Jacqueline Newman ist die Scheidungsanwältin von New Yorks High Society. Die meisten ihrer Klienten sind Millionäre, manche kommen erst bei der Scheidung darauf, wie hoch ihre Lebenshaltungskosten sind. Das ändert nichts an ihren außergewöhnlichen Wünschen.

Wenn sich vermögende Menschen scheiden lassen, können dabei mitunter Probleme auftauchen, mit denen sich Scheidungsrichter für gewöhnlich nicht auseinandersetzen müssen. Wie im Fall jener New Yorkerin, die auch nach der Scheidung von ihrem Mann weiterhin Zugang zum Privatjet der Familie haben wollte.
Der Mann, der von Jacqueline Newman vertreten wurde, einer der bekanntesten Scheidungsanwältinnen New Yorks, lehnte ab. Und ließ seiner künftigen Ex-Frau stattdessen von Newman das Angebot machen, sie über den Jet-Sharing-Anbieter NetJet selbst zur Miteigentümerin von Privatjets zu machen – doch die Frau wies die Idee umgehend zurück.
"Sie sagte mir, sie wolle nur noch mit dem Privatjet der Familie fliegen", so Scheidungsspezialistin Jacqueline Newman, "weil man dort schon wisse, wie ihr Sitz eingestellt werden müsse." Und die Anwältin erzählt weiter: "Wenn sie ankommt, ist also bereits alles perfekt vorbereitet und ihr Getränk steht schon bereit für sie."
Jacqueline Newman ist die Frau, der New Yorks High Society vertraut, wenn sie ihren Ehepartnern nicht mehr vertraut. Sie ist Managing Partner bei der Rechtsanwaltskanzlei Berkman Bottger Newman & Schein LLP mit Sitz zwischen Fifth und Madison Avenue und gilt als Spezialistin für Scheidungen in Millionärs-Familien.

Zu ihren Klienten zählen Banker, Hedgefonds-Manager, Entertainer und Unternehmer, von denen die meisten über ein Vermögen von mehr als 20 Millionen Dollar verfügen. Trotzdem müssen sich alle mit der Frage auseinandersetzen, ob sie ihren bisherigen Lifestyle auch nach der Scheidung noch beibehalten können. Und Newman ist die Frau, die ihnen dabei hilft, diese Frage mit Ja zu beantworten.
Für das Wall Street Journal lüftete die Star-Anwältin nun ein wenig den Schleier, wie sie ihre Millionärs-Klienten dabei unterstützt, im Scheidungsfall möglichst gut auszusteigen und ihren gewohnten Lifestyle zu behalten – oder vielleicht sogar noch zu verbessern. Und sie erzählt von einigen der skurrilsten Forderungen, die ihr bei Scheidungen bislang untergekommen sind.
Scheidungen sind nie schön. Aber für Menschen mit einem großen Vermögen sind sie meistens auch mit größeren Risiken verbunden als für Normalsterbliche. Und für Superreiche kann eine Scheidung einer Unternehmensliquidation ähneln, so das Wall Street Journal.
Denn kommt es zur Gerichtsverhandlung, dann gewährt diese einer großen Zahl an Menschen Einblick in das Leben und den Lifestyle der Noch-Eheleute, denen diese sonst niemals irgendwelche Einblicke gewährt hätten. Dazu kommt, dass ein Prozess schlimmstenfalls der ganzen Welt vor Augen führt, wie Reichtum den Charakter einer Ehe verändern und ihre Auflösung beeinflussen kann.
Und damit es im besten Fall überhaupt nicht zu derartigen Unschönheiten kommt, setzen spezialisierte Scheidungsanwälte wie Jacqueline Newman alles daran, für ihre Klienten alles so zu regeln, dass es den Weg vor einen Richter überhaupt nicht mehr braucht.
"Eine Scheidung kann schon recht schmutzig sein", sagt Jacqueline Newman im Wall Street Journal. "Umso mehr, wenn es um viel Geld geht." Nichtsdestotrotz gehört eine Bestandsaufnahme aller vorhandenen Werte, Einkommen und Ausgaben zu den ersten Dingen, die sie vornimmt, wenn ein neuer Klient oder eine neue Klientin zu ihr kommt.

"Wenn Sie meine Kanzlei verlassen, erhalten Sie ein Formular mit dem Titel 'Vermögensaufstellung'", erläutert Jacqueline Newman. Darin findet sich eine Aufschlüsselung aller Vermögenswerte, der Verbindlichkeiten und der Ausgaben. Dazu kommt noch eine Einkommensteuererklärung, die das aktuelle Einkommen belegt.
"Die Vermögensaufstellung ist ein extrem wichtiges Dokument", erklärt die Rechtsanwältin weiter. Und es sollte demnach bestmöglich davon erzählen und auch belegen, welchen Lifestyle jemand bislang hatte. Auch anhand von Kontoauszügen, Kreditkartenrechnungen oder ähnlichen Belegen.
Die gemeinsame Arbeit an der Vermögensaufstellung ist nicht nur ein essenzieller Teil in einer Scheidung. Für einige von Jacqueline Newmans Klienten ist dieser Prozess im wahrsten Sinne des Wortes augenöffnend: "In Manhattan bemerken Paare oft erst nach der Trennung, dass ihre jährlichen Ausgaben die Millionengrenze überschreiten", so die Scheidungsanwältin.
"Diese Ausgaben sind allesamt nach Steuern", so die Anwältin. "Das heißt, man muss pro Jahr etwa 2,8 Millionen Dollar (knapp 2,4 Mio. Euro, Anm.) verdienen, um sich solch einen Lifestyle leisten zu können.
"Ich erlebe es immer wieder, dass Personen sagen, sie müssten nach einer Scheidung mehr in sich investieren", plaudert die Juristin im Wall Street Journal aus der Schule. Öfter ins Fitnessstudio, ein Personal Trainer, chicere Kleidung, mehr Beauty-Eingriffe. Und auch das Haustier will öfter gesittet werden, schließlich muss man sich ja wieder sehen lassen.
Was Jacqueline Newman nicht sagt: Der Heiratsmarkt ist gnadenlos, umso mehr, wenn Geld nach noch mehr Geld sucht. Da gilt dann meistens jedes Fältchen zu viel im Gesicht schon als Ausschlussgrund. Daher wird ins Aussehen investiert, was das Zeug hält.

"Im nächsten Schritt schaue ich, was an Vermögen und Einkommen vorhanden ist", erläutert Scheidungsanwältin Jacqueline Newman ihr weiteres Vorgehen. Welche Einkommen und zusätzlichen Einkünfte gibt es, was ist an Vermögen vorhanden. Das werde dann für beide Partner hochgerechnet. "Und dann hoffen wir, dass genug Geld für beide da ist", lacht die Anwältin.
Sind einmal alle Zahlen erhoben und alle Wünsche und Forderungen deponiert, folgt ein erstes Vergleichsangebot an die Gegenseite. Wird das nicht angenommen, versucht man eine Lösung zu finden, etwa durch eine Mediation. Und führt auch das zu keiner Vereinbarung, dann geht der Fall am Ende vor Gericht.
"Und genau so versucht man letztendlich, eine Scheidung mit hohem Vermögen zu regeln", so Star-Anwältin Jacqueline Newman.
Scheidungen seien immer hart, vor allem auch emotional, so Newman. "Ich sage oft zu meinen Klienten, ich bin der teuerste Therapeut, den sie je haben werden." Denn viele Klienten würden sich von einem Scheidungsprozess nicht nur eine Klärung der offenen finanziellen und juristischen Fragen erwarten, sondern auch Heilung der Wunden, die sie erlitten haben.
"Die Klienten wollen Rache, sie sind wütend", so Jacqueline Newman. Und vor allem würden sie glauben, dass ein Richter empört sei, sobald er von den Verfehlungen des anderen Ehepartners höre, und ihnen deshalb am Ende alles zusprechen.
Scheidungsexpertin Jacqueline Newman: "Aber ich sage Ihnen: Das wird nicht passieren."

Bei einer Scheidung gehe es um so viele Dinge: um Zorn, Erleichterung, Trauer, Verlust, auch den Verlust von Identität. Aber all das in die Kanzlei des Anwalts oder gar in den Gerichtssaal mitzunehmen und zuzulassen, dass es den weiteren Verlauf des Scheidungsverfahrens bestimmt, halte ich für einen riesigen, riesigen Fehler, so die Anwältin eindringlich.
Vielmehr sei es wichtig, alles zu tun, um die eigenen Emotionen in eine Schublade zu stecken und die geschäftliche Rolle, die man vor Gericht einnimmt, in eine zweite. Und dadurch in der Lage zu sein, die Scheidung wirklich so voranzutreiben, dass Emotionen zwar ihren Platz haben, aber nicht die zuvor definierten Ziele, die man sich für das Verfahren setzt, beeinträchtigen.
Denn es komme immer wieder vor, dass Klienten im Stress des Scheidungsverfahrens ihre eigentlichen Bedürfnisse aus den Augen verlieren und sich in Nebensächlichkeiten verzetteln. Und das kann dann sehr teuer werden …
So habe sie einmal einen erfolgreichen Chirurgen vertreten, der bereits hunderttausende Dollar an Anwaltskosten in sein Scheidungsverfahren investiert hatte und trotzdem eines Tages damit drohte, der Kanzlei das Mandat zu entziehen, wenn er nicht ein spezielles Stück, eine alte Standuhr, zugesprochen bekäme. Also tat Newman ihr Möglichstes und sicherte die Uhr für den Arzt.
Als sie ihm die frohe Kunde schließlich überbrachte, eröffnete er ihr, was er damit vorhabe: Er wolle die Uhr, die offenbar ein Erbstück seiner Ex-Gattin gewesen war, verbrennen – und ein Video der Aktion an seine Ex schicken …
Ein anderer Klient ließ sich von Jacqueline Newman eigens eine Fremdgeh-Klausel für sich selbst in seinen Ehevertrag schreiben, obwohl die Anwältin von derartigen Bestimmungen eigentlich abrät ("Fremdgehen ist vor Gericht immer schwer nachzuweisen"). Doch der Klient bestand darauf – und zwar, um sich selbst durch den Druck vom Fremdgehen abzuhalten.

Aber nicht nur die Reichen und Schönen haben manchmal ein Händchen dafür, eine ohnedies schwierige Lebensphase für sich und ihren Ex-Partner unerträglich zu machen. Auch wenn es nicht um alte Erbstücke oder Familienjets geht, können die Emotionen bei einer Scheidung Achterbahn fahren und für unerwartete Hindernisse sorgen.
Das Wall Street Journal hat einige der absurdesten Gründe für monatelange Scheidungskriege zusammengetragen. So zankte sich etwa das Ehepaar Brookes und Andrew Reese monatelang um das Bonusprogramm-Konto von Walgreens, einer US-Supermarktkette. Ein ungenanntes Ehepaar aus Los Angeles investierte 10.000 Dollar an Anwaltskosten, um zu klären, wer die Sammlung an Souvenir-Kühlschrankmagneten von früheren Reisen bekommt (sie wurde letztlich geteilt).
Und Bridget Lehman, eine 36-jährige Innenarchitektin aus Nebraska, stellte eines Abends, als ihr Ex-Mann längst ausgezogen war, fest, dass dieser ihre Kochgewürze mitgenommen hatte. Etwa 100 Gläser mit teils seltenen Gewürzen aus aller Welt. Er habe sie genommen, weil er verhindern wollte, dass sie für einen anderen Mann kocht, so seine Erklärung. Die Innenarchitektin gab klein bei, die Scheidung hatte sie bereits zehntausende Dollar gekostet. "Ich war einfach erschöpft", so Bridget Lehman.
Und ein Mandant von Alexander Schwartz, einem Scheidungsanwalt aus Connecticut, gab 70.000 Dollar dafür aus, das alleinige Sorgerecht für einen braunen Labrador Retriever zu bekommen, den er und seine Ex-Frau gemeinsam hatten.
Der Klient wollte den Hund gar nicht, so Rechtsanwalt Alexander Schwartz. Er wusste nur, dass seine Frau ihn abgöttisch liebte. Der Mann gab seinen Kampf erst auf, nachdem ihm der Anwalt eine detaillierte Rechnung vorgelegt hatte.
Der Mann ließ von seinem Vorhaben ab, es genügte ihm, seiner Frau monatelange Schmerzen zuzufügen. "Je feindseliger eine Scheidung abläuft", so Anwalt Alexander Schwartz, "desto ungewöhnlicher sind oft die Forderungen beider Parteien."