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Wie Filmstar Jessica Chastain als Grusel-Mama das Fürchten lehrt

Im Horror-Schocker "Other Mommy" schreckt die kühle Charakterdarstellerin ihre eigene Film-Tochter beinahe zu Tode. Der gruselige Überraschungserfolg steht für eine ganze Generation neuer Horrorfilme, die das Unheimliche im Alltäglichen zeigen. Jetzt im Kino.

Kuckuck, ich bin's! Aber stimmt das wirklich, oder ist diese "andere Mama" nicht doch vielleicht etwas ganz anderes? "Other Mummy" mit Jessica Chastain läuft jetzt im Kino
Kuckuck, ich bin's! Aber stimmt das wirklich, oder ist diese "andere Mama" nicht doch vielleicht etwas ganz anderes? "Other Mummy" mit Jessica Chastain läuft jetzt im KinoUPI
Christian Klosz
Akt. 30.10.2026 17:07 Uhr

Wenn Hollywoodstar Jessica Chastain in "Other Mommy" auf eine unheimliche Doppelgängerin trifft, bekommt das Publikum mehr als eine klassische Gruselgeschichte geboten. Der Film von Regisseur Rob Savage, produziert von Horror-Spezialist James Wan (u. a. "Saw", "Conjuring"), erzählt von einem Mädchen, das eine verstörende Beziehung zu einem Wesen entwickelt, das aussieht wie ihre eigene Mutter. Das Vertraute wird zum Bedrohlichen – und genau darin liegt eine der großen Stärken des gegenwärtigen Horrorkinos.

Denn Filme wie "Other Mommy", "Obsession" oder "Backrooms" markieren eine bemerkenswerte Verschiebung im Genre. Zwar gehören Dämonen, Gewalt und übernatürliche Erscheinungen weiterhin zum Repertoire. Doch die neuen Publikumslieblinge interessieren sich zunehmend für Ängste, die weniger mit Monstern als mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun haben.

In "Obsession" des jungen Regisseurs Curry Barker wird der Wunsch nach Liebe zur zerstörerischen Besessenheit. Ein scheinbar harmloser Wunsch entwickelt eine Eigendynamik, die zunehmend verstört. "Backrooms" wiederum überträgt einen Internetmythos auf die Kinoleinwand: endlose, menschenleere Räume, sterile Flure und gelblich beleuchtete Zimmer werden zu einem Labyrinth ohne Ausweg. Regisseur Kane Parsons, der mit YouTube-Horrorvideos bekannt wurde, macht damit digitale Gruselwelten zum Kinostoff.

Was diese Filme verbindet, ist ein anderes Verständnis von Angst. Statt das Publikum ausschließlich mit blutigen Bildern und vorhersehbaren Schockmomenten zu erschrecken, erzeugen sie ein Gefühl permanenter Unsicherheit. Sie spielen mit Einsamkeit, Kontrollverlust, emotionaler Abhängigkeit und der Irritation des Alltäglichen. Auch analoge Ästhetik, veraltete Technik und scheinbar vertraute Orte werden dabei zu unheimlichen Projektionsflächen.

Irgendetwas stimmt mit dieser Mama-Version ganz und gar nicht …
Irgendetwas stimmt mit dieser Mama-Version ganz und gar nicht …
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Dass dieser Ansatz gerade jetzt funktioniert, ist kein Zufall. Eine Generation, die mit Internetmythen, YouTube-Horror und Videospielen aufgewachsen ist, bringt eigene Bilder und Erzählformen ins Kino. Zugleich bieten soziale Medien ideale Voraussetzungen für den Erfolg solcher Filme: Rätsel, verstörende Szenen und mehrdeutige Geschichten werden geteilt, diskutiert und mit eigenen Theorien angereichert. Das Kinoerlebnis endet nicht mit dem Abspann.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Faktor: Horror lässt sich vergleichsweise kostengünstig produzieren und kann dennoch enorme Aufmerksamkeit erzeugen. "Obsession" und "Backrooms" zeigen, dass dafür nicht zwingend ein Franchise oder ein Millionenbudget nötig ist. Der Erfolg reiht sich ein in eine Entwicklung, die bereits Filme wie "Talk to Me", "Weapons" und "Sinners" sichtbar gemacht haben.

Der Horror der Gegenwart ist also nicht unbedingt blutiger oder radikaler als früher. Er ist näher an den Ängsten seiner Zeit. Und vielleicht ist das Unheimlichste daran, dass das Grauen längst nicht mehr aus einer dunklen Gruft kommen muss. Manchmal reicht ein leerer Gang, ein Wunsch, der zu weit geht oder schlicht ein vertrautes Gesicht – wie das der eigenen Mutter.
"Other Mummy" startet diese Woche in den österreichischen Kinos – gruselige Unterhaltung!

… und das nicht nur, weil sie sich selbst gelegentlich ein wenig falsch zusammensetzt
… und das nicht nur, weil sie sich selbst gelegentlich ein wenig falsch zusammensetzt
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"Other Mommy"

Worum es geht Die siebenjährige Bela (Arabella Olivia Clark) lebt mit ihren Eltern Ursula (Jessica Chastain) und Russell (Jay Duplass) in einem Zuhause, in dem die familiäre Harmonie zunehmend brüchig wird: Sie spürt die Spannungen zwischen den Erwachsenen, deren Ehe kriselt, eine mögliche Affäre zwischen Ursula und einem Familienfreund steht im Raum.

Dieses Gefühl der Unsicherheit wird aber noch weiter erschüttert: Aus ihrem Kleiderschrank taucht regelmäßig eine geheimnisvolle Gestalt auf, die genauso aussieht wie ihre Mutter und von Bela "Other Mommy" genannt wird. Sie kann schweben, ihre Gestalt verändern und stellt Bela immer wieder dieselbe verstörende Frage: "Darf ich in dein Herz?" Außerdem redet sie dem Mädchen ein, dass ihre Eltern sie belügen – und sie ihr nur helfen möchte.

Ursula und Russell tun das erst als Fantasie eines Kindes ab, in der sich dessen Ängste und Sorgen ausdrücken. Bis "Other Mommy" eines Nachmittags in der Küche auftaucht und Russell und Bela aus dem Haus jagt. Da wird auch ihnen klar: Das ist eine manifeste, übernatürliche Bedrohung, der man sich als Familie geeint entgegenstellen muss.

Lohnt sich das? In den USA lief "Other Mommy" bereits vor drei Wochen im Kino an und sorgte für einen veritablen Box Office-Erfolg: bei einem überschaubaren Budget von 18 Millionen Dollar spielte er bereits knapp 100 Millionen ein. Und das, obwohl die meisten Kritiken bisher eher vernichtend waren (was nur bedingt nachvollziehbar ist).

Hinter dem Film steht mit dem 34-jährigen Briten Rob Savage ein weiterer Regisseur der "jungen Horror-Garde", die das Genre seit einiger Zeit neu beleben und vor allem ein junges Publikum ansprechen (so wie Curry Barker mit "Obsession" und Kane Parsons mit "Backrooms"). Wobei Savage in den letzten Jahren bereits einige Erfahrung sammeln konnte ("Host"), womit sich auch die Verpflichtung eines Topstars wie Jessica Chastain erklären lässt. Ihr Auftritt in "Other Mommy" ist tatsächlich ungewöhnlich, ist sie doch sonst eher in ernsthaften Dramen zu sehen.

Savages Films macht einiges gut und richtig, anderes bleibt ausbaufähig: Gelungen ist die Visualisierung und Inszenierung der Horror-/Schock-Sequenzen, die in bestem Sinne verstörend sind. Weniger gelungen ist die grundlegende Dramaturgie, die nicht immer Sinn macht (selbst gemessen an der Horror-Logik), was auch mit der (zu) kurzen Laufzeit von gerade einmal 90 Minuten zu tun hat.

Unbeantwortet bleibt auch die Frage, was es mit der "Other Mommy" nun auf sich hat: Nicht, weil das Publikum den möglichen Symbolismus hinter der Figur selbst entschlüsseln müsste, sondern weil es kaum Anhaltspunkte für einen solchen gibt.

Savages Films zeigt gute Ansätze, verfolgt diese aber zu inkonsequent. Und so bleibt ein kleiner, fieser Horrorfilm, der sich ob seiner gut gemachten Schockeffekte zweifelsohne als Halloween-Programm eignet und Unterhaltungswert hat, der aber mehr hätte sein können, wenn ihm der Regisseur (oder das Studio?) mehr Laufzeit und Freiraum zur Entfaltung gegeben hätten. Hätte, hätte …

"Other Mommy", Horror-Thriller. USA 2026, 94 Minuten, ab 29. Oktober im Kino

Spätestens jetzt ist auch der siebenjährigen Bela (Arabella Olivia Clark) bewusst, das hier etwas ganz und gar falsch läuft
Spätestens jetzt ist auch der siebenjährigen Bela (Arabella Olivia Clark) bewusst, das hier etwas ganz und gar falsch läuft
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"Possible Love"

Worum es geht Die aufstrebende Dokumentarfilmerin Ye-ji (Cho Yeo-jeong) will einen Film über einen gescheiterten Arbeitskampf bei SP Heavy Industries drehen, bei dem zahlreiche Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verloren und Proteste gewaltsam niedergeschlagen wurden. Bei der Beerdigung eines ehemaligen Arbeiters, der sich das Leben genommen hat, begegnet sie Mi-ok (Jeon Do-yeon) und deren Ehemann Ho-seok (Sul Kyung-gu), einem der entlassenen Streikteilnehmer.

Während Ho-seok bis heute mit den Folgen des Jobverlusts kämpft und psychologische Hilfe ablehnt, versucht Ye-ji, das Vertrauen des Paares für ihr Filmprojekt zu gewinnen. Zwischen dem Ehepaar sowie Ye-ji und ihrem Mann, die aus völlig unterschiedlichen sozialen Verhältnissen stammen, entwickelt sich eine zunehmend intensive Beziehung. Doch bei einem gemeinsamen Kurzurlaub treten grundlegende Konflikte zutage, die ihre Lebensentwürfe und Beziehungen infrage stellen.

Lohnt sich das? Gerade in den letzten paar Jahren hat sich im südkoreanischen Film eine Strömung herausgebildet, die Klassenkonflikte und die kapitalistische Gesellschaft auf unterschiedliche Arten beleuchtet und kritisiert: Bei Bong Joon-ho ist das ein zentrales Topos vieler seiner Filme, so auch beim Oscar-Erfolg "Parasite". Die Netflix-Serie "Squid Game" zeigt das "Hamsterrad" auf überspitzte, brutale Weise. Und auch Park Chan-wook befasst sich in "No Other Choice" mit diesen Fragen.

Mit Lee Chang-dong ("Burning") spürt nun ein weiterer großer Name des südkoreanischen Kinos der Klassenfrage nach. Sein fast dreistündiges, von Netflix produziertes Werk, das in Venedig als erster koreanischer Film den Großen Preis der Jury gewann, gilt schon jetzt als einer der besten Filme des Jahres und als Oscar-Mitfavorit.

Der Regisseur verknüpft ein Porträt der sozialen Folgen von Arbeitslosigkeit mit einem psychologisch vielschichtigen Beziehungsdrama. Zugleich stellt er die Frage, ob eine Dokumentarfilmerin Menschen wirklich helfen kann, wenn sie deren Leid zum Gegenstand ihrer Kunst macht. Und statt die Figuren eindimensional in "Opfer" und "Täter" einzuteilen, lässt "Possible Love" ihre Motive, Sehnsüchte und moralischen Widersprüche allmählich sichtbar werden.

Die bisherigen Kritiken sind durchwegs positiv: Die Los Angeles Times bezeichnet das Werk als Meisterstück über die alltäglichen Kämpfe des Lebens und hebt die herausragenden Schauspielleistungen hervor. Screen Daily wiederum betont, wie eindringlich Lee die Ausbeutung durch Unternehmen mit den subtileren Formen der Ausnutzung zwischen Menschen verbindet.

"Possible Love", Drama. RSK 2026, 164 Minuten, ab 29. Oktober im Kino, ab 6. November im Streaming auf Netflix

Man ist sich sympathisch, obwohl man aus komplett verschiedenen Welten kommt: "Possible Love" gewann heuer in Venedig den Großen Preis der Jury
Man ist sich sympathisch, obwohl man aus komplett verschiedenen Welten kommt: "Possible Love" gewann heuer in Venedig den Großen Preis der Jury
Joo Jae-bum/Netflix

Außerdem neu im Kino:

"Glaube"
Die 17-jährige Ainara (Blanca Soroa) besucht eine katholische Schule im spanischen Bilbao und steht kurz vor ihrem Schulabschluss. In ihr entsteht der Wunsch, als Ordensschwester in ein Kloster einzutreten. Ihr Vater will sie unterstützen, doch ihre emanzipierte Tante Maite (Patricia López Arnaiz) hält den Entschluss für ein mögliches Zeichen einer persönlichen Krise und versucht, Ainara davon abzubringen.
Regisseurin Alauda Ruiz de Azúa erzählt in ihrem Film von einem familiären Konflikt, bei dem die Grenzen zwischen religiöser Berufung, Selbstbestimmung und externen Erwartungen verschwimmen. 2026 wurde "Glaube" beim spanischen Filmpreis "Goya" in fünf Kategorien ausgezeichnet, darunter als bester Film, für die beste Regie und das beste Originaldrehbuch.

"Glaube", Drama. ESP/FRA 2025, 115 Minuten, ab 29. Oktober im Kino

"Die Blutgräfin"
Jahrhunderte nach ihrem mysteriösen Verschwinden kehrt die berüchtigte Blutgräfin Erzsébet Báthory (Isabelle Huppert) ins heutige Wien zurück. Gemeinsam mit ihrer Zofe Hermine (Birgit Minichmayr) begibt sie sich auf eine Jagd nach einem geheimnisvollen Buch, das die Macht besitzt, das Reich der Vampire zu vernichten. Unterstützung erhält sie von ihrem (vegetarischen) Neffen Rudi Bubi (Thomas Schubert), während dessen Psychotherapeut (Lars Eidinger), zwei Vampirforscher und ein Polizeiinspektor (Karl Markovics) die Sache aufklären wollen.
Regisseurin Ulrike Ottinger kehrt nach 20 Jahren Pause mit einem Spätwerk zurück, das Vampirfilm, Kostümschinken, Groteske und Wien-Hommage in einem ist. An den Dialogen wirkte Elfriede Jelinek mit, die Premiere fand bei der diesjährigen Berlinale statt.

"Die Blutgräfin", Horror-Komödie. AUT/DE/LUX 2026, 120 Minuten, ab 29. Oktober im Kino

"Unsafe"
Feuerwehrfrau Alex (Jeanne Goursaud) wird gemeinsam mit ihrem Kollegen Jakob (Laurence Rupp) zu einem abgelegenen Herrenhaus gerufen. Dort soll die sechsjährige Laura in einem antiken Tresor eingeschlossen sein. Der ungewöhnliche Rettungseinsatz entwickelt sich rasch zu einem Albtraum für die beiden: Denn im Haus der Familie Krüger scheint nichts zusammenzupassen. Widersprüchliche Aussagen und rätselhafte Bewohner machen es den beiden schwer, herauszufinden, was tatsächlich geschehen ist. Bei der Suche nach Antworten entdecken sie dunkle Geheimnisse und geraten selbst in Lebensgefahr.

"Unsafe", Thriller. DE/AUT 2026, 90 Minuten, ab 29. Oktober im Kino

"Mumbo Jumbo"
Das kleine Nilpferd Mumbo Jumbo wächst auf magische Weise zu riesiger Größe heran, wodurch sein bisheriges Leben gehörig durcheinandergerät. Gemeinsam mit seinen drei Freunden macht es sich auf den Weg zur gefürchteten Hexe Baba Yaga, die es wieder schrumpfen lassen soll. Die abenteuerliche Reise führt die Freunde in eine fantastische Welt voller Gefahren und Herausforderungen, bei denen Zusammenhalt und Mut gefragt sind.
Der dänische Animationsfilm basiert auf einem Kinderbuch des Autors Jakob Martin Strid.

"Mumbo Jumbo", Animation, Familienfilm. DK 2026, 80 Minuten, ab 29. Oktober im Kino

Christian Klosz
Akt. 30.10.2026 17:07 Uhr