Thomas Markle Sr., der Vater von Meghan, der Ehefrau des britischen Prinzen Harry, soll "hunderte" Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauch besessen haben. Meghan selbst will von den Vorwürfen seit 8 Jahren gewusst haben. Ein Fall mit vielen Fragezeichen.

Karton um Karton wird aus einem Wohnhaus in Cebu City, der zweitgrößten Stadt der Philippinen, getragen. Ermittler der philippinischen Strafverfolgungsbehörden sichern elektronische Geräte und Unterlagen. Darauf sollen sich Darstellungen von sexuellem Missbrauch von Kindern befinden, die Rede ist von hunderten, vielleicht auch tausenden Bildern.
Sie sollen dem US-Amerikaner Thomas Markle Senior gehören. Der 82-Jährige ist der Vater von Meghan Markle, der Ehefrau des britischen Prinzen Harry, Duchess of Sussex und Schwägerin von Thronfolger Prinz William. Aus einem lange schwelenden Familiendrama ist damit binnen weniger Tage ein Fall geworden, der Polizei, Justiz, internationale Behörden und Öffentlichkeit auf mehreren Kontinenten beschäftigt, berichten führende britische Medien, darunter die Times und BBC.
Denn in der öffentlichen Wahrnehmung galt Meghan Markle lange Zeit als die kalte Tochter, die ihren Vater aus ihrem Leben ausgeschlossen hatte und sogar verhinderte, dass er seine Enkelkinder sehen konnte. Nun steht plötzlich eine ganz andere Frage im Raum: Was ist an den schweren Vorwürfen gegen Thomas Markle Sr. dran? Und sind sie der wahre Grund, weshalb seine Tochter über viele Jahre lang so konsequent Abstand von ihm hielt?
Was man bislang über die Vorwürfe gegen den 82-Jährigen weiß, wie Meghan darauf reagiert hat und weshalb die ganze Geschichte auf allen Seiten einen seltsamen Beigeschmack hat – das ist über die Affäre bis jetzt bekannt:

Worum geht es?
Gegen Thomas Markle Sr., den Vater von Meghan, wird auf den Philippinen wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt. Auslöser war laut mehreren Berichten eine Anzeige seines Sohnes Thomas Markle Jr. Dieser sagt, er habe in Umzugskartons und auf Geräten seines Vaters belastendes Material gefunden und es den Behörden gemeldet.
Was ist gesichert und was nicht?
Gesichert ist, dass philippinische Behörden Ermittlungen bestätigt haben. Bestätigt ist auch, dass die Metropolitan Police in London 2019 ein Schreiben mit Vorwürfen zu angeblichen Taten außerhalb Großbritanniens erhielt. Nicht belegt sind bisher die konkreten Vorwürfe selbst; Thomas Markle Sr. bestreitet sie vehement.
Was wird Thomas Markle Sr. konkret vorgeworfen?
Im Raum stehen Vorwürfe, er habe Missbrauchsdarstellungen von Kindern besessen. Berichte sprechen von Hunderten, teils sogar mehr Bildern und Videos auf Handy, Computern und weiteren Datenträgern. Dazu kommt der Verdacht, dass sich in sichergestelltem Material auch weitere belastende Inhalte befinden könnten. Ob das alles den Tatsachen entspricht und auch strafrechtlich haltbar ist, müssen nun die Ermittlungen klären.
Was sagt Thomas Markle Sr. dazu?
Er weist die Anschuldigungen zurück. Zur britischen Daily Mail sagte er: "Ich bin schockiert, verletzt und sehr aufgebracht, dass mein Sohn solche Anschuldigungen gegen mich erhebt." An anderer Stelle werden die Vorwürfe von ihm auch als "kranke Lügen" zurückgewiesen. Er bestreitet zudem, in den letzten anderthalb Jahren überhaupt Zugriff auf manche der Geräte gehabt zu haben.
Welche Rolle spielt Meghans Halbbruder?
Thomas Markle Jr. sagt, er habe das Material im früheren Zuhause seines Vaters auf den Philippinen gefunden, es inventarisiert und Polizei sowie FBI informiert. Sein Motiv sei dieses gewesen: "Als ich dieses Material fand, war ich entsetzt, und mir blieb keine andere Wahl, als meinen Vater zu melden." Wie real diese Darstellung der Ereignisse tatsächlich ist, ist Teil der laufenden Ermittlung.
Gibt es Zweifel an dieser Darstellung?
Ja. Thomas Markles ältere Tochter, Samantha Markle, wies die Anschuldigungen gegen ihren Vater zurück und beschuldigte wiederum ihren Bruder, sie erfunden zu haben, wie der Telegraph berichtet. Sie vermute vielmehr, dass ihr Bruder aus Verbitterung über den Verlust finanzieller Unterstützung durch den Vater handelte. Und sie brachte die Möglichkeit einer Manipulation der Geräte ins Spiel.

Wie stehen Thomas Markle Jr. und Samantha Markle zu Meghan?
Sie sind beide ihre Halbgeschwister aus einer früheren Ehe von Thomas Markle Sr., die zwischen 1964 und 1975 bestand.
Was geschah danach?
1979 heiratete er Meghans Mutter Doria Ragland, Meghan wurde 1981 geboren. Die Ehe hielt bis 1987. Ab 1990 lebte Meghan primär bei ihrem Vater, der als Beleuchter in einem Hollywood-Studio arbeitete. Er finanzierte ihre Privatschule und nahm sie immer wieder mit an seine Sets, was in dem Mädchen den Wunsch, Schauspielerin zu werden, wachsen ließ. Noch 2017, als sie bereits mit Harry verlobt war, sprach Meghan sehr positiv über Ihre Eltern, die sich auch nach der Scheidung freundschaftlich verbunden blieben. "Ich habe meine Eltern nie streiten sehen. Wir sind immer noch zusammen in den Urlaub gefahren", berichtete sie der Vanity Fair.
Wie hat Meghan auf die Nachricht der Ermittlungen reagiert?
Sie erklärte am Freitag, sie sei 2018 über "beunruhigende Vorwürfe" gegen ihren Vater informiert worden, denen zufolge dieser Bilder und Videos von sexualisiertem Kindesmissbrauch besessen haben soll. Sie reagierte damit auf einen Bericht der Sun über entsprechende Vorwürfe gegen Thomas Markle Sr. Die Herzogin gab zudem ihrer "tiefen Bestürzung" Ausdruck.
Warum ist Meghans Reaktion so bemerkenswert?
Meghan äußert sich in den letzten Jahren zu ihrem Vater nur selten öffentlich, diesmal aber ungewöhnlich deutlich. Sie erklärte: "Die Nachrichten, die in den vergangenen 24 Stunden ans Licht gekommen sind, erschüttern mich zutiefst. Meine Gedanken sind bei allen Kindern, die möglicherweise zu Schaden gekommen sind."
Hat Meghan noch Kontakt mit ihrem Vater?
Nein, sie hat – jedenfalls nach offizieller Darstellung – den Kontakt bereits vor Jahren abgebrochen. Lange Jahre herrschte Rätselraten über diesen rigorosen Schritt der heute 45-Jährigen, denn bis zu ihrer Hochzeit mit Prinz Harry im Mai 2018 bezeichnete sie das Verhältnis zu ihrem Vater als durchaus eng. Zwei Tage vor der Trauung wurde damals schließlich bekannt, dass Thomas Markle seine Tochter nicht zum Altar führen würde, er hätte kurz zuvor einen Herzinfarkt erlitten. Seither schien das Verhältnis zwischen Vater und Tochter massiv gestört zu sein.
Warum brach Meghan den Kontakt zu ihrem Vater ab?
Nach ihrer jetzigen Darstellung hänge die Distanz seit Jahren mit Sorge um ihre Kinder zusammen. Sie sagte: "Ich hoffe, dass nun verstanden wird, dass es trotz der verzerrten Darstellungen in einigen Medien über die Jahre hinweg nur einen Grund für meine Distanz zu meinem Vater und meine Entscheidung gab, ihm keinen Kontakt zu unseren Kindern zu ermöglichen: ihren Schutz." Sie erklärt ihr Verhalten also als Schutzmaßnahme für ihre 2019 und 2021 geborenen Kinder.
Wusste Meghan also tatsächlich schon früher von den Vorwürfen gegen ihren Vater?
Ja. Die britische Metropolitan Police hat mittlerweile bestätigt, im Jänner 2019 ein Schreiben mit mehreren Vorwürfen gegen Meghans Vater erhalten zu haben, das an die Schutzeinheit für das Königshaus ging. Meghan erklärte, ihr sei damals versichert worden, dass gegen ihn ermittelt werde. Beim Zeitpunkt, wann sie über diesen Brief informiert worden ist, gibt es offenbar eine Abweichung von einigen Monaten, die ihr Umfeld mit dem langen Zeitablauf erklärt.
Ermittelte die Londoner Polizei gegen Thomas Markle Sr. oder gab sie das Schreiben an andere Behörden weiter?
Nein. Wie die Metropolitan Police mittlerweile einräumen musste, sei sie mangels Zuständigkeit damals nicht aktiv geworden. Sie habe das Schreiben zwar an das Büro von Harry und Meghan weitergeleitet, aber nicht an andere Strafverfolgungsbehörden, etwa das amerikanische FBI – immerhin ist Thomas Markle Sr. US-Staatsbürger. Scotland Yard überprüft inzwischen das damalige Vorgehen der Metropolitan Police auf seine Rechtmäßigkeit.
Weiß man, von wem der Brief mit den Anschuldigungen damals stammte?
Nein, dazu ist bislang überhaupt nichts bekannt geworden. Auffällig ist allerdings die Tatsache, dass dieses Schreiben offenbar kurz nach der Hochzeit von Harry und Meghan einging, es aber danach nie wieder ähnliche Hinweise oder Anschuldigungen gegeben hat.
Welche Behörden ermitteln jetzt?
Federführend sind Behörden auf den Philippinen, darunter eine Einheit gegen Menschenhandel sowie sexuellen Missbrauch und Ausbeutung von Kindern im Internet. Laut Berichten haben auch US-Behörden Unterstützung angeboten; das FBI will nach eigenen Angaben helfen, soweit es angebracht ist, und mögliche Verstöße gegen US-Recht prüfen. Zudem wurde das nationale Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder in den USA kontaktiert.
Wo befindet sich Meghans Vater derzeit?
Der 82-Jährige lebt seit einigen Monaten in einer Rehabilitationseinrichtung in Florida, nachdem ihm im Dezember 2025 auf den Philippinen wegen eines Blutgerinnsels der linke Unterschenkel amputiert werden musste.

Was bedeuten die aktuellen Enthüllungen für die Debatte über Meghan?
Die neue Entwicklung verschiebt den Blick auf einen alten Vorwurf: dass Meghan ihren Vater herzlos aus ihrem Leben gedrängt habe. Nun erscheint zumindest möglich, dass ihre Distanz andere Gründe hatte als bloße Familienkälte. Gleichzeitig gilt auch hier: Solange die Vorwürfe nicht belegt sind, bleibt vieles im Bereich schwerer Anschuldigungen und familiärer Gegendarstellungen.
Wie geht es jetzt weiter?
Entscheidend werden die Auswertung der sichergestellten Geräte, digitale Spurensicherung und die Frage sein, wem das Material zuzuordnen ist. Ebenso wichtig ist, ob sich aus den Ermittlungen konkrete Straftaten und ein zuständiger Gerichtsstand ableiten lassen. Bis dahin bleibt der Fall ein Gemisch aus sehr ernsten Vorwürfen und einem familiärem Zerwürfnis vor royalem Hintergrund.