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iPhone durchsucht

Sohn von Kronprinzessin googelte "Schlaf-Vergewaltigung"

Am dritten Prozesstag wurde Marius Borg Høiby erneut befragt – und schwer belastet. Was die Ermittler auf den (gelöschten) Handys und Computern des Angeklagten entdeckten. Und was in der Party-Nacht auf dem königlichen Anwesen wirklich passiert sein soll.

Marius Borg Høiby an Tag 3 seines Prozesses: Foto- und Videoaufnahmen des Angeklagten sind streng verboten
Marius Borg Høiby an Tag 3 seines Prozesses: Foto- und Videoaufnahmen des Angeklagten sind streng verbotenvia REUTERS
Martin Kubesch
Akt. 05.02.2026 23:28 Uhr

Wie gesund ist Marius Borg Høiby? Diese Frage schwebte über dem dritten Verhandlungstag. Dem Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, der Ehefrau von Thronfolger Haakon, wir der Prozess gemacht. Gund: Nachdem der 29-Jährige am Mittwoch insgesamt fast drei Stunden vom Staatsanwalt befragt worden war, wirkte er am Donnerstag blass, fahrig und müde.

Seine Anwälte, Ellen Holager Andenæs, 78, und Petar Sekulic, 54, bestätigten, dass ihr Mandant bei seiner Aussage am Mittwoch unter dem Einfluss von "starken Medikamenten" gestanden sei – allerdings ohne zu präzisieren, welche Art Arzneien das war oder wogegen diese gewesen seien. Auch blieb unklar, ob Marius auch am Donnerstag unter Medikamenteneinfluss stand.

Aber, so seine Advokaten weiter, der Prozess sei "eine Herausforderung" für Marius Borg Høiby, da dieser unter gesundheitlichen Problemen leide. Ob damit jene "psychischen Erkrankungen" gemeint sind, von denen der 29-Jährige im August 2024 berichtete, nachdem die Polizei gegen ihn zu ermitteln begonnen hatte, bleibt dahingestellt.

Damals erklärte der uneheliche Sohn der norwegischen Kronprinzessin in einem Statement, dass er "unter mehreren psychischen Erkrankungen" leide, die ihm während seiner gesamten Kindheit und seinem Erwachsenenleben Probleme bereitet hätten und weiter bereiten würden. Zudem hätte er "seit längerer Zeit mit Drogenmissbrauch" zu kämpfen.

Betont den fragilen Gesundheitszustand ihres Mandanten: Marius' Anwältin Ellen Holager Andenæs, die' 78-jährige Anwältin von Marius
Betont den fragilen Gesundheitszustand ihres Mandanten: Marius' Anwältin Ellen Holager Andenæs, die' 78-jährige Anwältin von Marius
APA-Images / AFP / OLE BERG-RUST

Es darf vorausgesetzt werden, dass das Gericht mit der Krankengeschichte des Angeklagten vertraut ist. Aber offenbar misst man den gesundheitlichen Problemen nicht so große Bedeutung bei, denn der Prozess ging am Donnerstag wie geplant weiter. Insgesamt sechs Zeugen standen auf der Ladungsliste. Doch zunächst wurde noch die Befragung von Marius Borg Høiby selbst, die am Mittwoch abgebrochen worden war, fortgesetzt.

Was das Gericht vom Angeklagten konkret wissen wollte, wie dieser dabei seinen eigenen Aussagen vom Vortag widersprach und was die Polizei auf den Handys und dem Laptop von Marius alles entdeckt hat – Tag 3 im Prozess gegen Marius Høiby im Überblick:

Womit startete der Staatsanwalt seine Befragung?
Staatsanwalt Sturla Henriksbø machte exakt dort weiter, wo er am Vortag aufgehört hatte. Er wollte von Marius wissen, weshalb dieser im Internet nach bestimmten Suchbegriffen gegoogelt hatte.

Um welche Suchbegriffe geht es da konkret?
Der Angeklagte suchte etwa nach seinem Namen in Verbindung mit dem Wort Vergewaltigung. Auch die Begriffe "ohnmächtig" und "betrunkenes Mädchen" seien in seinem Suchverlauf gefunden worden. Zur Erinnerung: Marius Borg Høiby wird in diesem Prozess unter anderem vorgeworfen, eine offenbar bewusstlose Frau vergewaltigt und die Tat mit seinem Handy gefilmt zu haben.

Sind das aktuelle Suchanfragen gewesen?
Nein, die ältesten waren laut Staatsanwalt von 2015, andere seien zwischen 2019 und 2024 erfolgt.

Konnte Marius das erklären?
Er erzählte, dass es seinerzeit im Internet, etwa auf Reddit, Gerüchte gegeben habe, dass er eine Frau vergewaltigt hätte. Deshalb habe er speziell nach diesen Schlagworten gesucht, um allfällige Berichte darüber zu finden.

Bad-Boy-Image: Marius Borg Høiby 2022 auf dem Weg zu einer Party in Oslo
Bad-Boy-Image: Marius Borg Høiby 2022 auf dem Weg zu einer Party in Oslo
APA-Images / dana press / dana

Was war noch Thema?
Der Staatsanwalt sprach auch die Suchanfragen von Marius nach bestimmten Themen auf Pornowebseiten an – bei einigen dieser Anfragen sei auch das Wort "schlafen" vorgekommen – und stellte ihm dazu einige sehr intime Fragen über seine sexuellen Vorlieben. Der 29-Jährige erwiderte, dass es "saupeinlich" sei, vor so vielen Menschen darüber zu sprechen, ehe er Auskunft gab.

Wurde auch über Drogen gesprochen?
Ja. Eine Frau soll im Dezember 2018 bei einer Party auf dem königlichen Anwesen Skaugum von Marius in bewusstlosem Zustand vergewaltigt worden sein. Sie hatte, die Vermutung geäußert, narkotisiert worden zu sein. Ankläger fragte Marius rundheraus, ob er diese Frau damals unter Drogen gesetzt habe.

Und?
"Soweit ich weiß, habe ich noch nie jemanden unter Drogen gesetzt", kam prompt als Antwort. Vielmehr sei er, Marius, selbst einmal irrtümlich unter Drogen gesetzt worden, und zwar auf Ibiza: "Einer bot mir Ketamin (ein Narkosemittel, Anm.) in zwei Strichen auf seinem Handy an, und ich dachte, es sei Kokain", so der Angeklagte. "Ich konnte danach nur auf einer Bank sitzen und ein paar Stunden warten, bis ich wieder normal wurde."

Rechtsanwältin Heidi Reisvang beim Prozess gegen Marius Borg Hoiby vor dem Bezirksgericht Oslo
Rechtsanwältin Heidi Reisvang beim Prozess gegen Marius Borg Hoiby vor dem Bezirksgericht Oslo
Reuters

Beim Thema "Sex mit Schlafenden" widerspricht sich Marius dann ohne Not selbst

Nach dem kurzen Episode zu den Drogenerfahrungen des Angeklagten, ging es wieder um das Thema Missbrauch einer Schlafenden. Zur Erinnerung: Marius Borg Høiby wird vorgeworfen, dass er 2018 eine Bekannte "ohne Geschlechtsverkehr" vergewaltigt haben soll, während diese geschlafen habe oder bewusstlos war. Dabei soll er auch Fotos und Videos der Tat aufgenommen haben.

Was sagte Marius zu diesem Vorwurf?
Er bestreitet ihn vehement. Am Mittwoch hatte er zum Staatsanwalt gesagt: "Nummer eins: Ich schlafe nicht mit Frauen, die nicht wach sind". Doch am Donnerstag hörten sich seine Aussagen zu diesem Thema dann schon teilweise anders an.

Nämlich?
Marius räumte ein, dass es in einer Beziehung mit einer Frau (gemeint ist nicht das mutmaßliche Opfer jener Party-Nacht im Dezember 2018) eine Absprache gegeben hätte, wonach er beim Sex auch dann weitermachen durfte, wenn die Frau währenddessen einschlief. Er hätte jedoch nicht eigens darauf gewartet, konkretisierte der Angeklagte.

Aber er hat "weiter gemacht", obwohl seine Partnerin einschlief?
So erzählte es der Angeklagte in seiner Einvernahme. Und auf die Frage der Staatsanwaltschaft, weshalb er das tat: "Ich wollte halt kommen." Denn wenn er Alkohol und Stoff – gemeint ist Kokain – konsumiere, benötige er eben länger, um zum Orgasmus zu gelangen.

Gab es noch weitere Fragen an Marius Høiby?
Ja, nach dem Staatsanwalt durfte der Anwalt jener Frau, die der Angeklagte im Dezember 2018 vergewaltigt haben soll (ihr Name darf nicht erwähnt werden) ebenfalls Fragen stellen. Er wollte von dem 29-Jährigen wissen, ob er Fotos oder Videos jener Tat an zwei Freunde in einem Gruppenchat verschickt habe, und zwar unmittelbar, nachdem diese aufgenommen worden waren.

Und die Antwort?
Marius bestätigte, ein Nacktfoto der Frau, das ihm jedoch selbst zugespielt worden sei, an einen Bekannten weitergeschickt zu haben: "Das hätte ich nie tun sollen." Damit war die erste ausführliche Befragung von Marius Borg Hoiby beendet.

Die Polizeiermittler Stig Berg Larsen (Mitte) und Mina Bankerud berichteten, was sie auf den Handys von Marius fanden
Die Polizeiermittler Stig Berg Larsen (Mitte) und Mina Bankerud berichteten, was sie auf den Handys von Marius fanden
APA-Images / Action Press / Mari

Danach kam zum ersten Mal die Polizei zu Wort

Im Anschluss an die Befragung des Angeklagten wurden zwei Polizisten einvernommen. Stig Berg Larsen ist mittlerweile im Ruhestand, war aber zuvor 18 Jahre lang als Computerermittler in den Bereichen Cyberkriminalität und Datensicherheit tätig. Mina Bankerud ist nach wie vor Ermittlerin der Osloer Polizei und vor allem mit Sexualdelikten beschäftigt.

Wozu wurden die beiden befragt?
Die Staatsanwaltschaft wollte zunächst von ihnen wissen, was sie auf den digitalen Geräten von Marius Borg Høiby gefunden haben. Sie waren im Zuge der Ermittlungen der Polizei im August 2024 beschlagnahmt worden.

Zwischenfrage: Weshalb wurden Marius' Geräte überhaupt beschlagnahmt?
Im August 2024 erstattete die damalige Freundin von Marius Anzeige gegen ihn, nachdem er sie in ihrer Wohnung attackiert hatte. In weiterer Folge wurde Marius festgenommen und unter anderem seine digitalen Geräte von den Behörden einkassiert.

Von wie vielen Geräten ist hier die Rede?
Die Polizei stellte einen Apple-Laptop sowie mehrere iPhones sicher.

Was wurde darauf entdeckt?
Es seien darauf Dateien gefunden worden, die die Polizei schließlich veranlassten, Ermittlungen wegen Vergewaltigung aufzunehmen.

Was heißt das konkret?
Es wurden jene Fotos und Videos aus der Party-Nacht im Dezember 2018 entdeckt, um die es in den letzten drei Tagen vor Gericht primär gegangen ist. Darauf sei das Opfer mit geschlossenen Augen und nacktem Bauch auf einem Sofa liegend zu sehen, so die Ermittler. Weiters sieht man, wie die Hände einer Person ihre Genitalien berühren und sie mit einem Finger penetriert wird.

Nahm den Angeklagten auch am Donnerstag ins Verhör: Staatsanwalt Sturla Henriksbø
Nahm den Angeklagten auch am Donnerstag ins Verhör: Staatsanwalt Sturla Henriksbø
APA-Images / Action Press

Was tat die Polizei mit diesen Dateien?
Sie versuchte herauszufinden, wer die Frau sein könnte, fand sie schließlich und zeigten ihr die Fotos und Videos. Für die Frau war es laut eigener Aussage ein gehöriger Schock, sechs Jahre nach diesen Ereignissen mit dem Material konfrontiert zu werden.

Weiß man, wie die Beamten die Frau identifizieren konnten?
Nein, darüber wurde vor Gericht nicht gesprochen. Die Theorien dazu gehen von einem simplen Datenabgleich mit gespeicherten Namen und Nummern auf dem Handy von Marius bis hin zu Gesichtserkennungssoftware.

Wurden noch andere Dateien gefunden?
Ja. Vor allem konnte aufgrund der Daten aus jener Nacht, in der es zu der Vergewaltigung gekommen sein soll, der Ablauf jener Party relativ sicher rekonstruiert werden.

Und zwar? Wie lief es ab?
Die Gäste von Marius trafen demnach erst um 3.17 Uhr früh auf dem königlichen Landgut Skaugum ein. Um jene Uhrzeit erhielt Marius die Textnachrichten "Nun stehen wir am Tor" und kurz darauf "kommen", als die Wachen die Taxis mit den Gästen einfahren ließen.

Wie ging es weiter?
Es wurden offenbar mehrere Fotos während der Party aufgenommen. Die Polizei fand Bilder von Partygästen, außerdem von einem Tisch, auf dem rote Becher stehen. Während der Party soll das Trinkspiel "Flaschendrehen" gespielt worden sein. Laut den Zeitstempeln wurden diese Fotos zwischen 5.09 Uhr und 5.30 Uhr aufgenommen.

Dann?
Drei Gäste verließen die Party wenige Minuten später, drei weitere Gäste blieben noch. Um 6.09 Uhr wurde eine Nachricht von Marius Høibys Handy gesendet: "Was zum Teufel sollen wir jetzt tun?" Und kurz darauf: "Hahahaha."

So entstehen die Zeichnungen aus dem Gerichtssaal
So entstehen die Zeichnungen aus dem Gerichtssaal
Reuters

Gibt es dafür eine Erklärung?
Bislang nicht. Um 6.41 Uhr erhielt Marius eine Nachricht: "Wir sind ins Bett gegangen." Sie kam von einem der Gäste, die kurz vor sechs Uhr gegangen waren.

Was passierte dann?
Zwischen 7.12 und 7.17 Uhr wurden die Fotos und Videos der schlafenden bzw. bewusstlosen Frau aufgenommen, an der sich jemand verging. Im gleichen Zeitraum wurde die Textnachricht samt Foto an zwei Personen in dem besagten Gruppenchat gesendet, der Text dazu lautete "diggg".

Was soll das bedeuten?
Es könnte sich dabei um eine Abkürzung des Jugendslang-Ausdrucks "Digga" handeln, der etwa "Alter", "Kumpel" oder "Bro" bedeutet. Wenn mit der Nachricht auch ein Nacktfoto einer Frau mitgesendet wurde, dann wäre dieser Ausdruck durchaus schlüssig. Oder es war "to dig" gemeint, englisch für graben oder buddeln.

Jugendsprache bei einem 29-Jährigen?
Nein, es geht hier um Ereignisse aus dem Dezember 2018, damals war Marius Borg Høiby erst 21 Jahre alt.

Machten die Ermittler noch weitere Entdeckungen?
Sie legten dem Gericht eine Liste mit Webseiten und Suchbegriffen vor, die Marius gegoogelt hatte. Darunter viele Porno-Seiten, aber auch Informationen zu Suchbegriffen wie "Schlafvergewaltigung", "Unterschied zwischen Überfall, Vergewaltigung und Übergriff", "Besuchsverbot", "mögliche Rücknahme" und "Besuchsverbot: Abstand".

Warum diese Begriffe?
Dazu muss man wissen: Marius wurde zwei Mal wegen des mutmaßlichen Verstoßes gegen ein über ihn verhängtes Besuchsverbot festgenommen: im September 2024 (das ist einer der insgesamt 38 Anklagepunkte, die in diesem Prozess verhandelt werden) sowie nun im Januar 2026. Unter anderem wegen des aktuellen Verstoßes gegen ein Besuchsverbot sitzt Marius derzeit auch in U-Haft.

Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon: Hat sie ihren Sohn vor der bevorstehenden Festnahme gewarnt?
Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon: Hat sie ihren Sohn vor der bevorstehenden Festnahme gewarnt?
APA-Images / dana press / Andrea

Förderte die Polizei noch etwas zutage?
Ja, die Ermittler fanden heraus, dass Marius offenbar einerseits versucht hat, die Videos und Fotos der mutmaßlichen Vergewaltigung von 2018 auf seinem Handy zu tarnen. Er verwendete dafür die App iSafe und schob die Aufnahmen in einen Ordner, der nur wenige Stunden, nachdem die Fotos und Videos entstanden waren, angelegt worden war.

Und andererseits?
Hat Marius im Sommer 2024 offenbar versucht, Daten zu löschen, ehe die Polizei seine Geräte beschlagnahmen konnte.

Wie konnte er davon wissen?
Ehe die Polizei die Festnahme durchführte, wurde Marius' Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit telefonisch über dieses Vorhaben informiert. Ob sie daraufhin ihren Sohn informiert hat, ist nicht erwiesen. Es würde allerdings vieles dafür sprechen.

Und was tat Marius?
Er löschte den Inhalt eines seiner iPhones offenbar komplett. Und er hat auch über den Apple-Dienst iCloud weitere Daten gelöscht, ehe die Polizei sich Zugriff darauf verschaffen konnte. Ob das unmittelbar vor der Festnahme geschehen ist oder schon früher, konnte jedoch nicht mehr festgestellt werden.

Und was war mit dem Handy?
Über die Handy-Löschaktion informierte Marius eine Bekannte. Ihr schrieb er: "Habe mein gesamtes Handy gelöscht, bevor ich verhaftet wurde. Deshalb habe ich jetzt nicht einmal mehr ein Foto von dir." Und er forderte die Frau laut Polizei deshalb dazu auf, ihm neue Nacktfotos von sich zu schicken.

Wie reagierte Marius auf diese Enthüllungen?
Die meiste Zeit sehr ruhig. Nur als die Ermittler seinen Web-Suchverlauf offenlegten, wurde er zornig. "Was zum Teufel hat das mit dem Fall zu tun?", pöbelte er den Staatsanwalt an, während ihm, wie schon am Vortag, die Tränen in die Augen schossen.

Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus (l), die Kinder von Mette-Marit und Haakon, mit ihrem Halbbruder Marius Borg Høiby
Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus (l), die Kinder von Mette-Marit und Haakon, mit ihrem Halbbruder Marius Borg Høiby
APA-Images / dana press / Bernar

Am Nachmittag gab es kaum neue Erkenntnisse

Nach der Mittagspause wurden schließlich zwei Frauen als Zeuginnen aufgerufen, die bei der nächtlichen Party auf dem königlichen Anwesen dabei waren. Außerdem waren zwei weibliche Mitglieder der königlichen Garde geladen, die in jener Nacht bzw. an jenem Morgen zur Bewachung des Anwesens eingeteilt waren.

Was sagten die Party-Besucherinnen aus?
Die erste Zeugin erklärte, sie habe an dem Abend eine Nachricht über Snapchat bekommen, ob sie zur Party kommen wolle. Sie fuhr mit dem Taxi nach Skaugum, dort ging sie in den Partykeller: "Ich fand es dort aber nicht besonders lustig." Irgendwann sei sie mit einer Freundin in ein Zimmer schlafen gegangen und am nächsten Morgen zusammen mit weiteren Party-Gästen abgereist.

Und die andere Zeugin?
Konnte sich ebenfalls an nichts Außergewöhnliches erinnern. Außer, dass möglicherweise das mutmaßliche spätere Vergewaltigungsopfer die Idee hatte, Flaschendrehen zu spielen.

Was sagten die Gardistinnen aus?
Die beiden Frauen, eine von ihnen hat die königliche Garde mittlerweile verlassen, sagten übereinstimmend aus. Jene Frau, die Marius vergewaltigt haben soll, habe vor ihrer Abreise von Skaugum am nächsten Morgen einen ganz normalen Eindruck gemacht. Sie sei wach und gesprächig gewesen und habe mit den Soldatinnen ein paar freundliche Sätze gewechselt, ehe sie abfuhr.

Rechtsanwältin Hege Salomon vertritt eine der Frauen, die Marius der Vergewaltigung beschuldigen
Rechtsanwältin Hege Salomon vertritt eine der Frauen, die Marius der Vergewaltigung beschuldigen
APA-Images / Action Press

Und was tat Marius?
Er hätte die Frau aus dem Haus begleitet – mit offenem Hemd – und sie hätten sich kichernd voneinander verabschiedet. "Ich empfand es so, dass sie sich gern hatten und einen netten Abend gehabt hatten", so die eine Gardistin vor Gericht. "Es sah nach einer netten Beziehung und einem intimen Flirt aus."

War's das?
Das war es für den Donnerstag. Am Freitag, dem vierten Prozess-Tag, stehen die Aussagen von weiteren mutmaßlichen Opfern von Marius Borg Høiby auf dem Plan.

Wie lange wird der Prozess voraussichtlich dauern?
Der Prozess gegen den ältesten Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit ist jetzt einmal für sieben Wochen angesetzt und soll bis 19. März gehen. Insgesamt werden 38 Anklagepunkte verhandelt, darunter schwerwiegende Vorwürfe wie Vergewaltigung, Missbrauch, Körperverletzung, Sschbeschädigung und Drogendelikte. Insgesamt drohen Marius Borg Høiby bis zu 16 Jahre Haft.

Martin Kubesch
Akt. 05.02.2026 23:28 Uhr