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"Wie ein Pitbull"

Gewürgt, geschlagen, getreten: Was Ex-Freundin über Marius erzählte

Ein Jahr lebte Nora Haukland an der Seite von Marius Borg Høiby. Dabei erlebte sie eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Intime Momente der Zweisamkeit, aber auch nackte Angst vor seiner Unberechenbarkeit und Aggression. Protokoll einer toxischen Partnerschaft.

Nora Haukland, 29, Model, Influencerin, TV-Sternchen: Sie lebte etwa ein Jahr mit Marius Borg Høiby zusammen und spricht nun über seine Gewaltätigkeit und seine Paranoia
Nora Haukland, 29, Model, Influencerin, TV-Sternchen: Sie lebte etwa ein Jahr mit Marius Borg Høiby zusammen und spricht nun über seine Gewaltätigkeit und seine ParanoiaAPA-Images / NTB / Ane Hem
Martin Kubesch
Akt. 20.02.2026 23:32 Uhr

Der zwölfte Verhandlungstag im Prozess gegen Marius Borg Høiby, unehelicher Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung, wartete mit einer Premiere auf. Zum ersten Mal sagte eine Zeugin aus, deren Name genannt werden darf.

Ihr Name: Nora Haukland, 29 Jahre alt und in Norwegen leidlich bekannt als Influencerin, Model und Kandidatin einer TV-Show namens "Love Island". Sie war zwischen Juli 2022 und Juli 2023 mit Marius ein Paar, ehe sie sich von ihm trennte.

Mehr als drei Stunden lang berichtete sie vom Zusammenleben mit dem 29-Jährigen. Und entwarf dabei das Bild einer toxischen Beziehung, bei der sich nicht wenige Beobachter fragen, wie diese überhaupt so lange halten konnte. Denn in Hauklands Erzählung fand sich das komplette Arsenal des Psychoterrors: Aggression, Gewalttätigkeit, Beschimpfungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Kontrollzwang, Misstrauen, Paranoia.

Was die Ex-Freundin von Marius Borg Høiby über ihre zwölf Monate an der Seite des Angeklagten zu berichten wusste, welche befremdliche Begegnung sie mit der Mutter ihres Partners, Kronprinzessin Mette-Marit hatte und wann für sie der Punkt erreicht gewesen ist, wo sie nicht mehr konnte – diese Erkenntnisse brachte der zwölfte Tag im Prozess gegen Marius Borg Høiby:

Marius Borg Høiby und Nora Haukland bei einer Halloween-Party im Oktober 2022 in Oslo
Marius Borg Høiby und Nora Haukland bei einer Halloween-Party im Oktober 2022 in Oslo
APA-Images / dana press / dana

Ganz kurz: Worum geht es hier?
Um den Strafprozess gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Ehefrau von Thronfolger Haakon. Sie brachte Sohn Marius unehelich zur Welt, als er vier Jahre alt war, heiratete sie den Kronprinzen. Haakon adoptierte Marius zwar nicht offiziell (deshalb ist Marius auch kein offizielles Mitglied der königlichen Familie), behandelte ihn aber immer wie seinen eigenen Sohn.

Was wird Marius vorgeworfen?
Eine ganze Reihe an Delikten, darunter auch sehr schwerwiegende Tatbestände wie Vergewaltigung, Missbrauch in einer Beziehung, Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie verschiedene Drogenvergehen. Insgesamt sind in dem Verfahren 38 verschiedene Anklagepunkte zusammengefasst.

Was wurde bislang schon alles vorgebracht?
Die Anklage startete mit den schwerwiegendsten Anschuldigungen, nämlich den Vergewaltigungsvorwürfen von insgesamt vier Frauen. Bis einschließlich Freitagvormittag wurden diese Anklagepunkte ausführlich dargelegt. Kurz vor Mittag des zwölften Verhandlungstages startete schließlich die Befragung von Nora Haukland, der Lebenspartnerin von Marius Borg Høiby zwischen Juli 2022 und Juli 2023.

Wie kam die Anklage auf sie als Zeugin?
Nora Haukland meldete sich gewissermaßen selbst. Als im Sommer 2024 die aktuelle Partnerin von Marius Anzeige wegen häuslicher Gewalt erstattete, meldeten sich Haukland und eine weitere Frau, die ebenfalls zuvor mit dem Angeklagten in einer Partnerschaft lebte, auf Social Media zu Wort und schilderten ihre eigenen Erfahrungen mit Marius. Haukland erhob dabei schwere Anschuldigungen wegen physischer und psychischer Gewalt. So wurde die Staatsanwaltschaft auf sie aufmerksam.

Befragte die frühere Lebensgefährtin von Marius mehr als drei Stunden lang: Ankläger Sturla Henriksbø
Befragte die frühere Lebensgefährtin von Marius mehr als drei Stunden lang: Ankläger Sturla Henriksbø
via REUTERS

Und weshalb sagt Haukland nicht anonym aus, wie alle anderen Zeuginnen?
Sie wollte das eigentlich und stellte einen entsprechenden Antrag. Doch das Gericht lehnte diesen ab – nicht zuletzt, weil sie selbst öffentlich auf Social Media ihre Anschuldigungen vorbrachte und gleichzeitig über eine gewisse Bekanntheit in Norwegen verfügt.

Wie lernte Nora Marius kennen?
Eine Freundin hätte ihr gesagt, dass sie und der Sohn der Kronprinzessin gut zusammenpassen würden, so die Zeugin. Also habe sie Marius im April 2022 eine Nachricht geschrieben und ihn gefragt, ob sie zusammen eine Motorradtour unternehmen wollen.

Wie wirkte er auf sie, als sie ihn kennenlernte?
Labil, gestresst, alkoholisiert, so Nora Haukland. Marius sei eine Persönlichkeit, deren Leben sehr ungeordnet verlaufe, erklärte sie vor Gericht: "Er wollte sich aber mehr auf Dinge konzentrieren, in denen er gut war."

Worin war er gut?
"Er liebte das Malen und er war gut im Reparieren von Motorrädern", so die ehemalige Freundin von Marius. Gemeinsam flogen sie am Beginn ihrer Beziehung auch nach Barbados, wovon Nora ein Video auf Instagram hochlud (siehe unten).

Lebten die beiden zusammen?
Ja, zuerst sei Marius zu ihr gezogen, später hätten die beiden zusammen in einem eigenen Haus auf dem königlichen Anwesen in Skaugum gelebt, dem Wohnsitz des Kronprinzen, etwa 20 Kilometer außerhalb von Oslo.

Wann kam es zu den ersten Auseinandersetzungen zwischen den beiden?
Der erste Vorfall ereignete sich etwa einen Monat nach Beginn ihres Zusammenlebens, im Juli 2022. Auf einem Musikfestival sei es zu einem Konflikt gekommen, bei dem Marius schließlich ausgerastet sein soll. Er schmiss sein eigenes Handy weg, habe geschrien und Nora Haukland mit sich gezerrt.

Wie ging es weiter?
Marius' Ausraster häuften sich laut Aussage seiner Freundin. Bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten soll er sie angeschrien, gewürgt, geschlagen, getreten oder anderweitig bedrängt haben.

Konnte sich Nora das Verhalten ihres Partners erklären?
"Ich habe das Gefühl, Marius hat zwei Gesichter. Ein liebes und charmantes. Und ein wütendes", so die Zeugin bei ihrer Einvernahme.

Hatte sie denn gar keine Angst von Marius?
Doch, die hätte sie sehr wohl gehabt, so Nora Haukland vor Gericht. Letztlich sei das auch der Grund gewesen, weshalb sie aus dem Haus in Skaugum ausgezogen sei. Aber sie hatte offenbar auch Verständnis für ihren Partner: "Wenn der Hass in seinen Augen aufflammte, wollte ich ihn so gern beruhigen", zitiert die Bild Zeitung Nora Haukland. "Aber Reden half nicht. Wenn er nur Hass in sich hatte, wollte ich ihm gern massenhaft Liebe geben."

Erkannte sie, wenn sich wieder ein Ausbruch ankündigte?
Ja, sie entwickelte ein Auge dafür: "Erst lief er schnell herum, machte Schnipsgeräusche. Manchmal schlug er dabei um sich, war gestresst, dann kam das Gebrüll." Manchmal sei die Brüllerei auch vor dem Herumschlagen gekommen. "Es fühlte sich jedes Mal an, als stünde ein Pitbull direkt vor einem."

Aus welchen Anlässen wurde Marius so wütend?
Unterschiedliche Dinge. Einmal entdeckte Nora Haukland auf Marius’ Handy eine Nachricht einer anderen Frau, die sich mit ihm treffen wollte. Sie stellte ihn zur Rede, die Situation eskalierte: "Er lief mir hinterher, schrie, war außer sich. Er war ganz dicht vor meinem Gesicht, wirkte sehr bedrohlich, man kriegt Angst." Er sei entschlossen gewesen, sein Blick hart und unnahbar, die Pupillen schwarz.

Wusste er selbst in diesen Situationen, was er tat?
Davon ist auszugehen. Vielfach hätten Marius' Tobsuchtsanfälle und Aggressionsschübe allerdings in einem Zusammenbruch gemündet, so Nora Haukland: "Es endete oft damit, dass Marius auf dem Boden saß und anfing zu weinen."

Mit Norwegens Kronprinzessin und Marius' Mutter, Mette-Marit, hatte Nora Haukland eine merkwürdige Begegnung
Mit Norwegens Kronprinzessin und Marius' Mutter, Mette-Marit, hatte Nora Haukland eine merkwürdige Begegnung
via REUTERS

Gab es noch weitere Übergriffe?
Laut Nora Haukland hätte Marius regelmäßig ihr Handy durchsucht, um zu überprüfen, mit wem sie sich traf. "Er hatte ständig die Kontrolle über mein Handy. Ich konnte nicht einmal mit meinen Freundinnen sprechen, denn er las alle Gespräche."

Durfte sie auch in sein Handy schauen?
Nein, sie tat es aber trotzdem. Einmal hätte sie dabei auf seinem Handy "haufenweise Snaps von einem Kumpel gefunden. Dabei auch ein Nacktfoto eines Mädchens; die war ziemlich im Rausch". Von dem, was sie da gelesen hätte, sei ihr "echt übel" geworden. "Am nächsten Morgen sagte ich zu Marius, dass ich es nicht mehr mit ihm aushalte."

Geht sie ins Detail, was in den Nachrichten stand?
Nein, dazu machte Nora Haukland in der Verhandlung keine Angaben.

Wusste Marius' Mutter Mette-Marit von den Auffälligkeiten ihres Sohnes?
Dazu hatte Nora Haukland eine merkwürdige Geschichte zu erzählen. Nach einem Streit sei eine der Türen in ihrem gemeinsamen Haus auf Skaugum beschädigt gewesen – Marius prügelt auf Möbel, Türen und Wände ein, wenn ihn die Wut packt, so seine Ex-Freundin. An besagtem Tag hatte Marius Geburtstag und es gab ein Frühstück mit seiner Familie. "Doch als Mette-Marit die beschädigte Türe sah, warf sie mir einen gehässigen Blick zu." Wusste die Kronprinzessin etwa über die Gewalttätigkeit ihres Sohnes Bescheid?

Gab es auch schöne Momente?
Ja, vor allem zu Beginn der Beziehung: "Am Anfang war da ein fröhlicher und lustiger Marius. Er war der Klassenclown. Das meine ich ganz liebevoll", so Nora Haukland. Aber manchmal hätte er so viel getrunken, dass er sich nicht mehr beherrschen konnte und dann entlud sich das in Wut und Frustration. Oft auch aus Eifersucht – etwa wenn Marius der Meinung war, Nora würde zu viel ihrer Reize zu offenherzig herzeigen, wie bei jenem Paillettenkleid, in dem sie auf Instagram posierte (siehe unten).

Gab es auch beim Sex Situationen, die ihr Angst machten?
Davon erzählt Nora Haukland in ihrer Einvernahme nichts, aber sie berichtet Interessantes zum Thema Sex und Müdigkeit. Zur Erinnerung: Alle vier mutmaßlichen Vergewaltigungen, die Marius vorgeworfen werden, sollen geschehen sein, als die Frauen durch Müdigkeit und/oder Alkohol nicht bei Bewusstsein gewesen sind.

Erlebte die so etwas Ähnliches auch?
"Ich habe es oft erlebt, dass ich sagte, ich sei müde und wolle schlafen.", so die Zeugin vor Gericht.

Und wie hat Marius darauf reagiert?
Das Paar hatte für solche Fälle eine Absprache getroffen. Nora erlaubte ihrem Freund, dass er neben ihr im Bett masturbierte, wenn sie müde war und schlafen wollte. Und sie erlaubte ihm auch, dass er sie im Schlaf berühren durfte (gemeint ist im Intimbereich) und sogar, dass er sie mit Sex wecken durfte, wenn sie eingeschlafen war. "Für mich war das in Ordnung. Wir waren in einer Beziehung."

Tat es ihr am Ende leid, dass sie die Beziehung beendet hat?
"Ich habe ihn wirklich geliebt", so die 29-Jährige mit tränenerstickter Stimme. Es sei ihr egoistisch erschienen, ihn zu verlassen. Und Haukland weiter: "Ich wollte ihn so gerne retten. Ich habe ihn immer sehr lieb gehabt, auch jetzt noch. Er tut mir so furchtbar leid."

War die Befragung von Nora Haukland damit zu Ende?
Nur für den Freitag. Kommenden Dienstag geht es weiter, dann wird unter anderem auch die Verteidigung Marius' Ex-Freundin befragen.

Martin Kubesch
Akt. 20.02.2026 23:32 Uhr