Ein hervorragend erhaltenes T-Rex-Skelett hat in der Nacht auf Mittwoch bei einer Auktion in New York alle Rekorde gebrochen. Das 67 Millionen Jahre alte Fossil namens "Gus" wurde für über 50 Millionen Dollar verkauft. Wer sich darüber freut – und wer weniger.

Sieben Bieter lagen miteinander im Clinch. Am Ende zahlte ein anonymer Käufer mehr als je zuvor für ein Stück urzeitlicher Geschichte: 50,1 Millionen Dollar für ein Skelett, das vor 67 Millionen Jahren durch die Landschaft des heutigen South Dakota streifte.
Der Tyrannosaurus Rex mit dem Spitznamen "Gus" ist nun das teuerste je versteigerte Dinosaurier-Fossil der Welt, berichtet die BBC. Doch die Versteigerung beim Auktionshaus Sotheby's in New York hat nicht nur Sammler elektrisiert, sondern wirft auch Fragen auf.
Zuallererst natürlich, wer tatsächlich bereit ist, den Gegenwert einer 50-Meter-Luxusjacht in einen Haufen alter Knochen zu investieren – und wozu. Aber in Zeiten von Multimilliardären wie Elon Musk ist das wahrscheinlich müßig. In diesen Kreisen werden für Hochzeits- oder sonstige Feiern höhere Summen ausgegeben, als nun für das Dinosaurier-Fossil gezahlt wurde.
Wesentlich bedeutender ist da schon, ob es überhaupt erlaubt sein sollte, derart relevante Funde in private Hände zu geben – und somit schlimmstenfalls für die Wissenschaft unzugänglich zu machen. Oder ob solch einzigartige Stücke nicht der Forschung – und damit dem Nutzen der gesamten Menschheit – vorbehalten sein sollten.

Was man über die umstrittene Fossilien-Auktion weiß, wo bisher der Höchstpreis für ein Dinosaurier-Skelett lag und weshalb der versteigerte T-Rex überhaupt "Gus" heißt – das ist über die Millionen-Auktion in New York bekannt:
Was genau wurde versteigert?
Bei "Gus" handelt es sich um ein außergewöhnlich gut erhaltenes, etwa 67 Millionen Jahre altes T-Rex-Skelett, so die BBC. Über 60 Prozent der Knochen sind erhalten, was ihn zu einem der vollständigsten Exemplare seiner Art macht. Das Fossil ist mehr als vier Meter hoch und wurde zwischen 2021 und 2023 auf einer abgelegenen Ranch in South Dakota ausgegraben.
Was war der bisherige Rekordpreis?
Der vorherige Rekord lag bei einem Stegosaurus namens "Apex", der 2024 für 44,6 Millionen Dollar versteigert wurde.


Wer hat das Fossil gekauft?
Der neue Besitzer ist bisher nicht bekannt. Der Käufer hat seine Identität nicht offengelegt, was bei solchen hochpreisigen Auktionen allerdings vollkommen üblich ist. Der Vorbesitzer des 44,6-Millionen-Stegosaurus "Apex", der Milliardär Kenneth Griffin, hat sein Exemplar dem American Museum of Natural History für vier Jahre geliehen.
Wurde nur "Gus" versteigert?
Nein, das Skelett war das Top-Lot bei einer Versteigerung von insgesamt 168 Fossilien.
Warum ist das Skelett so wertvoll?
Der Preis spiegelt den enormen Aufwand wider, der in die Bergung und Restaurierung geflossen ist. Die Knochen wurden über drei Sommer hinweg ausgegraben. Danach dauerte es weitere drei Jahre im Labor, um das Skelett zusammenzusetzen. Zudem zeigt das Fossil seltene Details wie Bissspuren am Schädel und verheilte Rippenbrüche.
Was verraten die Verletzungen über das Tier?
Die verheilten Knochenbrüche und Bissspuren deuten darauf hin, dass "Gus" zu Lebzeiten Kämpfe überstand. Diese könnten bei Auseinandersetzungen mit anderen Dinosauriern entstanden sein. Solche Details machen das Fossil für die Wissenschaft besonders interessant.

Warum steigen die Preise so stark?
Dinosaurier-Skelette sind zu begehrten Sammlerstücken für Superreiche geworden. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Fossilien für Millionensummen versteigert. Manche Experten sprechen von einer neuen Ära im Fossiliensammeln durch die Ultra-Reichen.
Was sagen Wissenschafter dazu?
Viele Paläontologen sehen die Entwicklung kritisch. Sie argumentieren, dass wissenschaftlich wertvolle Skelette in Museen gehören, wo sie erforscht werden können. Die hohen Preise machen es für wissenschaftliche Institutionen jedoch praktisch unmöglich, bei Auktionen mitzubieten, schreibt der Guardian.
Kann das Skelett trotzdem erforscht werden?
Das hängt vom Käufer ab. Wenn private Besitzer ihre Fossilien an Museen verleihen, bleibt die Forschung möglich. Der Milliardär Kenneth Griffin etwa hat seinen Stegosaurus einem Museum zur Verfügung gestellt. Ob der neue Besitzer von "Gus" ähnlich handelt, ist offen.
Wie werden solche Fossilien überhaupt gefunden?
Die meisten spektakulären Funde stammen aus bestimmten Regionen der USA, besonders aus South Dakota, Montana und Wyoming. Dort treten die richtigen Gesteinsschichten an die Oberfläche. Private Fossiliensucher und Rancher entdecken die Knochen oft zufällig und verkaufen ihre Fundrechte weiter.
Ist der Handel mit Fossilien legal?
In den USA ist der Handel mit Fossilien von privatem Land grundsätzlich erlaubt. Anders sieht es bei Funden auf öffentlichem Grund aus, die dem Staat gehören. In vielen anderen Ländern, darunter auch Österreich, gelten strengere Regeln für paläontologische Funde.

Werden die Preise weiter steigen?
Experten gehen davon aus, dass Dinosaurier-Skelette weiterhin Rekordpreise erzielen werden. Die Kombination aus Seltenheit, wissenschaftlichem Wert und dem Prestige, ein solches Stück zu besitzen, treibt die Nachfrage. Das nächste Rekord-Fossil könnte nur eine Auktion entfernt sein.
Und wieso heißt der T-Rex – oder was von ihm übrig blieb – "Gus"?
Gary "Gus" Licking war der Eigentümer jener Farm in South Dakota, auf der das Skelett entdeckt worden war. Er verkaufte die Ausgrabungs- und Versteigerungsrechte an ein darauf spezialisiertes Unternehmen und wurde so zum Namenspatron des Dinos. Unglücklicherweise verstarb "Gus" Licking, bevor der T-Rex vollständig ausgegraben war. So konnte er den Auktionserfolg des Fossils nicht mehr miterleben.