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Feuer-Katastrophe

"Die verzweifelten Blicke werden mich nie mehr loslassen"

Es sind verstörende Bilder, sie zeigen den Moment des Brand-Ausbruchs. Jugendliche filmen, statt zu fliehen. Sie haben die Gefahr nicht gesehen, niemand warnte sie. Mindestens 40 Menschen starben zu Silvester in Crans-Montana. Nun schildert ein Helfer, was passierte.

Hunderte Blumen und Stofftiere wurden vor der Unglücks-Bar "Le Constellation" in Crans-Montana abgelegt
Hunderte Blumen und Stofftiere wurden vor der Unglücks-Bar "Le Constellation" in Crans-Montana abgelegtReuters
Christian Nusser
Akt. 02.01.2026 23:40 Uhr

Es ist eine Instagram-Seite, die einem den Hals zuschnürt. Auf den Bilder sind vorrangig Jugendliche zu sehen, sie werden nach der Brand-Katastrophe im Schweizer Luxus-Schiort Crans-Montana vermisst. Verzweifelte Angehörige suchen nach Hinweisen, wo ihre Lieben sein könnten, was mit ihnen passiert ist.

Immer mehr Videos tauchen auf, sie zeigen die verheerende Silvesternacht. Zu sehen sind Jugendliche, die mit Champagnerflaschen in der Hand durch die Bar "Le Constellation" gehen. Aus den Flaschen ragen Wunderkerzen, Funken sprühen gefährlich hoch. Ein Mädchen auf den Schultern eines jungen Mannes reckt eine Flasche weit in die Höhe.

Dann brennt der Schaumstoff der Akustikdecke plötzlich lichterloh, rasend schnell breitet sich das Feuer aus. Aber die Gäste im Lokal flüchten zunächst nicht, sie zücken ihre Handys und filmen. Die Videos kursieren derzeit tausendfach in den sozialen Medien, sie verstören, aber sie erzählen auch eine Geschichte.

Die Jugendlichen sahen die Gefahr nicht kommen. Sie wussten nicht, was Verpuffungen sind, Flashovers, wie schnell es in einem Raum 1.000 Grad haben kann, die Luft toxisch wird. Dann begannen die Explosionen. Die Fakten und die offenen Fragen zum Silvester-Katastrophe in Crans-Montana:

Was ist genau passiert?
In der Neujahrsnacht begann es aus bisher ungeklärter Ursache in einer Bar im Schweizer Nobel-Schiort Crans-Montana zu brennen. Rund 100 Menschen befanden sich zu diesem Zeitpunkt in den Räumlichkeiten, wie viele es genau waren, wird man vermutlich nie erfahren. Die Flammen breiteten sich rasend schnell aus, die Folgen waren verheerend.

Der Moment, als das Feuer ausbrach, die Partygäste filmen die Flammen
Der Moment, als das Feuer ausbrach, die Partygäste filmen die Flammen
Screenshot X

Wann brach der Brand aus?
Um 1.20 Uhr in der Silvesternacht gab es wohl die ersten Flammen, der Alarm bei der Feuerwehr ging knapp vor 1.30 Uhr ein. Zwei Minuten später waren die ersten Helfer am Unglücksort, der Bar "Le Constellation". Ein paar Stunden später stand fest: "Es handelt sich um eine der schlimmsten Tragödien, die es in diesem Land gab".

Wer sagte den Satz?
Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin am ersten Tag nach der Katastrophe. Und: "Es gibt Eltern, die wissen noch nicht, was mit ihren Kindern ist." Niemand kann sich die quälenden Stunden und Tage vorstellen.

Wie viele Opfer gibt es?
Die Behörden gaben am Freitag keine neuen Opferzahlen bekannt, sie blieben bei "mindestens 40 Tote". Die Zahl der Verletzten hat sich auf 119 erhöht. Der italienische Außenminister sprach am Donnerstag von mindestens 47 Toten. Die meisten der Opfer sind jung, manche sehr jung.

Was weiß man über die Opfer?
Von 119 Verletzten konnten bisher 113 identifiziert werden. 71 von ihnen stammen aus der Schweiz, 14 aus Frankreich, 11 aus Italien, vier aus Serbien, eine Person aus Bosnien, eine aus Luxemburg, eine aus Polen und eine aus Portugal. Bei 14 Personen ist die Nationalität noch unbestimmt.

Ein Blick auf die Unglücks-Bar, sie ist in einem Hotel untergebracht
Ein Blick auf die Unglücks-Bar, sie ist in einem Hotel untergebracht
APA-Images / AFP / MAXIME SCHMID

Weiß man mehr über die Opfer?
Ein italienischer Nachwuchs-Golfer soll unter den Toten sein, bestätigt ist das nicht. Der Fußball-Nachwuchsprofi Tahirys Dos Santos vom französischen Erstligisten FC Metz hatte mit seiner Freundin und ein paar Bekannten in der Bar ins neue Jahr gefeiert. 30 Prozent seines Körpers hätten Verbrennungen, sagt sein Berater nach dem Inferno, aber er lebt.

Warum ist die Identifikation so schwierig?
Viele Opfer haben schwere Verbrennungen erlitten. Ausweise sind verbrannt, gefundene Handys haben nur bedingt Aussagekraft und es kommt eine Erschwernis dazu.

Welche?
Die Rede ist davon, dass sich viele jüngere Personen mit gefälschten Ausweisen Zutritt verschafft haben könnten. Das kommt in Clubs häufig vor. "Widerwärtig", nennt Aurora Ramazzotti (29) auf Instagram, wie mit den Opfern nun umgegangen wird.

Was meint sie?
Die Tochter von Michelle Hunziker (48) und Eros Ramazzotti (62) ist über die Schuldzuweisungen erbost. "Wart ihr etwa nie jung und unbedacht?", fragt sie.

Ein Lichtermeer erinnert an die Katastrophe zu Silvester
Ein Lichtermeer erinnert an die Katastrophe zu Silvester
APA-Images / AFP / MAXIME SCHMID

Wie wurde geholfen?
Es gab schnell einige freiwillige Helfer, die noch vor Feuerwehr und Rettung da waren. Einer von ihnen war Paolo Campolo (55). Er hat nach eigenen Angaben zusammen mit anderen Helfern Dutzende Menschen aus der Feuerhölle gerettet, nun liegt er im Krankenhaus. Auf X hat er niedergeschrieben, was passiert ist:

"Eine verschlossene Tür. Dann die Hölle. Ich liege in einem Krankenhausbett in Sion, meine Lunge noch voller Rauch, und meine Stimme versagt jedes Mal, wenn ich versuche zu sprechen.
Ich bin 55 Jahre alt und lebe in Crans-Montana mit meinem Partner und meiner 17-jährigen Tochter. Bis zu jener Nacht war mein Leben normal und ruhig. Dann, um 1:20 Uhr nachts war alles vorbei.

Ich war zu Hause, als ich aus den Fenstern vom "Le Constellation" lodernde Flammen schlagen sah. Unmittelbar danach klingelte das Telefon meiner Tochter. Es war einer dieser schrecklichen Anrufe: Feuer, Verletzte, ein Massaker. Ich rannte mit einem Feuerlöscher auf die Straße, doch mir wurde sofort klar, dass es nutzlos war.
Der Rauch war schwarz, dicht und unerträglich. Die Verbrennung war extrem schnell und heftig gewesen. Innerhalb weniger Minuten war der gesamte Sauerstoff im Inneren verbraucht. Drinnen konnte man nicht mehr atmen.

Ich fand meine Tochter draußen, regungslos, in einem Zustand der Benommenheit. Sie wartete auf ihren Freund, der hinter einer Tür stand. Er liegt nun mit schweren Verbrennungen in einem sehr ernsten Zustand im Krankenhaus in Basel.

Ihr Leben verdankt sie einer Verkettung von Ereignissen, die ich noch immer nicht ganz begreifen kann: Wäre es nur einen Augenblick früher oder später geschehen, würde ich heute eine ganz andere Geschichte erzählen.
Ich rief um Hilfe und versuchte, nicht den Verstand zu verlieren. Dann wurde mir klar, dass ich etwas unternehmen musste. Ich suchte nach einem alternativen Ausgang. Hinten sah ich eine verschlossene Tür, von innen verriegelt. Hinter dem Glas sah ich drei Personen auf dem Boden liegen.

Mit der Hilfe eines Fremden, der nach der Explosion herbeigeeilt war, brachen wir die Tür mit aller Kraft auf. Wir hatten kein Werkzeug, keine Zeit. Die Feuerwehr war bereits unterwegs, doch jede Sekunde entschied über Leben und Tod.
Als sich die Tür öffnete, fielen Leichen auf uns. Junge Menschen, lebendig, verbrannt, berauscht. Manche bei Bewusstsein, andere bewusstlos. Sie flehten mich in verschiedenen Sprachen um Hilfe an. Sie waren sehr jung. Dieser Ort wurde hauptsächlich von Minderjährigen frequentiert. Ich sah Mädchen in Miniröcken und eleganten Oberteilen, die Haut noch vom Feuer gezeichnet.

Ich zog sie einzeln mit bloßen Händen heraus. Ohne an den Schmerz, den Rauch, die Gefahr zu denken. Wir schleppten sie hinaus und ließen sie am Sammelpunkt auf dem Boden liegen. Sie schrien. Und in meinem Kopf war nur ein Gedanke: Es könnten meine Kinder sein. Es gab keine anderen Ausgänge. Wer drinnen blieb, hatte keine Chance zu entkommen.

Doch inmitten dieses Grauens sah ich auch Menschlichkeit. Die umliegenden Gebäude wurden in provisorische Erste-Hilfe-Stationen umgewandelt. Man nahm die Verwundeten auf, ließ sie sich setzen und half ihnen. Diese Solidarität werde ich nie vergessen.

Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, sind die Blicke. Die verzweifelte Klarheit derer, die wissen, dass sie sterben werden. Verbrannte Menschen, die einen ansehen und bitten, sie nicht dort zurückzulassen. Das ist etwas, das einen nie mehr loslässt.

Ich bin heute wegen einer Vergiftung im Krankenhaus. Meine Tochter ist in Sicherheit. Ihr Freund kämpft um sein Leben. In Crans-Montana endete Silvester nicht mit einem Toast. Es endete um 1:20 Uhr nachts vor einer Tür, die sich nicht öffnen ließ, während auf der anderen Seite jemand schrie: "Hilfe!"

Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud behandelt die These mit den Wunderkerzen nun "prioritär"
Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud behandelt die These mit den Wunderkerzen nun "prioritär"
Reuters

Wo liegt der Unglücksort?
Im französischsprachigen Südwesten der Schweiz im Kanton Wallis.Crans-Montana mit etwas über 15.000 Einwohnern liegt auf einem Hochplateau in rund 1.500 Metern Höhe. Pro Jahr kommen drei Millionen Gäste.

Warum ist Crans-Montana berühmt?
Sportlern ist der Ort als Luxus-Schigebiet mit Berg-Panorama bis zum Matterhorn und als Golfregion bekannt. Die Les Roches International School of Management gilt als eine der besten Ausbildungsstätten der Welt. Zahlreiche Promis waren schon als Urlauber zu Gast, "Bond" Roger Moore lebte von 1996 bis zu seinem Tod 2017 hier.

Aber erinnert der Ort momentan nicht ein bisschen an Ischgl?
Ja, es gibt in Internet-Foren viel Kritik an der Entwicklung von Crans-Montana. Der einst mondäne Ort hätte zuletzt Yuppies, Partyleute und (Möchtegerne-) Geldadel angelockt, vor allem auch aus den USA. Ausdrücke wie "Trump-Montana" fallen.

Ist Crans-Montana nicht auch ein Weltcup-Ort?
Ja, vom 30. Januar bis 1. Februar 2026 sollen hier unmittelbar vor den Olympischen Spielen drei Skirennen stattfinden, eine Abfahrt der Frauen (30. Jänner), ein Super-G der Frauen (31. Jänner) und eine Abfahrt der Männer (1. Februar).

Kann das unter diesen Umständen sein?
Kaum vorstellbar. Aber Crans-Montana ist auch Austragungsort der Alpinen Ski Weltmeisterschaften 2027 und es wäre die Generalprobe.

Fassungslosigkeit im Angesicht der Katastrophe
Fassungslosigkeit im Angesicht der Katastrophe
APA-Images / AFP / MAXIME SCHMID

Was weiß man über die Bar?
Viel Holz, viel Blinkblink. Das "Le Constellation" war untertags ein Kaffeehaus, am Abend eine Bar mit DJ. Es gab Platz für bis zu 400 Personen, einen Raucherbereich, eine Shishaebene, 14 Monitore, auf denen Sportübertragungen liefen.

Und das Publikum?
"Le Constellation" galt als Hotspot, vor allem für junge Leute. Das Lokal gehört einem Ehepaar aus Korsika, das mehrere Betriebe in der Region eröffnet hat. Das "'Le Constel" wurde 2015 nach einer umfangreichen Renovierung eröffnet.

Haben sie sich die Betreiber schon geäußert?
Ja, es gab ein erstes Statement. "Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht", sagt der Besitzer der Bar im Gespräch mit 20 Minuten. "Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären. Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert."

Und seine Frau?
Sie war zum Zeitpunkt des Feuers selbst in der Bar und trug leichte Brandverletzungen davon.

Was weiß man über die Brandursache?
Es kristallisiert sich ein mutmaßlicher Auslöser immer mehr heraus, aber die Behörden halten sich bedeckt. Es gab am Freitag eine vierte Pressekonferenzen, die Kommunikation fiel umfangreich aus, auf viele Fragen aber wurde nicht eingegangen. Man reagiert zunehmend genervt.

"Eine der schlimmsten Tragödien, die es in diesem Land gab": Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin
"Eine der schlimmsten Tragödien, die es in diesem Land gab": Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin
Reuters

Was ist nun der Verdacht?
Wie vermutet spielten Sprühkerzen eine entscheidende Rolle. Das sieht auch die Justiz inzwischen so. "Vieles deutet darauf hin, dass Wunderkerzen auf Champagnerflaschen das Feuer ausgelöst haben könnten", erklärte Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud auf der Pressekonferenz.

Was ist damit gemeint?
Der Schaumstoff, der an der Decke aus akustischen Gründen angebracht wurde, dürfte leicht entflammbar gewesen sein. Ob er illegal angebracht worden war, werden weitere Untersuchungen zeigen.

Was passiert nun?
Die Walliser Generalstaatsanwaltschaft hat die offizielle Untersuchung zur Brandursache im "Le Constellation" eröffnet. Es fanden bereits erste Befragungen von Zeugen statt, auch die Besitzer der Bar wurden schon einvernommen.

400 Menschen nahmen am Abend an einem bewegenden Gottesdienst teil
400 Menschen nahmen am Abend an einem bewegenden Gottesdienst teil
Reuters

War die Bar für Feuerspektakel bekannt?
Offenbar. In einem Internet-Forum schreibt ein User über die "Spezialität" im "Le Constellation": Champagner-Flaschen mit Molotov-Boostern, zu haben angeblich für umgerechnet rund 700 Euro.

Wie war der Ablauf?
Der Brand wurde nicht durch eine Explosion ausgelöst, sondern es gab eine sogenannte Verpuffung. Dabei kam es zu einem "Flashover", ein Brand, der zu einer Explosion führt.

Gibt es dafür einen Beleg?
Ein Video zeigt den Moment, in dem die Decke im Lokal Feuer fängt. Zu sehen sind Partyleute, Pyrotechnik und ein beginnendes Feuer.

Wie geht ein Flashover vor sich?
Es kommt zu einem Wärmestau an der Decke. Der Raum erhitzt sich rasend schnell. Aus Gegenständen treten Pyrolysegase aus. Das führt zu Explosionen. Und Temperaturen von rund 1.000 Grad Celsius.

Wie war das mit dem Brandschutz?
Der wird noch ein Thema. Auch hier gilt: Noch ist nichts zu belegen. aber Insider berichten von einem fehlenden zweite Fluchtweg im Untergeschoss, unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen und unvollständiger Brandschutzprüfungen. Die leicht entzündliche Akkustikdecke wird erwähnt.

13 Rettungs-Hubschrauber standen im Einsatz
13 Rettungs-Hubschrauber standen im Einsatz
Reuters

Wie lief das Notfallsystem ab?
Katastrophen wie jene in Crans-Montana erhalten in der Schweiz die Einstufung "Großereignis", das setzt einen Alarmplan in Kraft. Zusätzlich wurde am Neujahrstag die "besondere Lage" ausgerufen. Das setzt hinderliche Regelungen außer Kraft, etwa was Bewilligungen und Budgets betrifft.

Was bedeutet das in der Praxis?
Es gibt drei Kategorien, "normale", "besondere" und außerordentliche Lagen". Von "besonderen Lagen" spricht man wenn die "Bewältigung" einer Krise "Tage bis Wochen dauern" kann und  "zur spürbaren Beeinträchtigung der Lebensgrundlagen der betroffenen  betroffenen Bevölkerung führt". Es herrscht dann eine "ausgeprägte Chaosphase".

Wie war das in Crans-Montana zu bemerken?
Indem sehr schnell eine Flugverbotszone über dem Unglücksort installiert wurde, damit Rettungshelisund Ambulanzjets ungestört landen und starten konnten.

Warum war das besonders wichtig?
Wegen der großen Zahl an Verletzten waren 13 Hubschrauber und drei Ambulanzjets im Einsatz. Crans-Montana hat aber keinen richtigen Flughafen. Der nächste größere Airport ist Genf, 189 Kilometer entfernt. Mit dem Rettungsauto ist man gut zwei Stunden unterwegs.

Der Unglücksort in Crans-Montana wurde mit Planen abgedeckt
Der Unglücksort in Crans-Montana wurde mit Planen abgedeckt
Reuters

Wo werden die Verletzten behandelt?
Viele der Verletzten haben schwerste Brandverletzungen, die meisten Spitäler im Umkreis von Crans-Montana sind dafür nicht eingerichtet. Deshalb wurden viele Opfer ins Zürcher Universitätsspital und ins Zürcher Kinderspital geflogen. Hier werden Patienten sonst nur bis 18 Jahre behandelt, in Notfällen aber darüber hinaus.

Wie geht es mit den Verletzten weiter?
Noch am Donnerstag wurden rund 20 Opfer in andere Spitäler verlegt, auch ins Ausland, etwa nach Stuttgart und nach Mailand. Alle Nachbarländer haben Hilfe angeboten, auch Österreich. Bis am Sonntag soll es 50 weitere Transfers von Verletzten geben.

Hat Österreich schon Verletzte aufgenommen?
Dazu ist noch nichts bekannt, aber es ist davon auszugehen, dass es Hilfsleistungen geben wird.

Gibt es dafür ausreichend viele Kapazitäten?
Das einzige Brandverletztenzentrum in Österreich befindet sich im Wiener AKH. Hier gibt es sechs fixe Intensivbetten für brandverletzte Erwachsene und zwei jederzeit belegbare Intensivbetten für brandverletzte Kinder. Aber auch andere Spitäler sind auf derartige Notfälle vorbereitet.

Nämlich wie?
In Linz gibt es zwei fixe Intensivbetten für brandverletzte Erwachsene, in Graz vier fixe Intensivbetten für brandverletzte Kinder, in Innsbruck zwei Intermeted Care Betten für brandverletzte Erwachsene und in Feldkirch zwei jederzeit belegbare Intensivbetten für brandverletzte Erwachsene. Weitere Kapazitäten können in weiteren Krankenhäusern geschaffen werden.

Ein Mann steht in der Nähe der Bad "Le Constellation" eine Gedenkkerze ab
Ein Mann steht in der Nähe der Bad "Le Constellation" eine Gedenkkerze ab
Reuters

Welche Arten von Verbrennungen gibt es?
Der Schweregrad einer Verbrennung wird nach dem Anteil der betroffenen Körperoberfläche ermittelt. Dafür gibt es spezielle Tabellen (Neuner-Regel), sie weisen aus, welcher Körperteil wie viel Prozent der Körperoberfläche ausmacht. Der Arm beim Erwachsenen stellt etwa 9 Prozent der Körperoberfläche dar, der Rücken 18 Prozent.

Welche Schweregrade gibt es?
Nach Tiefe und Ausdehnung werden Verbrennungen in leicht, mittelschwer, schwer und sehr schwer eingeteilt. Die Größe der Zerstörung wird in Verbrennungen 1. Grades, 2. Grades, Grad 2a, Grad 2b, 3. Grades und 4. Grades klassifiziert. Schon wenn mehr als 1 Prozent der Körperfläche betroffen ist, gilt das als mittelschwer oder häufiger als schwer.

Ab wann wird es lebensbedrohend?
Eine Verbrennung ab Grad 2 mit mehr als 20 Prozent verbrannter Haut bei Erwachsenen kann lebensbedrohlich sein. Ab 10 Prozent bei Kindern oder 5 Prozent bei Säuglingen muss man mit Auftreten eines Verbrennungsschocks rechnen.

Die Identifizierung der Opfer wird laut Behörden "noch eine Weile" in Anspruch nehmen
Die Identifizierung der Opfer wird laut Behörden "noch eine Weile" in Anspruch nehmen
Reuters

Was ist ein Verbrennungsschock?
Eine gravierende Komplikation, die in der Akutphase auftritt. Davon zu unterscheiden ist die Verbrennungskrankheit, eine systemische Reaktion des gesamten Körpers auf großflächige Verbrennungen. Patienten können Tage oder sogar Wochen nach dem Brandereignis sterben.

Wie werden schwere Verbrennungen behandelt?
Wichtig ist vor allem die Zufuhr von viel Flüssigkeit, meist intravenös. Das verdünnt das Myoglobin im Blut, um der Schädigung von Organen wie der Niere zu verhindern. Myoglobin ist ein rotes Eiweiß, es transportiert den Sauerstoff innerhalb der Zelle zu den Mitochondrien.

Was ist noch wichtig?
Hautpflege, die Wunden sauber halten, damit es nicht zu Infektionen kommt, Wundsalben helfen bei der Heilung. Auch Operationen sind meist notwendig. Brandwunden sind sehr schmerzhaft, deshalb werden starken Medikamente eingesetzt. Nicht zu vergessen: Der psychische Zustand der Patienten muss beachtet werden, häufig treten Depressionen auf.

Christian Nusser
Akt. 02.01.2026 23:40 Uhr