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Hilfe nach Tierquälerei

Schwer misshandelt, nun nahm sich Husky Buba einen Anwalt

Einem zweieinhalbjährigen Husky-Rüden wurden in Wien von seinem Besitzer fast alle Zähne ausgeschlagen, dann prügelte er ihn halb tot. Dank einer Hilfsorganisation überlebte das Tier knapp – und klagt vor Gericht mit einem Anwalt seine Behandlungskosten ein.

Überlebte nur knapp die Misshandlungen durch seinen früheren Besitzer: Husky-Rüde Buba an seiner neuen Pflegestelle
Überlebte nur knapp die Misshandlungen durch seinen früheren Besitzer: Husky-Rüde Buba an seiner neuen PflegestelleHunde-Such-Hilfe
Martin Kubesch
Akt. 12.02.2026 22:48 Uhr

Hunde sind auch nur Menschen. Viele von ihnen erleben in kurzer Zeit mehr schlimme Dinge als andere in einem ganzen Hundeleben. In den allermeisten Fällen sind Menschen schuld daran, wenn ein Hundeleben vor die Hunde geht.

Aber manchmal gibt es Fälle, die den Grad an Leid, Grausamkeit und Gleichgültigkeit noch einmal übersteigen. Wie jener des Huskys Buba aus Wien-Favoriten. Das grundfreundliche Tier wurde von seinem Besitzer so gequält, dass selbst den erfahrendsten Tierschützern die Worte fehlten.

Das Schicksal meinte es am Ende aber dennoch gut mit Buba. Er überlebte die Tortur und erholt sich derzeit auf einer Pflegestelle von seinen Qualen. Und sobald sein – mittlerweile ehemaliger – Besitzer vor Gericht steht, wird er es mit einem Novum zu tun bekommen. Denn Buba bekommt, als wahrscheinlich erster Hund Österreichs, einen Rechtsanwalt zur Seite gestellt.

Was der Advokat für den Vierbeiner beim Prozess erwirken soll, wie es überhaupt sein kann, dass ein Tier Parteienstellung vor Gericht bekommt und ob das Beispiel Schule machen könnte – das muss man über den einzigartigen Fall wissen:

Worum geht es?
Um das Schicksal des zweieinhalbjährigen reinrassigen Husky-Rüden Buba aus Wien-Favoriten. Er wurde von seinem Besitzer so sehr geschlagen, dass die Nachbarn die Schmerzensschreie des Tieres durch die Wände aufzeichnen konnten, um damit beim Tierschutzverein Hunde-Such-Hilfe Alarm zu schlagen.

Zwei Mitarbeiter der Hunde-Such-Hilfe nach der geglückten Rettung des Huskys
Zwei Mitarbeiter der Hunde-Such-Hilfe nach der geglückten Rettung des Huskys
Hunde-Such-Hilfe

Was geschah dann?
Mitarbeiter der Hunde-Such-Hilfe erstatteten Anzeige, unterstützt von der Polizei ging es zur Wohnung, in der Buba gequält wurde.

Und?
Der Besitzer des Tieres zeigte sich rasch geständig. Er wollte das Tier bestrafen, weil es ihm die Möbel in der Wohnung zerbissen hatte.

Ist es normal, dass Hunde so etwas tun?
Wie sich herausstellte, ließ der Besitzer sein Tier bis zu 14 Stunden pro Tag alleine in der Wohnung. "Wenn ich mich auch nur etwas mit Hunden beschäftige, muss mir klar sein, dass das nicht funktionieren kann", so Regina Drlik, Obfrau der Hunde-Such-Hilfe.

Weil?
Man lässt grundsätzlich keinen Hund so viele Stunden lang alleine. Aber manche Rassen gehen mit solchen Extremsituationen gelassener um als andere. "Huskys sind Arbeitshunde, die von der Natur darauf getrimmt worden sind, im Rudel zu leben und sehr viel Bewegung zu machen", so Regina Drlik. Wenn man so ein Tier so lange alleine lasse, dann könne es mit solchen Ausbrüchen reagieren, das sei normal.

Was tat der Besitzer?
Er schlug sein Tier mit einem Gürtel, bis es nur mehr wimmernd in der Ecke lag. Er zerschnitt dem Husky mit einer Rasierklinge die Beine – einen Teil der Klinge fanden Tierärzte später in der Mundhöhle des Hundes. Und er trat ihm fast alle Zähne ein. Als die Polizei kam, hatte Buba keinen einzigen ganzen Zahn mehr im Maul.

Wurde Buba dem Mann abgenommen?
Nein, der Besitzer wurde überzeugt, das Tier der Hunde-Such-Hilfe zu schenken.

Der zweieinhalbjährige Rüde lernt jetzt erst, dass Menschen nicht nur böse sind
Der zweieinhalbjährige Rüde lernt jetzt erst, dass Menschen nicht nur böse sind
Hunde-Such-Hilfe

Warum das?
"Die Polizei kann ein Tier nicht abnehmen, das kann nur der Amtstierarzt", so Regina Drlik. Wenn das passiert, käme der Hund danach aber zunächst einmal ins Tierheim – auch nicht die schönste Erfahrung für eine gequälte Tier-Seele.

Und wenn das Tier verschenkt wird? "Wenn wir als Verein den Hund geschenkt bekommen, dann kommt er sofort auf einen Pflegeplatz bei erfahrenen Hundehaltern, solange er gesundheitlich aufgepäppelt wird", erläutert die Obfrau der Hunde-Such-Hilfe. Ihre Mitarbeiter hätten deshalb immer Schenkungsverträge parat, um in Fällen wie diesem rasch reagieren zu können.

Wie ging es mit Buba weiter?
Er kam zunächst stationär in eine Tierklinik, um die schlimmsten Verletzungen zu behandeln, und danach auf eine Pflegestelle, wo man sich mit Huskys auskennt. Dort ist er nach wie vor – und präsentiert sich als mustergültiges Tier.

Inwiefern?
"Buba wurde auf das Schlimmste misshandelt und gequält", so Regina Drlik. "Aber er ist jetzt bei seinen neuen Bezugspersonen trotzdem freundlich, zugänglich und offen – unvorstellbar."

Also ein Happy End für Buba?
Bis hierhin auf jeden Fall. Ob und wie rasch er einen guten Platz findet, an dem er bis an sein Lebensende bleiben kann, wird sich weisen. Zunächst muss Buba einmal wieder gesund werden. Zwei Zahn-Operationen muss er noch über sich ergehen lassen, damit er sein Gebiss wieder halbwegs normal benutzen kann. Und er wird eine Rolle beim Strafprozess gegen seinen ehemaligen Besitzer spielen.

Welche Rolle?
Buba ist wahrscheinlich der erste Hund in Österreich, der einen Anwalt zur Seite gestellt bekommt, denn: "Wir wollen dem armen Tier eine Stimme geben, darauf aufmerksam machen, was ihm von seinem Besitzer angetan wurde und etwas dazu beitragen, dass dieser Tierquäler seine gerechte Strafe erhält", so Regina Drlik.

Übernahm den "Fall Buba": Rechtsanwalt und Tierfreund Sascha Flatz mit Mitarbeiterin Rafaela Goj und den "Kanzlei-Tieren" Pablo und Miko
Übernahm den "Fall Buba": Rechtsanwalt und Tierfreund Sascha Flatz mit Mitarbeiterin Rafaela Goj und den "Kanzlei-Tieren" Pablo und Miko
Sascha Flatz

Was ist der Hintergedanke?
"Tierquäler sind eine Gefahr für die Gesellschaft", so Regina Drlik. Aber bei solchen Prozessen würden derartige Täter immer noch häufig zu nachsichtig behandelt. "Ich will die Sensibilität aufseiten der Justiz erhöhen", so die Tierschutz-Obfrau.

Wer wird dieser Anwalt sein?
Sascha Flatz, Strafverteidiger in Wien und selbst bekennender Hunde- und Tierfreund. Sein Labrador Retriever Pablo hat einen eigenen Mitarbeiter-Eintrag auf der Homepage der erfolgreichen Anwaltskanzlei und teilt sich das Büro zudem mit Kanzleikatze Miko.

Wie soll das vor sich gehen?
"Der Verein Hunde-Such-Hilfe ist jetzt der Eigentümer von Buba und ich vertrete als Anwalt den Verein", erläutert Rechtsanwalt Sascha Flatz seinen Plan. "Als solcher schließe ich mich dem Strafprozess gegen den ehemaligen Besitzer von Buba wegen Tierquälerei (§ 222 Strafgesetzbuch) als Privatbeteiligter an.

Was bedeutet das?
Einerseits möchte Sascha Flatz so die Behandlungskosten für das Tier, die jetzt schon bei etwa 4.000 Euro liegen, obwohl die Behandlung noch lange nicht abgeschlossen ist, vom Verursacher der Verletzungen erstreiten. Und zudem die Haftung für nachfolgende Behandlungskosten, die aufgrund der Quälerei notwendig sind.

Und weiter?
"Außerdem kann ich auf diese Weise auf das Strafverfahren gegen den Mann Einfluss nehmen, etwa in Form von Beweisanträgen, Fragen an den Angeklagten oder durch Zeugenbefragungen", so der Anwalt.

Was ist das Ziel?
Am Ende eine möglichst adäquate Strafe für den Tierquäler zu erreichen: "Alle wissen, dass Staatsanwälte sehr überlastet sind und unzählige schreckliche Verbrechen bearbeiten müssen", so Flatz. "Wir wollen sie in dieser Sache etwas unterstützen. Die Art, wie der Hund bösartig und sadistisch gequält worden ist, sollte auch im Urteil ihren Niederschlag finden."

Sein Schicksal soll die Sensibilität der Justiz erhöhen: Buba kann sich endlich ohne Angst entspannen
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Hunde-Such-Hilfe

Welche Strafe erwartet den Ex-Besitzer des gequälten Husky?
"Sollte er ein unbescholtener Ersttäter, also noch nicht wegen diesem oder einem anderen Delikt vorbestraft sein, dann wird er maximal acht Monate bis 1 Jahr Haft bedingt erhalten, wenn er schuldig gesprochen wird", so Rechtsanwalt Flatz. Nachsatz: "Wobei die Beweislage in diesem Fall allerdings ziemlich eindeutig ist."

Kassiert der Anwalt dafür sein übliches Honorar?
Nein, er habe den Fall pro bono übernommen, so Sascha Flatz. "Ich bekomme dafür überhaupt nichts, mache das komplett gratis. Ich bin seit jeher sehr tierlieb und möchte dem Verein dabei helfen, dass er zumindest die Behandlungskosten für Buba zurückbekommt."

Hat er so einen Fall schon einmal übernommen?
"Nein, das ist das erste Mal", so Sascha Flatz. Und der Advokat möchte nicht ausschließen, dass er in Zukunft erneut tätig wird: "Es macht mich wütend und ärgert mich, wenn Tiere gequält werden. Ich möchte dagegen etwas tun, weil ich denke, wir Menschen haben die Pflicht, Tiere zu schützen."

Martin Kubesch
Akt. 12.02.2026 22:48 Uhr