wogen besonders hochgehen lassen und wie die Frau von Benjamin Karl bislang auf die Aussagen ihres Ehemannes reagiert hat – das muss man über die Affäre wissen:

Worum geht es in dem Podcast im Detail?
Das gut 70-minütige Gespräch gleicht eher einem Fan-Talk als einem Interview. Benjamin Karl erzählt von seiner Kindheit (er war wohl sehr einsam und hatte nur wenige Freunde), von seiner Mutter, seinen sportlichen Ambitionen und seinem Ehrgeiz. Gerade der habe ihn für seine Mitschüler "extrem unsympathisch" gemacht, sei aber auch seine Triebfeder, die ihn schließlich habe erfolgreich werden lassen.

Was ist das mit dem Radrennfahren?
Karl hat das Kapitel Snowboarden für sich abgeschlossen und sieht seine nähere sportliche Zukunft im Rennradfahren. Er möchte offenbar in unterschiedlichen Renn-Kategorien antreten, darunter auch Bewerbe im Cyclocross (die Sportart hieß früher Radcross).

Was bedeutet das?
Zweierlei: Einerseits, dass Benjamin Karls Hauptsponsor Red Bull mit dem Wechsel der Sportart einverstanden ist und ihn auch auf dem neuen Terrain unterstützt. Und somit für seinen Lebensunterhalt sorgt. Und andererseits, dass sich für seine Familie der Lebensrhythmus nicht sonderlich ändert. Karl wird, wie er schildert, auch weiterhin durch die Welt tingeln, um die Bewerbe, die ihn reizen, zu bestreiten. Dazwischen wird er daheim sein und vor allem trainieren.

Worum geht es bei dem Wechsel vom Snowboard auf das Rennrad? Ums Geld?
Das Thema wird im Podcast nicht explizit besprochen, aber es ist wohl davon auszugehen, dass die Sponsorgelder von Red Bull einen großen Teil von Benjamin Karls Einkünften ausmachen. Worüber er in dem Podcast jedoch ausführlich spricht, ist das Thema Selbstverwirklichung. Benjamin Karl sieht den Wechsel in den Radsport als Teil seiner persönlichen Entwicklung, dem er bereit ist, (fast) alles unterzuordnen bzw. zu opfern. Nötigenfalls sogar seine Ehe.

Wie äußert sich das?
Als es um die Frage geht, wie seine Frau auf die Nachricht reagiert hat, dass er auch mit 40 weiter um die Welt tingeln möchte.

Mit wem ist Benjamin Karl eigentlich verheiratet?
Mit Nina Grissmann, der Tochter der österreichischen Ski-Legende Werner "Grizzly" Grissmann. Das Paar ist seit 2011 getraut, hat mittlerweile zwei halbwüchsige Töchter und lebt in Lienz in Osttirol.

Nina und Benjamin Karl mit ihren Töchtern daheim in Lienz
Nina und Benjamin Karl mit ihren Töchtern daheim in Lienz
APA-Images / EXPA / Lukas Huter

Was macht seine Frau?
Sie führt den Haushalt und arbeitet zudem als Psychotherapeutin.

Was sagt Benjamin Karl in dem Podcast über seine Frau?
Er spricht sehr lange über das Thema und erzählt es so, als würde er mit einem Kumpel in einem Lokal sitzen. Hier die gesamte Passage aus dem Podcast, über den derzeit viele in Österreich sprechen:

Olympiasieger im O-Ton: Das sagte Benjamin Karl im Podcast über seine Frau und seine Familie

Frage: Du hast zwei wundervolle Kids, du hast eine Frau und du sagst: "Hey, ich nehme meine zweite Challenge an, ich werd' Radprofi. Was waren die ersten Wörter, die deine Frau zu dir gesagt hat?

Benjamin Karl: Na ja, das war, (lacht) ich weiß net, ob die Nina das gern öffentlich hat, was i jetzt sag, aber … Eh wurscht, sie wird's mir schon vergeben (lacht). Ähm, es war so: Also sie hat mir jetzt, sie hat das Gefühl, es war so, dass sie mir zwanzig Jahre den Rücken freigehalten hat und jetzt quasi ist einmal sie dran. Jetzt will sie einmal auf Mädelsurlaub fahren und sie will einmal, weiß ich net, äh, das Leben mehr genießen und mehr Zeit haben.

Und i bin heimgekommen und wir haben das, i hab das am Tisch gelegt und dann haben wir das diskutiert und sie hat mir das gesagt. Und dann habe ich gesagt: "Es geht net, weil i bin der, finanziell bin i der Verantwortliche für diese vier Mäuler und das ist der Weg, wie i es schaff, alles zu finanzieren, unser Leben, unseren Lifestyle, alles.

Und dann habe ich gesagt, äh, die Kinder, das war am Abend, wir sind im Bett gelegen. Es war plötzlich ein sehr ernstes Gespräch und es ist so weit gegangen, dass ich gesagt hab: "Die Kinder san alt genug und wenn wir getrennte Wege gehen müssen, für das, dass wenn du mich nicht mehr unterstützen willst, i akzeptier des, aber i kann net anders. I kann net aus meiner Haut heraus. Das ist mein Leben und das macht mich glücklich.

Und i hab gesagt, jetzt hauen wir nochmal vier Jahre rein, Vollgas und schauen, was geht. Und dann von mir aus, dann können wir vielleicht einen Schritt zurücktreten und leiser treten. Und eben, dann habe ich gesagt, wenn es nicht anders geht, dann müssen wir getrennte Wege gehen. Die Kinder sind, glaube ich, alt genug, die würden das verstehen.

Benjamin Karl beim Ötztaler Radmarathon 2022: Jetzt will der Olympiasieger komplett auf Radrennfahrer umsatteln
Benjamin Karl beim Ötztaler Radmarathon 2022: Jetzt will der Olympiasieger komplett auf Radrennfahrer umsatteln
APA-Images / EXPA / Johann Grode

Und ja, so sind wir eigentlich eingeschlafen. Mit diesem, das waren die letzten Worte. Und dann in der Früh bin ich aufgewacht und die Nina war irgendwie ein anderer Mensch. Das hat sie mir bis heute noch nicht erklärt, was da in der Nacht passiert ist in ihrem Kopf, aber seither ist das vom Tisch, das Thema.

Und i unterstütze sie ebenfalls, wo es geht. Aber es ist natürlich, wenn i Termine habe, wenn i nach Wien muss, wenn i dort oder dahin muss, dann muss das Priorität haben in unserem Leben, weil das, das ist das, was eben unser Leben finanziert.

Und dann, da muss sie schon zurückstecken. Das muss man, so ehrlich muss man sein. Aber dafür hat sie auch, muss man auch sagen, muss sie auch ehrlich sein, hat sie im Leben alles bekommen, was sie sich jemals gewunschen hat. Sie wollte früh heiraten, sie wollte zwei Kinder haben, sie wollte ein Haus haben, sie wollte einen Pool haben. Äh, sie wollt dieses Leben, das wir jetzt haben, genau so haben, wie wir's jetzt haben.

Und dann zu sagen, jetzt bin i dran und jetzt will i einmal das Leben genießen, geht eben so weit, dass i das net, ähm, hätte i net akzeptieren können. Weil i, ich hab, wir haben gemeinsam uns alles ermöglicht, was gegangen ist.

Und ich bin vierzig und man muss sich vorstellen, sagen wir, i werd achtzig, habe i noch doppelt so lang zum Leben, wie ich schon lebe. Und jetzt kann man die ersten Jahre, von null bis fünf, kannst jetzt nicht dazu zählen, oder vielleicht sogar bis zehn. Ich hab einfach doppelt so lange noch zum Leben, wie ich jetzt auf der Welt bin. Und zu sagen, jetzt mit vierzig, wir treten leiser, wir treten zurück, kann i net akzeptieren. Weil wir sind noch viel zu jung, um leise zu treten. Viel zu jung. Ja.

Nina bei der Trauung 2011 mit Papa und ÖSV-Legende Werner Grissmann
Nina bei der Trauung 2011 mit Papa und ÖSV-Legende Werner Grissmann
APA-Images / EXPA / Michael Gruber

Benjamin Karl: Lieber Trennung als einen Traum aufgeben

Frage: Würdest du daran zerbrechen?

Benjamin Karl: Ich würde nicht daran zerbrechen. Weil ich würde mein Leben so gestalten, dass ich das machen kann, was ich will.

Frage: Aber sagen wir, du akzeptierst das und du hättest das jetzt nicht angenommen, mit der neuen Challenge (der Umstieg in den Radrennsport, Anm.), glaubst du, dass du dann daran zerbrochen wärst, irgendwann?

Benjamin Karl: Also, es gibt zwei Szenarien. Wir machen jetzt so weiter, wie wir's jetzt besprochen haben und i kann das alles machen mit meiner Familie, äh, mit meiner Frau im Hintergrund. Und das ist das Szenario, wie es jetzt momentan ausschaut, wie ich es mir auch wünsch' und wie es auch wünschenswert ist.

Und das andere Szenario hätten wir sicher … Also ich liebe meine Kinder über alles und dieser Vielleicht-Ehestreit und diese ganze Trennung und was dazugehört. Also das hätte mir schon das Herz gebrochen, auf der einen Seite. Das ist definitiv.

Aber, natürlich, das ist die eine Seite. Und i glaub, diese Wunden kann man wieder heilen. Die Kinder werden älter, die werden das verstehen. Und es gibt hundert andere Fälle, wo das so war, wo die Eltern geschieden sind und so weiter. Und wo die Kinder jetzt erwachsen sind, wo man sieht, dass das Leben trotzdem weitergeht. Dass sie trotzdem ein gutes, äh, Miteinander haben, die Familien, und das war wieder geheilt.

Aber zu sagen, i kann, äh, meinen Traum, den i jetzt hab, net verfolgen, des, i glaub, die Wunde wär nie geheilt. Da wär i eben am Sterbebett gelegen und hätt mi gefragt, was, was wär gewesen, wenn? Und das hätt i mir nie verziehen.

Benjamin Karl: "Von vornherein klarstellen", was Sache ist

Frage: Wir reden ja immer davon, es ist möglich, dass beide Vollgas-Karriere machen. Und wenn ich jetzt Vollgas-Karriere machen möchte, dann brauch ich ja genau das Mindset, das du hast. Glaubst Du, es ist eine Lüge, dass es möglich ist, dass beide genau den gleichen Weg gehen, beide genau das gleiche Mindset haben und trotzdem ein glückliches Familienleben führen können?

Benjamin Karl: Definitiv eine Lüge. Kann nicht funktionieren. Dann muss ich mich gegen Kinder entscheiden. Dann kann jeder machen. Dann wird man zwar wahrscheinlich nie ausgelernt haben im Leben. Weil ich finde, Kinder sind so extrem wichtig für deine persönliche Entwicklung. Unheimlich wichtig, weil du lernst so viel durch die Kinder. Du lernst zum Beispiel, dass du absolut nimmer der Wichtigste bist für niemanden, weil die Kinder das Wichtigste sind.

Du bist auch nimmer der wichtigste Mensch für deine Frau, weil die Kinder das Wichtigste sind. Du lernst einfach extrem viel durch die Familie. Und ich bin so dankbar, weil das ist einfach eine Persönlichkeitsentwicklung in Reinstform. Das ist Familie. Und auch eine Langzeitbeziehung mit einer Frau. Wir haben fast wöchentlich irgendwelche Konflikte, die wir wieder lösen müssen. (…)

Frage: Wenn ich das richtig verstehe, dann sagst du, wenn man seinen Weg so wie du gehen möchte, voller Fokus und hundert Prozent Commitment, dann muss man eine Partnerin finden, die so tickt wie die Nina: Die sagt, für mich ist der Fokus, dass ich eine glückliche Familie hab, dass ich zwei Kids hab – sonst wird das nicht funktionieren …

Benjamin Karl: Definitiv. Du brauchst eine Frau, die … das würde ich auch von vornherein klarstellen. Aus heutiger Sicht noch mehr, als ich das damals schon gemacht hab. I würde klarstellen, wie die Verhältnisse sind und was dein Ziel ist. Und wenn das klar ist, dann gibt's, wenn man Kinder will, nur den einen Weg, dass ein Partner bei den Kindern ist, ob das die Frau oder der Mann ist, ist mir wurscht.

Aber ein Partner muss bei den Kindern sein, muss sich um die Kinder kümmern und der andere muss dem nachgehen, seinen Träumen, seinen Zielen oder Karriere machen. Es geht nicht beides. Da brauchst fünf Kindermädeln und die Kinder wachsen irgendwo anders auf, bei der Oma und bei Kindermädchen, aber nicht bei Mama und Papa. Dann ist es vielleicht möglich. Aber dann sind so, wie sagt man, luxusverwahrlost. Und das will man ja auch nicht als Elternteil.

Wie Österreich auf die Aussagen des Olympiastars reagiert

Wie waren die Reaktionen auf das Podcast-Interview?
Schon bald nach der Veröffentlichung des Podcasts gingen die Wogen hoch, am Dienstag begannen auch deutsche Medien über das verunglückte Interview des Olympiastars zu berichten, etwa der Spiegel. Gleichzeitig begann das Thema, die sozialen Medien und die diversen Diskussionsforen zu füllen.

Was denken Menschen darüber?
Es gibt zwar einige Wenige, die Karl applaudieren (Motto: "Er sagt die Wahrheit, auch wenn es weh tut"), wohl die große Mehrheit sieht aber die Aussagen des Sportlers als vorgestrige Haltungen eines Patriarchen. Mittlerweile haben sich auch bereits Beziehungsexperten zu Wort gemeldet, etwa die Therapeutin Isabella Vedernjak (siehe Instagram-Video unten).

Was ist der Tenor der Aussagen?
Dass das Beispiel von Nina und Benjamin Karl ein "strukturelles Machtgefälle" offenlegen würde, wie es nach wie vor in vielen Beziehungen vorkommt. Allerdings geschehe es eher selten, dass jemand die Geringschätzung, mit der er seine Ehefrau herabwürdigt, so in aller Öffentlichkeit zelebriert, dass ein ganzes Land dabei zuschauen kann.

Weshalb hat Benjamin Karl dieses Thema im Podcast überhaupt so offen und breit besprochen?
Das kann niemand erklären, außer Karl selbst – aber der Olympiaheld ist in dieser Frage ungewöhnlich redefaul.

Was bedeutet das?
In einer ersten Reaktion in Form einer Instagram-Story gab sich Karl eher bockig denn einsichtig, dass hier offenbar etwas ziemlich aus dem Ruder gelaufen ist (Motto: "Wenn ich euch die Wahrheit sage, passt's euch nicht"). Am Dienstag wurde ihm dann offenbar die ganze Tragweite der Angelegenheit bewusst und Benjamin Karl ruderte auf mehreren Ebenen zurück – bleib allerdings im Ton eher gehässig.

Wie Benjamin Karl mit drei Instagram-Storys "zurückruderte"

Instagram-Story Nummer 1: Dienstag, ca. 7.30 Uhr früh:
"Hey Leute, ich bin jetzt gerade um sechs Uhr fünfzehn mit meiner Familie aufgestanden, so wie ich es eigentlich zu neunzig Prozent mache, wenn ich zu Hause bin. Und ich bin runter gegangen, habe den Kindern die Jausen gemacht und das Frühstück. Die Nina hat sich derweil fertig machen können. Die geht heute zu ihrer Arbeit, die sie liebt. Die ist Psychotherapeutin und jagt dort ihren Träumen nach und hat auch das Haus dann früher verlassen.

Ich habe ihr noch einen Kaffee gemacht und mir, und wir sind noch am Frühstückstisch gesessen mit den Kids, haben noch reflektiert, was so passiert ist gestern. Und, ja, dann hat die Nina das Haus verlassen. Die Kinder beziehungsweise die Kleine war dann noch ein bisschen im Haus. Die habe ich dann Richtung Schule gebracht. Und so startet meistens unser Morgen, wenn ich zu Hause bin. Alles Liebe."

Screenshot aus Karls Insta-Story: "Nina kann jederzeit, darf, kann, ist ihre Entscheidung, auf Mädelstrip fahren"
Screenshot aus Karls Insta-Story: "Nina kann jederzeit, darf, kann, ist ihre Entscheidung, auf Mädelstrip fahren"
Instagram

Instagram-Story Nummer 2: Dienstag, ca. 8.30 Uhr früh:
"Ah ja, noch was wurde missverstanden. Und zwar, die Nina kann jederzeit, darf, kann, ist ihre Entscheidung, auf Mädelstrip fahren und das gehört nur gut geplant und dann ist das überhaupt kein Problem. Alles Liebe."

Wie ging es weiter?
Kurz darauf postete Karl ein Bild, dass bis auf Weiteres "kein Anschluss unter dieser Nummer" sei sowie ein Foto eines unaufgeräumten Frühstückstisches – offenbar als Beweis dafür, wie sehr er sich daheim einbringt. Die Stille hielt bis etwa 14.30 Uhr.

Instagram-Story Nummer 3: Dienstag, ca. 14.30 Uhr:
"So, vier Stunden Ruhe auf Instagram ist genug, finde ich. Ich habe vergessen, Danke zu sagen und allen voran der Nina, weil wir haben zuerst telefoniert und sie sagt so: "Warum hast du das gepostet?" Unter diesem Anschluss keine Nummer. Sie hat dabei ein bisschen fast enttäuscht oder überrascht geklungen, weil sie das von mir gar nicht kennt und sie hat mich daran erinnert und sie hat recht, weil ich bin nämlich ein Mensch, der in schwierigen Zeiten erst richtig stark wird und in seine Stärke kommt.

Und ich werde auf jeden Fall jetzt nicht den Kopf hängen lassen. Ich habe hunderten Menschen durch Corona geholfen, durch meine Art. Ich habe meine ganzen Erfolge in meiner Snowboardkarriere auf diese Art gefeiert und ich habe mein ganzes Leben so gemeistert. Und ich will aber auch noch Danke sagen bei euch. Und zwar bei allen, die so liebe Kommentare geschrieben haben."

Wie ist die Tonalität dieser Nachrichten?
Die Stimme des Sportlers klingt aufgewühlt und die Postings wirken ungeplant und hektisch produziert, wenn man sie etwa mit dem gelassenen Plauderton vergleicht, in dem der Podcast geführt worden ist. Und man könnte den Eindruck bekommen, dass es das eine oder andere Gespräch zwischen den Eheleuten gegeben hat, seit der Podcast erschienen ist. Aber dafür gibt es keine Beweise.

Hat sich Nina Karl bereits in der Angelegenheit geäußert?
Nein, sie hat öffentlich überhaupt nicht reagiert. Während Benjamin Karl etwa der Kronen Zeitung ein Interview gegeben hat, in dem er seinen Statements eine "blöde Wortwahl" bescheinigt, sich aber nicht als Macho sieht: "Meine Ehe wird jetzt völlig falsch dargestellt."

Kurzfristiger Schlusspunkt: Ein paar Stunden später postete Benjamin Karl schon wieder
Kurzfristiger Schlusspunkt: Ein paar Stunden später postete Benjamin Karl schon wieder
Instagram

Wo kann man den Podcast eigentlich nachhören?
Scheinbar nirgends mehr, er wurde am Dienstag offline genommen. Podcast-Gestalter Lukas Riegler erklärte, dass Karl ihn aufgefordert habe, die Folge zu löschen, schreibt der Osttiroler Bote. Riegler: "Ich finde es schade, dass wir die Folge löschen mussten." Karl habe sich offenbar beklagt, dass sich viele Negativ-Kommentare auf das Ehe-Thema beziehen würden.

Gibt es denn noch andere Inhalte im Podcast?
Ja, Benjamin Karl war in Plauderlaune. So erfährt man etwa, dass für ihn Loyalität zähle: "Dass man sich gegenseitig den Rücken stärkt und vertrauen kann" sei ihm bei Freundschaften extrem wichtig. Was seine Frau von dieser Aussage hält, ist leider nicht überliefert.

Worum geht es noch im Podcast?
Etwa, dass sich der Olympionike selbst für einen absoluten Familienmenschen hält: "Ich liebe es, wenn meine Kinder auf mir liegen und am besten meine Frau noch dazu und wir kuscheln." Denn "Einsamkeit ist etwas Schreckliches". Wie das mit seiner Bereitschaft zusammenpasst, die Familie für den Traum vom Radrennfahren zu verlassen, wird leider nicht hinterfragt.

Was erfährt man noch?
Dass Negieren die beliebteste Problemlösungsstrategie von Benjamin Karl zu sein scheint. Als er 2021 wegen überhöhter Geschwindigkeit einen Autounfall verursachte, bei dem ein Mensch starb und ein weiterer schwer verletzt worden ist (Karl erhielt dafür 3 Monate bedingt), gab es mancherorts Kritik an der Art, wie er mit der Tragweite des Unglücks umging. Karl dazu: "Ich les so was, es hat mich auch kurz beschäftigt, dann habe ich sehr gute Freunde, mit denen red ich ein bisschen über das, die holen mich wieder runter und dann ist das in ein paar Tagen wieder erledigt und ich lese dann einfach die Kommentare nicht."

Und denkt er noch manchmal an das Unglück oder den Menschen, den er getötet hat?
Benjamin Karl: "Ich vermeid es daran zu denken, weil es bringt ja nichts."

Wie geht es jetzt weiter?
Wenn sich Nina Karl weiter so bedeckt hält wie bisher, bleiben die Instagram-Posts des Olympiasiegers die einzigen Nachrichten für die Öffentlichkeit, wie es um die Beziehung des Paares steht. Bleibt abzuwarten, wann der 40-Jährige das nächste Mal Redebedarf hat.

Martin Kubesch
Akt. 29.04.2026 00:35 Uhr