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Urlaub wird teuer

Warum ein Flug nach Asien plötzlich über 2.500 Euro kostet

Der Irankrieg zwingt viele Airlines, alternative Routen zu wählen. Flüge dauern bis zu zwei Stunden länger und sie haben ein Preisproblem, das bis in den Sommerurlaub reichen könnte. Beispiel Wien - Singapur: 2.510 Euro, One-Way, Economy.

Fluggesellschaften aus der Golfregion bleiben am Boden, die Preise steigen
Fluggesellschaften aus der Golfregion bleiben am Boden, die Preise steigeniStock
The Economist
Akt. 18.03.2026 23:46 Uhr

In normalen Zeiten ist der Himmel über dem Nahen Osten voller Passagierflugzeuge. In den letzten drei Wochen wurden die zivilen Maschinen durch Raketen und Drohnen ersetzt.

Die Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran sowie die Vergeltungsschläge des Iran gegen seine Nachbarn haben zu einem Chaos im Reiseverkehr geführt. Besucher der Golfregion und Passagiere, die über die stark frequentierten Flughäfen der Region reisen, saßen und sitzen fest. Eine Analyse von Flugverfolgungsdaten zeigt das Ausmaß der Beeinträchtigungen.

Im März letzten Jahres überflogen in einem typischen 48-Stunden-Zeitraum mehr als 3.700 Passagierflugzeuge den Persischen Golf. Mehr als die Hälfte davon war entweder nach Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder nach Doha unterwegs, der Hauptstadt Katars, oder startete von dort. Am 3. und 4. März dieses Jahres überflogen nur 47 Flüge denselben Luftraum.

Die Bemühungen, den Flugbetrieb eingeschränkt wieder aufzunehmen, verliefen schleppend. Am 16. März musste Emirates nach einem Drohnenangriff auf den Flughafen von Dubai Flüge streichen und einige Maschinen in der Luft umleiten.

Die Auswirkungen auf die globale Luftfahrtbranche könnten auch nach Kriegsende noch lange spürbar sein. Im Jänner war Dubais Flughafen noch der verkehrsreichste Airport der Welt.

Wie sich die Flugrouten seit Ausbruch des Kreiges verändert haben
Wie sich die Flugrouten seit Ausbruch des Kreiges verändert haben
The Economist, Quelle Planefinder.net

Der weltweite Flugverkehr wurde bereits durch einen anderen Krieg gestört. Russlands Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 zwang westliche Fluggesellschaften dazu, ihre Flüge umzuleiten, um den russischen Luftraum zu meiden. Im Jänner 2022 flogen rund 15 Prozent der internationalen Passagierflüge über Russland, die Ukraine, den Iran oder den Persischen Golf. Im März dieses Jahres waren es nur noch 1 Prozent.

Auf Strecken wie London–Tokio hat dies die Flugdauer um fast zwei Stunden verlängert. Der Luftraum über dem Golf ist zwar weitaus kleiner als der riesige russische Luftraum, doch der größte Teil des Ost-West-Flugverkehrs drängt sich nun in einen schmalen Korridor über Aserbaidschan.

Einige Fluggesellschaften, wie beispielsweise Air India, fliegen auf der Strecke von London nach Delhi südlich des Golfs eine Schleife, was ihre Reisezeit um rund 50 Minuten verlängert. Der befliegbare Luftraum der Welt schrumpft.

Von der Änderung der Luftrouten betrifft auch Austrian Airlines, wenn auch in Maßen. Die Routenführung der Verbindungen nach Bangkok, Shanghai und Tokio tangiert die aktuelle Situation nicht. Hier führt der Weg über das Schwarze Meer. Die Strecke zu den drei genannten Destinationen wird aufgrund des Kriegs in der Ukraine und des gesperrten Luftraums über Russland bereits seit Jahren geändert geflogen.

Etwas längere Flugzeiten im Ausmaß von 20 bis 30 Minuten kann es allerdings aktuell mitunter auf den Verbindungen auf die Malediven geben, sagt die AUA.

Wie sich die Zahl der Flüge in zwei ausgewählten Städten seit Kriegsbeginn verändert hat
Wie sich die Zahl der Flüge in zwei ausgewählten Städten seit Kriegsbeginn verändert hat
The Economist, QuelleFlight Radar24

Der Nahe Osten spielt eine zentrale Rolle in der Luftfahrt. Vor dem Konflikt prognostizierte der internationale Branchenverband IATA, dass die Region 17 Prozent der 41 Milliarden US-Dollar Nettogewinn erwirtschaften würde, die sie für die globale Luftfahrtindustrie im Jahr 2026 erwartet.

Emirates ist die größte und profitabelste internationale Fluggesellschaft der Welt. Sie und ihr Kurzstreckenpartner FlyDubai bestellten auf der Dubai Airshow im November große Flugzeuge, ebenso wie Etihad, und setzen damit auf weiteres Wachstum.

Das scheint nun gefährdet. Dubais Entwicklung zu einem touristischen und wirtschaftlichen Hotspot hat dazu geführt, dass es zum Zielort für rund die Hälfte der Emirates-Passagiere geworden ist.

Umsteigepassagiere, die nur wenige Stunden an Flughäfen am Golf verbringen müssen, könnten nach Kriegsende zurückkehren, angelockt vielleicht von hohen Rabatten. Der Tourismus hingegen wird sich nur schwer erholen.

Nicht nur die Fluggesellschaften der Golfregion sind vom Konflikt betroffen . Auch andere Airlines, die das Gebiet überfliegen, müssen nun ihre Routen ändern. Dazu wird Treibstoff deutlich teurer . Der Rohölpreis liegt derzeit bei rund 100 US-Dollar pro Barrel, verglichen mit etwa 70 US-Dollar vor Beginn der Kämpfe.

Für Fluggesellschaften sind die Auswirkungen jedoch noch gravierender. Die Preisdifferenz zwischen Kerosin und Rohöl, die sogenannte "Crack-Spread", hat sich drastisch erhöht.

Auch die Flüge der Austrian Airlines wurden empfindlich teurer
Auch die Flüge der Austrian Airlines wurden empfindlich teurer
Reuters

Das liegt unter anderem daran, dass 20 Prozent des weltweiten Kerosins durch die Straße von Hormus transportiert werden, wo der Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist, erklärt James Noel-Beswick von Sparta Commodities, einem Datenanbieter. Die Preise haben sich seit Beginn der Kämpfe mehr als verdoppelt und liegen im Durchschnitt bei rund 190 US-Dollar pro Barrel.

Die Auswirkungen werden unterschiedlich ausfallen. Bei Billigfluggesellschaften machen die Treibstoffkosten typischerweise fast 35 Prozent der Gesamtkosten aus, verglichen mit rund 20 Prozent bei etablierten Fluggesellschaften.

Auch der Schutz der Fluggesellschaften variiert. Einige, wie Ryanair , IAG und Qantas, sind gut gegen kurzfristige Preissteigerungen abgesichert, was die Auswirkungen abmildert. Die großen amerikanischen Fluggesellschaften hingegen sind in der Regel ungeschützt, da sie Absicherungen als unnötig kompliziert und kostspielig erachten (obwohl Delta Air Lines über eine eigene Raffinerie verfügt, was hilfreich ist).

Sollten die Treibstoffpreise das ganze Jahr über hoch bleiben, könnten die Kosten laut Deutscher Bank in die Milliarden gehen. Als Reaktion auf die explodierenden Treibstoffkosten beginnen einige Fluggesellschaften, Flugzeuge stillzulegen. Air New Zealand streicht bis Anfang Mai rund 1.100 Flüge.

Wie lange Flüge nun im Vergleich zur Zeit vor den Kriegen dauern
Wie lange Flüge nun im Vergleich zur Zeit vor den Kriegen dauern
The Economist, Quelle Official Airline Guide

All dies bietet einigen Fluggesellschaften eine Chance. Da die Fluggesellschaften aus der Golfregion ihren Betrieb eingestellt und andere ihre Flüge beendet haben, sind die Flugpreise stark gestiegen. British Airways, Teil der IAG , hat bereits zusätzliche Flüge nach Singapur und Bangkok angeboten. Die Lufthansa meldete für März einen Buchungsanstieg von 60 Prozent für Flüge nach Asien.

Das hat Folgen, auch für die Lufthansa-Tochter AUA. Wer mit Austrian am 23. März um 19.50 Uhr von Wien nach Singapur fliegen will, zahlt One-Way 2.510 Euro. Economy, nicht Business. Direktflüge sind etwas günstiger. Am 23. März kommt man mit der AUA für 1.547 Euro nach Bangkok, der Umweg über München am selben Tag kann 2.358 Euro kosten.

International sieht es nicht anders aus. Ein Economy-Flug von London-Heathrow nach Singapur kostet am 20. März umgerechnet rund 2.300 Euro, ebenfalls nur eine Richtung. Nach Bangkok geht es am selben Tag in 12 Stunden für 2.200 Euro. Mit American Airlines am 23. März von New York nach Singapur reißt ein Loch von 2.775 Euro in die Reisekasse.*

* ergänzt

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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"

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