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47 Jahre Vorgeschichte

Geiseln, Geld, Gier: So wurden die USA und der Iran zu Feinden

Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. US-Experte Eugen Freund über die demütigende Geiselnahme von Amerikanern im Iran, die dunklen Machenschaften von CIA und religiösen Fanatismus.

Nach der Befreiung wird US-Geisel Richard Morefield am 27. Januar 1981 von seiner Mutter Maria abgebusselt
Nach der Befreiung wird US-Geisel Richard Morefield am 27. Januar 1981 von seiner Mutter Maria abgebusseltAPA-Images / AP
Eugen Freund
Akt. 15.04.2026 22:51 Uhr

"Mir ist egal, ob sie weiter verhandeln oder nicht …", bellt Donald Trump in ein Mikrofon. Sein Ausspruch bezieht sich auf die gescheiterten Gespräche in Islamabad, die, so überraschend wie sie zustande gekommen waren, auch schnell wieder vorbei waren.

Vielleicht wollte er seinem Vize J.D. Vance auch keinen Erfolg gönnen. Wer Trump kennt, weiß, wie Trump denkt. Dass nur er in der Lage ist, wirklich heikle Situationen zu meistern: einen Staatspräsidenten mit Waffengewalt aus einem Amtssitz heraus zu entführen (wie Nicholas Maduro aus Venezuela) oder Grönland und Panama und Kanada in die USA einzuverleiben.

Ach ja, dann wären da noch die Zollerhöhungen, mit deren Hilfe er die US-Wirtschaft stabilisieren und Freunde auf der ganzen Welt gewinnen wollte. Hat dann alles nicht ganz so geklappt, bis auf Maduro.

Und doch: Über zwanzig Stunden saßen Vertreter der US-Administration und der iranischen Regierung zusammen und loteten aus, wie man aus dem von Trump ausgelösten Kriegszustand und der daraus entstandenen Energiekrise herauskommen kann.

Trotz des mageren Ergebnisses (immerhin hatte man offen gelassen, ob es weitere Gespräche geben wird) waren das die längsten bilateralen Verhandlungen, die es seit dem Umsturz im Iran im Jahr 1979 je zwischen den beiden Staaten gegeben hatte. Dieses Jahr 1979 hatte in den Beziehungen alles verändert. Und vor allem eines aufgezeigt: ohne Vertrauen lassen sich Konflikte nicht lösen.

Eugen Freund war Moderator der ZiB 1, lebte von 1979 bis 1984 in New York und von 1995 bis 2001 in Washington
Eugen Freund war Moderator der ZiB 1, lebte von 1979 bis 1984 in New York und von 1995 bis 2001 in Washington
Helmut Graf

Das erste 9/11 gab es 1979

Für die USA vor einer Generation war es fast so etwas wie die Vorwegnahme der Ereignisse vom 11. September 2001 - wenn auch mit einem glücklicheren Ausgang. Genau 444 Tage lang, vom Spätherbst 1979 bis zum Jänner 1981, hielten iranische Studenten (jedenfalls wurden sie als solche bezeichnet), ursprünglich mehr als 90 US-Diplomaten in der US-Botschaft in Teheran als Geiseln fest.

Vorausgegangen war diesem Ereignis der Sturz des Schah von Persien durch Ayatollah Khomeini, der lange Jahre im Exil in Paris verbracht hatte. Schah Reza Pahlewi (mit seinen Ehefrauen Soraya und Farah Diba) war nicht nur Liebling von Zahnarzt-Postillen wie Revue, Quick und Bunte Illustrierte, sondern auch der engste Verbündete der USA in dieser Region.

Für den Durchschnittsamerikaner kam die Geiselnahme völlig überraschend. Nur die wirklich Eingeweihten wussten vom Zusammenspiel des CIA mit dem Schah beim Sturz des damaligen Premierministers Mossadeq im Jahr 1953. Und dass die USA danach den Iran mit Waffen, Kampfjets und Industriegütern vollstopften.

Doch mit der Rückkehr von Khomeini veränderte sich alles. Erst am Tag der Amtseinführung von Ronald Reagan, am 22. Jänner 1981, nach deutlich über einem Jahr also, wurden die Geiseln freigelassen. Seit damals, so lautete die allgemeine Theorie, gab es zwischen den beiden Staaten keine diplomatischen Kontakte mehr.

1978 war es in Teheran und anderen Großstädten des Iran zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern Reza Pahlevis und islamischen Nationalisten gekommen. Streiks und Demonstrationen legten das Land lahm.

Mitte Jänner verließ der Schah das Land und ging ins Exil. Zwei Wochen später kehrte Ayatollah Khomeini aus seinem Zwangsaufenthalt aus Paris in den Iran zurück. Millionen Menschen begrüßten ihn begeistert. Nur wenige Tage später fiel auch das Regime, das bis dahin dem Schah gegenüber loyal gegenübergestanden war.

Das Ende des Kaiserreichs war nun nur noch eine Frage der Zeit. In einer Volksbefragung sprach sich das Volk mehrheitlich für die Einführung einer islamischen Republik aus. Ayatollah Khomeini wurde Oberster Führer des Landes.

Hochzeit 1967: Schah Reza Pahlewi mit Farah Diba, einer seiner beiden Ehefrauen
Hochzeit 1967: Schah Reza Pahlewi mit Farah Diba, einer seiner beiden Ehefrauen
APA-Images / Everett Collection

Statt Geisel-Rettung gab es tote Soldaten

"Devastating" und "devastated" – das waren die beiden Worte, mit denen die Medien in den USA die Situation am 24. April 1980, also vor genau 46 Jahren, immer wieder beschrieben.

"Verheerend" (oder vielleicht auch "verwüstend", weil sich die Katastrophe in einer unwirtlichen Wüste im Westen des Iran abspielte) und "am Boden zerstört" – das passte nicht nur zur Reaktion des damaligen Präsidenten Jimmy Carter. Das charakterisierte auch mit einem Wort, was damals vorgefallen war.

Nach vielen Wochen vergeblichen Verhandelns hatte sich Carter entschlossen, die 52 amerikanischen Geiseln aus Teheran mit Gewalt zu befreien – mitten im Wahlkampf für eine zweite Amtsperiode. Doch das Unternehmen ging katastrophal schief: erst versagten die Motoren von drei der acht Hubschraubern in einem Sandsturm, daraufhin sagte der Präsident die Militäroperation ab.

Danach stieß beim nächtlichen Abzug aus der Wüste ein US-Helikopter mit einem C-130 Transportflugzeug zusammen, acht Soldaten kamen dabei ums Leben.

Über der Präsidentschaft von Jimmy Carter stand kein guter Stern. Sowohl die Republikaner, deren Präsidentschafts-Kandidaten Ronald Reagan den glücklosen Carter beerben wollte, als auch Israel spielten dabei mit gezinkten Karten.

Ich verfolgte damals das Drama von meiner Tätigkeit in New York aus mit. Jeden Abend saß ich vor dem Fernseher und switchte zwischen den Nachrichtensendungen hin und her.

Ayatollah Khomeini machte den Iran vom Kaiserreich zu einer religiösen Diktatur
Ayatollah Khomeini machte den Iran vom Kaiserreich zu einer religiösen Diktatur
APA-Images / AFP

Tägliche TV-Sendung über Geisel-Drama

Es begann an jenem Oktobertag im Jahr 1979, als die Vereinigten Staaten ihren (nach Israel) engsten Verbündeten in der Region, den gestürzten Schah des Iran, aus Gesundheitsgründen (er litt an Krebs) in die USA einreisen ließen. Wenige Tage später, am 4. November, stürmte eine erzürnte Menge von Studenten (?) die US-Botschaft in Teheran und nahm die ganze Mannschaft als Geiseln.

Die USA unter Jimmy Carter erlebten einen ersten Höhepunkt der anti-amerikanischen Einstellung. Schon zuvor hatte der Ölpreis-Schock das Land erfasst. Die Reaktion des Präsidenten darauf ließ viele daran zweifeln, ob er geeignet sei, das Land zu regieren. Carter empfahl seinen Landsleuten, den Thermostat daheim niedriger zu stellen und sich einfach wärmer anzuziehen.

Doch an seinem ehrlichen Bemühen, die Botschaftsangehörigen freizubekommen, zweifelte kaum jemand. Auch wenn die elektronischen Medien, allen voran CBS mit Walter Cronkite und ABC mit Ted Koppel, die abendlichen Zuhörer nicht vergessen ließen, in welcher Krise die USA steckten.

Cronkite, damals die "vertrauenswürdigste Persönlichkeit" des Landes, beendete jede seiner Abendnachrichten mit dem Hinweis, das sei der "x-te Tag der Geiselnahme im Iran."

Und ein anderer, damals gerade aufstrebender Journalist, Ted Koppel von ABC, bekam eine eigene Spätabendsendung "America Held Hostage" (die später als "Nightline" um 23.30 Uhr das wichtigste Ereignis des Tages zusammenfasste), in der stets das Neueste im Zusammenhang mit den gefangenen Amerikanern diskutiert und analysiert wurde.

Aber selbst diese angesehensten Journalisten (und auch Jimmy Carter) hatten keine Ahnung, was die wahlkämpfenden Republikaner ausheckten, um Carter das Überleben im Amt unmöglich zu machen – und gleichzeitig die Gefangenschaft der Geiseln in der US-Botschaft so lange wie möglich hinauszuzögern.

Dass sie dann nach 444 Tagen freigelassen wurden, am 20. Jänner 1981, lediglich 20 Minuten nachdem Ronald Reagan in sein Amt eingeführt worden war, wurde als weitere, letzte Erniedrigung von Jimmy Carter durch den Iran betrachtet. Niemand ahnte, dass ein Mann namens William J. Casey die Fäden für diesen Termin gezogen haben dürfte.

Die amerikanischen Teheran-Geiseln nach ihrer Befreiung am 25. Jänner1981 auf dem Frankfurter Flughafen
Die amerikanischen Teheran-Geiseln nach ihrer Befreiung am 25. Jänner1981 auf dem Frankfurter Flughafen
APA-Images / dpa / Heinz Wiesele

So wurde ein "October Surprise" vereitelt

Gary Sick diente drei US-Präsidenten als Experte im Nationalen Sicherheitsrat. Unter Jimmy Carter agierte er nach der Geiselnahme als wichtigster Mittelsmann in den Verhandlungen mit dem Iran.

In seinem Buch "October Surprise" , das zehn Jahre nach den Ereignissen von Teheran erschien, schildert er minutiös, wie frühere Mitarbeiter und der spätere Direktor des US-Geheimdienstes CIA, William Casey, alles unternahmen, um mit der Gefangennahme der Geiseln politisches Kleingeld zu schlagen.

Gegen entsprechende, dringend benötigte Waffenlieferungen aus Israel an den Iran verhinderten sie, dass die US-Diplomaten rechtzeitig nach Hause kehren würden und so Jimmy Carter die von seinen Gegnern befürchtete "Oktober-Überraschung" gelingen würde. Carter also als Retter der Geiseln dastehen würde.

Schon nach dem Sturz des Schah waren gegen den Iran Sanktionen erlassen worden, die das Land in große Schwierigkeiten brachten. Dass gleichzeitig der irakische Präsident Saddam Hussein erst mit den Säbeln rasselte und dann tatsächlich einen Krieg mit dem Nachbarn begann, vergrößerte das Begehren Teherans, an Waffen und wichtige Ersatzteile für ihre großteils aus amerikanischen Beständen befindlichen Kampfflugzeuge heranzukommen.

Doch der Regimewechsel und vor allem die Geiselnahme hatten dafür gesorgt, dass die Regierung Carter alles andere als erpicht darauf war, den Iranern Waffen zu verkaufen, selbst wenn diese schon bezahlt waren.

Landsleute begrüßen die ehemaligen Geiseln bei ihrer Ankunft vor dem US-Militärhospital in Wiesbaden mit Applaus
Landsleute begrüßen die ehemaligen Geiseln bei ihrer Ankunft vor dem US-Militärhospital in Wiesbaden mit Applaus
APA-Images / dpa / Jörg Schmitt

Der schmutzige Tausch Waffen gegen Geiseln

Die Republikaner sahen jedoch in dieser Causa ihre große Chance, Jimmy Carter endgültig eine zweite Amtszeit zu verwehren. Laut Sick sollen erste Gespräche zum Thema Waffen gegen Geiseln bereits im Juni 1980 in einem Hotel in Washington abgehalten worden sein.

Danach sei William Casey, der damals den Wahlkampf von Ronald Reagan geleitet hatte, nach Madrid und Paris gereist, um konkretere Gespräche mit iranischen Mittelsmännern aufzunehmen. Diese These wird auch durch die Tatsache unterstützt, dass der Iran in den Geheimverhandlungen, die die Carter-Administration führte, wenige Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen sein Interesse an Waffenlieferungen plötzlich aufgab.

Jimmy Carter selbst, der ein wichtiges Abrüstungsabkommen mit der damaligen Sowjetunion unterzeichnet hatte, galt als ausgesprochener Gegner eines derartigen Deals. Doch laut Sick war die Haltungsänderung des Iran darauf zurückzuführen, dass Teheran bereits eine fixe Zusage für die Lieferung von Waffen und Ersatzteilen durch die Leute um Ronald Reagan erhalten hatte.

Was für die Umsetzung noch fehlte, war ein unverdächtiger Lieferant. Über einen jüdischen Waffenhändler, der aus Persien stammte, wurden Kontakte nach Israel geknüpft.

Ex-Präsidenten (v. li.): George Bush, Ronald Reagan, Jimmy Carter, Gerald Ford und Richard Nixon
Ex-Präsidenten (v. li.): George Bush, Ronald Reagan, Jimmy Carter, Gerald Ford und Richard Nixon
Reuters

Wie der CIA und Israel die Fäden zogen

Die Regierung von Menachem Begin hatte alles andere als freundschaftliche Beziehungen zu Präsident Carter. Das Camp-David-Abkommen, das zum Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten geführt hatte, war mit Zugeständnissen verbunden gewesen, die Jerusalem nur schwer schlucken wollte, auf die Carter aber bestanden hatte.

Die Machtverschiebung im Iran brachte zusätzliche Unsicherheiten mit sich – der Iran unter Schah Reza Pahlewi galt als Gegengewicht zu aggressiven arabischen Nachbarn. Doch nach der Machtübernahme durch die religiösen Fanatiker um Ayatollah Khomeini musste das sorgfältig kalibrierte Puzzle neu zusammengesetzt werden.

Da kam der israelischen Regierung entgegen, dass sie sich mit Waffenlieferungen hinter dem Rücken der USA, den iranischen Führern annähern konnte. Ein weiterer Vorteil bestand darin, dass in Israel kein Mangel an amerikanischem Militärmaterial herrschte.

Über komplizierte Umwege und unterschiedlichste Transporteinrichtungen landeten schließlich die ersten Ersatzteile in Teheran. Als das Regime in Teheran erkannte, dass sie mit den Republikanern Geschäfte machen konnten, ließen sie sich alle Zeit und zögerte die Verhandlungen mit Jimmy Carter so lange hinaus, bis dieser die Türschnalle des Weißen Hauses von außen in der Hand hielt.

Dass es viele Skeptiker gab, die dieser These nichts abgewinnen konnten, und selbst ein Ausschuss des Repräsentantenhauses keine Beweise für diese Handlungsweise der Republikaner finden konnte, ist nicht weiter verwunderlich: Wer will schon gerne zugeben, daran beteiligt gewesen zu sein, wie ein amerikanischer Präsident in einer außenpolitischen Krise von der gegnerischen Partei hintergangen wird, um damit einen Wahlausgang zu manipulieren.

Umso mehr, als jene Agentur, die Licht ins Dunkel hätte bringen können, die CIA, inzwischen von niemand Geringerem als William Casey, dem Drahtzieher des Deals, geleitet wurde.

William Casey war Wahlkampfleiter von Reagan, CIA-Chef und er zog im Hintergrund im Iran die Fäden
William Casey war Wahlkampfleiter von Reagan, CIA-Chef und er zog im Hintergrund im Iran die Fäden
APA-Images / EPA

USA schickten Iran-Geld in Nicaragua

Ähnliche Vorgänge fünf Jahre später bestätigten die These. In der sogenannten "Iran-Contra Affäre" zeigte sich die inzwischen im Amt befindliche Regierung Reagan bereit, einem Erzfeind Waffen zu verkaufen. Zufällig war es wieder der Iran, zufällig erneut, damit Geiseln freizubekommen.

Auch dieser Vorfall blieb übrigens lange geheim, um danach heftig dementiert zu werden.

Israel wiederum hatte ebenfalls kein Interesse, seine Beziehungen mit seinem wichtigsten Verbündeten und Geldgeber aufs Spiel zu setzen. Aber, wie wir seit damals wissen: wenn ein israelischer Ministerpräsident der Ansicht ist, der Amtsinhaber des Weißen Hauses sei ohnehin im statu abeundi, "im Zustand des Weggehens" also, dann findet er nichts dabei, auch einmal dem US-Präsidenten in den Rücken zu fallen und mit der Republikanischen Partei gemeinsame Sache zu machen.

Weil aber Machtpolitik manchmal jeder Logik entbehrt, verkaufte US-Präsident Ronald Reagan 1986 dem Iran wieder Waffen – wiederum unter totaler Ausschaltung der Öffentlichkeit.

Dennoch wurde der Waffendeal als "Iran-Contra" Skandal im letzten Jahr der Reagan-Administration von den Medien aufgedeckt. Und es stellte sich heraus: Das Geld für die Marschflugkörper, die der Iran erhalten hat, war an die regierungsfeindlichen Contras in Nicaragua weitergeleitet worden...

2006, damals war George W. Bush im Weißen Haus im Amt, überraschten beide Seiten dann mit der Ankündigung, sich wieder an einen Tisch setzen zu wollen.  Das hatte die damals ausweglose Situation im Nachbarland Irak möglich gemacht.

Die USA warfen den Iranern vor, die Aufständischen im feindlichen Irak zu unterstützen und somit zum Aufflackern des Bürgerkrieges beizutragen. Auf iranischer Seite schlug Ali Larijani (der vor wenigen Wochen bei einem Luftangriff getötet wurde) und der damals so etwas wie der nationale Sicherheitsberater der Mullahs war, Gespräche mit den USA vor.

Die USA stimmten zu. Erstmals seit 27 Jahren sollte es wieder diplomatische Verhandlungen zwischen diesen verfeindeten Ländern geben. Die Amerikaner hatten sogar schon einen Top-Diplomaten dafür auserkoren: Sie nominierten Zalmay Khalilzad, damals Botschafter in Bagdad, der noch dazu fließend Farsi spricht.

Noch ehe dieser Deal umgesetzt werden konnte, wurden die Gespräche jedoch abgesagt.

Abziehbild seines Vaters: Reza Pahlavi würde gern wieder die Macht im Iran übernehmen
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Wie der Wiener Atomwaffenvertrag gelang und scheiterte

Seit dem Beginn der 2000er Jahre bemühte sich die International Atomic Energy Agency (IAEA) in Wien, das Atomprogramm des Iran einzuschränken. Immer wieder wurde von einem "Durchbruch" gesprochen, immer wieder scheiterten die Gespräche an kniffligen Details.

Als Präsident Barack Obama ins Weiße Haus einzog, machte er die Verhandlungen über die Urananreicherung des Iran quasi zur Chefsache.

Im Jahr 2015 erzielten die USA und der Iran unter Beteiligung der Europäischen Union ein Rahmenabkommen, mit dem das iranische Atomprogramm eingedämmt werden sollte. Die Ayatollahs sollten danach in den nächsten zehn Jahren nicht in der Lage sein, eine nukleare Waffe zu bauen.

Mehr als dreieinhalb Jahrzehnte hat es gebraucht, um im amerikanisch-iranischen Verhältnis wenigstens wieder eine Gesprächsbasis herzustellen. Mit dem Atomabkommen bestand sogar die Chance, die völlig verfahrene Situation im Nahen Osten langsam zu ordnen.

Doch zumindest zwei Faktoren standen dem entgegen: Israel, das alleiniger Atomwaffen-Staat in der Region bleiben wollte. Und die republikanische Partei, die Präsident Barack Obama keinen außenpolitischen Erfolg zugestehen mochte.

Dabei waren es gerade diese beiden Seiten, die vor fast einem halben Jahrhundert, als der Konflikt mit dem Sturz des Schah und der Geiselnahme von amerikanischen Diplomaten ihren Ausgang nahm, hinter dem Rücken der damaligen Administration Jimmy Carters mit Teheran verhandelt hatten.

Friede? Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif mit der iranischen Delegation vor den Gesprächen mit den USA
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Tatsächlich waren es dann auch die Republikaner, genauer, Donald Trump, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit das Atomabkommen mit dem Iran für null und nichtig erklärte. Im vergangenen Juni drängte ihn der israelische Ministerpräsident, mit einem Bombeneinsatz der Urananreicherung endgültig ein Ende zu bereiten.

Großspurig behauptete Trump nach mehreren Bombenabwürfen, "das iranische Atomprogramm ist völlig zerstört." Im nächsten Angriffskrieg, ein drei Viertel Jahr später, legte der launische Präsident die Latte noch höher: er wollte nicht nur dem iranischen Atomprogramm endgültig den Garaus machen (es war also doch nicht „völlig zerstört“)? sondern auch einen Regimewechsel in Teheran herbeiführen.

Doch auch das gelang nicht. Und so musste sich J.D. Vance mit den Vertretern der Mullahs in Islamabad an einen Tisch setzen. Nur: ohne Vertrauen kommt kein Ergebnis zustande.

Eugen Freund war - mit Unterbrechungen - von 1974 bis 2013 Journalist im ORF. Von 2014 bis 2019 war er Abgeordneter im Europäischen Parlament. Sein jüngstes Buch "Das Spiel mit dem Dritten Weltkrieg – wie Europa und die USA auseinanderdriften" erschien im Oktober 2025 (Wieser Verlag, Klagenfurt). 

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Eugen Freund
Akt. 15.04.2026 22:51 Uhr