Der Präsident hat die letzte Zeit damit verbracht, das Oval Office mit Gold-Applikationen und Nippes in einen ästhetischen Albtraum zu verwandeln. Damit das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, hat er eine Executive Order erlassen. Die Bilder, die Gründe.

Gold, wohin das Auge blickt: Goldene Bilderrahmen, goldene Vasen, goldene Spiegel und eine große goldene Plakette mit dem Schriftzug "The Oval Office" an der Außenwand. So präsentiert sich das berühmteste Büro der Welt in der zweiten Amtszeit von Donald Trump. Doch damit nicht genug – der US-Präsident will diesen Zustand nun für die Ewigkeit festschreiben.
Mitten im politischen Trubel nach den Midterm-Wahlen hat Trump eine überraschende Executive Order unterzeichnet, berichtet die BBC. Das Dekret erklärt das Oval Office samt angrenzenden Räumen zum nationalen Monument. Damit sollen künftige Präsidenten daran gehindert werden, Veränderungen am Amtssitz vorzunehmen – ausgerechnet, nachdem Trump selbst drastische Umbauten vorgenommen hat. Und zwar, ohne den Kongress, der diese eigentlich hätte genehmigen müssen, zuvor einzubeziehen.
Wie Trump unermüdlich daran arbeitet, allem und jedem seinen Stempel aufzudrücken, was Experten von seinen diversen "Verschönerungsmaßnahmen" halten und wie sehr künftige Präsidenten tatsächlich an seine Executive Order gebunden sind – so verbringt der Präsident der USA nach einer der schlimmsten Wahlschlappen der letzten Jahrzehnte derzeit seine Zeit:




Was genau hat Trump unterzeichnet?
Eine Executive Order, also ein präsidiales Dekret, das das Oval Office und einige umliegende Räume, vor allem den ebenfalls von ihm mit neuen Kronleuchtern behübschten Kabinetts-Sitzungssaal, zum "National Monument" erklärt. Solche Monumente sind vergleichbar mit Nationalparks und unterliegen besonderen Schutzbestimmungen. Die Pflege soll künftig dem National Park Service obliegen – und zwar "in perpetuity", also für alle Zeit.
Was bedeutet das für künftige Präsidenten?
Trump will erreichen, dass seine Nachfolger keine wesentlichen Änderungen mehr am Oval Office vornehmen können. Die Order sieht vor, dass der aktuelle Zustand erhalten bleiben soll. Allerdings ist fraglich, ob ein künftiger Präsident diese Order nicht einfach wieder aufheben kann – Executive Orders haben keine Gesetzeskraft.
Was hat Trump am Oval Office verändert?
Der ehemalige Immobilienmogul hat den Look des Präsidentenbüros während seiner zweiten Amtszeit drastisch verändert. Auffälligstes Merkmal: überall Gold. Goldene Porträts, goldene Spiegel, goldene Wanddekorationen, goldene Vasen auf einem goldverzierten Kamin. Vor dem Büro prangt eine neue goldene Tafel mit der Aufschrift "The Oval Office". Spötter meinen allerdings, dass die für diesen Schriftzug verwendete Schriftart eher zu einem Golfplatz in Florida als zum Weißen Haus passen würde.
Wie passen die von Trump initiierten Änderungen am Oval Office zum Stil des restlichen Gebäudes?
Im Grunde kaum bis gar nicht. Das Weiße Haus wurde ab dem Jahr 1792 vor allem im Bestreben errichtet, sich auch optisch von der Ästhetik der europäischen Herrscherhäuser zu unterscheiden, von denen sich die USA erst kurz zuvor losgesagt hatten. Der erste Präsident der USA, George Washington, verlangte für sein damaliges Amtshaus ausdrücklich eine schlichte, ordentliche und nicht extravagante Gestaltung sowie eine zurückhaltende Ausstattung, schreibt die Washington Post. Trump ließ nun nachträglich Goldornamente an zuvor glatte Wände klatschen, ohne auf den ästhetischen und architektonischen Gesamtkontext Rücksicht zu nehmen. Böse Zungen würden das vielleicht "neureich" nennen.
Weshalb macht Trump das überhaupt?
Weil es seinem Verständnis vom Amt und Ansehen des amerikanischen Präsidenten entspricht. Er sieht das Amt als Fortsetzung des Stils römischer Cäsaren oder des französischen Königs Ludwig XIV. Nicht umsonst wird Trump in US-Medien öfter als "neuer Sonnenkönig" bezeichnet – so wird bis heute der französische Herrscher bezeichnet. Wenn ihn der Secret Service ließe, würde er wahrscheinlich auch im Vierspänner durch Washington fahren, mit einem Lorbeerkranz auf dem Kopf.
Und was wollten die amerikanischen Gründerväter?
Sie sahen das "Projekt USA" als bewussten Gegenentwurf zum Prunk der Könige und Kaiser in der Alten Welt. Dazu gehörte auch, dass die Autorität des Präsidentenamtes gerade nicht durch die Menge an Gold und Dekoration vermittelt worden ist, die man vor sich hertrug, sondern durch die Institution selbst.


Was ist eigentlich mit dem East Wing des Weißen Hauses passiert?
Trump hat den gesamten Ostflügel des Weißen Hauses abreißen lassen. Das Projekt war nicht vom Kongress genehmigt worden und sieht sich rechtlichen Anfechtungen ausgesetzt. Dennoch wird weitergebaut – anstelle des historischen Gebäudetrakts soll ein neuer Ballsaal entstehen. Am Tag nach den Kongresswahlen wurde der letzte Stahlträger im Beisein Trumps eingesetzt, der Präsident signierte das Teil zuvor noch, so wie die meisten der Bauarbeiter. Einmal Bauherr, immer Bauherr.
Ist das Weiße Haus nicht ohnehin denkmalgeschützt?
Ja, das gesamte Gebäude ist bereits als "National Historic Landmark" ausgewiesen, was eigentlich vor plötzlichen Veränderungen schützen soll. Der Kongress hat allerdings eine Ausnahme geschaffen, die Präsidenten notwendige Änderungen ermöglicht. Trump argumentiert, dass zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig seien. Unter dem Ballsaal soll ein militärischer Bunker errichtet worden sein.
Wird der neue Ballsaal ebenfalls so gülden wie das Oval Office?
Noch viel mehr. Auf den Plänen und Renderings ist zu sehen, dass der Ballsaal, der mehr als 1.000 Menschen Platz bieten soll, über und über in Gold und Kristall erstrahlen soll. Der berühmte Spiegelsaal von Schloss Versailles bei Paris soll dafür als Vorbild herhalten. Versailles gilt als Höhepunkt barocker Baukunst und wurde übrigens nach den Wünschen von "Sonnenkönig" Ludwig XIV. gestaltet.
Seit wann gibt es das Oval Office?
Das aktuelle Oval Office existiert seit den frühen 1930er-Jahren. Es wurde unter Präsident Franklin D. Roosevelt konzipiert und ist seitdem das symbolträchtige Zentrum der amerikanischen Exekutive. Frühere Präsidenten haben durchaus Änderungen vorgenommen – etwa an Vorhängen, Teppichen, Möbeln oder den Bildern. Aber keiner hat bisher den optischen Gesamteindruck des Raumes so sehr verändert wie Trump. Und dabei auch aus dem historischen Kontext gerissen.
Was sagen Experten zu der Executive Order?
Greg Werkheiser von der auf Denkmalschutz spezialisierten Kanzlei Cultural Heritage Partners nennt die Anordnung "heuchlerisch". Er argumentiert, dass temporäre Änderungen wie Vorhänge oder Porträts auch unter Denkmalschutz durchaus erlaubt seien. Die Trump-Regierung habe hingegen selbst Missachtung gegenüber anderen historischen Stätten in Washington gezeigt.
Welche rechtlichen Bedenken gibt es?
Werkheiser zufolge hat die Trump-Administration durch Klagen versucht, jene Gesetze zu untergraben, die den Denkmalschutz vorschreiben. Dass ausgerechnet diese Regierung nun den Denkmalschutz für ihre eigenen Änderungen in Anspruch nimmt, wird als widersprüchlich kritisiert.





Was hat Trump selbst zu den Änderungen gesagt?
Der Präsident behauptet, das Weiße Haus und das Oval Office seien vor seinen Änderungen renovierungsbedürftig gewesen. Allerdings waren die meisten seiner Veränderungen rein kosmetischer und nicht struktureller Natur. Trump kündigte sogar an, das Oval Office müsse möglicherweise aus Sicherheitsgründen auf Anraten des Secret Service abgerissen werden.
Wäre es dann nicht widersinnig, jetzt alles mit Gold zu schmücken, wenn es wirklich "abgerissen" werden soll?
Natürlich, und kein vernünftiger Mensch würde so vorgehen, sondern zuerst die nötigen Umbauarbeiten durchführen, ehe er an die Umgestaltung der Optik geht. Aber solche Fragen stellt im Umfeld des Präsidenten inzwischen ohnehin niemand mehr.
Wie reagieren die Demokraten auf Trumps Vorstoß?
Die Opposition kritisiert Trumps Umgestaltungen scharf. Ex-Präsident Barack Obama sagte, die goldenen Veränderungen hätten dem Weißen Haus geschadet. Die Demokraten machten auch dieses Thema im Midterm-Wahlkampf zum Streitpunkt. Die Republikaner erlitten bekanntermaßen eine deutliche Niederlage.
Was plant Trump sonst noch in Washington?
Wie lange haben wir Zeit? Der Präsident hat aktuell mehrere Großprojekte am Laufen, und alle sind massiv umstritten. Es wird nach wie vor am sogenannten Reflecting Pool vor dem Lincoln Memorial gewerkt, nachdem eine Millionen Dollar teure Renovierung im Sommer blamabel daneben gegangen ist. Das Kennedy-Kulturcenter ist derzeit gesperrt, weil Trump es nicht nach sich selbst benennen darf und deshalb jetzt mit Abriss droht – wegen angeblicher Baufälligkeit.
Noch was?
Ein ehemals für die breite Öffentlichkeit zugänglicher Golfplatz am Potomac-Fluss wird nach dem Wünschen des Präsidenten umgestaltet, wofür hunderte Bäume gefällt wurden. Und alles "überstrahlt" nach wie vor der riesige, 76 Meter hohe Triumphbogen, den Trump in einem Kreisverkehr errichten lassen möchte. Dagegen hatten zuletzt u.a. die Stadt Washington sowie der Bundesstaat Virginia geklagt. Eine Richterin hat dem Projekt deshalb nun eine zweiwöchige Zwangspause verordnet, um dessen Rechtmäßigkeit festzustellen.
Zurück zum Oval Office: Kann ein Nachfolger die Executive Order eigentlich rückgängig machen?
Grundsätzlich ja. Executive Orders können von nachfolgenden Präsidenten aufgehoben oder abgeändert werden. Die rechtliche Bindungswirkung solcher Dekrete ist begrenzt, sofern der Kongress keine entsprechenden Gesetze verabschiedet. Trumps Versuch, sein goldenes Vermächtnis zu schützen, könnte also von recht kurzer Dauer sein.