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"Steckerlfischfiasko"

Warum jeder Eberhofer-Krimi ein bisschen wie Heimkommen ist

Die Oma und die Susi, der kiffende Papa und der depperte Bruder, der stets notgeile Installateur Flötzinger: Alles beim Alten in der neuen Rita-Falk-Verfilmung "Steckerlfischfiakso". Nur der Rudi riecht dieses Mal noch ein bisschen strenger als sonst. Ab sofort neu im Kino.

In "Steckerlfischfiasko", dem zehnten Teil der Cozy-Crime-Reihe um den etwas verpeilten Dorfpolizisten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), ist nichts für die Fische
In "Steckerlfischfiasko", dem zehnten Teil der Cozy-Crime-Reihe um den etwas verpeilten Dorfpolizisten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), ist nichts für die FischeConstantin Film
Christian Klosz
Akt. 13.08.2026 04:48 Uhr

Mit "Steckerlfischfiasko" kommt die bereits zehnte Verfilmung eines Rita-Falk-Romans ins Kino – und damit ein Jubiläum, das mehr erzählt als nur die Erfolgsgeschichte eines bayerischen Dorfpolizisten. Denn der Eberhofer-Kosmos hat den deutschsprachigen Cozy Crime zwar nicht erfunden, aber perfektioniert.

Humorvolle, regional verankerte Krimis mit überschaubarem Schrecken und vertrauten Figuren gab es im deutschen Fernsehen bereits zuvor: "Mord mit Aussicht" machte 2008 aus einer Eifel-Provinz einen Krimi-Schauplatz, "Die Rosenheim-Cops" ermitteln schon seit 2002 mit viel Lokalkolorit und noch mehr zwischenmenschlichen Verwicklungen. Hinzu kommen Reihen wie "Hubert und Staller" beziehungsweise "Hubert ohne Staller", "Friesland" oder die Verfilmungen der Allgäu-Krimis um Kommissar Kluftinger.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Größenordnung. Während das Cozy-Crime-Genre im Fernsehen längst zum festen Bestandteil des Programms gehört, hat die Eberhofer-Reihe bewiesen, dass sich diese Mischung aus Mord, Milieu und Gemütlichkeit auch auf der großen Leinwand als Massenphänomen etablieren lässt.

Die neun bisherigen Filme hatten bis 2023 rund 10,4 Millionen Kinobesucher; allein "Rehragout-Rendezvous" kam auf gut 1,4 Millionen Tickets und wurde damit zum bis dahin erfolgreichsten Teil. Der Vorgänger "Guglhupfgeschwader" lag ebenfalls bei mehr als 1,38 Millionen Besuchern.

Was die Eberhofer-Filme besonders macht, ist dabei weniger der Kriminalfall als die Welt, in der er stattfindet. Niederkaltenkirchen ist ein geschlossenes Universum aus Oma, Susi, Rudi, Simmerl, kiffendem Vater und grantelndem Dorfpolizisten; die Zuschauer kommen nicht nur wegen der Frage, wer gemordet hat, sondern weil sie diese Figuren wiedersehen wollen.

Eberhofers Dauerfreundin Susi (Lisa Maria Potthoff) möchte diesmal Bürgermeisterin werden, ihr gemeinsamer Sohn Paul (Pelle Küffner) Ballerina
Eberhofers Dauerfreundin Susi (Lisa Maria Potthoff) möchte diesmal Bürgermeisterin werden, ihr gemeinsamer Sohn Paul (Pelle Küffner) Ballerina
Constantin Film

Dazu kommen bayerischer Dialekt, Essen, Stammtisch, familiäre Querelen und ein Humor, der das Verbrechen zuverlässig entdramatisiert. Das entspricht ziemlich genau dem Erfolgsrezept des Cozy Crime: Spannung ohne permanente Bedrohung, regionale Identität statt düsterer Großstadt, Vertrautheit statt Schock. Der Mord ist Anlass – das Milieu ist die eigentliche Hauptfigur.

Auch auf der Buchseite ist Rita Falks Erfolg bemerkenswert: Ihre Eberhofer-Krimis wurden inzwischen mehr als sieben Millionen Mal verkauft. Aus dem ersten Roman von 2008 ist eine Serie mit mittlerweile 13 Bänden geworden; im Juni 2026 erschien "Apfelstrudel-Alibi". Nach "Steckerlfischfiasko" stehen damit mindestens drei Bücher ohne eigene Kinofassung da: "Zwetschgendatschikomplott" und "Weißwurstconnection" wurden seinerzeit bewusst übersprungen, dazu kommt der jüngste Band "Apfelstrudel-Alibi".

So gesehen hat Rita Falk den Cozy Crime nicht nach Deutschland gebracht – sie hat ihm vielmehr ein besonders gut funktionierendes Franchise-Modell gegeben. Die Eberhofer-Reihe verbindet Bestseller-Reichweite mit einem über Jahre stabilen Ensemble und einer sehr konkreten Sehnsuchtslandschaft: Bayern, aber nicht als Postkartenidylle, sondern als leicht überzeichnete, chaotische Heimat. Und solange die Bücher Nachschub liefern, dürfte auch nach dem zehnten Film noch längst nicht Schluss sein.

Machen wie immer eine gute Figur: Der ewig notgeile Installateur Flötzinger (Daniel Christensen, r.) und der Metzger Simmerl (Stephan Zinner, l.) spielen jetzt Golf
Machen wie immer eine gute Figur: Der ewig notgeile Installateur Flötzinger (Daniel Christensen, r.) und der Metzger Simmerl (Stephan Zinner, l.) spielen jetzt Golf
Constantin Film

"Steckerlfischfiasko"

Worum es geht Der neueste Fall führt Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) auf den Golfplatz: Der örtliche "Steckerlfischkönig" Paulus Senior (Christian Tramitz) wird tot in der Wellnesslandschaft des neu eröffneten Golfclubs gefunden. Gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), der dieses Mal den kapitalistischen Verzicht übt und deshalb "stinkt wie ein Iltis", muss Eberhofer zwischen dubiosen Geschäftemachern und den neureichen Golfplatz-Schnöseln ermitteln.

Der Mord bringt Eberhofer und Rudi zunächst auf die Spur der Dottingers, eines rivalisierenden Volksfest-Clans, der mit dem Paulus-Clan seit Jahren um die Vorherrschaft beim Steckerlfischgeschäft konkurriert. Besonders verdächtig ist deren Familienoberhaupt, das dem späteren Opfer kurz vor dessen Tod unverhohlen gedroht hatte.

Gleichzeitig wartet daheim bereits das nächste Problem auf den Eberhofer: Dauerfreundin Susi (Lisa Maria Potthoff) will Bürgermeisterin werden, während Sohn Paul möchte, dass sein Vater bei seiner Ballettaufführung als tanzender Baum auftritt …

Lohnt sich das? "Steckerlfischfiasko" ist die bereits zehnte Leinwandverfilmung der beliebten Rita-Falk-Romanreihe. Dabei war lange gar nicht klar, ob sie überhaupt ins Kino kommen würde: Die Autorin hatte deutliche Kritik an der Verfilmung des Vorgängers "Rehragout-Rendezvous" geübt. Falk hatte sich darüber beschwert, dass sich die Filme immer weiter von ihren Büchern entfernten.

Der Streit wurde offenbar beigelegt und so ist der Eberhofer nun zurück – mit der vertrauten Besetzung und Ed Herzog erneut auf dem Regiestuhl. Auch Film Nummer 10 bietet genau das, was Fans erwarten: bayerisches Lokalkolorit, humorvolle Dialoge, schräge Nebenfiguren und einen Kriminalfall, der eher als Aufhänger für den Provinz-Wahnsinn dient denn als hoch spannender Whodunit.

Die ersten Kritiken zu "Steckerlfischfiasko" bezeichnen den Film als "solide" und geeignet für Fans der Reihe. Bemängelt wird, dass der Fall vergleichsweise zahm und wenig spannend ausfällt. Wer die bisherigen Filme mochte, für den ist wohl auch der zehnte Streich eine ziemlich sichere Bank. Wer bislang mit dem bayerischen Provinz-Humor wenig anfangen konnte, wird allerdings kaum bekehrt werden.

"Steckerlfischfiasko", Komödie. DE 2026, 100 Minuten, ab 13. August im Kino

Familie Platt (Ewan McGregor, Christian Convery, Maisy Stella und Anne Hathaway) landet in "The End of Oak Street" mitten in einem Alptraum
Familie Platt (Ewan McGregor, Christian Convery, Maisy Stella und Anne Hathaway) landet in "The End of Oak Street" mitten in einem Alptraum
Warner Bros. Entertainment Inc.

"The End of Oak Street"

Worum es geht Ein ganz normaler Tag in einer amerikanischen Vorstadt der frühen 1980er-Jahre: Denise und Greg Platt (Anne Hathaway und Ewan McGregor) leben mit ihren Kindern Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery) in einem scheinbar idyllischen Viertel. Doch plötzlich ereignen sich merkwürdige Dinge – und nach einem mysteriösen kosmischen Ereignis ist die gesamte Nachbarschaft nicht mehr dort, wo sie sein sollte.

Statt vertrauter Straßen finden die Bewohner eine fremde, prähistorische Welt vor, in der Dinosaurier und andere längst ausgestorbene Kreaturen unterwegs sind. Die Familie muss gemeinsam ums Überleben kämpfen, während gleichzeitig alte Spannungen aufbrechen.

Lohnt sich das? "The End of Oak Street" ist der neue Film von Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell, der mit dem Horrorfilm "It Follows" bekannt wurde und anschließend den surrealen Neo-Noir-Thriller "Under the Silver Lake" mit Andrew Garfield drehte. "Oak Street" ist sein erster Spielfilm seit acht Jahren und mit einem kolportierten Budget von rund 85 Millionen Dollar zugleich sein mit Abstand größtes Projekt. Produziert wurde der Film von J.J. Abrams.

Mit "Jurassic Park" wird der Film zwangsläufig verglichen, schließlich treffen auch hier Familienalltag und Dinosaurier aufeinander. Mitchell selbst nennt Steven Spielberg zwar als wichtigen Einfluss, wollte aber ausdrücklich keinen weiteren "Jurassic Park"-Klon drehen. Wichtiger als Inspiration war für ihn das Kino und TV der 1970er- und 1980er-Jahre. Und dabei insbesondere "The Twilight Zone", "Poltergeist" und "Signs" von M. Night Shyamalan.

Die Grundidee zu "Oak Street" kam ihm laut eigener Aussage bei einem Spaziergang in Michigan: Er stellte sich vor, wie es wäre, wenn plötzlich ein Dinosaurier in einer ganz gewöhnlichen amerikanischen Vorstadt auftauchen würde …

Die ersten Kritiken zu "The End of Oak Street" sind ausgesprochen positiv, und häufig fällt dabei der Begriff "Amblin". Das ist der Name von Steven Spielbergs Produktionsfirma – und mittlerweile  ein Synonym für eine spezielle Themenmischung aus Vorstadt-Idylle, Familiendrama, Humor, Abenteuerlust und übernatürlichem Schrecken, der die gewohnte Ordnung und Sicherheit bedroht. Zuletzt griffen immer mehr Film- und Serienproduktion auf diese Melange aus Heimeligem und Unheimlichem zurück, darunter auch der Netflix-Geheimtipp "The Boroughs".

Besonders enthusiastisch die Rezension des bekannten US-Kritikers David Ehrlich: Er bezeichnet "Oak Street" als "perfekt getakteten, sehr unterhaltsamen Blockbuster" und sieht darin die bislang größte Überraschung des Sommers. Vielfach gelobt werden auch die spektakulären Dinosaurier-Szenen. Heißt unterm Strich: Nostalgisches Popcornkino und ein ziemlich vergnüglicher Versuch, die MAgie von "Jurassic Park" in der Gegenwart wiederzubeleben.

"The End of Oak Street", Action, Science-Fiction. USA 2026, 99 Minuten, ab 14. August

Ein bisschen wie "Jurassic Park": Anne Hathaway auf der Flucht vor einem T-Rex
Ein bisschen wie "Jurassic Park": Anne Hathaway auf der Flucht vor einem T-Rex
Warner Bros. Entertainment Inc.

Außerdem neu im Kino:

"Exit 8"
Ein Mann (Kazunari Ninomiya) gerät auf dem Heimweg in einen scheinbar endlosen U-Bahn-Korridor und versucht, den "Ausgang 8" zu erreichen. Das erweist sich jedoch als schwierig, denn dieser Korridor hat eigene Regeln: Entdeckt er eine Anomalie im Ablauf oder im Korridor, muss der Mann umkehren; sieht er nichts Ungewöhnliches, darf er weitergehen – ein einziger Fehler setzt ihn jedoch wieder an den Anfang zurück.

Regisseur Genki Kawamura macht aus dem Indie-Videospiel "The Exit 8" einen Psycho-/Mysterythriller, der an "Backrooms" erinnert und ebenfalls von verworrenen Gängen und Räumen erzählt, deren Relation zur Wirklichkeit lange unklar bleibt. Wurde nach der Premiere bei den Cannes Midnight Screenings 2025 zum Festival-Geheimtipp.

"Exit 8", Mystery-Thriller. JAP 2025, 95 Minuten, ab 13. August im Kino

"Sunny Dancer"
Die 17-jährige Ivy (Bella Ramsey) hat eine Krebserkrankung überstanden und befindet sich seit zehn Monaten in Remission. Wirklich Lust auf ein "Chemo-Camp" hat sie nicht, ihre Eltern schicken sie trotzdem in das Ferienlager für Jugendliche, die Ähnliches durchmachen mussten. Dort trifft Ivy auf eine Gruppe gleich gesinnter Außenseiter, mit denen sie sich anfreundet - und einen unvergesslichen Sommer mit vielen ersten Erfahrungen erlebt.

"Sunny Dancer" feierte seine Weltpremiere als Eröffnungsfilm der Berlinale-Sektion Generation 14plus. Er versucht, die klassische Krebsfilm-Tragik bewusst zu vermeiden: Im Mittelpunkt stehen nicht Krankheit und Leid, sondern Jugendliche, die trotz ihrer Erfahrungen einfach Jugendliche sein und ihr Leben genießen wollen.

"Sunny Dancer", Coming-of-Age Drama. GB 2026, 106 Minuten, ab 13. August im Kino

"Mit Hasan in Gaza"
Drei Mini-DV-Kassetten, 2001 in Gaza aufgenommen und erst Jahrzehnte später wiederentdeckt, bilden die Grundlage für Kamal Aljafaris ungewöhnlichen Dokumentarfilm: Der Regisseur macht sich gemeinsam mit dem Guide Hasan auf die Suche nach einem ehemaligen Mithäftling und fährt dabei von Norden nach Süden durch Gaza, auf den Spuren einer Welt, die längst verschwunden ist. Aljafari verbindet persönliche Erinnerung mit einem einzigartigen historischen Dokument: Zu sehen ist ein Gaza im Alltag, lange vor der heutigen Zerstörung.

"Mit Hasan in Gaza", Dokumentation. DE/FR/Palästina/Katar 2025, 106 Minuten, ab 13. August im Kino

"Romería – Das Tagebuch meiner Mutter"
Die 18-jährige Marina (Llúcia Garcia) reist nach Vigo an die galizische Atlantikküste, um die Familie ihres Vaters kennenzulernen, den sie selbst nie gesehen hat. Eigentlich benötigt sie lediglich eine Unterschrift für ihr Filmhochschul-Stipendium, doch die Reise wird zur Suche nach ihren verstorbenen Eltern und nach der eigenen Familiengeschichte. Carla Simóns neuer Film lief 2025 im Wettbewerb von Cannes und war dort für die Goldene Palme nominiert.

"Romería – Das Tagebuch meiner Mutter", Drama. ESP 2025, 112 Minuten, ab 14. August im Kino

"Drei Freundinnen"
Joan (Camille Cottin) liebt ihren Mann Victor (Vincent Macaigne) nicht mehr und überlegt, die Beziehung zu beenden. Ihre Freundin Alice (Sara Forestier) hält dagegen eine vernünftige, leidenschaftslose Partnerschaft für durchaus lebenswert – ohne zu wissen, dass ihr eigener Mann Eric eine Affäre mit der gemeinsamen Freundin Rebecca (India Hair) hat. Als Joan schließlich eine Entscheidung trifft und Victor verschwindet, gerät das Leben der drei Frauen aus den Fugen.

"Drei Freundinnen", Komödie. FR 2024, 117 Minuten, ab 14. August im Kino

"Vishwanath & Sons"
Sanjay Vishwanath (Suriya) war früher ein ehemaliger internationaler Pistolenschütze, der trotz nachlassender Sehkraft noch einmal an seine sportlichen Erfolge anknüpfen möchte. Gleichzeitig gerät sein streng geordnetes Leben aus den Fugen, als sich die deutlich jüngere Maddy (Mamitha Baiju) in ihn verliebt. Mischung aus Sportlerdrama, Familienfilm und Liebesgeschichte.

"Vishwanath & Sons", Drama. IND 2026, 161 Minuten, ab 14. August im Kino

"Batwara 1947"
Indien, 1947: Die Teilung des Landes treibt Millionen Menschen in die Flucht. Sikander Mirza (Sunny Deol) zieht mit seiner Familie in ein verlassenes Haus in Lahore – und trifft dort auf eine alte hinduistische Frau (Shabana Azmi), die sich weigert, ihre Heimat zu verlassen.

"Batwara 1947", Historiendrama. IND 2026, 145 Minuten, ab 14. August im Kino

Christian Klosz
Akt. 13.08.2026 04:48 Uhr