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Voicemail-Scheidung

„Es tut mir leid, aber Ihr Mann hat eine Affäre mit meiner Frau“

Die Ehe platzte durch eine Handy-Nachricht. Belle Burden, Anwältin aus reichem Haus, erfuhr via Voicemail, dass ihr Hedgefonds-Manager-Ehemann fremdging. Über ihre Scheidung hat sie ein Buch geschrieben, das derzeit die USA aufwühlt. Und das zurecht.

Belle Burden erzählte im US-TV wie sie von der Affäre erfuhr
Belle Burden erzählte im US-TV wie sie von der Affäre erfuhrGood Morning America
Christian Nusser
Akt. 15.01.2026 00:53 Uhr

"Er sagte: 'Das wird schon. Du bist ja noch jung.' Ich war 50." Es gibt Sätze, die schneiden tiefe Schneisen in Leben. "Mein Mann sagte, ich verlasse dich, die Kinder kannst du behalten" ist auch so einer.

Die Zitate stammen aus "Strangers" und sie wurden nicht für einen Roman oder einen Film erfunden, sondern sind dem realen Alltag entnommen. Belle Burden hat ihr Leben niedergeschrieben, vorrangig jenen Teil, der vor, während und mitten in ihrer Scheidung stattgefunden hat.

Die Autobiografie ist diese Woche in den USA erschienen und bewegt das Land. Auch wenn die Erlebnisse von einer Frau stammen, die sich nie Sorgen um ihre Lebenshaltungskosten machen musste, bohrt "Strangers" (256 Seiten, Ebuery Press, 23,99 Euro) doch einen Nerv an. Trennung sind nie lustig, die Begleiterscheinungen schon gar nicht. Viele kennen das.

Der 22. März 2020 ist ein Sonntag. Corona hat auch in die USA in die Knie gezwungen, das Land erlebt den ersten Lockdown. Belle Burden ist mit ihrer Familie aufs Land gezogen, Reichtum hat nicht nur Nachteile.

"Strangers – am Memoir of Marriage" (256 Seiten, Ebuery Press, 23,99 Euro)
"Strangers – am Memoir of Marriage" (256 Seiten, Ebuery Press, 23,99 Euro)
Good Morning America

Mit "Land" ist Martha’s Vineyard gemeint, die Insel vor der Küste von Massachusetts ist ein Tummelplatz der gut Situiertierten, der Staatslenker, der Bekanntheiten aus Film und Funk. Jackie Kennedy besaß hier ein Anwesen auf 140 Hektar Grund und mit einem Privatrand, der sich über einen Kilometer erstreckte. Die Obamas legten sich 2019 eine Villa für 12 Millionen Dollar zu.

In ebendiesem Umfeld zerbrach am 22. März 2020 eine Ehe, die 21 Jahre gehalten hatte. Henry Patterson Davis, Manager bei einem Hedgefonds, teilte seiner Frau mit, dass er die Scheidung wolle. Im Buch fasste er dafür die Höchststrafe aus, er wird kein einziges Mal mit vollem Namen genannt.

"Strangers" geht auf alles ein, was Scheidung bedeutet und oft nicht so im Blickwinkel steht, aber belastet. Das Verhalten von Freunden und Bekannten etwa, ihr Unverständnis, ihr oft gespieltes Mitgefühl, die Nachrede, viele verschwinden aus dem Leben. Auch die Familie des verflogenen Ehemannes, erst verständnisvoll, dann kalt, das eigene Umfeld, die Kinder, allerlei wird beleuchtet.

Belle Burden hat für das Buch ihre Komfortzone verlassen. Als gelernte Anwältin mit Studium in Harvard und an der New York University School of Law, als Tochter aus schwerreichem Haus, versteht sie sich auf Diskretion. "Es ist seltsam, denn ich bin eigentlich ein schüchterner Mensch", sagte sie der New York Times. "Normalerweise gebe ich nicht so viel von mir preis. Aber jetzt habe ich alles erzählt."

Eine Freundin überredete sie, ihre Geschichte aufzuschreiben. Zunächst erschien am 30. Juni 2023 eine Kolumne in der Times, er trug den Titel "War ich mit einem Fremden verheiratet?“ und sorgte für Furore. Der Text sprach viele an, weil er eine unangenehme Frage berührte: Wie gut kennen wir die Person wirklich, die neben uns im Bett liegt?

Belle Burden fühlte sich glücklich in ihrem Leben. Hals über Kopf habe sie sich in den großen, blonden und schlanken Mann verliebt, schreibt sie, er ähnelte ihrem Vater. Beide arbeiteten in einer Wirtschaftskanzlei, es funkte im Büro. "Er schloss die Tür, ich stand auf, und er küsste mich. Es war mit Abstand der beste Kuss meines Lebens."

Danach? "Unglaublicher Sex, den ich von dem seriösen Anwalt überhaupt nicht erwartet hatte. Verlobung nach drei Monaten, innerhalb eines Jahres war Hochzeit. "Ich glaube nicht, dass ich eine wirklich gefestigte Persönlichkeit war, als ich geheiratet habe", sagte Belle Burden heute.

Drei Kinder kommen, zwei Mädchen, ein Bub, sie sind heute 18, 21 und 23 Jahre alt. Die Ehe erfüllt alle gängigen Klischees. Der Mann bleibt im Job, verdient ein Vermögen, die Frau gibt den Beruf auf und kümmert sich fortan um Haus und Hof, die Kinder. Statt vor Gericht sitzt sie nun in Elternabenden.

Die Kauzigkeit ihres Ehemannes James gefiel ihr, zumindest anfangs. Er sprach leise, fast in Flüsterton, vermied jeden Streit. Er ging um 21 Uhr ins Bett und stand um 4 Uhr auf, verfolgte seinen Schlafrhythmus per App. Er spielte Tennis oder schaute Tennis im Fernsehen. Sie wusste von seiner problematischen Jugend, Konflikten mit dem Gesetz, Frauengeschichten, jetzt flirtete er auf Dinnerpartys nie.

Nachdem die Familie wegen Corona auf Martha’s Vineyard übersiedelt war, hackte James drei verschiedene Arten Holz, um das Kaminfeuer schön zu machen. Dann kam die Voicemail.

Der Abend war bis dahin idyllisch verlaufen. Die Familie aß am rechteckigen Holztisch in der Küche, vor der Tür pfiff der Wind, James,  aß Gnocchi aus einer Schüssel. In einem Videotelefonat wurde mit Sohn Finn herumgealbert, er war bei der Familie eines Freundes auf Long Island.

"Nach dem Abendessen verließ James die Küche, um einen geschäftlichen Anruf zu tätigen. Die Mädchen gingen ins Wohnzimmer, um fernzusehen. Ich weichte allein die Töpfe ein, räumte die Spülmaschine ein und wischte den Tisch ab."

"Gerade als ich einen Eimer mit Wasser und Essig füllte, um den Boden zu wischen, klingelte mein Handy. Es leuchtete und vibrierte auf der Kücheninsel. Ich kannte die Nummer nicht und ließ den Anruf auf die Mailbox umleiten. Als mein Handy die Nachricht anzeigte, stellte ich den Eimer ab und drückte auf Wiedergabe. Es war eine Männerstimme. Er klang jung und nervös."

"Er sagte: "Ich versuche, Belle zu erreichen." Er hielt inne. "Es tut mir leid, Ihnen das sagen zu müssen, aber Ihr Mann hat eine Affäre mit meiner Frau."

Manche Ereignisse ziehen einem den Boden unter den Füßen weg, heißt es oft, die Voicemail-Botschaft ordnete sich in diese Kategorie ein.

Belle Burden konfrontiert ihren Mann damit, er kommt gerade die Treppen herunter, legt ihr den Arm auf den Rücken und führt sie ins Gästezimmer. Dort herrscht zunächst Schweigen.

Dann beugt er sich vor, nimmt ihre Hände, sieht sie reuig an und versichert das Übliche. Die Beziehung sei zu Ende, habe nur ein paar Wochen gedauert, die andere Frau bedeute ihm nichts. "Ich liebe dich und nur dich. Es tut mir so leid. Es ist mir so peinlich.“

Sie geht unter die Dusche, dann schreibt sie dem Mann, der ihr die Voicemail geschickt hat. Wie lange geht das schon so? Seltsam, welche Fragen einem in bestimmten Situationen wichtig erscheinen.

Er antwortete: "Ich denke, einen Monat. Aber ich kann keine SMS schreiben, weil meine Frau versucht hat, sich umzubringen. Sie liegt im Krankenwagen."*

Als sich Belle Burden (allein) schlafen legt, macht sie kein Auge zu. Sie schwankt. Soll ich verzeihen? Wie sage ich das alles den Kindern? Sie wollte ihnen Blätterteigtaschen backen, die Kids hatten sie das gewünscht.

Um 6 Uhr früh steht ihr Mann vor ihr, in schweren Stiefeln und einem schwarzen Parka, und ist völlig verändert. Nun kühl und unerbittlich. Er will weder die gemeinsamen Häuser in Martha’s Vineyard noch in New York, auch nicht das Sorgerecht für die Kinder. Er möchte nur noch die Scheidung.

Dann packt er seine Tasche, steigt in den Jeep und nimmt die Fähre aufs Festland. Ende einer Ehe. Eine Filmszene, ohne Film.

Mit einem Mal taten sich viele Fragen auf, vor allem eine nagte: Warum? „Ich dachte, ich wäre glücklich, aber das bin ich nicht", hatte ihr Mann gesagt, aber was bedeutet das? Eine nähere Erklärung folgte nicht. Folgte nie.

"Er weigerte sich, mit mir eine Therapie zu machen. Innerhalb einer Woche ging er nicht mehr ans Telefon", schreibt Belle Burden. "Auch sein Bruder und seine Schwester brachen den Kontakt ab und sagten, sie müssten ihn zu unterstützen.

Etwa 40 Prozent der ersten Ehen in den USA enden mit einer Scheidung, in Österreich ist das nicht anders. Die Aufteilung des Vermögens ist oft schwierig – und hier besonders kompliziert, da es sich um beträchtliches Vermögen handelt.

Der Vater von Belle Burden war ein Vanderbilt aus der Familie des Eisenbahn-Tycoons Cornelius Vanderbilt, ihre Großmutter Babe Paley, eine Society-Lady, die von Truman Capote als "die schönste Frau des 20. Jahrhunderts" bezeichnet wurde.

Verfilmte Großmutter: Toby Jones als Truman Capote, Sigourney Weaver als Babe Paley 2006 in "Infamous"
Verfilmte Großmutter: Toby Jones als Truman Capote, Sigourney Weaver als Babe Paley 2006 in "Infamous"
APA-Images / Mary Evans

Trotzdem überließ Burden, wie viele Ehefrauen weltweit, die finanziellen Entscheidungen und die Planung ihrem Mann. "Ich hatte mich entschieden, nicht hinzusehen", schreibt sie. "Ich hatte mich entschieden, es nicht wissen zu wollen." Die Ehe hatte ihre Unabhängigkeit eingeschränkt. Penibel kontrollierte der Ehemann ihre Kreditkartenausgaben.

Burden hatte Treuhandfonds genutzt, um die Häuser ihrer Familie zu bezahlen, ließ aber sowohl ihren als auch den Namen von James in die Grundbucheinträge eintragen, um ihre Verbindung zu besiegeln. Es gab einen Ehevertrag, letztlich erhielt sie die Häuser in New York und auf Martha's Vineyard, sowie ihren Privatstrand auf der Insel.

Aber die Familie war kaputt. Belle Burden schlug eine Halbe-Halbe-Regelung für das Sorgerecht vor, ihr Mann schickte den Vertrag zurück, seine Zeiten waren geschwärzt. Er wollte die Kinder nur mehr bedingt in seinem Leben haben. In Manhattan legte er sich eine Wohnung zu, sie sah kein Besuchszimmer vor.

Auf das Warum hat Belle Burden immer noch keine Antwort. Es mag verrückt klingen, sagt sie, "aber ich bin froh, dass es so gekommen ist.“ Heiraten will sie in diesem Leben nicht mehr. "Ich möchte nie wieder finanziell an jemanden gebunden sein".

Nach der Trennung deuteten Freunde an, was der Grund für die Trennung gewesen sein könnte. "Frauen werden für Männer uninteressanter, wenn sie nicht arbeiten". Das klingt nach allem, nur nicht nach einem guten Grund.

* Bei psychischen oder suizidalen Krisen finden Sie hier Hilfe!

Christian Nusser
Akt. 15.01.2026 00:53 Uhr