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Neuer Bericht enthüllt

Wie eine Pizzeria in Salzburg den Hisbollah-Terror finanzierte

Ein von Exil-Libanesen betriebenes Lokal in Salzburg soll mit Captagon-Tabletten 40 Millionen Euro für die Hisbollah und ihren Krieg gegen Israel erwirtschaftet haben. Wie es dazu kommen konnte, welche Rolle Österreich für die Finanzen der Terrormiliz generell spielt.

Die synthetische Droge Captagon wird das "Kokain des kleinen Mannes" genannt
Die synthetische Droge Captagon wird das "Kokain des kleinen Mannes" genanntAPA-Images / AP / Hussein Malla
Martin Kubesch
Akt. 17.04.2026 02:06 Uhr

Spätestens als die eher unterdurchschnittlich beliebte Pizzeria groß umbaute und einen zusätzlichen Gastraum eröffnete, wurde man in der Salzburger Gemeinde Bürmoos stutzig. Und diskutierte angeregt, woher denn das Geld dafür stammen könnte.

Vom Pizzaverkauf allein könne es nämlich nicht sein, so der allgemeine Tenor in der 5.000-Einwohner-Ortschaft. Dafür seien die Teigfladen des unter libanesischer Leitung stehenden Italo-Lokals einfach nicht beliebt genug.

Des Rätsels Lösung, weshalb die Pizzeria trotz Umsatzflaute gar so prosperierte, lieferte am Ende die Justiz. Sie verhaftete 14 Personen, die meisten von ihnen libanesischer oder syrischer Herkunft und aus dem Umfeld der Pizzeria. Diese hätten das Lokal als Umschlagplatz für Drogen genutzt, so der Vorwurf. Acht der Beschuldigten wurden im Jahr 2022 schließlich zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und neun Jahren verurteilt.

Aber das ist nicht das Ende vom Lied. Denn erst jetzt wurde bekannt, in wessen Auftrag hier seinerzeit Drogen durch die Salzburger Provinz geschleust wurden. Wie eine aktuelle Studie enthüllt, gingen die Erlöse aus der Bürmooser Pizza-Connection an die islamistische libanesische Hisbollah-Miliz. Und wurden von dieser für ihren Terrorkrieg gegen den Staat Israel verwendet.

Bis zu 300 Mio. Dollar (ca. 255 Mio. Euro) erwirtschaftet die Terrormiliz Hisbollah, die maßgeblich vom Iran unterstützt wird, demnach pro Jahr durch illegale Aktivitäten, so das Expertenpapier. Die Pizzeria in Bürmoos war Teil dieses Geldbeschaffungs-Netzwerkes.

Schauplatz eines Drogenkrimis von internationaler Tragweite: die kleine Salzburger Gemeinde Bürmoos im Flachgau
Schauplatz eines Drogenkrimis von internationaler Tragweite: die kleine Salzburger Gemeinde Bürmoos im Flachgau
APA-Images / Pressefoto Scharing

Wie der Drogenhandel zwischen Cardinale und Calzone funktionierte, warum die Radikalislamisten in Zukunft häufiger als bisher ihre Fühler nach Österreich ausstrecken werden und weshalb Terrorexperten davon ausgehen, dass unser Land in absehbarer Zeit mit Drogen aus dem Hisbollah-Netzwerk überschwemmt werden könnte – das muss man über die neue Terror-Gefahr wissen:

Die Bürmooser Drogen-Pizzeria

Wie lief der Drogenhandel im Salzburger Land ab?
Laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft fungierte die Pizzeria in Bürmoos seinerzeit ausschließlich als Umschlagplatz. Demnach wurden große Mengen der synthetischen Droge Captagon vom Libanon per Schiff zunächst nach Belgien gebracht und von dort weiter nach Bürmoos im Flachgau. In der Pizzeria wurden die Drogen aufwendig in Elektrogeräten versteckt und nach Italien weiter geschickt, von wo sie, wieder per Schiff, nach Saudi-Arabien geschmuggelt wurden.

Weshalb dieser Umweg? Das ginge doch viel direkter?
Der Punkt ist der: Waren, die auf dem Landweg nach Saudi-Arabien importiert werden, werden von den saudischen Behörden sehr streng kontrolliert. Importe aus der EU erhalten hingegen wesentlich weniger Aufmerksamkeit seitens des arabischen Zolls.

Was geschah im Detail?
Captagon wird in Tablettenform konsumiert. Laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kamen seinerzeit insgesamt 30 Tonnen oder 13,8 Millionen Captagon-Tabletten nach Bürmoos. Dort wurden sie so geschickt umgepackt, dass sie kaum entdeckt werden konnten.

Und zwar?
Die Tabletten wurden in Industrie-Pizzaöfen, Industrie-Waschmaschinen, Wäschetrocknern und anderen Elektrogeräten versteckt. Dafür wurde aus den Öfen die Isolierwolle entfernt. Aus den Waschmaschinen und Trocknern wurden die Steine, die die Geräte beschweren sollen, entfernt. Die Hohlräume wurden mit Bleiplatten ausgelegt und anschließend mit Tabletten gefüllt.

Wozu die Bleiplatten?
Damit die Drogen nicht entdeckt worden wären, hätte man die Pakete beim Zoll eventuell geröngt.

Der Prozess gegen die Captagon-Gang im Jahr 2022: Acht der 14 Angeklagten wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt
Der Prozess gegen die Captagon-Gang im Jahr 2022: Acht der 14 Angeklagten wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt
APA-Images / APA / BARBARA GINDL

Und das hat funktioniert?
Laut Staatsanwaltschaft schon. Jedenfalls wurden seinerzeit in der Pizzeria keine Captagon-Tabletten mehr gefunden. Die wurden offenbar alle bereits exportiert.

Wie viel Geld wurde damit gemacht?
Die Behörden errechneten eine Gesamtsumme von etwa 40 Millionen Euro, die dabei abgefallen sein sollen.

Wie kam man dem Schmuggel dann auf die Spur?
Es gab einen Kronzeugen. Außerdem wurde im Vorfeld insgesamt drei Jahre lang ermittelt und es wurden etwa 200.000 Telefongespräche zwischen Verdächtigen aufgezeichnet und ausgewertet.

Die Captagon-Connection

Was ist Captagon eigentlich?
Eine synthetische Droge, die aufputscht und stimuliert, euphorisierend wirkt und den Appetit hemmt. Es wird auch als "Dschihadistendroge" oder "Kokain des kleinen Mannes" bezeichnet.

Ist Captagon der Wirkstoff der Droge?
Nein, Captagon ist ein Markenname, der künstlich hergestellte (= synthetische) Wirkstoff in der Droge heißt Fenetyllin. Ursprünglich war Captagon ein Medikament u. a. gegen ADHS, wurde aber in den 1980er-Jahren verboten, weil es extrem gesundheitsgefährdend ist.

Was kann geschehen?
Der Konsum von Captagon ist hochgradig süchtig machend und kann zu Herzrhythmusstörungen, kognitiven Beeinträchtigungen und weiteren schweren Nebenwirkungen wie Krämpfen und psychotischen Zuständen führen.

Bis zu 50 Milliarden Dollar soll Syriens Herrscher Bashar al-Assad pro Jahr mit der Produktion von Captagon eingenommen haben
Bis zu 50 Milliarden Dollar soll Syriens Herrscher Bashar al-Assad pro Jahr mit der Produktion von Captagon eingenommen haben
APA-Images / AFP / MOHAMMED AL-R

Weshalb wird es aus dem Libanon nach Europa exportiert?
Der eigentliche Herstellungsort der Droge ist zumeist Syrien. Im Zuge des Bürgerkriegs in dem Land (ab 2013) wurde Captagon in Massen und unter staatlicher Aufsicht produziert. Einerseits, um die eigenen Kämpfer damit zu dopen. Und andererseits, um durch den Export Devisen für den Krieg zu lukrieren. Angeblich hat das syrische Assad-Regime bis zu seinem Sturz Ende 2024 pro Jahr bis zu 50 Milliarden Euro (!) durch den illegalen Export von Captagon verdient.

Ist Captagon schwer herzustellen?
Im Gegenteil, die Produktion ist einerseits sehr unkompliziert und andererseits auch noch sehr günstig. Laut Berichten enthalten die meisten Tabletten heute gar nicht mehr den Wirkstoff Fenetyllin, sondern vor allem Amphetamin und Koffein. Die Wirkung bleibt dieselbe. In der Herstellung kostet eine Tablette laut Schätzungen etwa 3 bis 4 Cent.

Und um wie viel werden die Tabletten verkauft?
Wie die ARD berichtet, werden auf den Straßen von Riad, Jeddah oder Dubai zwischen 15 und 20 Dollar pro Tablette bezahlt. Aber selbst wenn es weniger ist, sind die Gewinnspannen dennoch gigantisch.

Wo wird Captagon vornehmlich konsumiert?
Die Droge ist vor allem auf der arabischen Halbinsel derzeit extrem begehrt. Deshalb werden auch so komplizierte Umwege in Kauf genommen wie etwa jener über das Salzburger Land, um die Tabletten zu den Süchtigen zu bekommen.

Haben auch die strengen Strafen in Saudi-Arabien etwas damit zu tun?
Auf jeden Fall. Das absolutistische Königreich richtet jährlich mehrere hundert Menschen hin, die meisten wegen Drogenvergehen – und viele von ihnen Ausländer. 2025 wurden insgesamt 356 Menschen hingerichtet, 243 davon wegen Drogendelikten.

Die Terror-Studie

Was hat das alles mit der Hisbollah zu tun?
Die Terrormiliz hat ihre Finger ganz tief im Drogenhandel, und das Geschäft mit Captagon ist für sie eine bedeutende Einnahmequelle. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie, die unter der Leitung der libanesischen Soziologin Lina Khatib vom britischen Think Tank Chatham House in Kooperation mit der österreichischen Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) durchgeführt worden ist.

Begräbnis eines Hisbollah-Kämpfers: Die Miliz stellt im Libanon einen "Staat im Staat" dar
Begräbnis eines Hisbollah-Kämpfers: Die Miliz stellt im Libanon einen "Staat im Staat" dar
REUTERS/Alaa Al-Marjani

Was ist die Dokumentationsstelle Politischer Islam?
Die Organisation wurde 2020 gegründet und wird über das Integrationsministerium finanziert. Ihre Aufgabe ist die Erforschung und Dokumentation des Politischen Islam und der sich daraus ergebenden Entwicklungen und Notwendigkeiten.

Was muss man über die Hisbollah wissen?
Der Name bedeutet übersetzt Partei Allahs. Die Miliz wurde 1982 im Libanon gegründet als Reaktion auf die Invasion des Landes durch Israel. Die Hisbollah ist schiitisch und wird maßgeblich vom Iran unterstützt. Sie agiert im Libanon als "Staat im Staat", betreibt soziale Einrichtungen für die Bevölkerung und sitzt im libanesischen Parlament. Ihr militärischer Arm ist aber gleichzeitig für unzählige Angriffe auf Israel verantwortlich, primär durch den Beschuss mit Raketen vom Süden des Libanons aus.

Wie finanziert sich die Hisbollah?
Nach US-Schätzungen beträgt das "Jahresbudget" der Hisbollah 1 Milliarde Dollar (ca. 850 Mio. Euro). 30 Prozent davon werden durch verschiedene illegale Aktivitäten "erwirtschaftet" – und Europa ist einer der Hauptschauplätze für diese Form der Geld-Generierung.

Wie wird dieses Geld "erwirtschaftet"?
Das wurde in der Studie von Chatham House und DPI unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Hisbollah hat sich zu einer Art globalem Dienstleister für das organisierte Verbrechen entwickelt. Sie bietet verschiedene Dienstleistungen an, wobei ihr vor allem in Europa ein dichtes Netzwerk aus Landsleuten in der Diaspora, Scheinfirmen und Vereinen helfe. Gleichzeitig wird dieses Netzwerk auch genutzt, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Und gerade hier hat die Terrormiliz derzeit einen erhöhten Finanzbedarf.

Weshalb?
Weil die finanzielle Unterstützung des Iran seit den Angriffen auf das Land durch die USA und Israel erheblich ins Stocken geraten ist, so die Autoren der aktuellen Studie.

Wie geht die Hisbollah dabei vor?
Drogenhandel, Geldwäsche mit Luxusgütern wie Kunstwerken, Luxusuhren oder Edelsteinen, Spendensammlungen, aber auch legale Aktivitäten wie Immobilienhandel oder Pkw-Export. Die Geschäftsfelder seien laut der Chatham House-Studie mannigfaltig.

Den Millionen der Hisbollah auf der Spur: die libanesische Wissenschafterin Lina Khatib
Den Millionen der Hisbollah auf der Spur: die libanesische Wissenschafterin Lina Khatib
APA-Images / EPA / CLAUDIO PERI

Geht es beim Drogenhandel nur um Captagon?
Nein, es bestehen laut Studie auch Verbindungen zu süd- und mittelamerikanischen Drogenkartellen. So kauft die Hisbollah offenbar auch Suchtgift aus Südamerika und verschifft es über Westafrika nach Europa.

Gibt es weitere Beispiele wie die Salzburger Drogen-Pizzeria?
Es gibt sehr unterschiedliche Modelle. So wurde etwa von europäischen Behörden die "Operation Cedar" enttarnt und gesprengt. Hisbollah-Mitglieder waren dabei in Frankreich, Belgien, Deutschland und Italien tätig und wuschen durch den internationalen Kauf und Verkauf von Luxusgütern Geld. Auf diese Weise wurde etwa eine Million Euro aus illegalen Geschäften gesäubert – pro Woche.

Und wie wird das Geld dann in den Libanon gebracht, ohne dass es entdeckt wird?
Entweder durch das alte arabische Hawala-System, einem Geldtransfer auf Vertrauensbasis. Oder, ganz neumodisch, mittels Kryptowährungen, wobei hier vor allem Tether benutzt werde.

Wie "groß" ist die Hisbollah im Drogenhandel?
Im Vergleich mit den großen Kartellen sei sie, laut Studie, ein kleiner Player. Ihre Aktivitäten und Verbindungen in diesem Bereich machen sie aber gleichzeitig zu einer der reichsten Terrororganisationen im Nahen Osten, so Expertin Lina Khatib.

Warum Europa zu wenig gegen die Hisbollah unternimmt

Was stellen die westlichen Staaten den Aktivitäten der Hisbollah entgegen?
An vorderster Front bei den Maßnahmen zur Aufdeckung und Bekämpfung der Finanzaktivitäten der Hisbollah stünden die USA, so die Studienautoren. Aber während die USA hier eine sehr rigide Linie fahren und etwa auch das venezolanische Drogenkartell Tren de Aragua, das mit der Hisbollah kooperiert, als Terrororganisation eingestuft haben, um "schärfere" Maßnahen anwenden zu können, sei die Linie in Europa diesbezüglich wesentlich uneinheitlicher.

Was ist damit gemeint?
Nur wenige europäische Staaten haben die Hisbollah in ihrer Gesamtheit als Terrororganisation eingestuft und überwachen sie und ihre Schritte dementsprechend. Diese Staaten sind Tschechien, Estland, Deutschland, der Kosovo, Lettland, Litauen, die Niederlande, Serbien, Slowenien und das Vereinigte Königreich. Und das Schweizer Parlament stimmte im Dezember 2024 für ein Verbot der Hisbollah.

Milliardengeschäft Captagon: Sogar in ausgehöhlten Früchten werden die Tabletten geschmuggelt
Milliardengeschäft Captagon: Sogar in ausgehöhlten Früchten werden die Tabletten geschmuggelt
APA-Images / AFP / ANWAR AMRO

Und der Rest?
Die meisten anderen Länder behalten die Einstufung als Terrororganisation nur für den militärischen Flügel der Hisbollah bei, nicht aber für den politischen Flügel. Die Begründung lautet, dass die Hisbollah im libanesischen Parlament sitze und in der Regierung vertreten sei. Deshalb wolle man sich die Dialog-Möglichkeit mit allen politischen Akteuren offenhalten. Das ist etwa die Argumentationslinie von Frankreich. Auch Österreich folgt dieser Linie und hat nur den militärischen Arm der Hisbollah als terroristisch eingestuft.

Was ist der Nachteil dieser Haltung?
Sie sorge laut Lina Khatib für Schlupflöcher: So könnten etwa Hisbollah-Mitglieder in Österreich legal Vereine gründen oder Bankgeschäfte durchführen. Auch das Spendensammeln sowie die meisten Finanztransaktionen können so ohne Kontrolle stattfinden. Und letztlich sei es dadurch auch kaum möglich, etwa gegen Personen oder Organisationen Sanktionen auszusprechen. Die inkonsequente Einstufung der Hisbollah als Terrorgruppe in Europa schaffe Grauzonen, die ihre Aktivitäten erst ermöglichen würden.

Was wäre nötig?
Eine abgestimmte Haltung und Einstufung der Hisbollah seitens der EU und im Schulterschluss mit den USA. Komme es nicht dazu, werde die Hisbollah auch weiterhin die Lücken im europäischen Rechtssystem ausnutzen und ihre legalen und illegalen Geschäftspraktiken gleichermaßen forcieren. Und auf diese Weise die Taschen der Organisation weiter mit europäischen Geldern füllen.

Was Österreich blühen könnte

Was könnte passieren, wenn es zu keiner koordinierten Einstufung der Hisbollah auf EU-Ebene kommt?
Einerseits werde die Terrormiliz jene Länder, in denen sie dann noch ungehindert agieren kann, noch stärker als bisher schon in ihre Geldbeschaffungsaktionen einbeziehen.

Außerdem?
Damit verbunden werde es künftig auch schwierig, bestimmte Finanzaktivitäten über europäische Grenzen hinweg nachzuverfolgen. Dadurch sei es Hisbollah-Einrichtungen in Europa auch weiterhin ungehindert möglich, sich als Wohltätigkeits- oder religiöse Organisationen zu tarnen, um Finanztransaktionen zugunsten der Terrormiliz und ihrer Agenda durchzuführen.

Gibt es noch weitere Befürchtungen?
Suchtgiftexperten wie der Amerikaner Antonio Hubbard, ein Ex-Agent der amerikanischen Drogenbehörde DEA, halten es durchaus für möglich, dass die Billig-Droge Captagon schon bald von der Hisbollah und anderen Organisationen nicht mehr nur durch Europa durchgeschleust, sondern hier auch vertrieben wird.

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APA-Images / AFP / JACK GUEZ

Was ist damit im Detail gemeint?
"Kein Transitland wird ein reines Transitland bleiben", macht sich der Ex-US-Bundesagent gegenüber der ARD in Bezug auf eine mögliche Verlagerung der Captagon-Produktion nach Mitteleuropa keine Illusionen. Zu lukrativ sei das Geschäft, zu einfach die Herstellung der synthetischen Droge. Und sobald sie hier produziert werde, würde sich auch ein Abnehmermarkt etablieren, so die Befürchtung.

Gibt es Anzeichen, wann das geschehen könnte?
Es sei bereits so weit, so die Conclusio der ARD. Bei einem Prozess in Bayern hätte einer der mutmaßlichen Hintermänner eines Captagon-Handels seine Pläne offengelegt. Demnach sei geplant gewesen, Maschinen für die Herstellung der Pillen nach Österreich zu bringen, um hier eine Captagon-Produktion aufzuziehen. Man wollte nur mehr das Pulver für die Produktion aus Syrien importieren.

Und um welche Produktionsumfänge wäre es dabei gegangen?
Der Informant sprach im Prozess von einer Tonne Captagon-Tabletten, die produziert werden sollten – und zwar alle 20 Tage. Das hätte am Ende eine Jahresproduktion von 18 Tonnen oder gut 8,5 Millionen Tabletten ergeben.

Martin Kubesch
Akt. 17.04.2026 02:06 Uhr