Was immer wiederkehrende Streitigkeiten über Jahrzehnte nicht geschafft hatten, gelang Donald Trumps Iran-Krieg binnen Wochen: Einen Keil zwischen den Verbündeten USA und Israel zu treiben. Bei Trumps Iran-Deal saß das Land nicht einmal mehr mit am Tisch.

Als am 28. Februar Hunderte amerikanische und israelische Kampfflugzeuge nahezu zeitgleich zu ihren Angriffen auf den Iran abhoben, schien die Allianz zwischen Washington und Jerusalem enger denn je. 40 Tage lang führten beide Staaten ihren Krieg gegen die Islamische Republik Seite an Seite.
Doch während US-Präsident Donald Trump und die iranische Führung nun eine Vereinbarung getroffen haben, die den Waffenstillstand verlängern und den Konflikt beenden soll, hat sich das Verhältnis grundlegend verändert. Israel sitzt nicht mit am Verhandlungstisch. Nach allem, was bislang über das Abkommen bekannt geworden ist – eine vollständige Fassung liegt der israelischen Regierung offenbar nicht einmal vor –, werden zentrale israelische Sicherheitsinteressen kaum oder gar nicht berücksichtigt.
Ein israelischer Diplomat beschreibt das Ergebnis mit bitterer Ironie als einen "glorreichen Fehlschlag".
Für Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist dies zugleich eine persönliche Niederlage. Über Jahre hinweg hatte er enorme politische Energie darauf verwendet, Trump von der Notwendigkeit eines militärischen Vorgehens gegen den Iran zu überzeugen. Seine Hoffnung: Der Krieg könnte die Machtverhältnisse im Nahen Osten dauerhaft verändern und möglicherweise sogar das Regime in Teheran zu Fall bringen.

Auf einer Pressekonferenz am 15. Juni erklärte Netanjahu dennoch, der Krieg sei ein Erfolg gewesen. Israel habe sich vor der "Gefahr nuklearer Vernichtung" geschützt. Über das Abkommen zwischen Washington und Teheran sprach er hingegen kaum.
Tatsächlich fällt die Bilanz deutlich nüchterner aus. Zwar wurden dem Iran erhebliche Schäden zugefügt. Doch das Regime besteht fort. Mehr noch: Die Hardliner in Teheran scheinen gestärkt aus dem Konflikt hervorzugehen.
Besonders problematisch aus israelischer Sicht ist, dass das am 19. Juni in Genf zu unterzeichnende Abkommen das iranische Atomprogramm zunächst gar nicht regelt. Dabei handelt es sich um jene Frage, die für Jerusalem oberste Priorität besitzt. Stattdessen sollen darüber in den kommenden 60 Tagen weitere Verhandlungen geführt werden. Ob diese tatsächlich zu einem Ergebnis führen, ist offen. Ebenso denkbar ist eine wiederholte Verlängerung der Gespräche.
Auch die militärischen Fähigkeiten des Iran bleiben weitgehend unangetastet. Das Land verfügt weiterhin über ein Arsenal ballistischer Raketen, das Israel, andere Staaten des Nahen Ostens und potenziell darüber hinaus bedrohen kann. Hinweise darauf, dass das Raketenprogramm Teil des Abkommens sein könnte, gibt es bislang nicht.
Ähnlich enttäuschend fällt die Bilanz bei einem zweiten Kernanliegen Israels aus: dem iranischen Netzwerk regionaler Stellvertreterorganisationen.
Vor allem die libanesische Hisbollah profitiert indirekt von der neuen Vereinbarung. Noch wenige Stunden vor Bekanntgabe der Waffenruhe hatte Israel versucht, durch einen Angriff auf ein Ziel in Beirut die Verhandlungen zu beeinflussen. Anlass waren Drohnenangriffe der Hisbollah auf israelisches Gebiet.

Doch statt die Gespräche scheitern zu lassen, bewirkte der Angriff offenbar das Gegenteil. Er verstärkte Trumps Entschlossenheit, den Deal rasch abzuschließen.
Zwar betonte Verteidigungsminister Israel Katz, israelische Truppen würden in den während des Krieges eroberten Sicherheitszonen im Südlibanon verbleiben. Doch Teheran drängt darauf, auch einen israelischen Rückzug zum Bestandteil der Vereinbarung zu machen.
Vor allem aber kann Israel nicht mehr sicher sein, dabei auf die Unterstützung Washingtons zählen zu können.
Der amerikanische Präsident sparte zuletzt nicht mit scharfer Kritik an seinem bisherigen Partner. In mehreren Interviews äußerte Trump offen seinen Ärger über die israelische Führung. Er sei "stinksauer" gewesen, weil Israel mit dem Angriff auf Beirut "überhaupt kein Urteilsvermögen" gezeigt habe. Netanjahu sei ein "sehr schwieriger Typ" und solle den Vereinigten Staaten dankbarer sein.
Bereits während des Krieges hatte sich abgezeichnet, dass die strategischen Ziele beider Länder zunehmend auseinanderliefen. Besonders deutlich wurde dies, als israelische Angriffe auf iranische Energieanlagen Trumps Unmut hervorriefen.
Während Israel auf einen grundlegenden Machtwechsel in Teheran hoffte, war der amerikanische Präsident vor allem daran interessiert, mit eben jenem Regime eine politische Vereinbarung zu erzielen.

Ein ehemaliger israelischer Regierungsvertreter in Washington beschreibt die Entwicklung als strukturelles Problem: Früher hätten Beamte beider Länder auf allen Ebenen offen miteinander kommuniziert. Heute sei die Beziehung weitgehend auf die persönliche Verbindung zwischen Trump und Netanjahu reduziert – mitsamt allen Spannungen und Dramen, die daraus entstünden.
Noch grundsätzlicher ist jedoch ein anderes Problem: Die strategischen Interessen Israels und der USA in Bezug auf den Iran sind nicht mehr deckungsgleich.
Bereits in den ersten Kriegstagen hatten einzelne Stimmen aus dem israelischen Sicherheits- und Geheimdienstapparat davor gewarnt, die politischen Ziele zu hoch zu stecken. Israel müsse realistischer definieren, was militärisch überhaupt erreichbar sei.
Doch die spektakulären Erfolge der ersten Luftschläge ließen solche Mahnungen verstummen. Die militärische Führung stellte sich hinter Netanjahus Kurs. 40 Tage lang schien der Krieg Israels Kalkül zu bestätigen.
Dann zog Trump die Reißleine.
Seitdem steht Israel weitgehend allein da.

Die Konfrontation mit dem Iran war über Jahrzehnte hinweg Netanjahus außenpolitische Obsession. Zweimal führte er Israel in Kriege, die letztlich diesem Ziel dienten. Zwar wurden Irans Atom- und Raketenprogramme erheblich beschädigt. Doch vieles davon könnte sich als vorübergehend erweisen.
Die strategischen Ziele Israels wurden nicht erreicht. Gleichzeitig haben die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten gelitten. Auch die Beziehungen zu mehreren arabischen Staaten, die Israel zuletzt als Partner gegen den Iran betrachtet hatten, sind belastet.
Für Netanjahu könnte dies auch innenpolitisch erhebliche Folgen haben. Im Oktober stehen Wahlen an. Es wird schwer sein, sich als Garant israelischer Sicherheit zu präsentieren, wenn die Ergebnisse des Krieges hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleiben.
Zugleich kann er es sich nicht leisten, als Gegenspieler Trumps wahrgenommen zu werden. Schließlich hat Netanjahu seine besondere Nähe zum amerikanischen Präsidenten stets als politischen Trumpf eingesetzt – und Trump genießt in weiten Teilen Israels nach wie vor beträchtliche Popularität.
Allerdings verfügen auch Netanjahus Gegner bislang über keine überzeugende Alternative. Führende Oppositionspolitiker unterstützten den Krieg zu Beginn ebenso entschlossen wie die Regierung. Ihre Kritik richtet sich heute weniger gegen die Entscheidung zum Krieg selbst als gegen dessen begrenzte Ergebnisse.

"Wir brauchen dringend eine neue Iran-Strategie", sagt ein israelischer Militärplaner.
Bislang allerdings ist nicht erkennbar, wer eine solche Strategie formulieren könnte – oder wie sie aussehen soll.
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"From The Economist, translated by www.deepl.com, published under licence. The original article, in English, can be found on www.economist.com"