Nach einer gescheiterten Rettungsmission rast das Weltraumteleskop Swift Richtung Erde und wird in den nächsten Tagen auf unserem Planeten aufschlagen. Um Hubble vor dem selben Schicksal zu bewahren, wälzt die NASA nun Rettungspläne für das berühmte Teleskop.

Über unseren Köpfen kreist ein toter Gigant. 22 Jahre lang hat das NASA-Teleskop Swift den Himmel nach kosmischen Explosionen abgesucht. Jetzt ist es außer Kontrolle geraten, sinkt immer tiefer, seinem feurigen Ende entgegen. Ein letzter Rettungsversuch ist gescheitert, der Absturz unausweichlich.
Das Weltraumobservatorium, das einst mehr als 360 Millionen Dollar gekostet hat, wird aller Voraussicht nach in den nächsten Tagen in die Erdatmosphäre eintreten und dabei größtenteils verglühen, heißt es auf ABC News. Für die Wissenschaft ein schmerzhafter Abschied - doch auch für Menschen auf der Erde könnte der Absturz Folgen haben. Denn Swift wird nicht vollständig verglühen, einzelne Teile werden auf der Erde aufschlagen.
Wann das Teleskop abstürzt, ob Europa gefährdet ist und weshalb die NASA inzwischen auch mit einem zweiten Weltraumteleskop, dem berühmten Hubble-Teleskop, Probleme bekommen hat – die Fakten im Überblick:

Was ist mit dem Swift-Teleskop passiert?
Das Weltraumobservatorium Swift kreist seit November 2004 im All. Es wurde speziell gebaut, um sogenannte Gammablitze zu beobachten, das sind die energiereichsten Explosionen im Universum. Nach mehr als 20 Jahren Dienst sank die Umlaufbahn des Teleskops jedoch zuletzt immer weiter ab. Ein Absturz schien unvermeidlich, doch die NASA startete eine letzte Rettungsmission.
Warum wurde eine Rettungsmission gestartet?
Weil Swift noch immer wertvolle Daten liefern konnte, wäre es stabilisiert worden. Das Teleskop galt als Ersthelfer für die großen Observatorien Hubble und James Webb. Es entdeckte kosmische Ereignisse und alarmierte andere Instrumente. Bei einem Erfolg der Mission hätte Swift noch etwa fünf Jahre weiterarbeiten können.
Was ist bei der Rettung schiefgegangen?
Die NASA setzte auf ein unbemanntes Schleppraumschiff namens Link, es wurde von der Firma Katalyst Space in sehr kurzer Zeit entworfen und gebaut. Dieses sollte Swift wieder in eine höhere Umlaufbahn bringen. Doch es gab Probleme mit der Steuerung des Raumschiffs. Der Rettungsversuch musste abgebrochen werden.
Was sagt die NASA dazu?
NASA-Chef Jared Isaacman erklärte: "Das ist nicht das Ergebnis, auf das wir hingearbeitet haben, aber es ändert nichts daran, warum es das wert war, diese Mission zu versuchen." Die Behörde betont, dass man aus dem Scheitern lernen werde.
Wann wird das Teleskop abstürzen?
Der genaue Zeitpunkt ist noch unklar, aber der Absturz wird für die nächsten Tage, spätestens die kommenden Wochen erwartet. Die US Space Force, also die Weltraumkräfte des amerikanischen Militärs, verfolgt die immer niedriger werdende Flugbahn des Teleskops. Ende Oktober war Swift bereits zu niedrig, um stabil zu bleiben, und seine Systeme wurden abgeschaltet.
Ist der Absturz gefährlich für Menschen?
Das 1,5 Tonnen schwere Teleskop wird beim Eintritt in die Atmosphäre größtenteils verglühen. Allerdings könnten einige Teile aus besonders dichtem Wolfram und Spiegelelementen den Wiedereintritt überstehen und auf die Erde fallen.

Wo könnten Trümmer niedergehen?
Überlebende Wrackteile werden höchstwahrscheinlich ins Meer stürzen. Doch auch Teile von Afrika, Australien, Indien, Südostasien sowie Zentral- und Südamerika liegen in der möglichen Einschlagzone. Europa und Österreich sind nicht betroffen.
Was hat Swift in 22 Jahren entdeckt?
Die Bilanz ist beeindruckend: mehr als 2.000 Gammastrahlenausbrüche, 1.400 explodierende Sterne sowie zahlreiche Kometen, Asteroiden und schwarze Löcher, die Sterne verschlingen. Der Name Swift – englisch für schnell – war Programm: Das Teleskop konnte sich besonders rasch auf neue Ereignisse ausrichten.
Warum ist das Teleskop so wichtig für die Forschung?
Swift lieferte Daten, die kein anderes Instrument bieten konnte. Es entdeckte kosmische Explosionen oft als Erstes und gab anderen Teleskopen damit Zeit, sie genauer zu untersuchen. Wissenschaftler überlegen nun, wie sie diese Lücke füllen können.
Gibt es einen Nachfolger?
Noch nicht konkret. Die NASA hofft, dass die Erkenntnisse aus Swift in neue Weltraummissionen einfließen. Projektleiter John Nousek von der Pennsylvania State University sagte: "Unsere große Hoffnung ist, dass die Lehren aus den Erfolgen von Swift auf neue Generationen von Weltraummissionen angewendet werden können."
Was bedeutet das Ende von Swift für die Astronomie?
Der Verlust ist spürbar. Ohne Swift wird es schwieriger, Gammablitze rechtzeitig zu erkennen. Diese kurzen, aber extrem energiereichen Ereignisse geben Aufschluss über die Entstehung schwarzer Löcher und die Physik des frühen Universums.
Warum stürzen Satelliten überhaupt ab?
In niedrigen Umlaufbahnen bremst die dünne Restatmosphäre der Erde Satelliten langsam ab. Ohne Antrieb sinken sie Stück für Stück, bis die Reibung zu groß wird. John Nousek formulierte es so: "Im erdnahen Orbit muss, was hochgeht, auch wieder herunterkommen."
Das gilt also auch für andere NASA-Teleskope?
Ja, das gilt für alle Flugobjekte in Erdumlaufbahnen. Nicht umsonst haben Satelliten Steuerungs- und Antriebselemente, mit denen sie so ausgerichtet werden können, dass sie auch wirklich in ihrer Umlaufbahn bleiben. Und weil es solche Antriebselemente nicht hat, droht inzwischen auch das berühmte Hubble-Weltraumteleskop abzustürzen, berichtet das Fachmedium Daily Galaxy.

Was ist bei Hubble das Problem?
Hubbles Umlaufbahn sinkt ebenfalls langsam ab. Der Grund ist auch hier Luftwiderstand in den oberen Schichten der Erdatmosphäre. Seine Umlaufbahn schrumpft seit Jahren und die NASA sucht derzeit nach Möglichkeiten, Hubble in Betrieb zu halten.
Was plant die NASA konkret?
Die Behörde prüft, ob private Raumfahrtunternehmen Hubbles Orbit anheben könnten. Ziel wäre eine sichere Bahnkorrektur nach oben, damit der Luftwiderstand wieder geringer wird. Das würde den Wiedereintritt nicht verhindern, aber deutlich nach hinten verschieben.
Wie würde so eine Mission funktionieren?
Vorstellbar ist ein Serviceraumschiff, das sich Hubble nähert, andockt oder das Teleskop auf andere Weise sicher erfasst und dann in eine höhere Umlaufbahn bringt. Dafür braucht es sehr präzise Navigation, verlässliche Greif- oder Kopplungstechnik und großen Schutz für die empfindliche Hardware. Gerade bei einem wissenschaftlichen Observatorium ist das heikel.
Das wurde auch bei Swift probiert, oder?
Richtig, und dort ist man gescheitert. Das zeigt, wie sensibel derartige Manöver sind.
Warum kann die NASA Hubble nicht einfach selbst wie früher warten, sondern muss auf andere Anbieter zurückgreifen?
Hubble wurde 1990 mit der Raumfähre Discovery gestartet und war für Wartung durch Astronauten ausgelegt. Insgesamt gab es fünf Shuttle-Servicemissionen, die das Teleskop reparierten und aufrüsteten. Seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms 2011 fehlt der NASA aber genau diese eingespielte Möglichkeit.
Spielt die Sonne bei dem Problem eine Rolle?
Ja. Wenn die Sonne aktiver ist, erwärmt sich die obere Atmosphäre der Erde und dehnt sich aus. Dadurch steigt die Dichte der Atmosphäre in jenen Höhen, in denen Satelliten unterwegs sind, und das kann den Bahnverlust beschleunigen.
Ist Hubble akut vom Absturz bedroht?
Nicht sofort, aber ohne Eingriff wird Hubble bald so weit absinken, dass es zum Wiedereintritt kommt. Wann genau das passiert, lässt sich nicht einfach auf ein fixes Datum festlegen, da es von vielen und teils sehr dynamischen Faktoren abhängt. Entscheidend sind die Bedingungen in der Atmosphäre, die Sonnenaktivität und die weitere Entwicklung der Umlaufbahn.

Würde eine höhere Umlaufbahn alle Hubble-Probleme lösen?
Nein. Ein Orbit-Boost würde nur eines der äußeren Probleme entschärfen: den schrittweisen Höhenverlust. Alternde Instrumente oder mögliche Defekte an Bord würde er nicht reparieren. Hier macht sich die fehlende Wartung der letzten 15 Jahre bemerkbar.
Lohnt sich der Aufwand überhaupt noch?
Hubble liefert weiterhin wissenschaftlich wertvolle Daten. Besonders wichtig ist, dass es im sichtbaren und ultravioletten Licht beobachtet und damit andere Fähigkeiten hat als neuere Geräte wie etwa das James Webb Teleskop, das vor allem im Infrarot-Bereich arbeitet. Gemeinsam ergibt das für Forscher ein breiteres Bild des Universums.
Was wäre der wissenschaftliche Gewinn einer Verlängerung?
Hubble könnte weiter Galaxien, Sterne, Planetenatmosphären und kosmische Strukturen beobachten. Besonders wertvoll sind auch die langen Datenreihen über viele Jahrzehnte. Damit lassen sich Veränderungen im All verfolgen, die nur mit Ausdauer sichtbar werden.
Heißt also, die NASA startet auch hier einen Rettungsversuch?
Nein, das ist noch nicht final entschieden. Die NASA prüft Möglichkeiten, mehr nicht. Ob es am Ende tatsächlich eine Mission gibt, hängt von Machbarkeit, Risiko und nicht zuletzt von den Kosten ab.