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Neu im Kino

Wie ein Alien und ein Lehrer die Menschheit retten wollen

In "Der Astronaut – Project Hail Mary" spielt Ryan Gosling einen genialen, aber verpeilten Lehrer, der ins All geschossen wird. Dort trifft er ein spinnenartiges Alien, mit dem er die Menschheit retten will. Klingt haarsträubend, ist aber sehenswert – diese Woche neu im Kino!

"So, wie funktioniert jetzt also ein Raumschiff?" – Lehrer und Mikrobiologe Ryland Grace (Ryan Gosling) in "Der Astronaut – Project Hail Mary"
"So, wie funktioniert jetzt also ein Raumschiff?" – Lehrer und Mikrobiologe Ryland Grace (Ryan Gosling) in "Der Astronaut – Project Hail Mary"Sony Pictures
Christian Klosz
Akt. 18.03.2026 23:22 Uhr

Wissen Sie noch, wer Mark Watney war? Das war jener arme Kerl, der von seinen Astronauten-Kollegen auf dem Mars vergessen wurde und dann zwei Jahre lang nur Kartoffeln zu essen bekam, ehe er vom Roten Planeten wieder abgeholt werden konnte.

Der Film von Regie-Legende Ridley Scott ("Alien", "Blade Runner") mit Matt Damon als Watney war einer der größten Kino-Erfolge des Jahres 2015 und basierte auf dem Erstlingsroman eines gewissen Andy Weir, einem schriftstellerisch hochbegabten Tech-Nerd, dem hier gleich mit seinem Buchdebüt sein Opus Magnum gelang.

"Der Marsianer" zeichnet sich nicht nur durch die frische Idee und den gelungenen Spannungsaufbau aus, sondern vor allem dadurch, dass Autor Andy Weir sämtliche wissenschaftlichen Fakten für den Roman akribisch recherchierte. Er wollte, dass jedes Detail in seinem Buch tatsächlich technisch machbar ist und so passieren könnte, wie er es schildert. Lohn für die Mühe: Mehr als fünf Millionen verkaufte Exemplare – und die Hypothek, dass fortan jedes neue Buch von ihm am Erfolg von "Der Marsianer" gemessen wird.

Mit "Der Astronaut – Project Hail Mary" kommt nun diese Woche die Verfilmung von Andy Weirs drittem Roman in die Kinos. Wieder geht es um einen smarten Typen, der sich alleine im Weltall wiederfindet – und doch ist alles anders als beim "Marsianer".

Ob realistische oder schrille Science-Fiction, Bestsellerautor Andy Weir hat den "Magic Touch", was Weltraumthemen anbelangt
Ob realistische oder schrille Science-Fiction, Bestsellerautor Andy Weir hat den "Magic Touch", was Weltraumthemen anbelangt
Jonathan Olley

Der Lehrer und Mikrobiologe Ryland Grace (Ryan Gosling) ist allein in einem Raumschiff zu einem zehn Lichtjahre entfernten Sternensystem unterwegs. Dort soll er ein Mittel finden, das die heimische Erde vor dem Untergang rettet. Und um seine Aufgabe erfüllen zu können, tut sich der Lehrer mit einem spinnenartigen Alien zusammen, das er zufällig trifft.

Das klingt Lichtjahre entfernt von der realistischen Eindringlichkeit von "Der Marsianer" – und trotzdem funktioniert "Der Astronaut" genauso gut wie die Mars-Saga. Offenbar hat Vorlagen-Autor Andy Weir einen "Magic Touch", was das Geschichtenerzählen betrifft.

Außerdem diese Woche neu im Kino: Das gar nicht so dramatische Beziehungsdrama "Is That Thing On?" von Regie-Wunderknabe Bradley Cooper und die von niemandem mehr erwartete Fortsetzung des 80er-Jahre-Thrillers "Verfluchtes Amsterdam", der als einer der besten Serienkiller-Filme aus europäischer Produktion gilt. Ihnen allen eine spannende Kino-Woche!

ESA-Chefin Eva Stratt (Sandra Hüller) holt sich "ihren Astronauten" direkt aus dem Klassenzimmer
ESA-Chefin Eva Stratt (Sandra Hüller) holt sich "ihren Astronauten" direkt aus dem Klassenzimmer
Sony Pictures

"Der Astronaut – Project Hail Mary"

Worum es geht Der innovative, als Lehrer tätige Molekularbiologe Ryland Grace (Ryan Gosling) wacht ohne Erinnerungen und ohne zu wissen, wo er sich befindet, an Bord eines Raumschiffs auf. Wie sich herausstellt, befand er sich zehn Jahre in künstlichem Tiefschlaf, nun ist er Lichtjahre von der Erde entfernt im Tau-Ceti-System. Der Rest der Schiffsbesatzung ist tot.

Schritt für Schritt rekonstruiert Grace, dass er Teil einer verzweifelten Rettungsmission ist: Die Erde steht vor einer globalen Katastrophe, ein rätselhafter Mikroorganismus, die sogenannte Astrophage, entzieht der Sonne Energie und droht, das Klima unseres Planeten drastisch abzukühlen. Um das Überleben der Menschheit zu sichern, wurde er von der ESA unter Leitung von Eva Stratt (Sandra Hüller) auf eine Reise in das einzige Sternensystem geschickt, in dem dieses Phänomen nicht auftritt.

Dort angekommen, macht Grace eine unerwartete Entdeckung: Er trifft auf ein spinnenartiges, augenloses Alien, mit dem er trotz aller Unterschiede eine ungewöhnliche Zusammenarbeit eingeht, um die Erde zu retten …

Lohnt sich das? "Der Astronaut" startet mit einer riesigen Hypothek an zu erfüllenden Erwartungen: Der Debüt-Trailer des Films verzeichnete innerhalb der ersten Woche 400 Millionen Aufrufe, was ein All-Time-Record ist. Außerdem war es der meistgesehene Trailer des MGM/Amazon-Studios, das nach dem "Melania"-Desaster und dem Oscar-Fail (Null Nominierungen!) einen Erfolg dringend nötig hat. Und die Aussichten dafür stehen nicht so schlecht.

Erste Kritiken attestieren dem Film, eine gelungene Mischung aus Sci-Fi, tiefschürfendem Weltuntergangsepos und Drama mit Herz sowie einer wichtigen Message geworden zu sein: Nämlich ein filmischer Weckruf an die gespaltene Menschheit. Immerhin erzählt "Der Astronaut" auch von der ungewöhnlichen Freundschaft und Kooperation zwischen zwei völlig unterschiedlichen Spezies, die ihre kollektive Intelligenz für ein gemeinsames Ziel einsetzen.

Die Erwartungen an Ryland sind riesig – immerhin hängt die Zukunft der Erde von seiner Mission ab
Die Erwartungen an Ryland sind riesig – immerhin hängt die Zukunft der Erde von seiner Mission ab
Sony Pictures

Außergewöhnlich ist dabei, dass die beiden Regisseure Phil Lord und Chris Miller das an sich schwer existentialistische Thema stellenweise mit unerwarteter Leichtigkeit als "Buddy-Comedy" inszenieren, wobei die Buddies hier ein nerdiger Lehrer und ein spinnartiges Alien sind. Unerwartet ist die Albernheit nicht: Die beiden Filmemacher waren bisher in erster Linie für ihre Animationsfilme bekannt, darunter der Kultfilm "LEGO Batman Movie".

Die Geschichte basiert auf Andy Weirs Roman "Project Hail Mary" aus 2021, der sich wochenlang auf der Bestsellerliste der New York Times hielt und als Nachfolger von "Der Marsianer" gilt, der bereits vor gut zehn Jahren von Ridley Scott sehre erfolgreich verfilmt wurde. Auf der Bewertungsplattform IMDb hält "Der Astronaut" übrigens bei überragenden 8,7 von 10 Sternen, seit Ewigkeiten der höchste Wert für einen Mainstream-Film.

"Der Astronaut – Project Hail Mary", Science-Fiction. USA 2026, 156 Minuten, ab 20. März im Kino

Haben sich auseinandergelebt: Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) in "Is This Thing On?"
Haben sich auseinandergelebt: Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) in "Is This Thing On?"
Disney

"Is This Thing On?"

Worum es geht Die Ehe von Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) steht vor dem Ende: Emotional haben sie sich schon weit voneinander entfernt, nun geht es darum, die bittere Wahrheit ihren beiden zehnjährigen Söhnen, der Familie und Freunden mitzuteilen.

Was genau in der 25-jährigen Beziehung schief gelaufen ist, können selbst Alex und Tess schwer sagen: Es gab keinen Betrug, kein Fremdgehen, keine dunklen Geheimnisse – man hat sich wohl einfach irgendwie auseinandergelebt.

Beim Versuch, sich mit der neuen Situation anzufreunden, landet Alex eines betrunkenen Abends alleine in einer Stand-Up-Comedy-Bar. Er lässt sich spontan auf die Auftritts-Liste setzen und beginnt zu erzählen, wie es ihm geht, ehrlich, humorvoll, authentisch.

Das Publikum mag ihn und für ihn werden die Abende in den Comedy-Clubs der Stadt zum Fixpunkt, zu selbst-therapeutischen Auszeiten von seinem Trennungs-Alltag. Indes nimmt Tess ihre früher aufgegebene Karriere als Volleyball-Coach wieder auf. Beide schlagen neue Wege ein, folgen ihren inneren Impulsen. Wird am Ende genau das sie wieder zusammenführen?

Lohnt sich das? Bradley Coopers dritte Regiearbeit nach "A Star is Born" und "Maestro" ist jene mit der bisher geringsten Aufmerksamkeit und die Erste, die ohne Award-Nominierungen auskommen musste. Es ist auch die Erste, in der Cooper nicht selbst die Hauptrolle spielt, sondern sein Freund Will Arnett. Die Geschichte basiert lose auf dem Leben des englischen Comedian John Bishop.

Man kann "Is This Thing On" als durchaus etwas selbstverliebt bezeichnen, ein Vorwurf, der Cooper auch bei seinen vorigen Filmen gemacht wurde: Wer schreibt und inszeniert sich schon selbst in einer ikonischen Hauptrolle als Held? Außer Clint Eastwood darf und kann das keiner. Diesmal spielt zwar ein anderer die Hauptfigur, der allerdings große Ähnlichkeit mit Bradley Cooper aufweist. Auch der Regisseur übernimmt selbst wieder eine (eher entbehrliche) Nebenrolle, in der er sich selbst (?) spielt.

In Stand-Up-Comedy-Auftritten findet Alex seine Form der Therapie
In Stand-Up-Comedy-Auftritten findet Alex seine Form der Therapie
Disney

"Is This Thing On" ist ein Film der geschliffenen Oberflächen, die Kamera interessiert sich am meisten für die unrealistisch gut gealterten Gesichter der Hauptdarsteller/innen, ist immer nah dran, aber das Ganze wirkt aufgesetzt, mehr als Gimmick und verleiht dem Film nicht die wohl intendierte Intimität. Auch die Tatsache, dass die Hälfte der Handlung in engen, stickigen, schlecht belüfteten Keller-Bars spielt, sorgt weniger für ein Gefühl der Intimität als für eine sehr unangenehme, teils unerträgliche Atmosphäre.

Natürlich ist aber nicht alles schlecht daran: Arnett und Dern machen ihre Sache durchaus überzeugend und als Geschichte über "zweite Chancen" und "Comedy of Remarriage" ist die Sache ganz ansehnlich. Aber auch sehr durchschnittlich. Dass mit "A Star is Born" auch gleich dasselbe Motto für den Regisseur Bradley Cooper ausgerufen wurde, muss vielleicht doch noch einmal revidiert werden …

"Is This Thing On?", Beziehungsdrama, Komödie. USA 2025, 124 Minuten, ab 19. März im Kino

Da sich die beiden grundsätzlich mögen, besteht am Ende vielleicht doch noch eine Chance
Da sich die beiden grundsätzlich mögen, besteht am Ende vielleicht doch noch eine Chance
Disney

Außerdem neu im Kino:

"La Grazia"
In Paolo Sorrentinos ("Ewige Jugend") neuem Film, in dem seine "Muse" Toni Servillo erneut die Hauptrolle übernimmt, geht es um einen (fiktiven) italienischen Präsidenten, der nur noch sechs Monate im Amt hat. Er hadert mit diversen Entscheidungen: Er soll ein neues Gesetz zum Thema Sterbehilfe unterschreiben, das ausgerechnet von seiner Tochter, einer Juristin, ausgearbeitet wurde. Und er hat über zwei komplizierte Gnadengesuche zu entscheiden. Lief in Venedig, wo Servillo als Bester Darsteller ausgezeichnet wurde.

"La Grazia", Drama. Italien 2025, 133 Minuten, ab 19. März im Kino

"The Chronology of Water"
Das Regiedebüt von Schauspielerin Kristen Stewart basiert auf den gleichnamigen Memoiren von Lidia Yuknavitch, die von Imogen Poots gespielt wird. Im Zentrum steht diese als junge Frau, deren Leben von einer schwierigen Kindheit, Suchtproblemen und persönlichen Verlusten geprägt ist. Durch das Schreiben und ihre Leidenschaft für Literatur beginnt sie, ihre Vergangenheit zu verarbeiten und eine eigene (literarische) Stimme zu entwickeln. "The Chronology of Water" erzählt davon in experimenteller, nicht-linearer Form. Seine Premiere feierte der Film 2025 in Cannes, wo die persönliche Handschrift der Neo-Regisseurin gelobt wurde.

"The Chronology of Water", Drama. USA/Frankreich/Lettland 2025, 128 Minuten, ab 20. März im Kino

"DJ Ahmet"
Spielfilmdebüt des Regisseurs Georgi M. Unkovski: Der 15-jährige Ahmet lebt in einem abgelegenen Dorf in Nordmazedonien in einer konservativ geprägten Umgebung. Während von ihm erwartet wird, traditionelle Rollen zu erfüllen, entdeckt er seine Leidenschaft für elektronische Musik. Die wird für ihn zu einem kreativen Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung. Seine Weltpremiere feierte "DJ Ahmet" 2025 beim Sundance Film Festival, wo er sowohl den Publikumspreis als auch einen Spezialpreis der Jury gewann.

"DJ Ahmet", Komödie. Mazedonien/Tschechien/Serbien/Kroatien 2025, 97 Minuten, ab 20. März im Kino

"Asterdamned 2 – Verfluchtes Amsterdam"
Der Thriller spielt 37 Jahre nach den Ereignissen des Originals: Eine neue Serie brutaler Morde erschüttert Amsterdam, deren Spuren immer wieder in die Grachten führen. Eine junge Ermittlerin übernimmt den Fall und erkennt Parallelen zu früheren Verbrechen. Daher bittet sie den inzwischen pensionierten Kommissar Eric Visser (Huub Stapel) um Hilfe, der einst einen ähnlichen Täter jagte. Das späte Sequel zum Kultfilm aus 1988, der als Klassiker des europäischen Thrillerkinos gilt, entstand erneut unter der Regie von Dick Maas.

"Asterdamned 2 – Verfluchtes Amsterdam", Thriller. Niederlande 2026, 110 Minuten, ab 19. März im Kino

"Zwei Staatsanwälte"
Sergey Loznitsa reflektiert in seinem neuen Werk über Macht, Moral und Justiz im Kontext eines autoritären Systems: Im Mittelpunkt seines um 1930 in der stalinistischen Sowjetunion angesiedelten Dramas stehen zwei Staatsanwälte, die mit einem politisch brisanten Fall konfrontiert werden. Während der eine kompromisslos die staatliche Linie vertritt, beginnt der andere, das System und seine eigenen Entscheidungen zu hinterfragen. Premiere feierte "Zwei Staatsanwälte" 2025 in Cannes.

"Zwei Staatsanwälte", Polit-Drama. F/NL/DE/Rumänien/Lettland/Litauen 2025, 117 Minuten, ab 20. März im Kino

"Tierisch abgefahren"
"Speed" als Animationsfilm für Kids: Kurz vor Abfahrt eines Hochgeschwindigkeitszuges aus dem Bahnhof ertönt ein Alarm, der alle Tier-Passagiere aussteigen lässt – bis auf Haustiere. Danach rast der Zug führerlos Richtung Katastrophe. Dahinter steckt ein rachsüchtiger Dachs, der alte Rechnungen begleichen will. Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf dem gerissenen Waschbären Falcon: Er und die anderen Tiere im Zug müssen zusammenarbeiten und gemeinsam versuchen, den Zug zu stoppen, bevor es zu spät ist.

"Tierisch abgefahren", Animations-Komödie. F/USA 2025, 99 Minuten, ab 19. März im Kino

"Mein Freund Barry"
Inspiriert vom wahren Vorbild erzählt der Film die Geschichte des legendären Lawinenhundes vom Großen Sankt Bernhard. Der Bernhardiner Barry mit dem unverkennbaren Fässchen um den Hals rettete dort zwischen 1800 und 1812 über 40 Menschen das Leben.

"Mein Freund Barry", Familienfilm. D/CH 2026, 100 Minuten, ab 20. März im Kino

Christian Klosz
Akt. 18.03.2026 23:22 Uhr