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Alle identifiziert

Die Toten des Silvester-Infernos: Zwei Opfer waren erst 14 Jahre alt

Vier Tage nach dem Katastrophen-Feuer in einer Bar in Crans-Montana sind die Namen aller 40 Toten bekannt. 20 waren noch keine 18 Jahre alt, zwei Opfer erst 14. Einige Kinder stammen aus vermögenden Familien. Auf den Schweizer Schiort kommen Millionenklagen zu.

Ein Meer aus Blumen und Kerzen in der Nähe der Unglücks-Bar "'Le Constellation"'
Ein Meer aus Blumen und Kerzen in der Nähe der Unglücks-Bar "'Le Constellation"'APA-Images / Keystone / Alessandro della Valle
Christian Nusser
Akt. 05.01.2026 00:44 Uhr

Viele Menschen, nicht nur in der Schweiz, stellen sich momentan ein paar Fragen: Wie kann es sein, dass in einer Kellerbar leicht brennbares Material an der Decke montiert wird? Warum fiel das bei Kontrollen niemandem auf und gab es diese Kontrollen überhaupt? Und: Warum sitzt das Wirts-Ehepaar nicht längst in U-Haft?

Vier Tage nach dem verheerenden Feuer in der Silvesternacht in Crans-Montana steigt die Wut. Auch, weil die Behörden nur sehr spärlich Informationen preisgeben. Das nährt den Verdacht, dass beim Brandschutz nicht so genau hingeschaut wurde in den vergangenen Jahren. Einige Medienberichte stützen diese Vermutung.

Am Sonntag gelang es, alle Todesopfer der Katastrophe zu identifizieren, die Hälfte waren Teenager. Was man über den Brand und die Folgen Neues weiß:

Woher kommen die Opfer?
Mehrere Schweizer Medien wie der Blick oder 20 Minuten veröffentlichten am Sonntagabend Listen der Herkunftsländer der Toten. Erschütternd sind vor allem die Altersangaben, die Hälfte der Opfer war noch minderjährig.

22 Opfer stammen aus der Schweiz

  • Ein Mädchen im Alter von 14 Jahren
  • Vier Mädchen im Alter von 15 Jahren
  • Drei Teenager im Alter von 16 Jahren
  • Ein Mädchen im Alter von 16 Jahren
  • Ein Bursch im Alter von 17 Jahren
  • Drei Teenager im Alter von 18 Jahren
  • Eine junge Frau im Alter von 18 Jahren
  • Ein Mann im Alter von 20 Jahren
  • Eine Frau im Alter von 21 Jahren
  • Ein Mann im Alter von 21 Jahren
  • Zwei Frauen im Alter von 22 Jahren
  • Zwei Frauen im Alter von 24 Jahren (eine besaß auch die französische Staatsbürgerschaft)
  • Ein Mann im Alter von 31 Jahren
Der Moment, als das Feuer ausbrach, die Partygäste filmen die Flammen
Der Moment, als das Feuer ausbrach, die Partygäste filmen die Flammen
Screenshot X

8 Opfer stammen aus Frankreich

  • Ein Bursch im Alter von 14 Jahren
  • Ein Mädchen im Alter von 15 Jahren (sie besaß auch die israelische und britische Staatsbürgerschaft)
  • Ein Bursch im Alter von 17 Jahren
  • Ein Mann im Alter von 20 Jahren
  • Ein Mann im Alter von 23 Jahren
  • Eine Frau im Alter von 26 Jahren
  • Eine Frau im Alter von 33 Jahren
  • Ein Mann im Alter von 39 Jahren

6 Opfer stammen aus Italien

  • Ein Mädchen im Alter von 15 Jahren
  • Ein Mädchen im Alter von 16 Jahren
  • Vier Teenager im Alter von 16 Jahren (einer besaß auch die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Arabischen Emirate)

Die Opfer aus anderen Nationen

  • Eine Frau im Alter von 22 Jahren aus Portugal
  • Ein Bursch im Alter von 17 Jahren aus Belgien
  • Ein Bursch im Alter von 18 Jahren aus Rumänien
  • Ein Teenager im Alter von 18 Jahren aus der Türkei

Wie wurden die Toten identifiziert?
Experten-Teams aus der ganzen Welt halfen mit. Handys, Ausweise, Zeugenaussagen, Körpermerkmale, alles wurde ausgewertet. Auf einer eigens eingerichteten Instagram-Seite suchten Angehörige mit Fotos nach Lebenszeichen ihrer Liebsten.

Ein Blick auf die Unglücks-Bar, sie ist in einem Hotel untergebracht
Ein Blick auf die Unglücks-Bar, sie ist in einem Hotel untergebracht
APA-Images / AFP / MAXIME SCHMID

Was passierte nun mit der Instagram-Seite?
Auf ihr sind seit Sonntag keine Fotos mehr zu sehen, auch aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen.

Was macht die Identifikation so schwierig?
Einige der Teenager dürften sich mit gefälschten Ausweisen Zutritt verschafft haben. Das kommt in Clubs häufig vor. "Widerwärtig", nennt Aurora Ramazzotti (29) auf Instagram die Schuldzuweisungen. "Wart ihr etwa nie jung und unbedacht?", fragt die Tochter von Michelle Hunziker (48) und Eros Ramazzotti (62).

Was weiß man über die Opfer?
Einige stammen wohl aus sehr vermögenden Familien. Die Tochter eines deutschen Chemie-Vorstandes soll unter den Toten sein, ebenso die Tochter eines französischen Bank-Managers, berichtet das gut informierte Medienportal Inside Paradeplatz.

Was könnte das für Folgen haben?
Auf den Schweizer Luxus-Schiort könnten Millionenklagen zukommen. Rechtsanwälte sollen schon eingeschaltet worden sein. Wenn sich herausstellt, dass die Behörden oder die Gemeinde-Vertreter bei den Kontrollen des Brandschutzes versagt haben, wird es eng.

Gibt es dafür Indizien?
Schon. In den sozialen Medien tauchten Bilder auf, sie stammen offenbar aus der Zeit der Renovierung der Bar 2015. Die Fotos zeigen, wie der Schallschutz an der Decke montiert wird. Er spielt in den Ermittlungen eine zentrale Rolle.

Weiß man etwas über die Kontrollen?
Wenig. Die Gemeinde spricht davon, dass Lokale alle ein oder zwei Jahre kontrolliert werden. Der Betreiber der Bar sagte, er sei in den vergangenen zehn Jahren vielleicht zwei oder drei Mal überprüft worden. Andere Wirte im Ort erzählen unter der Hand, dass es mit den Checks nicht so genau genommen wurde.

Ein Lichtermeer erinnert an die Katastrophe zu Silvester
Ein Lichtermeer erinnert an die Katastrophe zu Silvester
APA-Images / AFP / MAXIME SCHMID

Was weiß man über den Betreiber?
Er hat jedenfalls eine bewegte Vergangenheit. Die Zeitung Le Parisien, berichtet, der Wirt sei vor 20 Jahren wegen "Betrugs, Entführung und Freiheitsberaubung" im Gefängnis gesessen. Bestätigt ist diese Information nicht.

Was ist der Stand der Ermittlungen?
Die Behörden sind mit Informationen sehr zurückhaltend. Immerhin wurde am Sonntag eine Strafuntersuchung gegen die beiden Betreiber der Bar "Le Constellation" in Crans-Montana eröffnet.

Warum kamen die beiden nicht in U-Haft?
Das Lokal gehört einem Ehepaar aus Korsika, das mehrere Betriebe in der Region eröffnet hat. "Gegen die Beschuldigten wurden keine Zwangsmaßnahmen angeordnet, da die Voraussetzungen für die Anordnung von Untersuchungshaft derzeit nicht erfüllt sind", teilte die Kantonspolizei Wallis mit.

Besteht nicht die Gefahr, dass sich das Ehepaar absetzt?
Offenbar befürchten die Ermittler das nicht. "Aktuell bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschuldigten sich dem Strafverfahren oder der zu erwartenden Sanktion durch Flucht entziehen könnten. Die übrigen Kriterien, namentlich die Gefahr der Wiederholung oder der Kollusion, kommen nicht in Betracht.

Was gilt als mutmaßliche Brandursache?
"Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen steht der Brandausbruch im Zusammenhang mit der Verwendung von "Fontänen", schreibt die Polizei. "Dabei handelt es sich um nichtmetallische Hülsen, die einen funken- und flammenerzeugenden pyrotechnischen Satz enthalten und zum Stellen auf den Boden, zum Befestigen an einer Halterung oder zum Halten in der Hand vorgesehen sind.

Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud behandelt die These mit den Wunderkerzen nun "prioritär"
Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud behandelt die These mit den Wunderkerzen nun "prioritär"
Reuters

Was heißt das?
Das belegen immer mehr Videos im Internet. Sie zeigen die Szenen vor der Katastrophe in der Bar. Zu sehen sind Jugendliche, die mit Champagnerflaschen in der Hand durchs "Le Constellation" gehen. Aus den Flaschen ragen Wunderkerzen, Funken sprühen gefährlich hoch. Ein Mädchen auf den Schultern eines jungen Mannes reckt eine Flasche weit in die Höhe.

Was passierte dann?
Kurz darauf brannte der Schaumstoff der Akustikdecke plötzlich lichterloh, rasend schnell breitete sich das Feuer aus. Aber die Gäste im Lokal flüchteten zunächst nicht, sie zückten ihre Handys und filmten.

Warum?
Die Jugendlichen sahen die Gefahr nicht kommen. Sie wussten nicht, was Verpuffungen sind, Flashovers, wie schnell es in einem Raum 1.000 Grad haben kann, die Luft toxisch wird. Dann begannen die Explosionen.

Wie viele Menschen befanden sich in der Bar?
Das ist nicht ganz klar. Mindestens 100, es können aber auch 300 gewesen sein. Genau wird man es vermutlich nie erfahren.

Wann brach der Brand aus?
Um 1.20 Uhr in der Silvesternacht gab es wohl die ersten Flammen, der Alarm bei der Feuerwehr ging knapp vor 1.30 Uhr ein. Zwei Minuten später waren die ersten Helfer am Unglücksort, der Bar "Le Constellation". Ein paar Stunden später stand fest: "Es handelt sich um eine der schlimmsten Tragödien, die es in diesem Land gab".

Wer sagte den Satz?
Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin am ersten Tag nach der Katastrophe. Und: "Es gibt Eltern, die wissen noch nicht, was mit ihren Kindern ist." Niemand kann sich die quälenden Stunden und Tage vorstellen.

Fassungslosigkeit im Angesicht der Katastrophe
Fassungslosigkeit im Angesicht der Katastrophe
APA-Images / AFP / MAXIME SCHMID

Wie wurde geholfen?
Es gab schnell einige freiwillige Helfer, die noch vor Feuerwehr und Rettung da waren. Einer von ihnen war Paolo Campolo (55). Er hat nach eigenen Angaben zusammen mit anderen Helfern Dutzende Menschen aus der Feuerhölle gerettet, nun liegt er im Krankenhaus. Auf X hat er niedergeschrieben, was passiert ist:

"Eine verschlossene Tür. Dann die Hölle. Ich liege in einem Krankenhausbett in Sion, meine Lunge noch voller Rauch, und meine Stimme versagt jedes Mal, wenn ich versuche zu sprechen.
Ich bin 55 Jahre alt und lebe in Crans-Montana mit meinem Partner und meiner 17-jährigen Tochter. Bis zu jener Nacht war mein Leben normal und ruhig. Dann, um 1:20 Uhr nachts war alles vorbei.

Ich war zu Hause, als ich aus den Fenstern vom "Le Constellation" lodernde Flammen schlagen sah. Unmittelbar danach klingelte das Telefon meiner Tochter. Es war einer dieser schrecklichen Anrufe: Feuer, Verletzte, ein Massaker. Ich rannte mit einem Feuerlöscher auf die Straße, doch mir wurde sofort klar, dass es nutzlos war.
Der Rauch war schwarz, dicht und unerträglich. Die Verbrennung war extrem schnell und heftig gewesen. Innerhalb weniger Minuten war der gesamte Sauerstoff im Inneren verbraucht. Drinnen konnte man nicht mehr atmen.

Ich fand meine Tochter draußen, regungslos, in einem Zustand der Benommenheit. Sie wartete auf ihren Freund, der hinter einer Tür stand. Er liegt nun mit schweren Verbrennungen in einem sehr ernsten Zustand im Krankenhaus in Basel.

Ihr Leben verdankt sie einer Verkettung von Ereignissen, die ich noch immer nicht ganz begreifen kann: Wäre es nur einen Augenblick früher oder später geschehen, würde ich heute eine ganz andere Geschichte erzählen.
Ich rief um Hilfe und versuchte, nicht den Verstand zu verlieren. Dann wurde mir klar, dass ich etwas unternehmen musste. Ich suchte nach einem alternativen Ausgang. Hinten sah ich eine verschlossene Tür, von innen verriegelt. Hinter dem Glas sah ich drei Personen auf dem Boden liegen.

Mit der Hilfe eines Fremden, der nach der Explosion herbeigeeilt war, brachen wir die Tür mit aller Kraft auf. Wir hatten kein Werkzeug, keine Zeit. Die Feuerwehr war bereits unterwegs, doch jede Sekunde entschied über Leben und Tod.
Als sich die Tür öffnete, fielen Leichen auf uns. Junge Menschen, lebendig, verbrannt, berauscht. Manche bei Bewusstsein, andere bewusstlos. Sie flehten mich in verschiedenen Sprachen um Hilfe an. Sie waren sehr jung. Dieser Ort wurde hauptsächlich von Minderjährigen frequentiert. Ich sah Mädchen in Miniröcken und eleganten Oberteilen, die Haut noch vom Feuer gezeichnet.

Ich zog sie einzeln mit bloßen Händen heraus. Ohne an den Schmerz, den Rauch, die Gefahr zu denken. Wir schleppten sie hinaus und ließen sie am Sammelpunkt auf dem Boden liegen. Sie schrien. Und in meinem Kopf war nur ein Gedanke: Es könnten meine Kinder sein. Es gab keine anderen Ausgänge. Wer drinnen blieb, hatte keine Chance zu entkommen.

Doch inmitten dieses Grauens sah ich auch Menschlichkeit. Die umliegenden Gebäude wurden in provisorische Erste-Hilfe-Stationen umgewandelt. Man nahm die Verwundeten auf, ließ sie sich setzen und half ihnen. Diese Solidarität werde ich nie vergessen.

Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, sind die Blicke. Die verzweifelte Klarheit derer, die wissen, dass sie sterben werden. Verbrannte Menschen, die einen ansehen und bitten, sie nicht dort zurückzulassen. Das ist etwas, das einen nie mehr loslässt.

Ich bin heute wegen einer Vergiftung im Krankenhaus. Meine Tochter ist in Sicherheit. Ihr Freund kämpft um sein Leben. In Crans-Montana endete Silvester nicht mit einem Toast. Es endete um 1:20 Uhr nachts vor einer Tür, die sich nicht öffnen ließ, während auf der anderen Seite jemand schrie: "Hilfe!"

400 Menschen nahmen am Abend an einem bewegenden Gottesdienst teil
400 Menschen nahmen am Abend an einem bewegenden Gottesdienst teil
Reuters

Wo liegt der Unglücksort?
Im französischsprachigen Südwesten der Schweiz im Kanton Wallis.Crans-Montana mit etwas über 15.000 Einwohnern liegt auf einem Hochplateau in rund 1.500 Metern Höhe. Pro Jahr kommen drei Millionen Gäste.

Warum ist Crans-Montana berühmt?
Sportlern ist der Ort als Luxus-Schigebiet mit Berg-Panorama bis zum Matterhorn und als Golfregion bekannt. Die Les Roches International School of Management gilt als eine der besten Ausbildungsstätten der Welt. Zahlreiche Promis waren schon als Urlauber zu Gast, "Bond" Roger Moore lebte von 1996 bis zu seinem Tod 2017 hier.

Aber erinnert der Ort momentan nicht ein bisschen an Ischgl?
Ja, es gibt in Internet-Foren viel Kritik an der Entwicklung von Crans-Montana. Der einst mondäne Ort hätte zuletzt Yuppies, Partyleute und (Möchtegerne-) Geldadel angelockt, vor allem auch aus den USA. Ausdrücke wie "Trump-Montana" fallen.

Ist Crans-Montana nicht auch ein Weltcup-Ort?
Ja, vom 30. Januar bis 1. Februar 2026 sollen hier unmittelbar vor den Olympischen Spielen drei Skirennen stattfinden, eine Abfahrt der Frauen (30. Jänner), ein Super-G der Frauen (31. Jänner) und eine Abfahrt der Männer (1. Februar).

Kann das unter diesen Umständen sein?
Kaum vorstellbar. Aber Crans-Montana ist auch Austragungsort der Alpinen Ski Weltmeisterschaften 2027 und es wäre die Generalprobe.

"Eine der schlimmsten Tragödien, die es in diesem Land gab": Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin
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Reuters

Was weiß man über die Bar?
Viel Holz, viel Blinkblink. Das "Le Constellation" war untertags ein Kaffeehaus, am Abend eine Bar mit DJ. Es gab Platz für bis zu 400 Personen, einen Raucherbereich, eine Shishaebene, 14 Monitore, auf denen Sportübertragungen liefen.

Und das Publikum?
"Le Constellation" galt als Hotspot, vor allem für junge Leute. Das Lokal gehört einem Ehepaar aus Korsika, das mehrere Betriebe in der Region eröffnet hat. Das "'Le Constel" wurde 2015 nach einer umfangreichen Renovierung eröffnet.

Haben sie sich die Betreiber schon geäußert?
Ja, es gab ein erstes Statement. "Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht", sagt der Besitzer der Bar im Gespräch mit 20 Minuten. "Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären. Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert."

Und seine Frau?
Sie war zum Zeitpunkt des Feuers selbst in der Bar und trug leichte Brandverletzungen davon.

Was kam man auf die Brandursache?
Es kristallisierte sich rasch ein mutmaßlicher Auslöser heraus, auch weil die vielen Videos gab. "Vieles deutet darauf hin, dass Wunderkerzen auf Champagnerflaschen das Feuer ausgelöst haben könnten", sagte Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud auf der Pressekonferenz am Freitag.

13 Rettungs-Hubschrauber standen im Einsatz
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Reuters

Was ist damit gemeint?
Der Schaumstoff, der an der Decke aus akustischen Gründen angebracht wurde, dürfte leicht entflammbar gewesen sein. Ob er illegal angebracht worden war, werden weitere Untersuchungen zeigen.

War die Bar für Feuerspektakel bekannt?
Offenbar. In einem Internet-Forum schreibt ein User über die "Spezialität" im "Le Constellation": Champagner-Flaschen mit Molotov-Boostern, zu haben angeblich für umgerechnet rund 700 Euro.

Wie war der Ablauf?
Der Brand wurde nicht durch eine Explosion ausgelöst, sondern es gab eine sogenannte Verpuffung. Dabei kam es zu einem "Flashover", ein Brand, der zu einer Explosion führt.

Gibt es dafür einen Beleg?
Ein Video zeigt den Moment, in dem die Decke im Lokal Feuer fängt. Zu sehen sind Partyleute, Pyrotechnik und ein beginnendes Feuer.

Wie geht ein Flashover vor sich?
Es kommt zu einem Wärmestau an der Decke. Der Raum erhitzt sich rasend schnell. Aus Gegenständen treten Pyrolysegase aus. Das führt zu Explosionen. Und Temperaturen von rund 1.000 Grad Celsius.

Hunderte Blumen und Stofftiere wurden vor der Unglücks-Bar "Le Constellation" in Crans-Montana abgelegt
Hunderte Blumen und Stofftiere wurden vor der Unglücks-Bar "Le Constellation" in Crans-Montana abgelegt
Reuters

Wie war das mit dem Brandschutz?
Der wird noch ein Thema. Auch hier gilt: Noch ist nichts zu belegen. aber Insider berichten von einem fehlenden zweite Fluchtweg im Untergeschoss, unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen und unvollständiger Brandschutzprüfungen. Die leicht entzündliche Akkustikdecke wird erwähnt.

Wie lief das Notfallsystem ab?
Katastrophen wie jene in Crans-Montana erhalten in der Schweiz die Einstufung "Großereignis", das setzt einen Alarmplan in Kraft. Zusätzlich wurde am Neujahrstag die "besondere Lage" ausgerufen. Das setzt hinderliche Regelungen außer Kraft, etwa was Bewilligungen und Budgets betrifft.

Was bedeutet das in der Praxis?
Es gibt drei Kategorien, "normale", "besondere" und außerordentliche Lagen". Von "besonderen Lagen" spricht man wenn die "Bewältigung" einer Krise "Tage bis Wochen dauern" kann und  "zur spürbaren Beeinträchtigung der Lebensgrundlagen der betroffenen  betroffenen Bevölkerung führt". Es herrscht dann eine "ausgeprägte Chaosphase".

Wie war das in Crans-Montana zu bemerken?
Indem sehr schnell eine Flugverbotszone über dem Unglücksort installiert wurde, damit Rettungshelisund Ambulanzjets ungestört landen und starten konnten.

Warum war das besonders wichtig?
Wegen der großen Zahl an Verletzten waren 13 Hubschrauber und drei Ambulanzjets im Einsatz. Crans-Montana hat aber keinen richtigen Flughafen. Der nächste größere Airport ist Genf, 189 Kilometer entfernt. Mit dem Rettungsauto ist man gut zwei Stunden unterwegs.

Der Unglücksort in Crans-Montana wurde mit Planen abgedeckt
Der Unglücksort in Crans-Montana wurde mit Planen abgedeckt
Reuters

Wo werden die Verletzten behandelt?
Viele der Verletzten haben schwerste Brandverletzungen, die meisten Spitäler im Umkreis von Crans-Montana sind dafür nicht eingerichtet. Deshalb wurden viele Opfer ins Zürcher Universitätsspital und ins Zürcher Kinderspital geflogen. Hier werden Patienten sonst nur bis 18 Jahre behandelt, in Notfällen aber darüber hinaus.

Wie geht es mit den Verletzten weiter?
Noch am Donnerstag wurden rund 20 Opfer in andere Spitäler verlegt, auch ins Ausland, etwa nach Stuttgart und nach Mailand. Alle Nachbarländer haben Hilfe angeboten, auch Österreich. Bis am Sonntag gab es 50 weitere Transfers von Verletzten.

Hat Österreich schon Verletzte aufgenommen?
Nein, die Verletzten wurden nach Möglichkeit in ihre Heimatländer gebracht. Vielen steht ein monatelanger Aufenthalt im Krankenhaus bevor.

Hätte Österreich Kapazitäten gehabt?
Ja. Das primäre Brandverletztenzentrum in Österreich befindet sich im Wiener AKH. Hier gibt es sechs fixe Intensivbetten für brandverletzte Erwachsene und zwei jederzeit belegbare Intensivbetten für brandverletzte Kinder. Aber auch andere Spitäler sind auf derartige Notfälle vorbereitet.

Nämlich wie?
In Linz gibt es zwei fixe Intensivbetten für brandverletzte Erwachsene, in Graz vier fixe Intensivbetten für brandverletzte Kinder, in Innsbruck zwei Intermeted Care Betten für brandverletzte Erwachsene und in Feldkirch zwei jederzeit belegbare Intensivbetten für brandverletzte Erwachsene. Weitere Kapazitäten können in weiteren Krankenhäusern geschaffen werden.

Ein Mann steht in der Nähe der Bad "Le Constellation" eine Gedenkkerze ab
Ein Mann steht in der Nähe der Bad "Le Constellation" eine Gedenkkerze ab
Reuters

Welche Arten von Verbrennungen gibt es?
Der Schweregrad einer Verbrennung wird nach dem Anteil der betroffenen Körperoberfläche ermittelt. Dafür gibt es spezielle Tabellen (Neuner-Regel), sie weisen aus, welcher Körperteil wie viel Prozent der Körperoberfläche ausmacht. Der Arm beim Erwachsenen stellt etwa 9 Prozent der Körperoberfläche dar, der Rücken 18 Prozent.

Welche Schweregrade gibt es?
Nach Tiefe und Ausdehnung werden Verbrennungen in leicht, mittelschwer, schwer und sehr schwer eingeteilt. Die Größe der Zerstörung wird in Verbrennungen 1. Grades, 2. Grades, Grad 2a, Grad 2b, 3. Grades und 4. Grades klassifiziert. Schon wenn mehr als 1 Prozent der Körperfläche betroffen ist, gilt das als mittelschwer oder häufiger als schwer.

Ab wann wird es lebensbedrohend?
Eine Verbrennung ab Grad 2 mit mehr als 20 Prozent verbrannter Haut bei Erwachsenen kann lebensbedrohlich sein. Ab 10 Prozent bei Kindern oder 5 Prozent bei Säuglingen muss man mit Auftreten eines Verbrennungsschocks rechnen.

Die Identifizierung der Opfer wird laut Behörden "noch eine Weile" in Anspruch nehmen
Die Identifizierung der Opfer wird laut Behörden "noch eine Weile" in Anspruch nehmen
Reuters

Was ist ein Verbrennungsschock?
Eine gravierende Komplikation, die in der Akutphase auftritt. Davon zu unterscheiden ist die Verbrennungskrankheit, eine systemische Reaktion des gesamten Körpers auf großflächige Verbrennungen. Patienten können Tage oder sogar Wochen nach dem Brandereignis sterben.

Wie werden schwere Verbrennungen behandelt?
Wichtig ist vor allem die Zufuhr von viel Flüssigkeit, meist intravenös. Das verdünnt das Myoglobin im Blut, um der Schädigung von Organen wie der Niere zu verhindern. Myoglobin ist ein rotes Eiweiß, es transportiert den Sauerstoff innerhalb der Zelle zu den Mitochondrien.

Was ist noch wichtig?
Hautpflege, die Wunden sauber halten, damit es nicht zu Infektionen kommt, Wundsalben helfen bei der Heilung. Auch Operationen sind meist notwendig. Brandwunden sind sehr schmerzhaft, deshalb werden starken Medikamente eingesetzt. Nicht zu vergessen: Der psychische Zustand der Patienten muss beachtet werden, häufig treten Depressionen auf.

Christian Nusser
Akt. 05.01.2026 00:44 Uhr