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Schicksalstag für Grönland

Showdown in Davos: So schützt Österreichs Bundesheer Trump

Am World Economic Forum in Davos will Europa den US-Präsidenten von seinem Grönland-Kurs abbringen. Wie der Trump-Auftritt in der Schweiz aussehen wird, worum es geht, warum auch das Bundesheer mit 1.000 Soldaten für Trumps Sicherheit sorgt.

Auch in der Schweiz wird US-Präsident Donald Trump mit seinem Helikopter Marine One unterwegs sein. Der erweitere Luftraumschutz um Davos erfolgt auch durch das Bundesheer
Auch in der Schweiz wird US-Präsident Donald Trump mit seinem Helikopter Marine One unterwegs sein. Der erweitere Luftraumschutz um Davos erfolgt auch durch das BundesheerAPA-Images / Zuma / AdMedia
Martin Kubesch
Akt. 20.01.2026 01:09 Uhr

Der Mittwoch könnte ein entscheidender Tag für die Zukunft Europas werden. Denn beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos soll US-Präsident Donald Trump eine programmatische Rede halten. Wenn sie wie erwartet ausfällt, könnten die kommenden Jahre für den Kontinent alles andere als gemütlich werden.

Was genau Trump bei seinem Auftritt sagen wird, ist noch nicht bekannt. Dass der immer stärker eskalierende Streit zwischen den USA und Europa um Grönland ein Thema sein wird, gilt jedoch als sicher. Und damit wohl auch die Frage der Zukunft der NATO.

Sicher ist indes, dass auch Österreich einen Anteil daran hat, dass Trump und seine Entourage sowie Dutzende weitere Staatschefs aus aller Welt sicher nach Davos anreisen können. Denn das Bundesheer unterstützt die Schweizer Armee bei der Luftraumsicherung mit insgesamt mehr als 1.000 Soldaten, Kampfflugzeugen und Hubschraubern.

Was über den Ablauf des Trump-Besuchs in der Schweiz bekannt ist, mit welcher Schock-Botschaft der US-Präsident Europas Politiker einmal mehr aufgeschreckt hat und wie das Bundesheer beim Besuch des US-Präsidenten mitmischt – das muss man über den wichtigsten Staatsbesuch des Jahres wissen:

Das "USA-House" beim World Economic Forum ist heuer noch größer und pompöser als üblich ausgefallen. Amerika wird mit der "größten Delegation aller Zeiten" in den Alpen aufmarschieren
Das "USA-House" beim World Economic Forum ist heuer noch größer und pompöser als üblich ausgefallen. Amerika wird mit der "größten Delegation aller Zeiten" in den Alpen aufmarschieren
APA-Images / AFP / INA FASSBENDER

Worum geht es?
Um das Weltwirtschaftsforum bzw. World Economic Forum (WEF) im Nobel-Wintersportort Davos in der Ostschweiz.

Was ist das?
Ein seit 1971 stattfindendes Treffen globaler Eliten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Ursprüngliches Ziel war es, über eine "Verbesserung des Zustands der Welt zu diskutieren und Lösungen für globale Herausforderungen zu finden". So gehörten in den letzten Jahrzehnten Themen wie der Klimawandel und die Bekämpfung der Armut zu den wichtigsten Diskussionspunkten.

Gibt es noch weitere Themen?
Ja, in den letzten Jahren wurde das WEF immer mehr auch zum Schauplatz angewandten Krisenmanagements, sei es der Kampf gegen den Terror, der Umgang mit der Corona-Pandemie oder die Suche nach Lösungen für militärische oder wirtschaftliche Konflikte.

Von wann bis wann findet das WEF heuer statt?
Es hat am Montag, dem 19. Jänner, abends begonnen und dauert bis Freitag, 23. Jänner.

Gibt es ein Thema für das Treffen?
Ja, das Motto des WEF lautet dieses Jahr "A Spirit of Dialogue" ("Im Geiste des Dialogs"), eine Anspielung auf die herausfordernde geopolitische Lage. Auf dem Programm steht etwa die Frage, wie Kooperation trotz wachsender globaler Spannungen möglich bleibt.

Wann kommt Trump?
Der US-Präsident wird am Mittwoch ankommen und soll planmäßig bis Freitag bleiben.

Ist das bestätigt?
Nein, diese Angaben folgen Medienberichten aus dem Umfeld des Präsidenten. Fix ist lediglich, dass Trump am Mittwoch eine programmatische Rede halten wird. Sie soll um 14.30 Uhr beginnen und ist mit 45 Minuten angesetzt.

Ist es überraschend, dass Donald Trump heuer nach Davos kommt?
Ja und nein. Überraschend ist es insofern, als nur selten amtierende US-Präsidenten den Weg in die Schweizer Berge auf sich nehmen. Der erste war Bill Clinton im Jahr 2000, danach war Pause bis zu Donald Trumps erster Amtszeit, während der er zweimal (2018 und 2020) nach Davos reiste. Trump ist ein WEF-Fan, sein diesjähriger Besuch ist bereits der Dritte als amtierender Präsident, letztes Jahr ließ er sich zudem per Video zuschalten.

Dänische Soldaten bei ihrer Ankunft am Nuuk Airport auf Grönland: das Königreich verlegte zuletzt zusätzliche Kräfte auf die Insel, die Donald Trump unbedingt in Besitz nehmen möchte
Dänische Soldaten bei ihrer Ankunft am Nuuk Airport auf Grönland: das Königreich verlegte zuletzt zusätzliche Kräfte auf die Insel, die Donald Trump unbedingt in Besitz nehmen möchte
APA-Images / AFP / MADS CLAUS RA

Wer begleitet den Präsidenten?
Zahlreiche Minister und weitere Schlüsselpersonen seiner Regierung. Mit dabei sind demnach Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Handelsminister Howard Lutnick und Energieminister Chris Wright. Außerdem der Sondergesandte Steve Witkoff (verhandelt für Trump u. a. für einen Ukraine-Frieden), sein stellvertretender Stabschef Stephen Miller sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (Ehemann von Ivanka Trump), der den Präsidenten vor allem in Nahost-Angelegenheiten berät. Es soll die "größte US-Delegation aller Zeiten" sein.

Sind weitere Staatschefs angekündigt?
Ja, insgesamt wollen 64 Staats- und Regierungschefs nach Davos kommen. Darunter sechs der sieben G7-Staatschefs (inkl. Trump), zahlreiche europäische Staatschefs sowie Vertreter der EU, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Syriens Ahmad al-Sharaa. Auch Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker wird in Davos sein.

Kommen auch Wirtschaftsbosse?
Aber ja, mehr denn je. Aus Trumps Umfeld wurden u.a. Jensen Huang (Nvidia), Satya Nadella (Microsoft) und Jamie Dimon (JPMorgan) angekündigt. Insgesamt werden an die 850 CEOs aus der ganzen Welt erwartet, so die Veranstalter. Alles in allem werden heuer 3.000 Gäste aus 130 Ländern beim World Economic Forum erwartet.

Worüber wird Trump sprechen?
Das ist eine der großen Fragen, die das WEF heuer begleitet. Als fix gilt lediglich, dass der Präsident seinen "Friedensrat" für Gaza offiziell ins Leben rufen wird, dem u.a. Steve Witkoff und Jared Kushner, der ehemalige britische Premierminister Tony Blair, der Milliardär Marc Rowan, der türkische Außenminister Minister aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, der ägyptische Geheimdienstchef, der israelisch-zyprische Milliardär Yakir Gabay und die ehemalige UN-Sondergesandte für Gaza, Sigrid Kaag, angehören werden, wie Axios schreibt. Wobei Trump diesen "Friedensrat" offenbar größer aufziehen möchte, als bislang bekannt war.

Was ist damit gemeint?
Am Montag der WEF-Eröffnung wurde bekannt, dass Trump offenbar zahlreichen Ländern eine Mitgliedschaft in seinem "Friedensrat" angeboten hat – gegen eine Zahlung von einer Milliarde Dollar. Deutschland bestätigte den Erhalt einer Einladung, auch der kanadische Premierminister Mark Carney, die Staatschefs der Türkei und Ägyptens, Recep Tayyip Erdogan und Abdel Fattah al-Sisi. Auch die EU-Kommission bestätigte eine Einladung. Und sogar der Kreml bestätigte, dass Wladimir Putin eine Einladung erhalten habe.

Was soll der "Friedensrat" sein?
Vermutlich eine "Gegen-UNO" nach den Vorstellungen Washingtons. Trumps Rede wird vermutlich den Stapellauf für die Idee darstellen.

Was ist mit Grönland?
Schwer vorstellbar, dass Trump das aktuelle Thema Nummer 1 seiner Politik, seine Forderung nach der weltgrößten Insel, in Davos nicht aufgreift. Bereits im Vorfeld des WEF hat er einmal mehr seine Sicht der Lage dargelegt – und zwar in einem inhaltlich wie stilistisch ziemlich außergewöhnlichen Schreiben an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre.

Was hat Trump geschrieben?
Der Wortlaut: "Lieber Jonas, da Ihr Land mir den Friedensnobelpreis für die Beendigung von mehr als acht Kriegen verweigert hat, sehe ich mich nicht länger verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken, obwohl dieser immer im Vordergrund stehen wird. Ich kann mich nun darauf konzentrieren, was gut und richtig für die Vereinigten Staaten von Amerika ist. Dänemark kann dieses Land nicht vor Russland oder China schützen, und warum sollten diese überhaupt ein 'Eigentumsrecht' haben? Es gibt keine schriftlichen Dokumente, nur die Tatsache, dass vor Hunderten von Jahren ein Boot dort landete – aber auch wir landeten dort mit Booten. Ich habe seit der Gründung der Nato mehr für sie getan als jeder andere, und nun sollte die Nato etwas für die Vereinigten Staaten tun. Die Welt ist nicht sicher, solange wir nicht die vollständige Kontrolle über Grönland haben. Vielen Dank! Präsident DJT"

Donald Trump und Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre im Oktober 2025 in Scharm El-Scheich. Am Montag erhielt der Skandinavier Post von Trump
Donald Trump und Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre im Oktober 2025 in Scharm El-Scheich. Am Montag erhielt der Skandinavier Post von Trump
APA-Images / AP / Suzanne Plunke

Welche Reaktionen gab es auf dieses Schreiben?
Die internationalen Reaktionen pendelten zwischen Verblüffung und Fassungslosigkeit. Zunächst waren viele Beobachter davon ausgegangen, dass es sich um Fake News handelt, ehe Norwegens Ministerpräsident den Erhalt des Schreibens bestätigte.

Was plant die EU?
Sie hat für Donnerstag einen Sondergipfel zum Thema in Brüssel einberufen, um das weitere Vorgehen zu paktieren. Vorher wollen aber mehrere EU-Staatschefs in Davos noch einmal versuchen, zu Trump durchzudringen und ihn von seinem Kurs abzubringen. Vor allem auf die italienische Premierministerin Giorgia Meloni setzen die Staatschefs große Stücke, sie gilt in der EU als "Trump-Versteherin".

Wenn das nicht klappt: welche EU-Reaktionen stehen im Raum?
Die Union pendelt einmal mehr zwischen dem Wunsch nach einem Konsens und dem Schritt, Trumps Zoll-Politik mit Gegenzöllen zu beantworten. Welchen Weg die EU einschlagen wird, hängt primär davon ab, was Trump am WEF zu Grönland sagen wird. Und als sicher gilt auch, dass Trumps Grönland-Weg auch darüber entscheiden wird, ob und in welcher Form die NATO weiter existieren wird.

Wie kommt der US-Präsident eigentlich in die Schweizer Berge?
Er wird am Mittwochvormittag mit seiner Air Force One in Zürich landen und danach per Hubschrauber Marine One in die Ostschweiz geflogen. Seit Tagen sind große US-Transportmaschinen am Flughafen Zürich zu sehen, die einerseits eine ganze Hubschrauberflotte und andererseits die Wagen für den Präsidentenkonvoi über den Atlantik eingeflogen haben.

Weiß man Genaueres über die Sicherheits-Strategie vor Ort?
Der Plan wird sein, dass Trump in einem Konvoi aus mehreren US-Hubschraubern fliegen wird, die während des Fluges auch mehrfach ihre Positionen wechseln, dass unklar ist, in welchem Helikopter der Präsident wirklich sitzt. Solch ein Formationsflug wurde demnach bereits bei Trumps letztem Besuch in Davos angewendet.

Wo wird Trump wohnen?
Angeblich im Fünfsterne-Hotel "Alpengold". Es soll laut der Schweizer Zeitung Blick über ein "geheimes" Stockwerk verfügen, das autark versorgt werden kann und dessen Bewohner keinen Kontakt mit den übrigen Hotelgästen haben müssen. Bestätigt ist das aber nicht.

Wie ist das Österreichische Bundesheer am Sicherheitskonzept für den US-Präsidenten beteiligt?
Unser Heer wird im Rahmen der Luftraumsicherungsoperation "Dädalus 2026" den Luftraum über Vorarlberg und Teilen Tirols sichern. Immerhin liegt Davos nur etwa 15 Kilometer Luftlinie von der österreichischen Grenze entfernt.

Wie läuft "Dädalus 2026" ab?
"Es wurde ein Flugbeschränkungsgebiet über Teilen von Vorarlberg und Tirol eingerichtet, das nur mit Erlaubnis des Heeres durchflogen werden darf", erläutert Generalmajor Gerfried Promberger, der Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, das Konzept.

Wenn Donald Trump an- bzw. abreist, wird eine Eurofighter-Rotte durchgehend den österreichischen Luftraum nahe Davos sichern
Wenn Donald Trump an- bzw. abreist, wird eine Eurofighter-Rotte durchgehend den österreichischen Luftraum nahe Davos sichern
Bundesheer

Wie wird das überwacht?
Mittels stationärer sowie zusätzlich mobiler Radarüberwachung und dem Einsatz von insgesamt elf Flugzeugen und zehn Hubschraubern des Heeres. Unter den eingesetzten Flugzeugen sind auch mehrere Eurofighter, die im Ernstfall binnen kürzester Zeit eingreifen können.

Wie viele Soldaten sind an der Operation beteiligt?
Insgesamt mehr als 1.000. "Sie führen Patrouillenflüge durch, identifizieren und kontrollieren Luftraumverletzungen, übernehmen Transportaufgaben und verstärken das Lagebild", so Generalmajor Promberger. Das alles in enger Abstimmung mit der Schweizer Luftwaffe, die auf ihrer Seite der Grenze genau dieselben Aufgaben übernimmt. Zudem steht in Hohenems ein "Emergency Response Team" bereit für den Fall, dass es im Flugbeschränkungsgebiet zu einem Unglück kommt.

Wie funktioniert die Luftraumüberwachung konkret?
Jedes Luftfahrzeug, dass in das Sperrgebiet einfliegen möchte, wird vom Heer überprüft. Dringt ein Flugzeug unangemeldet in das Flugbeschränkungsgebiet ein, wird es von den Heerespiloten abgefangen.

Gibt es viele Flugbewegungen im betroffenen Gebiet?
"Am vergangenen Freitag, als wir das Flugbeschränkungsgebiet probeweise aktiviert haben, waren es 71 Anträge auf Durchflug, die allesamt überprüft werden mussten", so Austrian Air Force-Chef Promberger.

Das Flugbeschränkungsgebiet im Süden von Vorarlberg
Das Flugbeschränkungsgebiet im Süden von Vorarlberg
Republik Österreich

Gelten für das Heer an den Tagen, wenn Trump in Davos ist, besondere Regeln?
Diesbezüglich wollen sich Österreichs Militärs nicht zu sehr in die Karten schauen lassen. Aber es ist davon auszugehen, dass während der An- und Abreise des Präsidenten permanent eine Eurofighter-Rotte (zwei Jets) den Luftraum auf österreichischer Seite absichert.

Ist das Heer zum ersten Mal in den Schutz des WEF eingebunden?
Nein, die Luftraumüberwachung findet bereits seit mehreren Jahrzehnten statt, wobei die Anforderungen nicht jedes Jahr ident sind. "Wir stimmen uns immer aufs Neue mit den Schweizer Kameraden ab", so Generalmajor Promberger, "um den jeweils nötigen Sicherheitserfordernissen bestmöglich gerecht werden zu können."

Martin Kubesch
Akt. 20.01.2026 01:09 Uhr