In "Cold Storage" bewahrt Hollywood-Veteran Liam Neeson die Menschheit vor der Auslöschung durch einen Weltraum-Pilz – was sich auf der Leinwand wesentlich witziger gestaltet, als es klingt. Und auch sonst hat diese Kino-Woche heldenmäßig manches zu bieten.

Der Held steht ihm gut. Auch wenn Liam Neeson an sich recht wenig von jenen Attributen mitbringt, die Hollywood für gewöhnlich mit klassischen Heldenrollen assoziiert. Eher schlaksig als muskulös, eher ein Denker als ein Haudrauf. Und dann diese Nase … Folge eines Nasenbeinbruchs beim Boxen in jungen Jahren. Es spricht für den gebürtigen Nordiren, dass er sich den Höcker nie hat richten lassen.
Egal, das etwas räudige Aussehen macht den mittlerweile 73-Jährigen nur noch glaubwürdiger. Und so ist er seit bald vier Jahrzehnten auf Heldenrollen in allen Genres abonniert, vom Drama über den Actioner bis zur Komödie. Aufrechte Männer, die ihrem Gewissen folgen, von Oskar Schindler in "Schindlers Liste" über den Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn in "Star Wars" und den Ex-Agenten Bryan Mills in der "96 Stunden"-Trilogie bis zu Lieutenant Frank Drebin Jr. in der Neuverfilmung von "Die nackte Kanone".
Auch in "Cold Storage", der diese Woche in den heimischen Kinos anläuft, gibt Neeson den Helden, einmal mehr. Er spielt einen pensionierten Regierungsagenten, der es mit einem außerirdischen Pilz aufnehmen muss, der alles menschliche Leben auf der Erde auszulöschen droht. Klingt albern? Ist es auch. Aber der Film, zu dem David Koepp, einer der renommiertesten Autoren Hollywoods, das Drehbuch verfasst hat, nimmt sich selbst nicht so ernst. Und gerade das macht ihn sehenswert.
Eine Heldin ganz anderer Art spielt Emma Thompson, wie Neeson mittlerweile ein Urgestein im Hollywood-Betrieb, in "Dead of Winter – Eisige Stille". Die 66-jährige Britin ist Barb, soeben Witwe geworden und dabei, den letzten Wunsch ihres Mannes zu erfüllen, als sie in der Einsamkeit des US-Westens auf ein Verbrechen stößt … Klingt spannend, ist es auch. Haben Sie eine aufregende Kino-Woche!

Worum es geht Barb (Emma Thompson) hat kürzlich ihren Mann verloren und begibt sich allein auf einen Trip ins winterliche Minnesota: Dort war sie in ihrer Jugend mit ihrem Mann Eisfischen, dort hatte er ihr einen Antrag gemacht - und vor seinem Tod den Wunsch hinterlassen, dass seine Asche in der Gegend verteilt würde, mit der beide wunderbare Erinnerungen verbinden.
Auf der Suche nach dem Weg zum zugefrorenen Lake Hilda fragt Barb nach dem Weg, ein dubioser Anrainer hilft ihr eher widerwillig. Kurz danach beobachtet sie, dass ebenjener Mann ein ihm offenbar entkommendes, junges Mädchen wieder einzufangen versucht.
Barb folgt ihnen zu seinem Haus und entdeckt, dass das Mädchen namens Leah (Laurel Marsden) im Keller gefangen gehalten wird. Dahinter steckt die (namenlose) Frau des Typen (Judy Greer), die schwer krank ist und eine neue Leber braucht. Und die will sie Leah "entnehmen". Barb muss alles in ihrer Macht Stehende tun, um das junge Mädchen aus den Händen der Verrückten zu befreien.
Lohnt sich das? "Dead of Winter – Eisige Stille" wurde ganz offensichtlich Emma Thompson auf den Leib geschrieben, und die darf als knorrige ältere Frau in diesem anspruchsvoll umgesetzten Thriller glänzen. Stilistisch beeindrucken die Naturaufnahmen aus dem eisigen Minnesota, die tatsächlich in Finnland im Koli National Park gedreht wurden, weil zur Drehzeit in Minnesota zu wenig Schnee lag. Auch der Soundtrack von Volker Bertelmann ("Im Westen nichts Neues", "Konklave") kann überzeugen.

Ungewöhnlich an "Dead of Winter" ist, dass alle relevanten Figuren Frauen sind: Sowohl die Täterin, als auch das Opfer und dessen Retterin. So ergibt sich eine durchaus interessante Dynamik. Leider geht dem Film im letzten Drittel etwas die Luft aus, manche Drehbuchentscheidungen sind zu vorhersehbar, die Handlung bleibt dünn und das Erzähltempo stellenweise etwas schleppend. Trotzdem: Ein interessanter Genre-Film mit einer überzeugenden Emma Thompson in ungewohnter Rolle.
"Dead of Winter – Eisige Stille", Thriller. USA/Deutschland 2025, 97 Minuten, ab 19. Februar im Kino

Worum es geht Vor Jahrzehnten brachte ein abstürzender Satellit einen hochgefährlichen, mutierenden parasitären Pilz aus dem All nach Australien. Bioterror-Agent Robert Quinn (Liam Neeson) und seine Partnerin Trini Romano (Lesley Manville) sowie Biologin Hero Martins (Sosie Bacon) isolieren das Ding und lagern es in einem geheimen Militärbunker in Kansas – tiefgekühlt und versiegelt. Die Regierung vergisst das jedoch, der Bunker wird stillgelegt und Jahrzehnte später zu einem Self-Storage-Gebäude umgebaut.
In der Gegenwart arbeiten dort Travis "Teacake" Meacham (Joe Keery) und Naomi Williams (Georgina Campbell). Irgendwann hören sie seltsame Geräusche aus einer Wand und machen sich auf Suche: Es ist der Pilz, der langsam auftaut, entkommt und sich rasend ausbreitet. Er infiziert Menschen und Tiere, übernimmt ihre Gehirne, lässt sie explodieren oder zu Zombies mutieren.
Während der Pilz die Temperatur im Bunker anhebt und sich exponentiell vermehrt, müssen Teacake und Naomi ums Überleben kämpfen. Die Regierung reaktiviert währenddessen den inzwischen pensionierten Agent Quinn (Neeson), der als einziger die Katastrophe stoppen kann: Ein Katz-und-Pilz-Spiel gegen eine unsichtbare Bedrohung, während die Menschheit am Rande der Auslöschung steht.
Lohnt sich das? Jahrelang traute sich Hollywood nicht, Themen anzupacken, die irgendwie an die Corona-Pandemie erinnern könnten. Nun mehren sich Filme und Serien mit mehr oder weniger eindeutigen Referenzen, zuletzt etwa "Greenland: Migration" oder "The Beauty". Auch in "Cold Storage" gibt es gewisse Anknüpfungspunkte, auch wenn der Film sein Sujet (und sich selbst) nicht sonderlich ernst nimmt und das Buch von Drehbuch-Legende David Koepp, auf dem er basiert, bereits 2019 erschienen ist.

Das B-Movie mixt bekannte Elemente aus "The Blob", "Zombieland" und "Evolution" und sorgt so für anspruchslose Unterhaltung. Handlungstechnisch sollte man nicht zu viel von "Cold Storage" erwarten, was Fans von David Koepp, der auch das Drehbuch schrieb, enttäuschen dürfte: Der Mann gilt als einer der besten Autoren Hollywoods, gerade was Suspense und Spannung betrifft ("Jurassic Park", "Mission:Impossible", "Panic Room").
Bekannte Gesichter im Cast – neben Liam Neeson wären da "Stranger Things"-Star Joe Keery, Lesley Manville und Vanessa Redgrave in Nebenrollen – entschädigen immerhin einigermaßen für das filmische Mittelmaß.
"Cold Storage", Horror-Comedy. USA 2026, 99 Minuten, ab 19. Februar im Kino

Worum es geht Der junge Ziegenbock Will Harris (im Original mit der Stimme von Caleb McLaughlin) träumt davon, Profi-"Roarball"-Spieler zu werden. Roarball ist eine adaptierte Basketball-Variante in der andromorphen G.O.A.T.-Welt. Sein großes Idol ist die Pantherin Jett Fillmore (Gabrielle Union), der Star im Team der Vineland Thorns.
Die Thorns haben jedoch schon bessere Tage gesehen und sind auf der Suche nach einem neuen Top-Spieler. Nach einem viralen One-on-One gegen den Rivalen Mane Attraction wird Will unerwartet in das Team geholt, sein großer Traum wird wahr. Mit Teamkollegen wie dem Bären Archie Everhardt (David Harbour bzw. Torsten Sträter in der deutschen Version), dem Strauß Modo Olachenko und dem Geparden Lenny Williamson (im Original von Stephen Curry gesprochen) muss Will sich gegen Vorurteile wehren und beweisen, dass auch kleine Tiere ganz groß abräumen können.
Lohnt sich das? "G.O.A.T." ist ein typischer Animationsfilm mit pädagogischer Botschaft, der sich in erster Linie an ein junges Publikum ab sechs Jahren richtet. Die Animationen sind gelungen, die temporeiche Umsetzung sorgt für Unterhaltungswert und so ist das Resultat ein solider Kinder-/Jugendfilm, der zwar nicht aus der Masse heraussticht, aber das liefert, was man von ihm erwarten kann. Produziert wurde "G.O.A.T." übrigens von Basketball-Legende Stephen Curry, der auch in einer kleinen Sprechrolle auftaucht.
"G.O.A.T - Bock auf große Sprünge", Animation, Kinder-/Jugendfilm. USA 2026, 100 Minuten, ab 20. Februar im Kino
"Dust Bunny"
Mads Mikkelsen spielt einen abgebrühten Auftragskiller, der von seiner Nachbarin, der zehnjährigen Aurora (Sophie Sloan) engagiert wird: Sie glaubt, ein aus Staubpartikeln bestehendes Monster in Form eines Hasen ("Dust Bunny") unter ihrem Bett habe ihre Familie getötet und will Rache. Der "Hitman" nimmt den Auftrag an, doch je tiefer er in Auroras Welt eintaucht, desto mehr erkennt er, dass die wahren Monster in Auroras Leben vielleicht menschlich sind. Eine düstere Variante von "Leon - Der Profi", die beim TIFF 2025 gefeiert wurde. Visuell durchaus beeindruckend, inhaltlich aber mit Luft nach oben.
"Dust Bunny", Horror, Fantasy. USA/Kanada 2025, 106 Minuten, ab 19. Februar im Kino
"Monsieur Robert kennt kein Pardon"
Der pensionierte Lehrer Robert Poutifard (Christian Clavier) hat nach 30 Jahren Dienst nur eines im Sinn: Rache an ehemaligen Schülern, die, so meint er, sein Leben ruiniert haben. Mit seiner betagten Mutter Huguette (Isabelle Nanty) als Komplizin, die unerwartete Hacker-Kenntnisse mitbringt, plant er teuflische Streiche. Eine typische Clavier-Komödie im Fahrwasser der "Monsieur Claude"-Filme.
"Monsieur Robert kennt kein Pardon", Komödie. Belgien/Frankreich 2023, 81 Minuten, ab 20. Februar im Kino
"The Moment"
Ironisches Mockumentary-Drama, das nach der Berlinale-Premiere auch im Kino startet und in dem die Musikerin Charli XCX sich quasi selbst spielt: Eine aufstrebende Pop-Sängerin, die mit enormem Erfolgsdruck, Erwartungen aus ihrem Umfeld und ihrer Psyche zu kämpfen hat, während sie sich auf ihr Arena-Tour-Debüt vorbereitet. Kritiken feiern den Film als Meta-Kommentar zur Musikbranche.
"The Moment", Musikfilm, Drama. USA 2026, 103 Minuten, ab 19. Februar im Kino
"Sie glauben an Engel, Herr Drowak?"
Der misanthrope Alkoholiker Hugo Drowak (Karl Markovics) lebt gefühllos vor sich hin, bis die lebensfrohe Studentin Lena (Luna Wedler) als Schreibtrainerin in sein Leben tritt. Sie glaubt an das Gute im Menschen – und weckt in ihm die Sehnsucht nach Veränderung. "Groteskes Großstadtmärchen" (EIgendefinition) mit Lars Eidinger und Dominique Pinon in Nebenrollen.
"Sie glauben an Engel, Herr Drowak?", Drama. Deutschland/Schweiz 2025, 127 Minuten, ab 20. Februar im Kino
"Silent Friend"
Über 147 Minuten verwebt der Film drei Epochen (1908, 1972, 2020) rund um einen alten Ginkgo-Baum im botanischen Garten einer Stadt. Drei Figuren (gespielt von Tony Leung Chiu-wai, Léa Seydoux und Luna Wedler) suchen in verschiedenen Zeiten Verbindung zu Pflanzen, zur Welt und sich selbst. Premiere im Wettbewerb von Venedig 2025, Marcello-Mastroianni-Award als beste Nachwuchsschauspielerin für Kuna Wedler. Film für Arthouse-Liebhaber.
"Silent Friend", Drama. Frankreich/Deutschland/Ungarn/China 2025, 145 Minuten, ab 20. Februar im Kino