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Longevity extrem

26 Milliarden Dollar! Was Putin alles tut, um sein Leben zu verlängern

Anti-Aging ist in Russland Staatsdoktrin. Präsident Wladimir Putin steckte zuletzt 26 Milliarden Dollar in die Forschung für ein längeres Leben. Er selbst setzt auf Blutbäder und Kälte als Jungbrunnen – wie auch Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz erfahren durfte.

Anti-Aging à la Putin: Eisbad beim orthodoxen Dreikönigsritual am Seligersee
Anti-Aging à la Putin: Eisbad beim orthodoxen Dreikönigsritual am SeligerseeReuters
Martin Kubesch
Akt. 03.06.2026 23:05 Uhr

Manchmal braucht es nur ein irrtümlich eingeschaltetes Mikrofon, um ein unerwartetes Schlaglicht auf einen Umstand zu werfen, den alle Beteiligten wohl lieber im Dunkeln belassen hätten. Und die ganze Welt zum Rätseln zu bringen.

Vergangenen September unterhielten sich Russlands Präsident Wladimir Putin, 73, und der chinesische Staatschef Xi Jinping, 72, am Rande einer gigantischen Militärparade in Peking über Verjüngungs-Medizin und Unsterblichkeit.

"Mit den Fortschritten der Technologie können menschliche Organe so lange transplantiert werden, bis die Menschen jünger, vielleicht sogar unsterblich werden können", erklärte Putin dabei dem chinesischen Präsidenten über einen Dolmetscher, berichtete das Wall Street Journal damals.

Chinas starker Mann zeigte sich daraufhin informiert: "Es wird prognostiziert, dass die Menschen in der Zukunft bis zum Ende des Jahrhunderts 150 Jahre alt werden könnten", so Xi zum russischen Präsidenten.

Dank eines Mikrofons am Podium konnte die ganze Welt an der außergewöhnlichen Unterhaltung teilhaben. Und spekuliert seither darüber, wie ernst es den alten Männern mit ihrem Wunsch nach Unsterblichkeit tatsächlich ist.

Plauderten am Rande einer Militärparade über Organtransplantationen und Longevity: Wladimir Putin und Chinas Xi Jinping
Plauderten am Rande einer Militärparade über Organtransplantationen und Longevity: Wladimir Putin und Chinas Xi Jinping
APA-Images / AFP / ALEXANDER KAZAKOV

Putins Plan für die eigene Unsterblichkeit

Ob und was Chinas Staatspräsident unternimmt, um sein Leben medizinisch zu verlängern, wurde zwar bislang nicht ausführlicher beschrieben. Dass Wladimir Putin das Thema seit Jahrzehnten umtreibt, ist jedoch bekannt. Aber erst allmählich wird klar, welches Ausmaß die Suche nach lebensverlängernden Maßnahmen in Russland mittlerweile angenommen hat.

Laut Wall Street Journal gab die russische Regierung erst vor wenigen Wochen bekannt, dass sie sich die Suche nach einer Gentherapie gegen das Altern sowie weitere Forschungen in dem Bereich im Rahmen eines staatlichen Programms bislang insgesamt 26 Milliarden Dollar (ca. 22,4 Mrd. Euro) hat kosten lassen.

Und ein Ende der Investitionen ist nicht in Sicht. Mit Technologien wie Gentherapie, Organzüchtung, Xenotransplantationen, Bioprinting sowie weiteren Verfahren sollen die Alterungsprozesse des Körpers verlangsamt oder sogar umgekehrt werden können.

Was Russlands starker Mann alles auffahren lässt, um seine Lebenserwartung auszudehnen, wer ihn dabei auf welche Weise unterstützt und weshalb sogar seltene Hirsche für Putin bluten müssen – so will der neue Zar im Kreml dem Tod ein Schnippchen schlagen:

Worum geht es?
Um die vielfältigen Ansätze russischer Forscher in der Anti-Aging-Forschung. Das Thema Longevity genießt in Russland seit Jahren Priorität und wird vom Staat großzügig gefördert. Erst im April gab die Regierung bekannt, dass Wissenschaftler im Rahmen von Wladimir Putins 2024 vorgestellter Langlebigkeits-Initiative "Neuen Technologien zur Erhaltung der Gesundheit" bislang 26 Milliarden Dollar an Forschungsgeldern erhalten hätten.

Was passiert mit den Geldern?
Sie werden in unterschiedliche Forschungen investiert. Putins wissenschaftliches Umfeld verfolgt dabei mehrere Ansätze.

Mit welchen Methoden soll Putins Leben verlängert werden?

  • Gentherapie: Russische Wissenschaftler arbeiten an Verfahren, die Alterungsprozesse auf zellulärer Ebene verlangsamen sollen. Ziel ist es, Krankheiten des Alters hinauszuzögern und die sogenannte gesunde Lebensspanne zu verlängern. "Das Medikament stellt einen der vielversprechendsten Wege im Kampf gegen das Altern dar", so der stellvertretende Wissenschaftsminister Denis Sekirinsky.
  • Organ-Bioprinting: Dabei werden menschliche Gewebe oder Organe mithilfe von 3D-Druckverfahren hergestellt. Forscher berichten von Erfolgen bei Knorpelgewebe und tierischen Organstrukturen. Langfristig sollen vollständige Ersatzorgane möglich werden.
  • Xenotransplantation: Hierbei sollen genetisch veränderte Tiere – insbesondere Mini-Schweine, die als genetisch mit dem Menschen kompatibel gelten – als Organlieferanten dienen. Bis 2030 sollen solche transplantationstauglichen "Ersatzteil-Organe" verfügbar sein.
  • Peptide aus Kälbergewebe: Ein weiterer Forschungsansatz im russischen Anti-Aging-Kampf basiert auf Peptiden. Das sind kurze Aminosäureketten, die zur Regeneration, zum Muskelaufbau und zur Anti-Aging-Wirkung vermarktet werden. Diese werden aus Kälbergewebe gewonnen und haben auch im Westen Anhänger, zu denen auch US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. gehört.
Minus 110 Grad in der Kryotherapiekammer: Putin mit Österreichs früherem Kanzler Sebastian Kurz 2018 in St. Petersburg
Minus 110 Grad in der Kryotherapiekammer: Putin mit Österreichs früherem Kanzler Sebastian Kurz 2018 in St. Petersburg
APA-Images / AP / Dmitri Lovetsky

Gibt es noch weitere wissenschaftliche Initiativen diesbezüglich?
In der Russischen Föderation werde derzeit an einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Programme auf diesem Gebiet gearbeitet, teilte der Kreml-Pressedienst laut dem Wall Street Journal per E-Mail mit. "Diese Projekte werden vom Staat gefördert, und zahlreiche wissenschaftliche und Forschungseinrichtungen sind daran beteiligt."

Wie seriös sind all diese Projekte?
Darüber gehen die Meinungen auseinander. Befürworter verweisen darauf, dass Alterungsforschung weltweit zu den dynamischsten Bereichen der Biomedizin gehört. Gentherapie, Stammzellmedizin und Organzüchtung gelten als reale Zukunftsfelder. Kritiker halten dagegen, dass viele der russischen Projekte kaum in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht werden und bezweifeln deshalb, dass die öffentlich verkündeten Fortschritte tatsächlich den behaupteten Stand erreicht haben.

Könnten Menschen wirklich 150 Jahre alt werden, wie Xi Jinping meint?
Die meisten Altersforscher sind skeptisch. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahrhunderten zwar stark gestiegen. Die maximale nachgewiesene Lebensdauer eines Menschen liegt jedoch bei 122 Jahren. Viele Experten halten aber weitere Fortschritte bei der Verlängerung der gesunden Lebensspanne für realistisch.

Was unternimmt Putin sonst noch, um länger zu leben?
Putin gilt seit Jahren als Anhänger extremer Kälteanwendungen. Bilder von Eiswasserbädern und Berichte über Kryotherapien haben zu seinem Image als alterungsresistenter Staatschef beigetragen. Beim orthodoxen Dreikönigsritual steigt er angeblich regelmäßig in eiskaltes Wasser und inszeniert sich dabei als harter Mann, der Kälte, Schmerzen und körperliche Belastungen mühelos erträgt – wovon sich auch Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz überzeugen konnte.

Welche Kälte-Erfahrung teilt Sebastian Kurz mit Wladimir Putin?
Bei einem Treffen im Kreml im Jahr 2018 riet Putin dem damaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz, eine Kryotherapiekammer auszuprobieren, berichtet das Wall Street Journal. Dabei handelt es sich um eine Art umgekehrte Sauna, in der der Körper Temperaturen von bis zu minus 110 Grad Celsius ausgesetzt wird. Kurz sei sehr überrascht gewesen, als Putin ihm enthusiastisch die Vorteile des regelmäßigen, nackten Aufenthalts in der Kältekammer erläutert habe, so das US-Blatt.

Verlangsamt Kälte tatsächlich den Alterungsprozess?
Medizinisch ist die Wirkung solcher Kältebäder umstritten. Kurzfristig können sie Kreislauf und Immunsystem stimulieren. Für eine tatsächliche Lebensverlängerung gibt es jedoch bislang keine belastbaren wissenschaftlichen Belege.

Leitet Russlands Initiative zur Steigerung der Lebenserwartung: Putins Tochter Maria Woronzowa, eine Endokrinologin
Leitet Russlands Initiative zur Steigerung der Lebenserwartung: Putins Tochter Maria Woronzowa, eine Endokrinologin
APA-Images / AFP / OLGA MALTSEVA

Was hat es mit den blutenden Hirschen auf sich?
Seit Jahren kursieren Geschichten, wonach Putin sogenannte Maral-Bäder genutzt haben soll. Dabei handelt es sich um eine in Teilen Sibiriens verbreitete Naturheilmethode, bei der dem Badewasser ein Extrakt aus den Geweihen junger Maral-Hirsche hinzugefügt wird.

Was sind Maral-Hirsche?
Marale sind eine Unterart des Rothirsches. Während der Wachstumsphase ihrer Geweihe werden diese von Blutgefäßen durchzogen. Den Hirschen werden dabei die durchbluteten, noch nicht verknöcherten und damit schmerzempfindlichen Geweihe abgesägt. Daraus wird ein blutähnliches Sekret gewonnen, das in Russland und Zentralasien als Heilmittel gilt.

Was sollen die Bäder bewirken?
Die Bäder sollen demnach mehr Vitalität, eine größere Potenz, stärkere Immunabwehr und verlangsamtes Altern bewirken. Wissenschaftliche Beweise für diese Behauptungen existieren allerdings nicht.

Und sonst?
Putins Phobie vor Keimen aller Art ist legendär und wurde spätestens mit Corona öffentlich, als er sich an besonders langen Tischen ablichten ließ, bei denen seine Gesprächspartner mehrere Meter von ihm entfernt sitzen mussten. Neben diversen Diät- und Hormonprogrammen soll Russlands Präsident zudem auf seinen Reisen stets von einem mehrköpfigen Ärzteteam begleitet werden.

Wer steht den Forschungen eigentlich vor?
Russlands Initiative zur Steigerung der Lebenserwartung wird von zwei Persönlichkeiten aus Putins engstem Umfeld angeführt, berichtet das Wall Street Journal: seiner Tochter Maria Woronzowa, einer Endokrinologin, die staatlich geförderte Genetikprogramme leitet. Und dem Physiker Michail Kowaltschuk, Leiter des Kurtschatow-Instituts, dem Kernforschungszentrum aus der Sowjetzeit.

Was ist das offizielle Ziel der "Langlebigkeits-Initiative"?
In der Argumentation der Behörden geht es vor allem darum, die Lebenserwartung der Bevölkerung zu heben. Bei der Gründung der Initiative 2024 erklärte Putin, bis zum Ende des Jahrzehnts durch die Erkenntnisse und Errungenschaften der Initiative "175.000 Leben retten zu wollen". Das war übrigens die zu diesem Zeitpunkt geschätzte Zahl an russischen Gefallenen im Ukraine-Krieg.

Russlands Präsident, wie er sich selbst am liebsten sieht: mit nacktem Oberkörper hoch zu Ross, ein Bild von Jugendlichkeit und Virilität
Russlands Präsident, wie er sich selbst am liebsten sieht: mit nacktem Oberkörper hoch zu Ross, ein Bild von Jugendlichkeit und Virilität
REUTERS

Wie steht es um die Lebenserwartung der Menschen in Russland?
Aktuell werden Männer im Durchschnitt weniger als 68 Jahre alt – ein extrem niedriger Wert, der allerdings auch darauf basiert, dass der Ukraine-Krieg bis heute nach unabhängigen Schätzungen mindestens 325.000 Russen das Leben gekostet hat. Die Lebenserwartung russischer Frauen liegt bei 79 Jahren.

Wie sieht es im Vergleich dazu bei uns aus?
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich liegt derzeit für Männer bei etwa 79,8 Jahren und für Frauen bei 84,3 Jahren. Das heißt: Ein männliches Baby, das heute zur Welt kommt, wird laut Statistik 79,8 Jahre alt werden, ein weibliches 84,3 Jahre.

Martin Kubesch
Akt. 03.06.2026 23:05 Uhr