Im Südosten Englands starben zwei junge Menschen an einer Meningokokken-Infektion, elf weitere sind mit schweren Symptomen im Krankenhaus. Was die Erkrankung so gefährlich macht, warum sie vor allem junge Menschen so oft trifft, wie gefährdet Österreich ist.

Zwei junge Menschen sind tot, eine Schülerin und ein Student der Universität Kent. Im Südosten Englands ist es zu einem massiven Meningitis-Ausbruch gekommen. Elf weitere Personen sind mit schweren Symptomen einer akuten Gehirnhautentzündung in Spitalbehandlung, eine davon liegt im Koma.
Ausgegangen sein dürfte die Infektion von einem Nachtklub in Canterbury, so die britischen Gesundheitsbehörden. Da Meningitis vor allem für Kinder und Jugendliche äußerst gefährlich ist, herrscht an der Universität und den Schulen im Umland derzeit Alarmstimmung.
Am Montag sagte die University of Kent sämtliche Präsenzprüfungen für diese Woche ab und verlegte sie ins Internet. Gleichzeitig erhielten hunderte Kommilitonen des Verstorbenen, die mit ihm in Kontakt gestanden sein könnten, vorsorglich Antibiotika.
Meningitis ist eine schwere Infektionskrankheit, die sowohl durch Viren als auch durch Bakterien übertragen werden kann. Und die, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird, sehr rasch tödlich enden kann.
Auch in Österreich ist die Meningitis derzeit wieder auf dem Vormarsch. Die Infektionszahlen stiegen von 2024 auf 2025 um mehr als 100 Prozent an. Es gibt zwar Schutzimpfungen gegen die Krankheit, diese werden aber nicht vom Staat bezahlt.

Wie man sich mit Meningitis ansteckt, woran man die Krankheit erkennt, wer besonders gefährdet ist, sich zu infizieren, und wie man sich am besten dagegen schützt – das muss man über die gefährliche Gehirnhautentzündung wissen:
Worum geht es?
Um einen folgenschweren Meningitis-Ausbruch in der südostenglischen Stadt Canterbury und dem Umland.
Wer ist davon betroffen?
Bislang sind zwei Todesopfer bestätigt. Ein Student der University of Kent in Canterbury. Und eine 18-jährige Schülerin aus der Abschlussklasse der Queen Elizabeth's Grammar School in Faversham, etwa 15 Kilometer außerhalb der mittelalterlichen Stadt.
Gibt es noch weitere Opfer?
Ja, außerdem sind elf weitere Personen aus der Region mit Meningitis-Symptomen in stationärer Spitalbehandlung, eine liegt im Koma. Die meisten von ihnen sind zwischen 18 und 21 Jahre alt, einige sind Studierende der Universität.
Wo haben sich die Opfer angesteckt?
Die Gesundheitsbehörden haben die Infektion laut BBC zu dem Nachtklub "Chemistry" in Canterbury zurückverfolgt. Dort fand am 6. März des Jahres eine Geburtstagsparty statt, bei der es offenbar zur Ausbreitung der Krankheit kam.
Woran sind die jungen Leute genau erkrankt?
An bakterieller Meningitis, der schwersten Form dieser heimtückischen Krankheit.

Was ist Meningitis?
Meningitis ist eine Infektion der Hirnhäute, also jener Membranen, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben, und kann, je nach Infektions-Typus, äußerst schwerwiegend verlaufen, wenn sie nicht umgehend behandelt wird.
Welche Arten der Infektion gibt es?
Eine Hirnhautentzündung kann entweder viral oder bakteriell erfolgen. Bei einer viralen Meningitis verursachen Viren die Meningitis. Dafür kommen etwa Herpes- oder Mumps-Viren, aber auch andere Viren infrage. Auch die durch Zeckenbisse übertragene Form der Meningitis ist viral verursacht, da sind es FSME-Viren, die für die Entzündung sorgen.
Und die zweite Form?
Die bakterielle Meningitis wird durch sogenannte Meningokokken verursacht. Die Infektion mit diesen Bakterien kommt zwar nur selten vor, verläuft aber meist wesentlich dramatischer als die virale Form der Meningitis.
Was bedeutet "dramatisch"?
Eine Meningitis muss möglichst rasch erkannt und behandelt werden, dann sind die Chancen auf vollständige Genesung sehr gut. Erfolgt eine Behandlung jedoch erst verhältnismäßig spät, kann diese Form der Hirnhautentzündung zu schweren Gehirn- oder Nervenschäden, zu Gehörverlust und im schlimmsten Fall auch zum Tod führen. Bei einer Meningokokken-Infektion kann es außerdem auch zu einer Sepsis kommen, wenn die Bakterien in den Blutkreislauf gelangen.
Wie groß ist die Gefahr eines tödlichen Ausgangs einer Infektion?
Statistisch endet etwa jede zehnte Infektion mit Meningokokken tödlich. bei etwa jedem dritten Überlebenden bleiben dauerhafte Komplikationen zurück.
Welche Komplikationen können zurückbleiben?
Meistens sind es Nervenschädigungen, die von Hörverlust bis hin zu Epilepsie reichen können.

Wie kann man sich mit Meningokokken anstecken?
Die Übertragung erfolgt ausnahmslos von Mensch zu Mensch. Die Bakterien sitzen meist im Nasen- und Rachenraum und sind sehr empfindlich, sie überleben nur wenige Sekunden an der Luft. Die Übertragung erfolgt daher meist durch Husten, Niesen oder Küssen.
Erkennt man, wenn jemand infiziert ist?
Meistens nicht, denn Meningitis-Infektionen werden in der Regel von Menschen übertragen, die selbst keine Symptome zeigen.
Kann man gegen Meningokokken immun werden, wenn man einmal infiziert gewesen ist?
Nein, man kann sich auch öfter damit infizieren.
Kann jeder eine bakterielle Meningitis bekommen?
Grundsätzlich ja, aber die Gefahr ist bei Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen wesentlich größer als bei älteren Menschen.
Wie lange ist die Inkubationszeit?
Üblicherweise etwa drei bis fünf Tage.

Besteht die Gefahr, dass eine Meningitis übersehen wird?
Ja, laut Trish Mannes von der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA besteht die Gefahr, die Symptome zu übersehen bzw. falsch zu deuten, da diese "leicht mit anderen Krankheiten wie einer Erkältung, Grippe oder sogar mit einem Kater verwechselt werden können".
Gibt es einen untrüglichen Test?
Ja, wenn eine Person punktartigen rötlichen Ausschlag hat, kann man ein leeres Wasserglas gegen die betroffene Hautstelle drücken. Handelt es sich um eine Meningokokken-Infektion, bleiben die Punkte rot, ist es ein anderer Ausschlag, verblassen die Punkte.
Was, wenn man sich nicht sicher ist, ob eine Infektion besteht?
Im Zweifel sofort in ein Krankenhaus gehen oder den Notruf wählen. Bei Meningokokken-Infektion zählt jede Stunde.
Wie behandelt man eine Infektion?
Mit Antibiotika-Gaben. Die meisten Menschen mit bakterieller Meningitis erholen sich wieder vollständig, benötigen aber meist eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus.
Gibt es eine Schutzimpfung gegen Meningitis?
Ja, man kann sich sowohl gegen Virus-Erreger als auch gegen Meningokokken impfen lassen. Vor allem bei Säuglingen und Kindern bzw. Jugendlichen ist ein Impfschutz nach Ansicht vieler Experten absolut anzuraten.
Bezahlt der Staat die Impfungen?
Nein, die Schutzimpfungen stehen zwar im nationalen Impfplan und werden für alle jungen Menschen bis 25 empfohlen. Allerdings muss man die Kosten dafür selbst tragen.

Was kosten die Schutzimpfungen?
Zwischen 100 und 150 Euro, je nach Serum, also gegen wie viele Virenstämme bzw. ob gegen Meningokokken geimpft wird.
Und in Großbritannien?
Schutzimpfungen gegen Infektionen mit Viren erhalten dort alle Schulkinder, allerdings nicht gegen Meningokokken-Infektionen.
Was tun die Behörden, um die Ausbreitung der Krankheit einzubremsen?
Die Gesundheitsbehörden haben in den letzten Tagen etwa 30.000 Menschen, die im Verdacht standen, mit den Infizierten (es geht immerhin um bislang 13 bekannte Personen, davon sind zwei mittlerweile tot) in näherem Kontakt gewesen zu sein, benachrichtigt und zu möglichen Infektionen befragt.
Weshalb so viele?
Alleine an der University of Kent sind 19.000 Studierende inskribiert. Dazu kommen zahlreiche Schulen in Canterbury und Umgebung.
Wie groß ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung?
Sie wird von den Behörden offenbar als groß eingeschätzt. Laut Times wurden zwei weitere Schulen in Alarmbereitschaft versetzt, nachdem ein Schüler der Norton Knatchbull School in Ashford mit Verdacht auf Meningitis ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Und die oberste Schulstufe der Simon Langton Grammar School in Canterbury wurde vorsorglich geschlossen.
Gibt es weitere Maßnahmen?
An der University of Kent wurden sämtliche Prüfungen dieser Woche ins Internet verlegt. Hunderte Studenten der Hochschule erhielten am Montag vorsorglich Antibiotika, weil sie eventuell mit Infizierten in Kontakt gekommen sein könnten. Zudem wurden mittlerweile zahlreiche lokale Veranstaltungen abgesagt, darunter auch mehrere St. Patrick's Day-Events am Dienstag, dem 17. März.

Also alles richtig gemacht?
Darüber ist man in England mittlerweile geteilter Meinung. Es gibt Kritik an den Gesundheitsbehörden, dass diese sich zu lange Zeit gelassen hätten, potenziell Infizierte zu informieren, heißt es in britischen Medien. Viele hätten erst am vergangenen Wochenende von den Infektionen erfahren, obwohl davon ausgegangen wird, dass die Welle zwischen dem 5. und 7. März ihren Anfang nahm.
Sind Meningokokken-Infektionen häufig?
In absoluten Zahlen nicht, aber die Infektionsraten steigen. In Großbritannien gab es 2024 insgesamt 340 Fälle, im letzten Jahr waren es 378. Damit kommen statistisch 0,54 Fälle auf 100.000 Einwohner.
Und in Österreich?
2024 hatten wir 15 Fälle, von denen einer tödlich endete. 2025 waren es 32, mehr als doppelt so viele. Daraus ergibt sich bei uns eine statistische Häufigkeit von 0,35 Fälle je 100.000 Einwohner.
Also sind Meningokokken-Infektionen eher selten?
Zum Glück ja. Aber die Geschwindigkeit, mit der eine Infektion zu fatalen und oft unumkehrbaren Folgen führen kann, macht eine Ansteckung mit Meningokokken so gefährlich.