Am Freitag startete weltweit die Dokumentation "Melania". Entgegen zahlreichen Unkenrufen, hatte der Film vor allem in den USA mehr Besucher als erwartet – primär weiße Frauen im Alter der First Lady. In Österreich lief es weniger gut für "Melania": nur 193 Besucher.

Angesagte Revolutionen finden selten statt. Diese Weisheit scheint auch im Showbiz ihre Gültigkeit zu haben. Am vergangenen Freitag, dem 30. Jänner, startete in 33 Ländern weltweit die First-Lady-Doku "Melania" in den Kinos – auch in Österreich.
Der Dokumentarfilm zeigt die 20 Tage vor der Amtseinführung von Donald Trump am 20. Jänner 2025 – und zwar subjektiv aus Sicht seiner Ehefrau Melania.
Kritiker hatten dem – mit 63 Millionen Euro sündhaft teuren – Film bereits im Vorfeld ein katastrophales Einspielergebnis prognostiziert. Nun liegen die ersten Einspielergebnisse vom Start-Wochenende vor – und vor allem die US-Zahlen sind deutlich besser als erwartet.
Mehr als 7 Millionen Dollar wurden nur in den USA mit dem Film umgesetzt. Wo der Besucherandrang besonders groß war, was Kritiker über "Melania" sagen und wie erfolgreich der Film in Österreich war – alles über den meistdiskutierten Kino-Start dieses Jahres:
Worum geht es?
Versprochen wird nicht weniger als ein "unvergesslicher Blick hinter die Kulissen eines der wichtigsten Ereignisse der Welt". So drückt es US-Präsident Donald Trump etwas gestelzt aus, wenn er auf Social Media die Werbetrommel für die Doku über seine Ehefrau rührt.
Was ist der Inhalt?
"Melania: Twenty Days To History" – salopp übersetzt "Melania: In 20 Tagen wird Geschichte gemacht" – heißt das 104-Minuten-Epos. Es lässt die 20 Tage vor Donald Trumps zweiter Amtseinführung am 20. Jänner 2025 Revue passieren – aus Sicht der First Lady.
Wie darf man sich das vorstellen?
Die First Lady wurde in den Wochen und Monaten vor der Inauguration von einem Hollywood-Team dabei begleitet, wie sie "die Rückkehr ihrer Familie nach Washington und die Organisation der Amtseinführung managt", so der Pressetext.
Gibt es mehr Infos?
Die Filmemacher locken mit einem "noch nie da gewesenen Blick hinter die Kulissen des Betriebes im Weißen Haus". So soll es bislang unveröffentlichtes Material zu sehen geben: private Gespräche, Meetings und "selten gezeigte Momente aus ihrem Alltag als First Lady".
Was sagt die First Lady selbst über den Film?
Also: "In den 20 Tagen meines Lebens vor der Amtseinführung des US-Präsidenten wird Geschichte geschrieben. Erstmals kann ein weltweites Kinopublikum miterleben, wie sich dieses entscheidende Kapitel öffnet – ein persönlicher, unverstellter Blick auf meinen Weg zur First Lady der Vereinigten Staaten, auf dem ich Familie, Unternehmertum und Wohltätigkeit miteinander verbinde."
Ist das ein Spielfilm?
Nein, eine Dokumentation – wenn auch eine schillernde Hochglanz-Doku, die nach allen Regeln der Hollywood-Kunst gedreht worden ist.
Inwieweit ist Hollywood an "Melania" beteiligt?
Primär in Form von Brett Ratner. Er war 15 Jahre lang auf dem Weg zu einem der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods und drehte Komödien (die "Rush Hour Serie"), Thriller ("Roter Drache" mit Anthony Hopkins als Hannibal Lecter) und Superheldenfilme ("X-Men: Der letzte Widerstand"). Nach homophoben Äußerungen und Vorwürfen sexueller Belästigung und Nötigung wurde es jedoch still um ihn.
Und jetzt darf er wieder ran?
Ja. Der 56-Jährige habe monatelang in Trumps Florida-Anwesen Mar-a-Lago gelebt, um das Material für "Melania" zu drehen, heißt es.

Aber die Präsidentenwahl war doch erst Anfang November …?
Was unter "monatelang" zu verstehen ist, lässt sich derzeit nicht genauer eruieren. Durchaus möglich, dass Regisseur Ratner wirklich erst am 6. November, dem Tag nach der Wahl, sein Filmteam zusammengerufen hat, um sich ans Werk zu machen.
Ist das plausibel?
Eher weniger. Wahrscheinlicher ist es, dass die Pläne für den Film vor der Wahl bestanden haben und längst mit Vorbereitungsarbeiten begonnen worden war, noch ehe feststand, dass Trump zum zweiten Mal gewählt wurde.
So viel Aufwand klingt nach einem großen Budget …
Das hatten die Filmemacher auch zur Verfügung. 40 Millionen Dollar hat sich das zu Amazon gehörende Studio MGM die Produktion des Films angeblich kosten lassen. Dazu weitere 35 Millionen Dollar Marketingbudget, also insgesamt etwa 75 Mio. Dollar (ca. 63 Mio. Euro). Damit wäre der Film mindestens zehnmal so teuer, wie derartige Hochglanz-Dokumentationen üblicherweise kosten.
Und der Film wird diese Kosten wieder einspielen?
Das Start-Wochenende verlief überraschend besser als erwartet, aber Brancheninsider hegen nach wie vor große Zweifel daran, dass der Film seine Kosten auch nur annähernd wieder einspielen wird. Zumal das Kritiker-Urteil über "Melania" desaströs ist.


Wie gut war der Film am ersten Wochenende besucht?
Überraschend gut. Die Erwartungen für die USA lagen zwischen 3 und maximal 5 Millionen Dollar Einspielergebnis, am Ende konnten 7,04 Millionen Dollar vermeldet werden, die von Freitag bis Sonntag in insgesamt 1.778 US-Kino umgesetzt werden konnten.
Ist das gut?
Es ist vor allem für einen Dokumentarfilm gut, wie das US-Branchenblatt Variety schreibt. Andererseits: "Für jeden anderen Film wäre ein solcher Start – bei Produktionskosten von 75 Millionen Dollar und sehr geringem internationalem Potenzial – problematisch", meint David A. Gross, Leiter der Filmberatungsfirma Franchise Entertainment Research.
Was ist damit gemeint?
Dass der Film, bei aller Euphorie nach dem Start-Wochenende, dennoch kaum jene 45 Millionen Dollar einspielen wird, die er benötigt, um die Verlustzone zu verlassen, wie Variety Branchenkenner zitiert. Aber gleichzeitig geht man in Hollywood davon aus, dass der Film ohnedies keine wirtschaftliche, sondern eine politische Investition darstellt.
Amazon wollte Trump schmeicheln?
Das ist die – kaum verhohlene – Unterstellung. "Wenn es Amazon bei regulatorischen, steuerlichen, zollrechtlichen oder anderen staatlichen Angelegenheiten hilft, wird es sich auszahlen", so Berater David A. Gross, denn: 75 Millionen seien für Amazon unbedeutend.
Weiß man schon, wer da aller für "Melania" ins Kino ging?
Bei "Melania" bestand das Publikum am Startwochenende überwiegend aus älteren Frauen; laut Amazon MGM waren 72 Prozent der Kinobesucher weiblich und 83 Prozent über 45 Jahre alt. Knapp 75 Prozent der Zuschauer waren weiß.
Und in welchen Städten war das Interesse an dem Film besonders groß?
Weniger New York oder Los Angeles. Die meisten Besucher wurden in Dallas, Orlando, Tampa, Phoenix und West Palm Beach verzeichnet – alles Städte, in denen Präsident Donald Trump nach wie vor beliebt ist. Und: Bei Publikumsbefragungen nach dem Kinobesuch erhielt der Film durchwegs die Bestnote.

Was halten Kritiker von dem Film?
Das Urteil der professionellen Filmkritik ist mehr oder weniger vernichtend. Auf der Plattform Rotten Tomatoes, wo professionelle Kritiken zusammengefasst werden, erhielt "Melania" eine vernichtende Durchschnittswertung von 10 Prozent.
Könnte das stimmen?
Schwer festzustellen, aber unberechtigt sind die Zweifel an der Strahlkraft des Projektes wahrscheinlich nicht. Vor allem aus dem simplen Grund, weil Amazon bereits angekündigt hat, dass der Film nach der Kino-Auswertung ins Streamingprogramm von Amazon Prime wechseln werde. Und zwar ohne Umweg über ein kostenpflichtiges Video-on-Demand-Angebot, direkt in die Flatrate-Schiene.
Weshalb gibt es die Kritiker-Bewertung erst jetzt?
Weil der Film vorab niemandem gezeigt wurde. Es gab – anders als üblich – keine Vorstellungen für professionelle Filmkritiker, damit diese vorab über den Streifen berichten. Stattdessen mussten alle Kritiker am Freitagabend ins Kino gehen, um "Melania" zu sehen.
Es gab überhaupt keine Vorab-Vorstellungen?
Am Wochenende vor dem Kinostart veranstaltete die First Lady eine Sneak-Preview für ihren Mann und 70 Extra-Promis im Weißen Haus, um ihren inneren Kreis einmal in die Geheimnisse des Films einzuweihen. Das war's aber auch schon. Die Galapremiere des Films fand am 29. Jänner im Kennedy Center in Washington statt. Mit Melania und Donald Trump sowie 1.000 geladenen Gästen.
Kennedy Center?
Korrekt eigentlich im "The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts", die Umbenennung hatte Ende 2025 für viel Wirbel gesorgt. Nach der Neubesetzung des Vorstands mit Trump-Unterstützern und der Neuausrichtung gegen als "woke" empfundene Kunst sagten zahlreiche Künstler Auftritte ab.
Wer war alles bei der Sneak-Preview im Weißen Haus dabei?
Neben den Trumps mit Sohn Barron und Regisseur Brett Ratner waren laut Hollywood Reporter die Tech-CEOs Tim Cook (Apple), Andy Jassy (Amazon), Eric Yuan (Zoom) und Lisa Su (AMD) mit dabei. Außerdem Erika Kirk (Witwe des rechten Influencers Charlie Kirk), Königin Rania von Jordanien, Box-Legende Mike Tyson, NLP-Guru Tony Robbins, die Fotografin Ellen von Unwerth, Fiat-Erbin Azzi Agnelli, die Chefin der New Yorker Börse, Lynn Martin, sowie der MAGA-affine TikTok-Influencer Link Lauren.



Was ist mit den Spitzen der Regierung?
Laut den Berichten aus den USA waren tatsächlich keine Regierungsmitglieder bei der Veranstaltung anwesend, nicht Vizepräsident JD Vance, keine Ministerinnen oder Minister. Dieser Abend sollte offenbar ganz alleine den Trumps und ihren engen Freunden gehören.
Wie lief die Show ab?
Es war wie bei der Oscar-Verleihung. Die Herren kamen im Smoking, die Damen in Abendrobe. Der gesamte East Room des Weißen Hauses, in dem die Vorführung stattfand, war Schwarz-Weiß dekoriert. Es gab Popcorn aus schwarz-weißen Schachteln mit Melania-Monogramm, schwarz-weiße Melania-Cookies und gerahmte Eintrittskarten als Souvenir. Alle Gäste erhielten zudem eine Limited Edition von "Melania – A Memoir", der 2024 erschienenen Autobiografie der First Lady.
Noch mehr Melania-Referenzen?
Aber sicher. Für den Soundtrack zum Film schuf Komponist Tony Neiman (er schrieb bislang vor allem Musik für diverse TV-Serien) ein Stück namens "Melania's Waltz", das im Weißen Haus auch von einem Septett der Militärmusik gespielt wurde (siehe Video unten).
Was sagte die Gastgeberin bei der Gelegenheit?
Sie war offenbar ergriffen von der Größe des Moments: "Ich bin zutiefst demütig, umgeben gewesen zu sein von einem inspirierenden Raum voller Freunde, Familie und kultureller Vorreiter", erklärte sie laut einem Posting auf Instagram. Und: "Jeder dieser Menschen hat der Welt seine einzigartige Vision geschenkt und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Unsere persönlichen Geschichten überdauern die Zeit und erinnern uns an unsere gegenseitige Verantwortung. Es war mir eine Ehre, meinen neuen Film 'Melania' vor seinem weltweiten Kinostart zu präsentieren."
Und was sagten die Gäste zum Film?
Sapperlot, es gab keine negativen Kritiken. MAGA-Influencer Link Lauren war geplättet, wie er in einem Posting schreibt: "'Melania' ist unglaublich. Als Geschichtsstudent habe ich so etwas noch nie gesehen. Es ist kein Dokumentarfilm, sondern ein Spielfilm, der den Zuschauer auf eine filmische Reise mitnimmt."
Gar keine Kritik an der Veranstaltung?
In den sozialen Medien herrschte viel Kopfschütteln angesichts des Zeitpunkts der Veranstaltung. Die demokratische Abgeordnete Alexandra Ocasio-Cortez schrieb auf X: "Heute hat das Heimatschutzministerium einen Krankenpfleger der Veteranenbehörde auf offener Straße ermordet, (Justizministerin, Anm.) Bondi versucht, Wählerdaten zu erpressen, und die halbe Nation bereitet sich auf einen potenziell verheerenden Eissturm vor, während die Katastrophenschutzbehörde FEMA stark geschwächt ist. Und was treibt der Präsident? Er veranstaltet einen Filmabend im Weißen Haus. Er ist unfähig."
Wie sieht man das im Trump-Lager?
Auch dort gibt es kritische Stimmen. So textete etwa die ehemalige Trump-Anwältin Jenna Ellis auf X: "Ich habe großen Respekt vor der First Lady und es war mir eine Ehre, sie kennenzulernen. Diese Veranstaltung hätte jedoch verschoben werden müssen. Angesichts der sich zuspitzenden Lage in Minneapolis und der Forderungen der Amerikaner nach Führung wirkt das Ganze realitätsfern."



Ist "Melania" auch in Österreich zu sehen?
Ja, seit vergangenem Freitag läuft der Film in neun Kinos in Wien (insgesamt fünf) sowie in Graz, Linz, Salzburg und Hohenems.
Und wie waren die Besucherzahlen am ersten Wochenende bei uns?
So, dass es fraglich ist, ob der Film ein zweites Wochenende in den Kinos erlebt. In allen neun Kinos kamen insgesamt (!) 193 Besucher, um den Film zu sehen. Damit lag er auf PlAtz 46 von insgesamt 60 Filmen, die am Wochenende bei uns liefen.
Ist der Film eigentlich synchronisiert?
Nein. "Melania: Twenty Days To History" läuft in Österreich in Originalsprache mit deutschen Untertiteln.
Wenn ich "Melania" sehen will, ihn aber im Kino verpasse, habe ich noch eine Chance?
Ja, Amazon will die Dokumentation sofort nach der Kino-Auswertung beim hauseigenen Streamingdienst Prime zeigen, und zwar gleich zum Flatrate-Tarif, also ohne Video-on-Demand-Zuschlag. Und da wird er dann auch bleiben. Wer also "Melania" im Kino versäumen sollte, hat spätestens ab dem Frühjahr eine zweite Chance.